Trotz all ihrer großartigen Ausführungen darüber, die Erwartungen über Bord zu werfen, bekam Hermine es nicht hin, Severus den Rest des Sommers über noch einmal zu sehen. Er war immer noch in diesem kläglichen kleinen Haus mit der Ratte weggesperrt und sie sprach immer noch mit Dumbledore über Horkruxe.
Es war der dritte ungestörte Tag am Stück – die Todesser-Attacken auf Muggel und Orden-Sympathisanten waren in den letzten Wochen gesunken – und Hermine hatte widerwillig zugestimmt, Tonks auf einen Drink zu treffen.
Sie trug ein blaues, ärmelloses Kleid mit einem herzförmigen Ausschnitt, was durch die Art, wie der Rock sich von der Hüfte zu den Knien auffächerte ein wenig an die 50er erinnerte. Es war ein gutes Sommerkleid für eine Nacht in der Stadt mit einer Freundin. Es zeigte ein wenig ihrer Narben, aber das war nur zum Teil der Grund, weshalb sie es ausgesucht hatte – Tonks hatte sie mit einem Hintergedanken eingeladen und die Narben würden ihren wie auch immer gearteten Schlachtplan sicherlich behindern.
Hätte sie Severus in diesem Kleid getroffen, hätte sie etwas Schmuck getragen und ihre Locken mit Seidenglatts Haargel gebändigt, aber da es nur Tonks war, hatte sie den Schmuck weggelassen und trug ihr Haar in einem französischen Zopf. Sie war ausgehfein genug, um nicht als schlecht angezogen aufzufallen, aber auch nicht zu ausgehfein angezogen, um herauszustechen.
Sie hatte, bevor sie sich vor aller Augen versteckte, nie viel über ihre Kleidung nachgedacht.
„Sam."
„Tonks."
Sie saßen in einer leicht abgeschirmten Sitzecke neben der Bar. Es war ein rauchiger Ort, nicht weit von der Winkelgasse entfernt, und beliebt bei jungen Hexen und Zauberern. Hermine war noch nie dort gewesen.
„Was soll's denn zu trinken sein?", fragte ihre Bedienung sie, ohne sie richtig anzusehen.
Sie bestellten – Tonks fragte nach einem fruchtigen Cocktail und sah überrascht aus, als Hermine Feuerwhiskey bestellte – und die Bedienung zog davon. Sie saßen betreten da, während sie warteten. Hermine fiel nichts ein, worüber sie reden konnten, und Tonks schien nicht besonders daran interessiert zu sein, den ersten Schritt zum Beginn einer Konversation, machen zu wollen. Hermine begann anzunehmen, dass es der Schachzug eines Aurors war, ihr das Reden zu überlassen.
„Also...", sagte Hermine schließlich. Ihre Getränke waren angekommen und sie hatten beide ein paar zaghafte Schlucke genommen. „Wie läuft die Arbeit?"
„In letzter Zeit ruhiger, was gut ist", sagte Tonks und lächelte höflich. „Und bei dir?"
„Tatsächlich, ist gerade unsere Hauptsaison. Alle Sommersetzlinge sind reif, daher gibt es eine Menge Vorbereitungsarbeit zu erledigen. Die diesjährige Alraunenernte hat sich als besonders gut herausgestellt – ich habe einen Großteil der letzten Woche damit verbracht sie klein zu schneiden, damit sie eingelegt werden können. Keine spaßige Aufgabe, das kann ich dir sagen."
„Ich fand immer, dass sie ziemlich süß aussehen."
„In Hogwarts vielleicht. Ich erinnere mich nur daran, dass wir sie umgetopft haben, bevor sie erwachsen wurden. Die vollständig erwachsene Pflanze ist knorrig und verschrumpelt. Sie neigen dazu, zu beißen, und sie mögen es ganz sicher nicht, kleingehackt zu werden."
Tonks rümpfte ihre Nase und nippte an ihrem Drink. Hermine zuckte mit den Schultern.
„Das ist dann mal ein ruhiger Tag für mich, was schön ist. Du musst nämlich die Schreie abwehren, weißt du. Deshalb trage ich verzauberte Ohrenschützer. Hält mir den Boss den Tag über vom Leib."
Sie lächelten beide und verfielen wieder ins Schweigen zurück.
„Du warst in Hogwarts?", fragte Tonks und Hermine musste sich daran erinnern, die andere Frau nicht aus zusammengekniffenen Augen anzusehen. Das war sicherlich eine Suggestivfrage.
„Es kommt mir wie eine Ewigkeit her vor und, als wäre es erst letztes Jahr gewesen", sagte Hermine stattdessen und grinste. „Du warst bestimmt nicht mit mir zusammen dort. Ich würde mich an dich erinnern." Sie sah absichtlich zu Tonks lebhaftem Haar, was sich erst kürzlich von einem Kaugummipink zu einem kräftigen Violett verändert hatte. Tonks grinste und ihr Haar wurde blau, um zu Hermines Kleid zu passen.
Wo auch immer die Konversation hingeführt hätte – und Hermine hatte gehofft, herauszufinden, wer Tonks auf die Idee mit dem Treffen gebracht hatte, und was sie versuchten, über sie herauszufinden – Minervas Patronus unterbrach sie. Die getigerte Katze sauste durch die nördliche Wand und erschreckte mehr als ein paar Leute. Es gab ein paar Flüche und gemurrten Proteste. Die halbe Kneipe drehte sich um, um zuzusehen.
„Kommen Sie per Flohnetzwerk unverzüglich in mein Büro in Hogwarts."
Die Katze verschwand leise in ihrem Windschatten.
„Nun dann", sagte Hermine, kippte den Rest ihres Drinks hinunter und legte ein paar Sickel auf den Tisch, um ihn zu bezahlen. „Ich bin dann mal weg, schätze ich. Tut mir Leid, Tonks."
„Macht nichts. Es war schön mit dir zu plaudern."
Hermine nickte höflich und bezahlte dann den Barkeeper die Knutgebühr für eine Prise Flohpulver.
Das Büro war so, wie es immer war, abgesehen von der Kälte. Sie wies sofort auf das Problem hin.
„Hermine?", sagte Minerva und Hermine wurde plötzlich klar, dass das die Minerva sein würde, die von ihrem gemeinsamen Sommer wusste, die ihr Nachhilfe gegeben hatte. Die erste Lehrerkonferenz vor Beginn des Schuljahres hatte heute stattgefunden. Sie holte sich endlich ein.
„Minerva", sagte Hermine und fühlte, wie sich etwas in ihrer Brust löste. Sie war sich nicht bewusst gewesen, wie sehr sie die Vertrautheit mit der Hauslehrerin, die Verbundenheit aus diesem Sommer, vermisst hatte.
„Warum hast du nichts gesagt? Ich erkenne dich kaum wieder! Ich habe dich nicht wiedererkannt. Geht es dir gut?", sagte Minerva und zog sie in eine feste Umarmung.
„Sei nicht töricht", kam Severus Stimme aus dem Stuhl und erinnerte Hermine an die Quelle der Kälte. „Ihr ist aufgetragen worden nichts zu sagen."
In dem letzten Satz hätte ein spitzer Unterton sein können, aber Hermine ignorierte es. Sie sah Minerva an und nickte entschuldigend, drückte ihre Hand einmal und versprach ihr stillschweigend später mehr Details zu geben. Sie drehte sich Severus zu. Er war ein mentales Wrack. Zum einen hatte er zu lange okkludiert. Und darüber hinaus hatte jemand an seinen Schilden herumgestochert.
„Was ist los?", fragte sie und entschied sich nicht voreilige Schlüsse zu ziehen. Der offensichtlichste war, dass sie gerufen worden war, um ihn davon abzuhalten, sich selbst zu verletzten, aber sie konnte sich nicht erklären, warum er dann dort saß und auf ihre Ankunft wartete. Es sei denn es war schlimmer, als sie dachte…
„Etwas mit der Okklumentik", sagte Minerva wütend. Hermine lächelte. Severus machte ein finsteres Gesicht.
„So ist es… seitdem ich dich das letzte Mal gesehen habe", sagte er von seinem Stuhl aus und sie bemerkte, dass er zitterte.
„Oh", sagte sie und ihre Gedanken kamen für einen langen Moment zum Erliegen. „Scheiße."
„Ausdrucksweise, Granger", sagte er, aber da war nichts von der gewöhnlichen Zornigkeit. Tatsächlich steckte selbst hinter den finsteren Blicken nichts weiter. Seine Augen waren vollkommen leer. Nicht einmal unergründlich, einfach nur flach und leer. Er war über den Gefahrpunkt hinaus und begann, seinem Geist tatsächlich Schaden zuzufügen.
„Du musst sie sofort fallen lassen", sagte sie und lief ein paar Schritte auf den Stuhl zu. Die Kälte verstärkte sich und sie fühlte seine Magie, wie einen Schlag auf ihrer Haut.
„Vielen Dank; daran hatte ich noch gar nicht gedacht", sagte er beißend sarkastisch. „Glaubst du nicht, dass ich das verdammt noch mal bereits versucht habe?"
„Ausdrucksweise, Snape", sagte sie und ahmte seinen Ton von vorhin nach, dachte aber währenddessen über andere Lösungen nach. Sie könnte immer noch… aber das wäre zu aufdringlich. Intim.
„Ich habe sie aus einem Grund darum gebeten, dich zu rufen", schnauzte er, weil er offensichtlich in ihrem Gesicht gesehen hatte, woran sie gedacht hatte, da er in seinem derzeitigen Zustand sicherlich keine durchsickernden Gedanken aufschnappen konnte. „Jetzt mach schon."
„Äh, Minerva", sagte Hermine und drehte sich herum, um die ältere Hexe anzusehen. „Hast du Erfahrungen mit Okklumentik?"
„Nicht wirklich", sagte Minerva. Hermine hatte das auch nicht erwartet. Für so eine nützliche Fähigkeit, besonders mit dem Krieg, hatten erstaunlich wenig Leute Gedankenmagie erlernt. „Ich habe einmal ein Buch darüber gelesen." Sie zuckte mit den Schultern. „Gewöhnlicherweise bemerke ich, wenn jemand Legilimentik bei mir versucht."
„Dann wirst du das spüren", sagte Hermine und drehte sich zu Severus zurück. „Du möchtest dich vielleicht hinsetzten."
Das tat Minerva, machte es sich am anderen Ende des Raums bequem und sah skeptisch aus. Hermine ignorierte sie und ging auf Severus zu. Er hatte seine Augen geschlossen und seine Hände waren auf seinen Oberschenkeln zu Fäusten geballt. Er saß stocksteif gerade auf dem Schülerstuhl neben dem Schreibtisch und seine sonst so makellosen Lehrroben waren um ihn herum zerknittert. Sie konnte spüren, wie er versuchte seine Schilde nach unten zu zwingen und scheiterte.
Hermine legte ihre Hände auf seinen Kopf, ihre Zeigefinger auf seinen Schläfen, Daumen auf seinen Wangenknochen und der Rest ihrer Finger über seinem Gesicht verteilt. Er hatte in der letzten Zeit nichts gebraut, weshalb kein Fett in seinen Haaren war.
„Bereit?"
„Nein." Aber er öffnete seine Augen und sie begann trotzdem.
Zuerst war es nur das lässige Liebkosen seines Geistes, ihre gewöhnliche Begrüßung und er wich unter ihren Händen zurück. Sie ließ ihre Stirn auf seine hinuntersinken und brachte ihre Augen dazu, sich zu schließen. Aus solch einer geringen Entfernung konnte sie die Linie zwischen Pupille und Iris sehen. Das sehr dunkle Braun unterschied sich kaum vom Schwarz. Er zitterte jetzt noch heftiger, nicht wirklich zuckend, sondern nur heftig bebend.
Ihre Magie rollte sich um sie herum aus. Es war eine Gewohnheit und erst recht einfach höflich, es nicht nach draußen zu lassen, es zu verhüllen. Es war zudem eine gute Strategie, da Feinde, die niemals den Bürstenstrich der Magie gespürt hatten, einem Irrtum erliegen könnten, es unterschätzen könnten. (Hermine war schon oft in ihrem Leben unterschätzt worden.)
Sobald der Raum aufgrund ihrer Magie summte, drängte sie in seine Gedanken. Seine Okklumentik war an Ort und Stelle. Eine solide Wand. Undurchdringbar. Normalerweise war seine Okklumentik subtil. Er beschützte seine Gedanken, die Wahrheiten seines Lebens, mit unverfänglichen und falschen Erinnerungen. Sein Unterbewusstsein war wahrlich verzweifelt, um in so einen Sperrmodus wie jetzt zu geraten. Verhungernd von dem Wahnsinn und dem Verfall von zu viel Gedankenmagie.
Sie dachte an ihre Zeiten, die sie zusammen verbracht hatten. An diese Nicht-Streite über Bücher und akademischen Standpunkte, die Zeit, die sie im Keller des Grimmauld Platzes gemeinsam brauend verbracht hatten, und die Stunden um Stunden, die sie in ihrer Küche verbracht hatten, während er blutete und sie ihn wieder zusammenflickte.
Sein Geist gab ihrer Berührung nach und die riesige mentale Wand wurde durchsichtig und biegsam.
Sie atmete erleichtert aus; sie war sich nicht sicher gewesen, ob es funktionieren würde. Er hatte sein gesamtes Leben als Erwachsener damit zugebracht, Leute wegzustoßen. Aus guten Gründen, das stimmte, aber das brachte ihn dennoch hierher, mit ihr als seiner besten Möglichkeit, ihn herauszuholen. Er musste ihr vertrauen, damit es funktionieren konnte. Anscheinend vertraute er ihr.
Langsam sickerten das Surren seiner Magie und seiner Anwesenheit in den Raum. Es passierte blitzartig mit Energiestößen und ein paar entwichenen Erinnerungen. Sie sah ihn zusammengekauert vor dem Porträt der Fetten Dame um Verzeihung bettelnd. Sie sah ihn ein Kleinkind kitzeln, was nur Draco Malfoy sein konnte, während er mit dem Baby bequem ausgestreckt auf einer Decke in einem gut eingerichteten Kinderzimmer lag. Sie sah ihn die Länge seines Büros in Hogwarts auf und abschreiten, während er finster dreinblickte.
Sie legte ihren Geist wieder sanft über und um seinen. Sie dachte daran, wie sehr sie es mochte, Zeit mit ihm zu verbringen, was für ein guter Mann er war und, dass sie froh war, ihn zu kennen. Sie dachte daran, wie es sich anfühlte, wenn er sie küsste. Er würde die konkreten Gedanken nicht aufgreifen; er musste nur die Klangfarbe ihres Geistes spüren, um sich sicher zu fühlen.
Seine Oklumentikschilde zerbarsten. Hermine hielt seinen Kopf fester, um ihn vom Zusammenzucken abzuhalten. Sie hielt die Explosion von Magie und Gedanken in Schach. Es war nicht wirklich schmerzhaft, sondern einfach überwältigend.
Sie fühlte, was er gefühlt hatte, als die Erinnerungen sie erfassten. Sie fühlte seine Einsamkeit und Schrecken und Verlangen, als er das Dunkle Mal zum ersten Mal erhielt und sie fühlte die Angst, die er gehabt hatte, als er am nächsten Morgen aufgewacht war. Sie fühlte den Stolz, als er sein Zaubertränkemeister-Zertifikat in den Händen hielt und den Stich, den er damit verband, weil er die Lehrstelle nur durch Voldemorts Beziehungen und Malfoys Geld erhalten hatte. Sie fühlte seinen Schmerz, als Lily Potter starb und seinen Hass auf den Jungen, für den sie gestorben war, und dann seinen Selbsthass und seine Schuld, weil er ein Kind hasste, was nichts dafür konnte, wer es war. Sie fühlte die überschwängliche Freude, die er empfand, wenn er auf einem Besen flog. Sie fühlte seinen Zorn, als Harry in seinem Denkarium herumgeschnüffelt hatte und seine Lust, als er sie das erste Mal geküsst hatte. Sie spürte eine merkwürdige, hoffnungsvolle Zärtlichkeit in der Erinnerung an ihr Gespräch in ihrer Wohnung an dem Morgen nach der Katastrophe im Ministerium und den Schrecken, den er gefühlt hatte, als er ihr jüngeres Ich wenig später im St. Mungo besucht hatte.
Aber hauptsächlich fühlte sie das Grauen und die Schuld und die Abscheu und die Angst unzähliger Rufe zu Treffen und Feiern mit den Todessern. Die erschütternde Angst, vor dem Geisteskranken, der sich selbst Lord Voldemort nannte, zu knien und seinen Nacken zu entblößen. Die Übelkeit, die sich in seine Seele einbrannte, als er gezwungen wurde, seinen Todesser-„Brüdern" dabei zuzusehen, wie sie vergewaltigten, verstümmelten und töten und gezwungen war währenddessen zu lächeln. Die Schuldgefühle, die er hatte, wenn er für den Dunklen Lord Gifte braute und wusste, dass es, selbst wenn er die Gegengifte brauen würde, unmöglich sein würde, sie den auserkorenen Opfern zu bringen.
Und durch all diese Erinnerungen fühlte sie seine Entschlossenheit, weiterzumachen, es zu tun, es bis zum Ende durchzuziehen. Nicht für Dumbledore, nicht für Lily Potter, nicht einmal für Harry Potter. Er tat es, weil er eine Zukunft wollte, in der er eine Frau und Kinder haben konnte. Eine Zukunft, in der er nicht jeden Tag um sein Leben und/oder seine Gliedmaßen, ganz zu schweigen von seiner geistigen Gesundheit, fürchten musste. Er wollte den Krieg beenden und es so gründlich hinter sich zu lassen, dass niemand sich an etwas anderes über ihn erinnerte, außer dass er der Vater irgendeines dunkelhaarigen Kindes war.
Als das Schlimmste davon verblasste, bemerkte Hermine, dass sie weinte. Sie wusste jedoch nicht, warum sie weinte. Das Meiste davon, waren keine neue Informationen gewesen – sie hatten über Lily Potter und was passiert war, nachdem er berufen worden war, gesprochen – aber all das so zu fühlen, wie es es gefühlt hatte, so direkt… Es überraschte sie nicht, dass er so oft finster dreinblickte und sich quälte.
Sie wollte ihn küssen. Sie wollte den Schmerz davon wegnehmen, wenn sie das könnte.
Durch all diese Erinnerungen hatten sich Bilder von ihr und Erinnerungen an sie gezogen. Begegnungen des letzten Jahres. Die meisten davon in ihrer Wohnung. Er mochte es, wenn sie sein Haar berührte. Er mochte es, wenn sie die erste Person war, die er nach dem Aufwachen sah. Und in der Halbansicht des Traums, den er von seiner Zukunft gehabt hatte, den mit einer Ehefrau und Kindern, war sie für die Rolle der Ehefrau besetzt.
Wenn Minerva nicht im Raum gewesen wäre, hätte sie angeboten ihm zu helfen, diesen Traum sofort zur Wirklichkeit zu machen. Das Gegenmittel für ihr Verhütungsmittel brauchte zwei Stunden zum Brauen. Oder sie könnte Blutbildenden Trank zu sich nehmen, der eine 90 prozentige Wahrscheinlichkeit besaß, die Wirkung des Verhütungsmittels zu beseitigen.
Energie wogte weiterhin durch den Raum, aber die Erinnerungen hatten aufgehört. Sein Geist war wieder von den Barrieren befreit und der anfängliche Tsunami war zu den Ufern seines eigenen Geistes zurückgesunken. Sie konnte ihn an ihrem Geist spüren. Er war roh und wund, aber nicht beschädigt. Sein Unterbewusstsein hatte ihn erfolgreich isoliert und er hatte sie gerade rechtzeitig gerufen, um ihm zu helfen, sich zu befreien.
Zitternd trat sie zurück. Ihre Hände auf seinem Kopf wurden zu einer Liebkosung, als sie sich daran erinnerte, dass er das Gefühl davon mochte. Sie hätte sein Haar noch etwas länger gestreichelt und ihn geküsst, aber Minerva war direkt hinter ihr… Hermine ließ ihre Hände an ihren Seiten herunterfallen. Er saß da, mit den Händen auf seinen Oberschenkeln abgestützt und tief atmend.
Als Hermine hinter sich blickte sah sie, dass Minerva angespannt war und ihre Augen weit aufgerissen waren. Eine Untersuchung mit einem flüchtigen Blick offenbarte, dass die Lehrerin für Verwandlung die Energie durch den Raum wogen spüren konnte, aber keine der Gedanken oder Erinnerungen erblickt hatte und dafür war Hermine dankbar.
„Tee", sagte Hermine und brach die Anspannung im Raum. „Lasst uns eine Kanne Tee trinken."
Severus Hand zuckte, als sie von ihm wegging und sie wusste genau, dass er nach ihrer Hand hatte greifen wollen, um sie an seiner Seite zu behalten. Sie streifte seinen Geist mit ihrem, als sie sich wegdrehte und zeigte ihm, dass sie die gescheiterte Geste bemerkt hatte.
Minerva blickte mit immer noch weit geöffneten Augen und es nicht verstehend zu ihr auf. Hermine lächelte und sammelte die Teeutensilien zusammen. Die Professorin hatte in ihrem Haus alles an demselben Ort, in einer kleinen Kiste neben dem Kamin, aufbewahrt. An einem abgenutzten Haken im Kamin hing ein alter Kupferkessel, der endlos brodelte. Hermine füllte die Blätter in die Teekanne, goss dann das Wasser aus dem Kessel hinzu, hing den Kessel wieder zurück übers Feuer und stellte die Teekanne auf das Tablett auf dem niedrigen Tisch neben Snape ab. Die kleine Kiste, in der Minerva den Tee aufbewahrte, enthielt auch Zucker, Zitronenscheiben und ähnliches und sie arrangierte diese Dinge auf dem kleinen Beistelltisch.
Nachdem der Tee gezogen hatte, goss Hermine jedem von ihnen eine Tasse ein und drückte sie den Professoren in die Hände. Severus trank seinen mit Zucker; Minerva trank ihren mit Zitrone. Minerva lächelte und kam durch die Berührung aus ihrem Schockzustand heraus. Severus brauchte etwas mehr Überzeugung. Ein Drücken seiner Hände, als sie ihm die Teetasse herüberreichte und ein weiteres Streifen seines Geistes. Er war nicht mehr roh, sondern einfach nur müde.
Severus lächelte sie leicht an, als er ihr die Teetasse abnahm und sagte: „Danke."
Die Geste überraschte Minerva. Ihre Teetasse klapperte gegen die Untertasse. Severus rollte mit seinen Augen, was Hermine kichern ließ. Sie war froh, den Sanftmut in seinen tintenschwarzen Augen zu sehen, froh zu sehen, dass ihr Kichern ihn glücklich machte.
Was für ein komischer Gedanke. Ein komischer, verlockender Gedanke.
Hermine machte es sich auf dem Sofa bequem und Severus schloss sich ihr ein paar Momente später an. Minerva saß in dem Stuhl, der am nächsten am Kamin stand und starrte nachdenklich in die Flammen. Severus nutzte Minervas Zerstreutheit, um einen Augenblick lang seine Hand auf Hermines Knie zu legen und es sanft zu drücken, bevor er sich wieder in die Kissen zurücklehnte. Hermine wünschte, sie könnte sich so an seine Seite lehnen, wie er es mit den Kissen gemacht hatte, aber das wäre wohl kaum gesellschaftlich angebracht, selbst wenn sie ihre Verbundenheit nicht geheim halten würden.
„Du hast offensichtlich mehr mit dem Zeitumkehrer gemacht, als ich angenommen habe", sagte Minerva und brach die merkwürdig entspannte Stille, die sich über den Raum gelegt hatte. Hermine und Severus hatten ihre Magie und ihre Gedanken längst wieder in sich zurückgenommen. Hermine konnte spüren, wie er seine Wände wieder aufbaute. Wie er die Albträume vom Rest seines Bewusstseins abtrennte und die Barrieren und innerlichen Sicherheitsmaßnahmen vorbereitete. Diese Wände waren eine gute und auch eine fortwährende Sache, wenn sie nicht zerbrochen waren, was sie hatte tun müssen. Es war die aktive Okklumentik, welche die Welt gewaltsam fernhielt, die zu dem Schaden geführt hatte und nicht die Trennung. Sie selbst unterhielt ziemlich viele magische Trennungen.
„Ja", stimmte Hermine zu und lächelte ihre Mentorin an.
„Es wäre ziemlich unhöflich sie als nächstes nach ihrem Alter zu fragen", sagte Severus und schmunzelte über seiner Teetasse. „Frage niemals eine Frau nach ihrem Alter."
Hermine lächelte in ihren Tee und hielt einen Kommentar zurück. Ihr Herz schlug aufgeregt. Sie konnte praktisch fühlen, wie ihre Eierstöcke munter wurden, sich umsahen und sich auf Severus Snape auf eine eindeutig lüsterne Art fixierten. Sie kannte jetzt sein Geheimnis und sie wollte ein Teil davon sein.
„Er hat mich überall hin und zurück und wieder zurück geschickt, damit ich mehr Zeit hatte", sagte Hermine.
Etwas tanzte in ihrem Bauch und flatterte, als wenn sie nervös wäre. Aber warum sollte sie nervös sein?
Oh, das stimmt, erinnerte sie sich, du hast dich dazu entschieden, dass du Mrs. Severus Snape sein möchtest. Und, dass du seine Kinder bekommen möchtest.
Dann war es keine Nervosität. Es war eine Vorahnung. Bevor die Nacht vorüber war, würde sie mit ihm allein sein.
Das Gespräch lief gemächlich weiter, während sie ihren Tee tranken. Minerva erzählte Severus ein wenig von ihrem gemeinsamen Sommer und Hermine erzählte ihnen die harmlosen Teile über Frankreich und Ägypten. Sie ertappte sich bei der Frage, ob Minerva von „dem Drachen" wusste, aber je mehr sie sich unterhielten, desto mehr bezweifelte sie das.
„Und von wo haben wir dich hergerufen?", fragte Minerva, während die dritte Teekanne zog.
„Hm?", fragte Hermine. Minerva lächelte wohlwollend.
„Du hast dich so schick gemacht. Warst du an einem interessanten Ort?" Minerva reichte ihnen frische Teetassen und dann wurde ihr Lächeln schalkhaft. „Hattest du ein Date?"
Hermine fühlte, wie sich Severus neben ihr anspannte und lehnte sich so weit zu seiner Seite herüber wie sie konnte, ohne dass Minerva es bemerkte. „Nein", sagte sie vermutlich schärfer als die Frage es verdient hatte. Sie hatte das Gefühl, dass es lange gedauert hatte, bis Severus und sie sich näher gekommen waren und das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnten, wäre ein nicht vorhandener Konkurrenzkampf und ungerechtfertigte Eifersucht. „Nein, ich war mit Tonks unterwegs."
„Oh, ist das nicht schön", sagte Minerva und verfiel wieder in ihr wohlwollendes Lächeln von vorhin. „Ich habe nicht bemerkt, dass ihr beide befreundet seid."
„Das sind wir auch nicht besonders", gab Hermine zu und nippte an ihrem Tee. „Ich glaube, sie sieht, dass etwas mit Sam Barnes nicht stimmt und hatte gehofft, fernab des Hauptquartiers, zu probieren, das Mysterium zu enträtseln."
„Es tut mir Leid deinen Abend des Vorwands unterbrochen zu haben", sagte Severus mürrisch neben ihr.
„Ich bin froh, dass du das getan hast." Hermine widerstand dem Drang, für einen kurzen Moment, seine Schulter mit ihrer anzustoßen und entschied dann, dass Schulter-Stupser erlaubt waren. Freunde stießen sich mit ihren Schultern an und Minerva würde bereits bemerkt haben, dass sie Freunde waren. Er sah über den Kontakt überrascht, aber erfreut aus und sie grinste ihn an. „Das hast du zweifellos gebraucht. Und ich habe wirklich nur mit ihr über die Apotheke herum gejammert."
Severus gluckste. „Ich kann mir vorstellen, dass du eine Menge zu sagen hattest."
„Wir haben die reifen Sommersetzlinge letzten Donnerstag reinbekommen."
„Ich dachte mir schon, dass du nach Salzlake riechst."
Sie stieß ihm ihren Ellbogen in die Rippen und er verschüttete beinahe seinen Tee. Minerva lachte.
„Ich habe Alraunen eingelegt, du Arschloch", sagte sie. „Und ich rieche nicht nach Salzlake."
Was sagt es über mich aus, wenn ich, trotz des Apothekengeruchs, der an dir haftet, mit dir ins Bett gehen will?, fragte er sie, als sich ihre Blicke trafen und sie wegsehen musste, um nicht zu erröten.
„Oh, Severus", sagte Minerva, als sie einen Blick auf eine gefaltete Zeitung erhaschte, während sie dabei war, ihre leere Tasse abzustellen. „Hast du das gesehen? Über den Sommer..." Sie reichte ihm die Zeitung herüber. Sie war auf der zweiten Seite aufgeschlagen. „Es war in Spanien; erstaunlicherweise wurde es in unseren Zeitungen kaum erwähnt–" Sie unterbrach sich, als sie den Blick bemerkte, den Severus und Hermine miteinander tauschten.
„Untersteh dich!", fuhr Hermine ihn an, die die Kälte fühlte, als er seine Okklumentik zu früh um sich wieder hochzog. „Du musst dich nicht vor einem Gespräch verstecken, das ich nicht führen möchte."
„Ich möchte es verflucht noch mal auch nicht führen", murmelte er, ließ seine Schilde fallen und starrte sie hinter seiner Teetasse bockig an.
Minerva räusperte sich und sie zuckten beide zusammen. Hermine sah schuldbewusst auf ihre Hände herunter, was ihr dennoch nicht dabei half, sich besser zu fühlen. Aber dann war Severus da. Er goss ihr eine großzügige Menge Scotch in ihre Teetasse und ließ die Flasche auf dem kleinen Tisch in unmittelbarer Nähe von ihr und Minerva stehen. Er selbst schenkte sich nichts davon ein.
„Warum möchtest du nicht über Remy Bird sprechen?", fragte Minerva und blickte von einem zum anderen.
Hermine seufzte und streckte ihre vernarbte Hand aus. Für Minerva bedeutete das nicht so viel, wie es das Severus tat, da sie sich nie die Kämpfe angesehen hatte oder mit einer Gruppe umhergezogen war, die es mochte all die blutrünstigen Details des Arrangements zu teilen. Minerva sah sich die Narben an und runzelte die Stirn.
„Das ist es, was Remy Bird den Raufbolden angetan hat, die versucht hatten, den Muggelkämpfen zu entfliehen", sagte Severus. Er lehnte sich vor und fuhr ein Paar paralleler Linien den Knochen ihres Zeigefingers entlang. Seine Hand zitterte. „Wie du sehen kannst, hatte sie zwei gescheiterte Versuche."
„Ich weiß nicht, was sich der Schulleiter dabei gedacht hat, mich nach Spanien zu schicken", sagte Hermine. „Dieser Mann war ein Haufen Scheiße."
Severus überraschte sie beide, als er in schallendes Gelächter ausbrach. Hermine schmunzelte.
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„Ich begleite dich raus", sagte Severus, stand mit einem Stöhnen auf und hielt ihr dann eine Hand hin, um ihr aufzuhelfen.
„Danke."
„Du könntest das Flohnetzwerk benutzen", bot Minerva an und erhob sich auch.
„Mein Kamin ist nicht angeschlossen", sagte Hermine, obwohl sie nicht darüber nachgedacht hatte. Sicherlich hatte Severus nicht gemeint, dass er sie tatsächlich raus begleiten würde – das war die perfekte Gelegenheit, um endlich allein zu sein. „Es ist schneller, wenn ich zu den Toren laufe und zurück appariere."
„Also gut. Gute Nacht, meine Liebe. Es war schön, dich richtig zu sehen." Minerva umarmte sie und tätschelte ihre Schulter. „Auch dir eine gute Nacht, Severus. Ich werde dich dann morgen früh sehen – der Schulbeirat wird zum Brunch kommen."
„Ich kann es kaum erwarten", sagte Severus und seine Worte trieften vor Verachtung, obwohl er sie angrinste. Minerva rollte mit ihren Augen, bevor sie auch ihn umarmte.
Sie gingen und Severus hakte sie bei sich unter. Sie wollte dicht neben ihm laufen, ihre andere Hand auch auf seinen Arm legen und ihren Kopf gegen seine Schulter lehnen – alles Mögliche, um mehr Berührung zu haben – aber die Flure waren von Porträts gesäumt, die verpflichtet waren, auffälliges Verhalten dem Schulleiter zu berichten. (Ganz abgesehen davon, dass die einzige Unterhaltung, die die Porträts hatten, Gerüchte waren.) Vereinzelt rief eins der Porträts dem Professor einen Gruß zu und er nickte höflich, als sie weiterliefen.
„Es ist komisch wieder zurück zu sein", sagte sie sanft. Das einzige Geräusch im Flur war das Klacken ihrer Absätze (seine Schritte waren lautlos, da er seine Drachenhautstiefel trug) und das Rascheln ihrer Kleidung; es wäre merkwürdig gewesen, lauter als im Flüsterton miteinander zu sprechen. „Sie sind natürlich genau so, wie beim letzten Mal, als ich hier war. Tatsächlich ist auch keine Zeit vergangen."
„Für dich schon", erwiderte er und seine Stimme war ein tiefes Grummeln.
Den restlichen Weg über liefen sie schweigend und kamen letztendlich bei der vertrauten Tür zum Verteidigungs-Klassenraum an. Sie öffnete sich durch die Berührung seiner Hand und offenbarte die gewohnten Tischreihen, die hohen Fenster, die entlang der einen Wand den Sonnenuntergang hineinließen und die Treppe an der Vorderseite des Raums, die zu seinem Büro nach oben führte.
„Oh, du hast die Poster noch nicht aufgehangen", sagte sie. Die Tafel war leer und der Lehrertisch war in orange-rotes Licht getaucht. An das alles konnte sie sich erinnern (wenn auch wesentlich romantischer beleuchtet), aber die Wände waren nur nackter Stein.
„Poster?"
„Ja. Diese schauderhaften Fluchopfer."
„Ah. Ich habe über sie noch keine Entscheidung getroffen. Die Schüler aus dem ersten Jahr sind so klein, weißt du."
„Unter all dieser Wolle bist du ein Schatz." Sie lächelte ihn an und legte ihre Hand in seine, anstatt sie durch seinen Ellenbogen zu schlingen, und drückte sie leicht. Einer seiner Mundwinkel hob sich zu einem halben Lächeln.
„Tatsächlich mag ich Kinder, weißt du. Ich mag es zu unterrichten, selbst wenn viele von ihnen Dummköpfe sind. Ich habe den Ruf, ihnen Angst einzujagen, aber sie müssen in der Nähe von Kesseln wachsam sein und ich war schon immer besser darin, ihnen Angst einzujagen, damit sie das tun, anstatt sie verhätschelnd dazu zu bewegen."
„Ich hatte nie Angst vor dir. Du hast mich natürlich nervös gemacht, aber alles war viel zu interessant, um richtig verängstigt zu sein."
„Ich habe dich mindestens ein Mal zum Weinen gebracht."
Sie wollte über nichts davon reden und am wenigsten über den Vorfall mit ihren Zähnen. Stattdessen lief sie den Gang zwischen den Tischen der Schüler entlang und setzte sich auf den Platz, der ihrer gewesen war. Seit dem letztem Mal, als sie hier gesessen hatte, war sie nicht mehr gewachsen, abgesehen von ihrer Figur, die sich auf eine weibliche Art ausgefüllt hatte, daher fühlte es sich beinahe genau so wie früher an dort zu sitzen.
Severus lief den Gang auf ihren Tisch zu und plötzlich konnte sie die Erinnerung nicht mehr aushalten. Sie legte ihre Hände auf ihren Tisch, breitete die Finger aus und sah sie an. Eigentlich versuchte sie das immer aufgrund der Erinnerungen, die die Narben dort hervorriefen, zu vermeiden, aber an ihrem alten Platz zu sitzen und sie dort zu sehen holte sie irgendwie in die Realität zurück.
„Ist es dir unangenehm?", fragte sie und blickte von ihren Händen auf und sah, wie er sie von der Vorderseite des Raums aus ansah. Er hatte sich gegen den Schreibtisch zurückgelehnt und schien entspannt, in seinem Element und an seinem Platz zu sein.
„Ist mir was unangenehm?"
„Für mich ist es ein Jahrzehnt her. Auf diesem Stuhl zu sitzen und meine umfangreichen Mitschriften anzufertigen." Sie sagte es leicht und versuchte es beinahe wie einen Witz klingen zu lassen.
Sie stand auf, da es ihr unangenehm war, ihn von ihrem Tisch aus anzusehen. Er hielt ihr seinen Arm hin und zog sie an seine Seite, als sie seine Hand nahm. Es war warm an seiner Seite, mit seinen Roben um sie beide gewickelt. Sie lehnte sich in seine Umarmung. Seine Hände legten sich auf ihre Taille.
„Und um deine Frage zu beantworten, nein. Es ist mir nicht besonders unangenehm. Jedenfalls nicht so unangenehm, wie es mir wahrscheinlich sein sollte."
Für einen langen Moment blieben sie so stehen. Sie war sich überdeutlich der Hitze von ihm und dem kleinen Kreis, den sein Daumen auf ihren Hüften entlangfuhr, bewusst. Der Raum war still und das Schloss jenseits davon auch. Die Sonne war warm und durch die Lichtstrahlen, die durch die Fenster fielen, schwebten Staubpartikel.
„Komm mit mir", sagte er und brach die Stille. „Ich habe dich nicht hierher gebracht, damit wir in einem verdammten Klassenzimmer stehen."
Sie grinste, als er sie an der Hand die Treppe hinaufführte. Sie liefen nach oben und durch die Tür zu seinem Büro, dann durch eine weitere Tür hinter dem Schreibtisch im Büro in seine privaten Räume. Sie hatte kaum Zeit, um die vielen Stapel aus Papieren zu bemerken, die sich auf dem großen Schreibtisch auftürmten, bevor sich die Tür schloss und die Kerzen in seinem Wohnzimmer von selbst aufflammten.
Seine Räume in Hogwarts waren beinahe das genaue Gegenteil von seinem Haus in Spinner's End. Wo Spinners's End abgenutzt war, eine kaum bewohnbare Lagerfläche für seine gefährlicheren Bücher, waren diese Räume heimisch. Auf dem Boden lag ein wunderschöner Orientteppich und mit dunkelbraunem Samt bezogene Ohrensessel standen am Kamin. Da war ein Sofa mit cremefarbenen Kissen und ein Teeservice aus Porzellan wartete auf dem niedrigen Kaffeetisch. Ein großes Fenster mit einer tiefen Fensterbank (die in ein Regal für Bücher umfunktioniert worden war) bot einen Blick auf den See. Mehrere Türen führten in andere Räume und alle von ihnen waren aus dunklem Holz, das aussah, als wäre es erst kürzlich poliert worden.
Nachdem sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte blieb Hermine stehen und hielt Severus, sie hielten sich immer noch an den Händen, nahe bei sich. Er drehte sich um, um sie anzusehen, stand sehr aufrecht und sah mit gehobenen Augenbrauen zu ihr herunter.
„Severus", sagte sie, änderte dann ihre Meinung und fragte ihn stattdessen etwas: „Warum warst du über meine Narbe so wütend?"
„Weil du mich nichts dagegen tun gelassen hast."
„Warum solltest du etwas dagegen tun wollen?"
Er hob betont eine Augenbraue und trat näher auf sie zu. Sie konnte die Tür in ihrem Rücken spüren und war nur einen Schritt davon entfernt dagegen zu lehnen, als sie zu ihm hochsah.
„Ich glaube, dass wir uns das bereits gegenseitig sehr klar gemacht haben", sagte er sanft. Er schluckte und sein Adamsapfel hüpfte auf und ab. „Du hast mir mal gesagt, dass du mein wärst."
„Das bin ich." Sie zögerte nicht einmal. Vielleicht hätte sie das tun sollen, aber sie tat es nicht.
„Dann solltest du mich Dinge für dich tun lassen." Er war sehr nahe dran, zu schmunzeln.
„Ich muss nicht beschützt werden. Oder verhätschelt."
„Nein, das brauchst du nicht. Deshalb möchte ich es tun."
„Severus–"
„Das ist… Das sind Kleinigkeiten… Bei den Göttern, Hermine. Ich will einfach ein normales Leben."
Er hörte sich so geschlagen an, dass sie seine Hand losließ, um ihre Hände über seine Brust in sein Haar hinaufzufahren und sein Gesicht so herunter zu ziehen, dass sie ihn abknutschen konnte. Sie verlor schnell die Kontrolle darüber und er hatte sie gegen die Tür zurückgedrängt. Ihre Körper verschmolzen ineinander, seine Hände um ihre Taille und ihre Hüften und neckte die Unterseiten ihrer Brüste.
„Severus", sagte sie, als sie eine Pause zum Luftholen brauchte, „als ich… als wir–" Sie unterbrach sich selbst, um ihren Hinterkopf gegen die Tür zu lehnen, um einfacher zu ihm hoch zu blicken. „Ich liebe dich", seufzte sie. „Ich möchte auch ein normales Leben, Sev. Mit dir. Mit… keinem Krieg, keinem Töten, dass ich dich nur sehen kann, wenn du verletzt bist oder wir uns einen anderen Vorwand ausgedacht haben."
Sie wollte fortfahren, aber er unterbrach sie und sagte: „Ich liebe dich auch, weißt du."
„Ich will Kinder mit dir haben, Severus", sagte sie und schloss ihren Mund, weil das nicht die Art und Weise gewesen war, wie sie geplant hatte, das zur Sprache zu bringen. Und laut ausgesprochen klang es so dämlich.
„Kannst du dir vorstellen gerade jetzt ein Kind in die Welt zu setzen?"
Sie lächelte ihn an und runzelte dann die Stirn. „Besonders nicht ein Kind von jemandem wie mir."
„Nein", sagte er und seine Hände verkrampften sich auf ihren Hüften. „Denk so etwas niemals, Hermine."
Sie versuchte sehr stark nicht wie eine Irre zu lächeln. Er sah mit einem intensiven Blick zu ihr herunter und trat zurück. Er nahm wieder ihre Hand, führte sie durch eine der Türen in das Schlafzimmer und schloss die Tür sanft hinter ihnen.
Es war kein großer Raum, aber besonders klein war er auch nicht. An einer Wand stand ein Kleiderschrank, schwarz lackiert und mit silbernen Knäufen. Das Bett war das für Hogwarts standardmäßige Himmelbett, allerdings war dieses ein Doppelbett, im Gegensatz zu den Einzelbetten in den Schlafsälen. Das Holz war wie die Türen poliert und dunkel und die Vorhänge waren slytheringrün. Die Nachtschränke waren beide mit Büchern beladen und einer von ihnen hatte eine richtige Leselampe. Die Wand gegenüber des Kleiderschranks besaß drei schmale Fenster, die den selben Ausblick boten, wie die im Wohnzimmer.
„Weißt du", sagte Severus nachdenklich und ließ ihre Hand los, damit er wieder beide Hände an ihre Hüften legen konnte, „ich glaube, dass ich streng genommen bisher noch niemanden in diesen Raum eingeladen habe."
„Ich fühle mich geehrt."
Er grinste sie an und küsste sie auf ihre Stirn. „Wenn es nach mir ginge, würdest du hier mit mir leben."
„Ist das deine Art, mir einen Heiratsantrag zu machen?"
„Ich bin egoistisch genug, dich hierher zu bringen", sagte er, „aber ich bin nicht egoistisch genug, dich zu bitten, zu bleiben."
„Das ist gut. Ich denke nicht, dass ich die Kraft hätte, dir einen Korb zu geben."
Er lächelte und hob eine Hand, um ihre Wange zu umfassen und zog sie näher.
Er war zu Beginn zögerlich und seine Lippen streiften ihre in einer Reihe von federleichten Küssen. Sie lehnte sich an ihn und schlang ihre Arme um seinen Hals. Sie küsste ihn zurück und knabberte an seiner Unterlippe. Er stöhnte; seine Hand verließ ihr Gesicht und er legte seine Arme um ihre Taille, um sie näher zu sich zu ziehen.
Sie schob seine Lehrroben von seinen Schultern und ließ sie einfach auf dem Boden um sie herum liegen. Er begann an den Knöpfen seines Gehrocks zu arbeiten. Als er mit ihnen fertig war, öffnete er die Knöpfe des Hemdes, das er darunter trug, und ließ beides mit einer schnellen Bewegung fallen.
„Machst du meinen Reißverschluss auf?", fragte sie und riss sich von seinen Lippen los, um sich umzudrehen. Seine Hände fuhren über ihren Rücken und ihre Schultern, bevor sie den Reißverschluss fanden und ihn die Rückseite des Kleides entlang nach unten zogen. Sie zuckte mit den Schultern, damit die Träger herunterrutschten und das Kleid fiel zu Boden; sie streifte ihre Schuhe ab, als sie aus dem Stoff trat und verlor dadurch einige Zentimeter.
Seine Augen waren dunkel und er sah… hingerissen aus. Diesen Blick auf seinem Gesicht zu sehen, während er sie ansah, ließ ihr Herz schneller schlagen.
Ein langer Finger fuhr die Kurve ihrer Taille und die äußere Kannte ihrer Brust entlang und wand sich dann unter das Band ihres Slips. Er warf ihr einen Blick zu, fragte um Erlaubnis, und sie nickte.
Ich bin deins, schon vergessen?, fragte sie, als er ihr in die Augen sah und er lächelte bevor er sich vorlehnte, um sie wieder zu küssen.
Ihr Slip war schnell verschwunden. Seine Hände waren überall und zogen sie zu ihm. Nackte Haut auf nackter Haut und es war schwer zu atmen. Dann ließen sich seine Hände treiben, fuhren tiefer und er hob sie hoch. Sie schlang ihre Beine um seine Taille.
Sie stürzten auf die Matratze. Seine Hand schlängelte sich um sie herum, um den Verschluss ihres BHs zu öffnen und sie zog die Träger einen Moment später ihre Arme herunter.
Er lehnte sich nach unten, um sie wieder zu küssen und sie fuhr mit ihren Händen durch sein Haar. Er küsste ihren Hals abwärts und ihre Schlüsselbeine. Er fand den Anfang der Narbe und küsste ihn. Danach fuhr er damit deren ganze Länge entlang fort, über den Anstieg ihrer Brust, zwischen ihren Brüsten, über ihren Bauch und stoppte knapp oberhalb des Knubbels ihres Hüftknochens.
Selbst nach so vielen Jahren war das Narbengewebe empfindlich. Durch die zarte Berührung schnappte sie nach Luft, schwelgte in den Küssen und bemerkte nicht, dass er seine Finger in ihr Höschen gehakt hatte, bis es und sie weg waren. Sie keuchte und ihre Finger ballten sich in seinen Haaren zu Fäusten, als seine Zunge zwischen ihre Falten glitt und eine heiße, feuchte Linie von ihrem Eingang zu ihrer Lustperle zog.
„Severus!" Ihre Knie öffneten sich, ohne sich vorher mit ihr zu beraten, und gaben ihm jede Menge Platz, um sich zu bewegen. Er grinste zu ihr hoch, während sein Mund über ihrem Geschlechtsteil schwebte.
„Ich wollte das schon seit langem tun."
„Du–du–" Ihr fiel nicht wirklich etwas ein, was sie sagen wollte. Er grinste und senkte sein Gesicht.
Für eine Weile war alles nur saugende Lippen, erforschende Finger und die Bewegung seiner Zunge. Hermine krümmte sich und bewegte ihre Hände, um sie, anstelle seiner Haare, in die Decke zu krallen. Dann explodierten kleine Lichtblitze vor ihren Augen und ihr Stöhnen schwoll zu einem Schrei an, als sie kam.
Sein Mund war wieder auf ihrem und sie konnte sich selbst auf seiner Zunge schmecken. Sie murmelte seinen Namen, versuchte ihm dabei zu helfen, seinen Gürtel zu öffnen und seine Hose zu entfernen, aber ihre Finger verhakten sich ineinander. Er drückte sie aufs Bett, ignorierte seine halb ausgezogene Hose und fixierte ihre Hände an beiden Seiten ihres Kopfes. Seine Hüften stießen gegen ihre und sie stöhnte vor Frust.
„Aus, Severus. Zieh sie aus."
Er zog sich mit einem Ruck von ihr zurück, riss den Rest seiner Kleidung runter und steifte seine Schuhe und Socken mit frustrierten Händen ab, als seine Hose an ihnen hängen blieb.
Schließlich fiel der letzte Schuh zu Boden und sie glitt um ihn herum, hob ihr Bein, um es über seinen Schoß zu schwingen, und setzte sich rittlings auf ihn. Sie sank herunter und atmete hörbar ein, als er sie ausfüllte. Severus stöhnte. Sie drückte gegen seine Schultern und drängte ihn dazu, sich zurückzulegen, aber er bewegte sich nicht. Er packte sie an den Hüften, hielt ihren Körper um seinen und drehte sie beide, so dass sie unter ihm lag.
Immer noch feucht und feinfühlig von dem Orgasmus, zu dem er sie mit seinem Mund gebracht hatte, war alles was Hermine tun konnte, nicht schon wieder innerhalb weniger Sekunden zu kommen. Er dehnte sie, füllte sie aus. Rein und raus. Herrliche Reibung. Seine Hüften schlugen gegen ihre und sein Schwanz kitzelte diesen bestimmten Punkt in ihr. Seine Eier klatschten feucht gegen sie, als er in sie hineinstieß.
Er schrie ohne Worte und glitt ein letztes Mal zuckend in sie hinein. Neue Wärme war in ihr und spritze, mit jedem seiner Schauer auf ihr, tief in sie hinein.
„Oh", sagte sie und kam noch einmal. Ihr Körper krampfte sich um seinen Schwanz und melkte ihn, als sie sich zu ihm hochwölbte.
Sie lagen beide eine lange Weile heftig atmend da. Er war zum größten Teil auf ihr drauf, beinahe zu schwer, aber sie hatte nicht die Energie, ihm zu sagen, dass er von ihr runter gehen sollte und er schien sowieso auch nicht die Energie zu haben, sich zu bewegen. Sie hielt sich an ihm fest, ihre Beine waren in einem Liebhabergewirr verschlungen und der Schweiß kühlte ihre Körper ab.
„Ich liebe dich", flüsterte er. Sie öffnete ihre Augen; er starrte zu ihr herunter und stützte sich auf seine Ellenbogen, die er zu beiden Seiten ihres Kopfes abgelegt hatte. Sie lächelte und hob ihren Kopf, um ihn zu küssen und biss sich auf ihre Lippe, um sich davon abzuhalten wie ein Idiot vor Freude zu strahlen, als er ihr Lächeln erwiderte. Ein warmes, entspanntes Lächeln, das Jahre von seinem Gesicht nahm.
„Ich liebe dich auch", sagte sie, gab die Zurückhaltung auf und ließ das Lächeln ausbrechen.
„Hier. Komm hierher", sagte er, schob sich von ihr runter und bat sie, zu ihm unter die Decke zu klettern. Sie waren schwerfällig und schläfrig, aber schließlich schafften sie es, sich hinzulegen. Hermine schlief sofort ein.
Sie wachten irgendwann gegen zwei Uhr morgens für langsamen, schläfrigen Sex auf. Um sechs war es die verrückt stoßende Art, die das Bett knarren und das Kopfende gegen die Wand donnern ließ.
