Kapitel 5: Der letzte Kampf
Nach etwa einer Woche war Genn wieder genesen und machte sich an die Nachforschungen über C'thul. Falstad war zu seinen „Jungs" zurückgekehrt, und Cassia wartete mit ihren Leuten bei einer etwas entfernten, unbewohnten Insel. Schließlich rückte die nächste Vollmondnacht näher, und die drei trafen sich, um ihren Plan zu besprechen. Cassia hatte Hammer dabei und auch Falstad kam in Begleitung seines ersten Maates. Er stellte ihn als Kurdran vor, einem der Männer, denen er voll kommen vertraute. Genn erzählte von seinen Nachforschungen. „Ich habe viel gesucht, aber keinen Hinweis darauf gefunden, wie man einen Diener von C'thul töten kann. Allerdings habe ich etwas anderes gefunden. Wie ihr wisst, taucht der Admiral nur zu Vollmond auf, und es scheint, als müsse er vor Sonnenaufgang wieder verschwinden. Es heißt, dass ein Diener von C'thul, der von der Sonne beleuchtet wird, verbrennt. Allerdings wird die Seele des Dieners zu ihm zurückkehren, um ihm weiter zu dienen, jedoch soll es hundert Jahre dauern, bis er wieder zurückkehren kann." Genn sah die anderen Anwesenden an. „Das bedeutet, wenn wir es schaffen, dass der Admiral vor Sonnen aufgang nicht in die Tiefe zurückkehrt, könnten wir ihn für ein Jahrhundert unschädlich machen. Wenn er dann wieder zurückkehren kann, kann er keine Rache mehr nehmen, weil es niemanden mehr gibt, an dem er sich rächen könnte. Das ist unsere einzige Möglichkeit." Sie schwiegen eine Weile. Dann sagte Falstad: „Das heißt, wir müssen ihn bis zum Morgen hinhalten, ohne dass er uns entkommen kann. Das könnte schwierig werden, vor allem, da er jetzt weiß, dass wir vorgewarnt sind. Er wird, wenn er kann, nicht alleine kommen." Falstad blickte unsicher zu Boden. „Er wird zwar mit Genn rechnen, und vielleicht mit deinen Männern, Falstad," sagte Cassia, „aber mit mir und meinen Leuten rechnet er nicht. Das ist ein klarer Vorteil." Falstad nickte. „Ja, das stimmt!" Also entwickelten die fünf einen Plan, wie sie den Admiral, und wenn möglich auch Dehaika, bis zum Morgen hinhalten konnten.
Es war Abend. Der Abend. In dieser Nacht war wieder Vollmond. In dieser Nacht würde der Admiral erneut zurückkehren, um sich an Falstad zu rächen. Der Kapitän der Wildhammer-Piraten ging nervös in seiner Kajüte auf und ab. Kurdran, sein Vertrauter, saß bei ihm, ebenso Genn. Der Plan war simpel, und genau dass machte Falstad Sorgen. War der Plan nicht vielleicht zu simpel? Seine beiden Freunde hatten versucht, ihn zu beruhigen, doch ohne Erfolg. Schließlich war die Sonne komplett untergegangen, und es war Zeit, aufzubrechen. Sie hatten vor, sich dem Admiral in der Grotte zu stellen, in der sie ihm das letzte Mal entgegengetreten waren. Cassia und ihre Leute hielten sich in der Nähe bereit. Genn und Falstad würden in der Grotte warten, während Cassia mit ihren Leuten und Kurdran mit den Wildhammer-Piraten den Eingang unbemerkt überwachten. Sobald der Admiral kam, würden die beiden mit Hammer in die Grotte kommen, um dem Admiral den Weg zu versperren. Zu fünft würden sie ihn und Dehaika ohne große Probleme hinhalten können, und dann am Morgen ins Sonnenlicht locken. Da der Eingang nach Osten ging, würde das Licht bis in die Grotte dringen, sodass dem Feind kaum eine Möglichkeit bliebe, ihm zu entgehen. Die drei Männer stiegen in Genns Boot und umrundeten die Insel. An der Grotte angekommen stiegen Genn und Falstad aus, während Kurdran mit dem Boot zurück zum Schiff fuhr. „Also dann." seufzte Falstad. „Jetzt gibt es kein Zurück mehr." Dann betraten die beiden die dunkle Grotte und ließen die leuchtenden Sterne und den Vollmond hinter sich.
Im Inneren war es dunkel. Nicht einmal das seltsame grüne Leuchten, das zuvor die Grotte erhellt hatte, war zu sehen. Die beiden Freunde standen in der Dunkelheit und warteten. Der Admiral sollte jeden Moment erscheinen. Gespannt warteten sie auf ein Zeichen, dass ihr Feind kam. Doch dann hörten sie plötzlich Kanonendonner von außerhalb der Grotte. „Was war das?" fragte Falstad erschrocken. Es dauerte eine Weile, bis Genn antwortete. „Wir haben etwas nicht bedacht…" murmelte er. „Schwarzherz. Vermutlich ist Cassia an seinem Versteck vorbei gesegelt, und er hat sie verfolgt. Das bedeutet, sie kann uns nicht mehr helfen, und Kurdran vielleicht auch nicht." „In der Tat." ertönte plötzlich die Stimme des Admirals. „Niemand wird euch jetzt helfen können!" Plötzlich erstrahlte die Grotte im grünlichen Glanz, und die beiden Männer sahen sich dem Admiral und Dehaika gegenüber. „Nett von euch, dass ihr zu mir gekommen seid, Falstad. Das erspart mir einige Mühe." Er gab Dehaika ein Zeichen, und das Monster stürzte sich auf die beiden. Genn zog seinen Säbel und parierte den Angriff. „Falstad! Ich übernehme den hier!" rief er. Dann griff er das Monster mit einer Vielzahl von Schwerthieben an, um es vom Admiral zu trennen. Falstad zog ebenfalls seine Waffe. „Also gut, Admiral. Ich habe dich einmal besiegt, und werde es wieder tun." Der Admiral lachte. Ein überaus unangenehmes Geräusch. Dann zeigte er mit seiner Dreizackhand auf den Piraten. „Kommt nur her!" Falstad kam der Aufforderung sogleich nach und schlug zu. Der Admiral wich dem Schlag geschickt aus und konterte. Falstad gelang es knapp, zu parieren. 'Ich habe schon lange nicht mehr ohne Flinkflügel gekämpft…' dachte er. Normalerweise saß er auf dem Rücken seines mächtigen Papageis, wenn er kämpfte. Doch in der Grotte hätte dieser nicht viel ausrichten können. Falstad blickte kurz hinüber zu Genn, doch musste seine Aufmerksamkeit jedoch schnell wieder seinem Gegner zuwenden, als dieser versuchte, ihn mit seiner Dreizackhand aufzuspießen. Genn musste alleine zurecht kommen, genauso wie er selbst. Schwarzherz sorgte dafür, dass Cassia, Hammer und Kurdran ihnen nicht helfen konnten.
„Alle Kanonen: Feuer frei!" rief Cassia und fluchte leise. Wieso hatten sie nicht bedacht, dass Schwarzherz auftauchen könnte? So konnten sie Falstad und Genn nicht helfen. Sie und Kurdran versuchten mit ihren Mannschaften, die untoten Piraten zurückzuschlagen. Diese waren ihnen mit zwei Schiffen gefolgt, als Cassias Schiff an der Schwarzherzbucht vorbeigefahren war. 'Wir müssen sie so schnell wie möglich zurückschlagen, oder unser ganzer Plan ist im Eimer!' dachte sie. Hammer befand sich bereits auf ihrem Posten. Nur für sie hatte Cassia am Bug einen kleinen Unterstand errichten lassen, aus dem heraus Hammer mit mehreren Kanonen feuern konnte, was sie nun auch tat. Doch es war nicht genug. Plötzlich hörte sie ein Kreischen neben dem Schiff. Dort flog ein viel zu großer Papagei. Auf ihm saß Kurdran und rief ihr zu: „Wir müssen den Kapitän selbst ausschalten, sonst wird das nichts. Flinkflügel kann uns rüberbringen!" Cassia zögerte. Dann gab sie einem ihrer Männer den Auftrag, Hammer das Kommando zu übergeben und sprang auf Flinkflügel auf. „Hält der Vogel das aus?" fragte Cassia, als sie sich auf dem Rücken des Tieres befand. „Etwas spät, dass zu fragen, oder?" antwortete Kurdran grinsend. Dann fügte er hinzu: „Bis zum Schiff wird es gehen." Zu ihrem Glück bemerkten die Untoten Flinkflügel nicht, oder beachteten ihn nicht, sodass Kurdran und Cassia schnell bis zu Schwarzherz vordringen konnten. Dort angekommen, sprang die Piratin ohne zu zögern auf das Schiff und überraschte den Untoten mit ihrem Speer. Kurdran blieb auf dem Papagei sitzen, da er so besser kämpfen konnte. „Oho! Da ist aber jemand wagemutig!" rief Schwarzherz, während er Cassias Angriff mit seinem Säbel abwehrte. Sie antwortete nicht, sondern griff ihn weiter an. Kurdran sorgte derweil dafür, dass niemand den beiden zu nahe kam, sodass Cassia sich voll auf den Kapitän konzentrieren konnte.
Genn atmete schwer. Er hatte es geschafft, Dehaika vom Admiral zu trennen, und hatte das Monster gut beschäftigt. Doch jetzt ging ihm langsam die Puste aus, während sein Gegner kaum geschwächt wirkte. Aber er musste es schaffen! Für Falstad, und vermutlich inzwischen auch für sich selbst. Sollten sie es nicht schaffen, den Admiral zu verbrennen, würde er seine Rache sicher auf Genn ausweiten. Also mussten sie es schaffen. Wieder kam Dehaikas gefährliche Hakenhand angeflogen, und Genn musste ausweichen. Dann machte er einen Schritt zurück und nahm eine der Flaschen, die an seinem Gürtel hingen. Sie enthielt eine explosive Mischung. Genn wich einem weiteren Angriff aus und zog sich wieder zurück, bevor er die Flasche auf seinen Gegner warf. Sie zerbrach beim Aufprall und löste eine kleine Explosion aus, doch Dehaika stürzte sich ungerührt auf seinen Gegner. Genn parierte den Schlag mit seinem Säbel. Dann schlug er erneut zu. Nach seiner Schätzung war etwa die Hälfte der Nacht vergangen. Nach seinem Wissen mussten sie nur den Beginn der Dämmerung abwarten, und nicht den Sonnenaufgang. Trotzdem würde es noch mindestens eine Stunde dauern, bis das Morgengrauen einsetzte. Solange mussten sie die beiden noch beschäftigen, und dann daran hindern, zu verschwinden. Es war machbar. Aber dazu musste er jetzt durchhalten. Er warf eine weitere Flasche, doch erneut zeigte sein Gegner keine Reaktion. Genn versuchte, den Angriff zu blocken, doch der Schlag traf ihn so ungünstig, dass ihm die Waffe aus der Hand geschlagen wurde. Dehaika ließ ihm auch keine Zeit, die Waffe aufzuheben. Plötzlich fühlte Genn ein seltsames Gefühl in sich aufstiegen, eine unbändige Wut. Sie ging von seinem Bein aus, dort, wo Dehaika ihn das letzte Mal verletzt hatte. Er spürte, wie die Wut ihn zu übermannen drohte, und kämpfte dagegen an. Dehaika griff ihn währenddessen erneut an. Genn schaffte es nicht, rechtzeitig auszuweichen und versuchte, den Angriff mit seinen Armen zu blocken. Zu seiner Verwunderung klappte es sogar. Er fühlte nur den Druck des Hakens auf seiner Haut, aber keinen Schmerz. Dann erkannte er, dass seine Haut auf einmal grau und schuppig wirkte, wie die eines Haies. Erst jetzt bemerkte er, dass er sich in eine Art Mischwesen verwandelt hatte, ähnlich wie Dehaika. Er konnte jedoch nicht weiter darüber nachdenken, denn sein Gegner ließ nicht locker und griff ihn weiter an. Genn nutzte die neue Kraft, die er spürte, und schwang seine neuen Klauen. Die Haut seines Gegner war genauso fest wie seine eigene, aber die scharfen Klauen hinterließen trotzdem Spuren. Er schlug immer und immer wieder zu, beinahe ekstatisch aufgrund seiner neuen Kraft und drängte seinen Gegner zurück, gegen die Höhlenwand. Mit einem lauten Brüllen wehrte Dehaika sich und versuchte, Genn zurückzudrängen, doch dieser wehrte sich mit einem eben solchen Brüllen und stürzte sich erneut auf den Gegner. Schließlich schaffte Genn es, Dehaika in die Felswand zu rammen und begann einen mächtigen Angriff mit seinen Klauen und seinen Zähnen, die fast so scharf wie die von Haien waren. Schließlich fiel Dehaika bewusstlos zu Boden, und Genn versuchte, sich zu beruhigen. Dehaika war besiegt, und das Morgengrauen nicht mehr weit. Außerdem fühlte er sich großartig.
Cassia wich einem Schuss aus und warf einen ihrer Säbel auf Schwarzherz. Dieser parierte die Waffe mit seiner eigenen und lachte. Cassia wartete nicht auf seinen nächsten Angriff, sondern sammelte Energie in ihrer Waffe. Dann warf sie den nächsten Säbel, aufgeladen mit elektrischer Energie, auf den Kapitän. Er wich aus, doch die Energie löste sich plötzlich von der Waffe und schoss in entgegengesetzte Richtungen davon. Ein Strahl traf Schwarzherz direkt in seinem Rücken, und er zuckte zusammen. Bevor Cassia jedoch zu einem weiteren Angriff ansetzen konnte, hatte er sich erholt und schwang seinen Säbel in ihre Richtung. Mit ihrem Rundschild konnte sie den Angriff abwehren und stieß gleich darauf mit ihrem Speer zu. Allerdings hatte sie vergessen, dass Schwarzherz nur noch ein Skelett war und ihr Angriff glitt zwischen seinen Knochen hindurch. Er nutzte den Moment und schlug mit dem Griff seines Säbels auf Cassias linken Arm, und sie ließ ihren Schild sinken. Mit einer schnellen Bewegung trennte der Untote mit seinem Säbel die lederne Befestigung des Schildes, und er fiel zu Boden. Cassia sprang zurück und zog einen weiteren Säbel aus ihrem Köcher. Mit dem Säbel in der linken und ihrem Speer in der rechten Hand wartete sie den nächsten Zug ihres Gegners ab. Kurdran und Flinkflügel kreisten derweil über dem Schiff, und der Pirat schleuderte seine Waffe auf jeden Untoten, der Cassia zu nahe kam. Es handelte sich um einen magischen Hammer, der immer wieder in seine Hand zurückkehrte, wenn er ihn geworfen hatte. Allerdings half dieser Angriff nur, wenn es einzelne Gegner waren. Wenn sie versuchten, zu mehreren zu Cassia zu kommen, erzeugte Flinkflügel mit seinen Schwingen einen Luftstoß, der die Angreifer zurückstieß. Dieser Wind brachte allerdings das Schiffs ins Schwanken und bereitete somit auch Cassia einige Probleme, sodass Kurdran versuchte, möglichst darauf zu verzichten. Cassia war froh, dass sie innegehalten hatte, denn gerade jetzt ließ ein solcher Luftstoß das Schiff schwanken. Schwarzherz aber war mitten im Angriff und verlor das Gleichgewicht. Sie reagierte sofort und sprang vor. Sie wusste nicht genau, ob sie Schwarzherz verletzen konnte, aber versuchte es trotzdem. Er konnte sich jedoch noch rechtzeitig fangen, um ihren Schlag zu parieren. Sie sprang zurück und warf erneut einen Säbel auf den Kapitän, doch dieser war wieder auf den Beinen und ließ die Waffe durch seine Knochen hindurch gleiten. Cassia griff nach dem nächsten Säbel und musste feststellen, dass dies ihr letzter war. Die anderen steckten meist in den Planken des Schiffes, rund um Schwarzherz herum, und ein paar waren über Bord gegangen. Schwarzherz kam auf sie zu gelaufen, und sie musste sich mit dem Säbel verteidigen. Während ihre beiden Säbel gegeneinander drückten, richtete Schwarzherz nun seine Pistole auf Cassia. Er hatte sie seit einiger Zeit nicht mehr genutzt, und Cassia hatte gedacht, er hätte keine Munition mehr gehabt. Entweder, das stimmte, und es war ein Bluff, oder er hatte darauf gesetzt, dass sie die Pistole außer acht ließ und sich einige Patronen aufgespart. Sie musste schnell handeln, doch bevor sie nachgedacht hatte, krachte Kurdrans Hammer in den Schädel des Untoten. Cassia nutzte die Gelegenheit und trat den Gegner von sich. Dann sammelte sie Energie in ihrem Speer und formte sie zu einer Kugel, die sie auf den Gegner warf. Dieser versuchte sie abzuwehren, und tatsächlich prallte die Kugel ab und flog zurück auf Cassia zu. Diese schlug die Kugel ebenfalls zurück, und er schlug sie wieder zurück. Dabei wurde die Kugel immer schneller, bis Schwarzherz sie verfehlte und getroffen wurde. Cassia sah ihre Chance. Mit dem geworfenen Säbel schlug sie dem Untoten seine Pistole aus der Hand. Dann hob sie ihren Schild auf und hielt ihn vor sich. Aus der Oberfläche brach ein helles Licht hervor, dass Schwarzherz blendete. Schließlich sprang Cassia vor und stieß mehrmals schnell mit ihrem Speer zu. Schwarzherz taumelte rückwärts und fiel. Cassia sammelte schnell mehrere Säbel auf und nutzte sie, um den Untoten auf dem Boden festzunageln. Dann sah sie sich um. Dank ihr und Kurdran hatten ihre Mannschaften es geschafft, die Untoten zurückzuschlagen, und am Himmel zeigten sich die ersten Anzeichen der Dämmerung. ‚Hoffentlich geht es den beiden gut.' dachte sie. Dann wandte sie sich den wenigen Untoten zu, die auf sie zu stürmten.
Falstad keuchte. Der Admiral war zu Lebzeiten ein schwerer Gegner gewesen, den er nur mit Derrick und Burghy zusammen hatte besiegen können. Nun, als Diener von C'thul, schien er noch stärker zu sein. Nur mit seiner Dreizackhand hatte er jeden von Falstads Angriffen parieren können. „Na, großer Kapitän Falstad, war das schon alles?" spottete er, während er langsam näher kam. Falstad blickte zum Eingang. Noch war es komplett dunkel, und er hatte keine Ahnung, wie lange sie schon kämpften. Er sah hinüber zu Genn, der gerade dabei war, die Schläge der Hakenhand seines Gegner abzuwehren. Dann musste er erneut einen Angriff des Admirals abwehren. „Wo seht ihr denn hin? Ich bin euer Gegner, Kapitän Falstad." rief ihm dieser zu. Der kleinere Pirat wehrte den Angriff ab und wich einen Schritt zurück. Dann sammelte er Energie in seiner Waffe und ließ diese in kleinen Blitzen auf seinen Gegner schießen. Der Admiral blieb kurz stehen, dann stieß er mit seinem linken Arm vorwärts. Zu Falstads Überraschung verlängerte sich der Arm und stieß ihn in die Höhlenwand. Die Blitze aus seiner Waffe hörten auf, aber Falstad blieb standhaft. Plötzlich brachen Tentakeln aus dem Boden um ihn herum. Er konnte sich mit einem Sprung in Sicherheit bringen und blickte zum Admiral. Dieser hatte seinen linken Arm auf dem Boden aufgestützt. Dann erkannte Falstad, dass der Arm in den Boden eingedrungen war und die Tentakeln sich bis zu ihm gegraben hatten. Da sein Gegner gerade unbeweglich war, nahm Falstad seine Waffe und warf sie. „Hört das Gewitter krachen!" rief er, während die Waffe mit einem lauten Donner schlag auftraf. Kurz darauf landete sie wieder sicher in der Hand ihres Besitzers. Sie war, genau wie Kurdrans Hammer, verzaubert, sodass sie immer zu ihrem Besitzer zurückkehrte, wenn sie geworfen wurde. Falstad ließ dem Admiral keine Zeit, sich zu erholen, und sammelte erneut Energie in seiner Waffe. Diesmal ließ er sie nicht in kleinen Blitzen hinaus, sondern schoss einen mächtigen Strahl elektrischer Energie direkt auf seinen Gegner. Der Admiral zuckte zusammen, als die Energie ihn erreichte, und fiel zu Boden. Falstad wartete, ob er sich rührte, dann blickte er zu Genn. Aber er sah ihn nicht. Stattdessen bekämpften sich dort zwei Haimonster. Eines davon war Dehaika, doch sein Gegner war Falstad unbekannt – bis er sich dessen Kleidung genauer ansah. Er kannte den braunen Mantel, den das Monster trug. Dann sah er den Gürtel mit dem Wolfskopf und war sich sicher. Das musste Genn sein. Aber wieso sah er so aus wie Dehaika? Er hatte einen ähnlichen Körperbau wie das Monster, in etwa wie ein großer, kräftiger Mann. Der Kopf war allerdings der eines Hammerhais. Auf seinem Rücken ragte eine mächtige Haifischflosse aus dem Mantel, und ein Fischschwanz mit Flosse ragte aus seinem Hinterteil. Seine Haut war grau und schuppig, und seine Hände hatten sich in Klauen verwandelt. Genn blockte einen Angriff von Dehaika mit seinen Armen, bevor er selbst zum Angriff überging. Der Anblick fesselte Falstad derart, dass er nicht bemerkte, wie der Admiral sich langsam aufrichtete. Erst, als er von der Tentakelhand gepackt wurde, wurde Falstad bewusst, dass er seinen Gegner aus den Augen gelassen hatte. „Sieh an, sieh an." sagte der Admiral. „Mir scheint, Euer Freund wurde beim letzten Mal mit dem Haifluch infiziert, mein lieber Falstad. Was haltet ihr von seiner neuen Form? Bald wird er mir gehorchen, so wie euer Freund Derrick." Der Admiral lachte. „Ich frage mich, ob ich Euch vielleicht diesmal verschonen sollte, damit ihr mitansehen müsst, was mit eurem lieben Freund geschieht?" Falstad versuchte verzweifelt, sich aus dem Griff der Tentakeln zu befreien. Genn und Dehaika brüllten, und Falstad lief ein Schauer über den Rücken. Dann gelang es Genn, seinen Gegner bewusstlos zu schlagen. Danach blieb er einen Moment ruhig stehen, bevor er sich zu Falstad und dem Admiral wandte. Falstad erschrak, als er in das Gesicht dieses Haimonsters blickte, das sein Freund Genn nun war. Dieser schnellte nun vor und zertrennte den Tentakelarm mit seinen Klauen. Falstad fiel zu Boden, während der Admiral vor Schmerz aufschrie. „Falstad… Alles in… Ordnung?" Genns Stimme war tiefer und rauer als zuvor, und es bereitete ihm Schwierigkeiten, normal zu reden. Falstad richtete sich langsam auf. „Bist du das wirklich, Genn?" fragte er. In diesem Moment stürtzte sich allerdings der Admiral mit seinem Dreizack auf den kleinen Piraten, doch Genn wehrte den Angriff mit seinen Armen ab. „Ja… Ich bin es… ´" antwortete er. Dann schlug er den Admiral zurück und ging zum Angriff über. Falstad entschied, dass er zunächst den Admiral besiegen sollte, bevor er sich Sorgen um seinen Freund machen konnte. Während Genn auf den Gegner zulief, sammelte er wieder Energie in seiner Waffe, um einen weiteren Strahl Energie auf den Feind zu schießen. Diesmal dauerte es deutlich länger, die benötigte Menge anzusammeln. „Genn!" rief Falstad. „Ich brauche Zeit! Lenke ihn ab!" Genn nickte, und versuchte, den Admiral festzusetzen. Die beiden rangen für eine Weile, bis Falstad rief: „Jetzt, Genn!" Genn wich zur Seite aus, sodass der Strahl, den Falstad abfeuerte, den Admiral direkt traf. Er zuckte zusammen, und fiel zu Boden. Doch noch immer war der Admiral nicht besiegt. Langsam richtete er sich auf, als plötzlich die ersten Sonnenstrahlen in die Höhle fielen. Als einer den Admiral traf, schrie dieser auf. Dort, wo das Licht ihn berührte, entzündete sich seine Haut. Seine Schreie wurden lauter und qualvoller, bis sie schließlich verstummten und der brennende Körper zu Boden fiel. Falstad meinte, einen grünlichen Schimmer von seinem Gegner ausgehen zu sehen, der von einem Windstoß aus der Höhle getragen wurde. Er atmete erleichtert auf. „Es ist vorbei." Nun erreichte das Licht auch Dehaika, und auch das Monster verbrannte. „Ob auch er in hundert Jahren wieder zurückkehren wird?" fragte sich Falstad. Während das Monster verbrannte, entwich ihm dasselbe grünliche Licht, das aus dem Körper des Admirals gekommen war. Diesmal sammelte es sich über Dehaika. Schließlich nahm es die Gestalt eines Menschen an. „Derrick!" rief Falstad überrascht. Der Geist blickte ihn an. „Falstad." sagte er. „Du hast es geschafft, die Rache des Admirals zu beenden. Ich danke dir. Da er mich unfreiwillig verwandelt hat, werde ich nicht zu seinem Meister zurückkehren. Meine Seele ist wieder frei. Danke, alter Freund." Mit diesen Worten löste sich Derricks Gestalt in Licht auf, und ein Windstoß trug die Lichtpunkte aus der Höhle. Nachdem er sich leise von seinem Freund verabschiedet hatte, erinnerte sich Falstad daran, dass Genn nun auch ein Haimonster war. Würde er auch verbrennen? Der Pirat drehte sich um. Genn stand im Licht, und langsam verwandelte er sich wieder in seine menschliche Gestalt. Er sah Falstad an und lächelte. „Wir haben es geschafft." sagte er. Dann blickten die beiden nach draußen, auf den Sonnenaufgang.
Nach der Niederlage des Admirals waren zwar er und Dehaika verschwunden, aber Schwarzherz blieb, wie er war. Falstad, Genn und Cassia sperrten ihn deshalb in seinem Versteck ein. Seine Crew aus untoten Piraten war allerdings verschwunden. Eine Woche nach dem Kampf hatten sich Falstad, Kurdran, Genn, Cassia und Hammer in der Schwarzherzbucht versammelt. „Nun, da Schwarzherz besiegt ist, wird es wieder friedlicher werden in Nebelhafen." sagte Falstad. „Meine Jungs und ich, wir würden gerne wieder auf See fahren, aber dann besteht die Gefahr, dass andere Piraten kommen." „Wie wäre es, wenn ich mit einigen Männern hier die Stellung halte?" fragte Genn. „Ich möchte die gerne auch weiterhin helfen, Falstad." Bevor dieser antworten konnte, ergriff Cassia das Wort: „Ich habe eine noch bessere Idee." Die anderen drehten sich zu ihr um. „Es ist einige Zeit vergangen, seit der Rat der drei Anker in Aktion getreten ist, und viele Piraten haben den Codex vernachlässigt. Es wäre gut, den Rat zu erneuern, und den Codex wieder einzuführen." Genn blickte sie an. „Ich nehme an, Falstad und Ihr sollte dazu gehören, nicht wahr?" Sie nickte. „Und wer soll der dritte sein?" fragte er skeptisch. Sie blickte ihn nur lächelnd an. „Na, wer wäre besser geeignet als der dritte im Bunde?" sagte Falstad zwinkernd. Genn blinzelte mehrfach. Dann blickte er die beiden nacheinander an. „Na, Kapitän Genn, was sagt Ihr?" fragte Cassia schmunzelnd. „Also gut. Aber Kapitän Genn ist nicht der Name, den ich tragen will. Ab sofort bin ich Kapitän Grauflosse." sagte er schließlich. Falstad blickte ihn mit erhobener Augenbraue an. „Im Kampf mit Dehaika habe ich mich in ein Haimonster verwandelt, ähnlich wie er. Am Morgen kehrte ich wieder in meine normale Gestalt zurück. Ich habe seitdem ein wenig geübt, und kann nach Belieben zwischen den beiden Gestalten wechseln. Es fällt mir noch schwer, die Haiform zu kontrollieren, doch es geht." Und so wurde der Rat der drei Anker neu gegründet. Kapitän Falstad von den Wildhammerpiraten, die ‚Piratenkönigin' Cassia und Kapitän Grauflosse waren seine Mitglieder, und Kurdran und Hammer waren die Zeugen. Der neue Rat erneuerte zunächst den Codex und schwor, ihn zu achten und weiter zu verbreiten. Falstad und seine Jungs setzten wieder Segel, und auch Cassia verließ Nebelhafen. Genn blieb mit einigen Männern beider Mannschaften und ein paar Seeleuten aus der Stadt in Nebelhafen und bezog das Versteck in der Schwarzherzbucht, dass nun das Hauptquartier des Rates sein sollte. Seit diesem Tag wurde der Admiral nicht mehr in Nebelhafen gesehen, und mit dem neu gegründeten Rat wurde der Piratencodex wieder mehr geehrt.
So endet die Geschichte vom Fluch der drei Anker, doch die Geschichte von Nebelhafen, und die des Rates waren noch lange nicht beendet. Doch davon werde ich ein andern Mal berichten.
Und damit ist die erste Geschichte dieser Sammlung beendet. Am Ende wurde sie immer länger, aber ich wollte sie endlich zu Ende bringen, also ist das letzte Kapitel etwas länger. Ich hoffe, dass ich es schaffe, die weiteren Geschichten etwas kürzer zu halten. Also dann, danke nochmal fürs Lesen, ich hoffe, es gefällt euch. Ich werde versuchen, die nächste Geschichte etwas früher fertig zu kriegen... (Tatsächlich ist dieses Kapitel innerhalb von drei Tagen entstanden. Es hat bloß etwas gedauert, bis ich mich an die Arbeit gemacht habe.) ;)
Bis dann,
Edeias
