Kapitel 7: Magische Überraschungen
Es war sehr warm geworden in Los Angeles. Wir hatten mittlerweile fast Ende Juli und die Temperaturen hatten ihren Höhepunkt erreicht.
Ich saß an meinem Schreibtisch in meinem magisch gekühlten Büro. Vor mir lag ein Stück Briefpapier und in der Hand hielt ich einen Kugelschreiber. Immer wieder setzte ich den Stift ans Papier an, doch die richtigen Worte wollten mir einfach nicht in den Sinn kommen. Alles, was ich bis jetzt zustande gebracht hatte, war:
‚Lieber Harry'
Mein Bruder Harry hatte am 31.07. seinen 13. Geburtstag und ich wollte ihm, jetzt wo er von mir wusste, unbedingt zum Geburtstag gratulieren und ihm natürlich auch etwas schenken. Aber was schenkte man einem 13-jährigen Teenager? Ich wusste ja nicht einmal, für was er sich in seiner Freizeit interessierte. Spielte er gern Schach? Oder Karten? Oder war er eher an Quidditch interessiert?
Frustriert legte ich meinen Kugelschreiber weg und sah zu Lio, der es sich auf dem Fenstersims vor meinem Schreibtisch gemütlich gemacht hatte. Der Kater war erst wenige Wochen bei mir, doch in dieser Zeit war er enorm gewachsen. Er sah zwar immer noch aus wie ein orange-rotes Katzenjunges, aber er hatte mittlerweile schon die Größe einer gewöhnlichen Hauskatze erreicht. Ich war ziemlich gespannt, welche Ausmaße dieser Wachstum noch erreichen würde.
Auf einmal hob Lio sein Köpfchen und maunzte mich vorwurfsvoll an. Ich warf einen Blick auf meine Uhr, die an der Wand neben meinem Schreibtisch hing. Erschrocken weitete ich die Augen. Es war schon fast 11 Uhr vormittags! Zeit für Lios Mittagessen und eigentlich sollte ich auch mal damit anfangen, mich etwas präsentabel zu machen, da ich mich mittags mit Lucifer in einem magischen Restaurant verabredet hatte. Er wollte ja unbedingt die magische Welt kennenlernen, also hatte sich dieses Restaurant, dass sich auch in L.A. befand, gut angeboten.
Allerdings musste ich davor noch Lucifer von seiner Arbeit beim LAPD abholen, da er das Restaurant alleine vermutlich nicht finden würde. Und eigentlich wollte ich meinen Brief an Harry bis dahin fertig haben, damit ich ihn per Langstrecken-Eule nach England verschicken konnte.
„Gib mir noch einen Augenblick", meinte ich an Lio gewandt und streckte mich über den Schreibtisch hinweg zu ihm hin, um ihm über sein weiches Köpfchen zu streicheln. Er schnurrte genüsslich.
Ich ging in Gedanken wieder zurück zu Harry und was ich ihm wohl schenken sollte. Am liebsten wollte ich ihm einfach eine Geburtstagstorte backen, aber die würde den Flug sicher nicht überstehen. Und außerdem wusste ich ja nicht mal, welche Art von Torte Harry mochte. Doch dann kam mir die zündende Idee! Ich hatte vor einiger Zeit, als ich noch in der Tränke-Schule war, einen Zaubertrank entwickelt, der Lebensmitteln genau den Geschmack verlieh, den man sich gerade am meisten wünschte. Harry würde den Trank nur über ein beliebiges Lebensmittel träufeln und dabei an die Torte denken müssen, die er in diesem Moment gerne essen würde.
Ich sprang auf und rannte die Treppe hinunter in mein Labor. Dort blieb ich kurz stehen und überlegte, wo ich den Trank wohl verstaut haben könnte. Ich riss die Schränke auf und suchte nach dem Fläschchen, das den Geschmacksveränderungstrank enthielt. Allerdings fiel mir keine Flasche mit einer solchen Aufschrift ins Auge. Ich stemmte die Hände in die Hüften und bemerkte dabei mein Zauberstabholster, welches ich, wie immer, an meinem Gürtel trug.
„Oh Merlin, bin ich blöd!", murmelte ich und schlug mir mit der Hand gegen den Kopf. Ich konnte den Trank ja mittels Magie einfach zu mit herrufen! Also zückte ich meinen Zauberstab und sagte:
„Accio Geschmacksveränderungstrank!"
Eine Schublade in einem kleinen Schrank ganz hinten in meinem Labor sprang auf und ein kleines kristallenes Gefäß, gefüllt mit einer lila Flüssigkeit, schwebte heraus.
„Hab ich dich!", rief ich triumphierend und fischte das Gefäß aus der Luft.
Dann sprang ich die Treppe wieder hoch und setzte mich an meinen Schreibtisch, wo ich damit begann, meinen Brief an Harry zu schreiben.
‚Lieber Harry,
Ich wünsche dir alles Gute zu deinem 13. Geburtstag! Ich hoffe, du kannst diesen Tag genießen und die Dursleys nerven dich nicht zu sehr.
Zu diesem besonderen Tag habe ich natürlich auch ein kleines Geschenk für dich. In dem Fläschchen, welches ich dem Brief beigefügt habe, befindet sich ein Trank, den ich selbst kreiert habe. Du träufelst ihn einfach auf irgendein Lebensmittel und denkst dabei an etwas, was du gerne essen würdest (z.B. deine Lieblings-Geburtstagstorte) und schon nimmt das Lebensmittel genau diesen Geschmack an! Ich hoffe, dieses kleine Geschenk „versüßt" dir deinen Tag etwas.
Außerdem wollte ich dich fragen, ob wir uns in nächster Zeit treffen können, um miteinander zu reden. Du hast bestimmt einige Fragen an mich… Wann bist du in der Winkelgasse für deinen Schuleinkauf? Ich könnte dann dorthin kommen.
Ganz liebe Grüße
Deine Schwester Serafina'
Zufrieden mit meinem Brief rollte ich ihn zusammen und befestigte das Gefäß mit dem Trank mittels eines Bindungszaubers daran. Dann ging ich in die Küche und bereitete Lios Mittagessen, eine Schale voll rohem Fleisch, vor. Schon seit ich Lio bei mir aufgenommen hatte, nahm dieser nur rohes Fleisch und Milch zu sich. Das war recht unüblich für eine Katze und als er dann auch noch so gewachsen war, hatte ich befürchtet, dass Lio nicht zu Hundert Prozent nur eine gewöhnliche Hauskatze war. Ich würde ihn einen Artenidetifizierungstest machen lassen müssen, sobald er ausgewachsen war. Allerdings machte ich mir darüber jetzt noch keine großen Gedanken.
Wie aufs Stichwort kam Lio in die Küche getrottet, als ich gerade seine Schüssel auf den Boden stellte. Er fing zufrieden an zu fressen, während ich ins Schlafzimmer ging und überlegte, was ich für mein Treffen mit Lucifer wohl anziehen sollte. Nach einigem Hin und Her entschied ich mich für ein knapp knielanges dunkelgrünes Kleid. Es war schulterfrei und hatte lange Ärmel, jedoch war der Stoff sehr luftig, sodass ich darin nicht schwitzen würde. Dann tuschte ich mir noch etwas die Wimpern, um meine Augen zu betonen.
Ein schneller Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich hetzt wirklich schleunigst zum LAPD aufbrechen sollte. Ich schnappte den Brief an Harry und verstaute ihn in meiner Handtasche. Dann hetzte ich zur Tür hinaus, mit Lio dicht an meinen Fersen. Ich beugte mich zu ihm herunter und strich ihm über den Rücken.
„Ich komme heute nachmittag wieder. Bau ja keinen Unsinn!"
Ich hatte es mir angewöhnt mit dem Kater zu reden und ich hatte auch das Gefühl, dass er sehr oft verstand was ich ihm sagte. Auch jetzt maunzte er kurz und verschwand dann zwischen den Häusern. Wenn ich heute nachmittag zurückkehrte, würde auch Lio wieder vor der Türe stehen.
Ich zückte meinen Zauberstab und sprach einen Tarnzauber, der mich vor neugierigen Blicken schützen sollte, wenn ich vor dem Gebäude des LAPD wie aus dem Nichts auftauchte. Dann konzentrierte ich mich und disapparierte mit einem lauten Knall.
Nach einer kurzen, aber dafür sehr schwindelerregenden Reise, bei der ich immer das Gefühl hatte durch eine enge Tube gepresst zu werden, befand ich mich vor dem Eingang des LAPD. Ich blickte mich kurz um und bemerkte erleichtert, dass keiner der Passanten auf der Straße mein plötzliches Auftauchen bemerkt hatte. Der Tarnzauber hatte also gehalten.
Ich lief in eine kleine Seitenstraße neben dem LAPD, die zum Glück menschenleer war. Dort löste ich meinen Tarnzauber auf und trat anschließend zurück auf die Straße. Langsam kam diese kribbelnde Nervosität in mir hoch, die ich meistens bekam, wenn ich auf Lucifer traf. Nicht, dass wir uns seit dem Vorfall im LUX, als er mich von Maze entführen lassen hatte, oft gesehen hatten. Er war nur einmal, natürlich unangekündigt, in meinem Laden aufgetaucht und hatte mich gefragt, ob ich ihm demnächst etwas von der magischen Welt zeigen würde. Dabei hatten wir dann unsere Verabredung zum Mittagessen ausgemacht, die dann heute stattfinden würde.
Ich atmete tief durch und betrat das LAPD. Innen sah ich eine Art Empfangstresen, hinter welchem eine Polizistin saß. Ich ging zu diesem Tresen und räusperte mich kurz. Die Polizistin blickte von ihrem Computerbildschirm hoch und sah mich etwas gereizt an.
„Hallo, ich bin mit Lucifer Morningstar verabredet. Können Sie mir sagen, wo ich ihn finde?", fragte ich sie höflich.
„Lucifer Morningstar?", erwiderte sie und ein schwärmerischer Ausdruck trat in ihr Gesicht. Nicht, dass ich es ihr verübeln konnte, der Gedanke Lucifer konnte eine Frau schon zum schwärmen bringen…
„Der müsste im Untergeschoss sein. Fragen Sie einfach nach Chloe Decker und Sie finden ihn."
Chloe Decker? Von ihr hatte ich noch nicht gehört. Ob das wohl Lucifers Arbeitskollegin war?
Ich bedankte mich bei der Polizistin hinter dem Tresen und stieg die Treppe hinab in das Untergeschoss. Kaum hatte ich das Ende der Treppe erreicht, schallte mir schon Lucifers tiefe Stimme entgegen.
„Aber, Detektive!"
„Nein, Lucifer!", unterbrach ihn eine energische weibliche Stimme. „Wir können unseren Tatverdächtigen beim Verhör nicht mit Gewalt drohen! Wie oft muss ich das noch sagen?"
Ich sah mich um und erblickte in einiger Entfernung Lucifer, der allerdings mit dem Rücken zu mir stand. Er hatte einen edlen dunklen Anzug an und gab auch von hinten ein tolles Erscheinungsbild ab. Er diskutierte mit einer jungen Frau, die ihre blonden Haare zu einem strengen Pferdeschwanz nach hinten gebunden hatte. Sie war sehr schlank und trug eine enge Jeans gepaart mit einer braunen Lederjacke. Ob das wohl Chloe Decker war? Ich ging auf die beiden zu, während diese sich noch darüber zankten, ob Lucifer nun den Vernehmungsgästen Gewalt androhen durfte oder nicht. Mein Herz schlug dabei wie verrückt und ich wurde immer nervöser.
Als ich näherkam, fiel der Blick der blonden Frau auf mich und sie tauschte ihren genervten Gesichtsausdruck gegen eine professionell wirkende Miene ein. Vermutlich dachte sie, dass ich auch zu einer Vernehmung geladen wurde, oder etwas in der Art. Als Lucifer diese Veränderung bemerkte, drehte er sich um, vermutlich um die Quelle dafür zu suchen. Dabei bemerkte er mich. Ich schenkte ihm ein scheues Lächeln, welches er strahlend erwiderte. Meine Knie wurden weich, doch ich versuchte, mir nicht anmerken zu lassen, welche Auswirkungen Lucifers Lächeln auf mich hatte.
„Ah, Serafina, da bist du ja!", sagte Lucifer und ging auf mich zu. Dann überraschte er mich, indem er seine Arme ausbreitete und mich wieder umarmte, genau wie damals im LUX. Auch diesmal erwiderte ich die Umarmung etwas schüchtern und versuchte gegen die Hormone anzukämpfen, die in mir zu toben begannen. Aber er roch so gut! Und es fühlte sich so toll an, von ihm umarmt zu werden… Doch bevor ich den Körperkontakt richtig genießen konnte, löste er die Umarmung wieder und wandte sich der blonden Frau zu.
„Das ist Sera, eine neue Freundin von mir", meinte er und legte mir den Arm um die Schulter. „Wir gehen jetzt zusammen Mittagessen!"
Ich ging auf die Frau zu und streckte ihr meine Hand entgegen.
„Hi, ich bin Serafina Evans. Freut mich, Sie kennenzulernen!", meinte ich.
Sie lächelte mich an und ergriff meine Hand.
„Ich bin Chloe Decker. Freut mich, dass Lucifer Freunde hat. Ich wusste gar nicht, dass er zu so etwas wie Freundschaften überhaupt fähig ist", sagte sie und lachte humorvoll.
In diesem Augenblick kam eine dunkelhaarige Frau mit einem bunten Motiveshirt um die Ecke.
„Hab ich da was von Freunden gehört?", fragte sie. Sie wirkte sehr gut gelaunt und war mir augenblicklich sympathisch.
„Ja", entgegnete Chloe. „Das ist Serafina, eine neue Freundin von Lucifer."
Ein Strahlen trat in die Augen der dunkelhaarigen Frau und auf einmal nahm auch sie mich fest in die Arme.
„Lucifers Freunde sind auch meine Freunde!", meinte sie lächelnd und trat wieder einen Schritt zurück. „Ich bin übrigens Ella Lopez, Gerichtsmedizinerin des LAPD! Was machst du denn so beruflich?"
„Ich führe eine kleine Apotheke in der Nähe von Lucifers Club, dem LUX", antwortete ich.
„Oh, wie cool!", meinte Ella. „Dann müssen wir uns unbedingt mal über die neuen Narkotika unterhalten, die auf den Markt gekommen sind, was hältst du als Verkäuferin denn davon?"
Narkotika? Ich hatte von Muggle-Medizin keine Ahnung, geschweige denn von irgendwelchen neuen Medikamenten.
„Ähm…", machte ich belanglos und warf Lucifer, der ja von meinem kleinen Geheimnis wusste, einen hilfesuchenden Blick zu. Dieser verstand zum Glück das Problem und ergriff meine Hand, um mich in seine Richtung zu ziehen.
„Sera hat jetzt leider keine Zeit dafür, Ella. Wir gehen jetzt nämlich zusammen Mittagessen!", sagte er und zwinkerte der kleinen Brünetten zu.
Dann lief er los in Richtung Ausgang des Gebäudes und ich konnte nicht mehr tun, als den beiden Frauen noch zuzuwinken, die uns mit offenen Mündern nachschauten.
„Du kannst mich dann jetzt loslassen", sagte Lucifer verschmitzt, als wir auf der Straße vor dem LAPD standen. „Außer, dir gefällt der Körperkontakt zu mir zu sehr, was ich natürlich verstehen würde."
Ich blickte hinunter auf unsere immer noch verschlungenen Hände und wurde knallrot.
„Oh, das habe ich gar nicht bemerkt", murmelte ich und löste meine Hand von seiner viel Größeren.
Um die peinliche Situation zu überspielen, drehte ich mich um und lief in Richtung der Gasse, in der ich vorhin meinen Tarnzauber gelöst hatte.
„Komm, wir müssen einen Ort finden, von dem wir disapparieren können, ohne dass uns ein Muggel bemerkt", sagte ich zu Lucifer über meine Schulter hinweg.
Dieser hielt problemlos mit mir Schritt und folgte mir in die Gasse.
„Disapparieren? Was ist das?", fragte er neugierig.
„Du kannst es dir vorstellen wie teleportieren in den Sience-Fiction Romanen. An einer Stelle verschwinden, an einer anderen wieder auftauchen. Das habe ich damals gemacht, als Katie und ich im LUX zu Besuch waren", antwortete ich.
Als ich bemerkte, dass wir außer Sichtweite der Muggel waren, blieb ich stehen und blickte eindrücklich hoch in Lucifers elegantes Gesicht.
„Okay, wir werden von hier apparieren. Du musst dich bei mir einhaken, dass ich dich mitnehmen kann. Wir werden direkt vor dem Restaurant wieder auftauchen. Da das Restaurant in einer magischen Gegend in L.A. ist, wird sich auch keiner wundern."
Lucifer nickte, um zu zeigen, dass er verstanden hatte. Ich glaubte, einen freudigen Schimmer in seinen Augen erkennen zu können, als ob er es kaum erwarten könne, das erste Mal mit Magie in Berührung zu kommen.
„Mir wird vom Apparieren immer kurz etwas schwummrig, ich hoffe du kannst das verkraften, weil es ja vermutlich auch dein erstes Mal ist."
„Oh, mein erstes Mal habe ich schon lange hinter mir", meinte Lucifer und grinste mich teuflisch an.
Ich verdrehte die Augen, doch innerlich konnte ich nichts gegen die Bilder von Lucifer, verschlungen mit einer unbekannten Frau in einem roten Himmelbett, tun, die vor mein geistiges Auge traten. Ich versuchte, meine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen.
„Also, bist du so weit?", fragte ich ihn und streckte ihm meinen Arm hin. Er hakte sich unter, ich begann mich zu konzentrieren und wieder einmal verschwanden wir mit einem lauten Knall.
Als wir vor dem Restaurant auftauchten, musste ich mich kurz an Lucifer festhalten- Jemanden beim Apparieren mitzunehmen war doch um einiges anstrengender, als nur sich selbst vom einem zum anderen Ort zu befördern.
„Ich weiß gar nicht was du hast, Liebes!", meinte Lucifer, während er mich aufrecht hielt. „Ich fand diese kurze Reise im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaft!" Er lachte über seinen eigenen Witz, während ich ihm einen verärgerten Blick zuwarf.
„Du musstest ja auch nicht die Arbeit tun", meinte ich und löste mich von ihm, als ich merkte, dass mir nicht mehr schwindelig war.
„Also, wir stehen jetzt hier in einem magischen Stadtteil von L.A.", erklärte ich Lucifer. „Jeder Mensch, den du hier siehst ist ein Zauberer oder eine Hexe. In England, wo ich herkomme, sieht man das den Leuten mehr an, weil sie Umhänge tragen und ihre eigene Mode haben. Aber hier in Amerika hat man sich kleidungstechnisch den Muggeln angepasst, daher fällst du in deinem Anzug auch nicht auf."
„Liebes, ich falle immer auf!", meinte Lucifer und schenkte mir wieder sein unverwechselbares Lächeln.
Auch wenn ich ihm stillschweigend zustimmte, ignorierte ich seinen Einwand und sprach weiter.
„Das Restaurant, in das wir heute gehen, heißt ‚Taverne des Raben'. Dort kannst du ganz normale amerikanische Sachen essen, wie Burger und Wraps und Pommes und so was. Der Unterschied ist nur, dass alles auf magische Art und Weise zubereitet wird. Aber das wirst du gleich sehen."
Lucifer nickte und wir gingen gemeinsam in das Restaurant hinein. Ein Kellner führte uns an einen schönen Fensterplatz, allerdings nicht ohne Lucifer einen etwas verängstigten Blick zuzuwerfen. Magische Menschen schienen wohl zu spüren, dass er ein finsteres Wesen war.
Als wir uns gesetzt hatten, erscheinen vor uns wie aus dem Nichts die Speisekarten, was Lucifer entzückte („Das ist ja praktisch, so was hätte ich im LUX auch gerne!"). Wir bestellten unsere Mahlzeiten bei einer hübschen jungen Hexe, die zwar auch ihren Sicherheitsabstand zu Lucifer einhielt, ihm aber trotzdem schmachtende Blicke zuwarf, die er sichtlich zu genießen schien.
Als ich hörte, dass Lucifer einen extra blutigen XXL-Burger bestelle, musste ich ein Kichern unterdrücken, was mir wohl mehr schlecht als recht gelang.
„Warum hast du gelacht?", fragte mich Lucifer, als die Kellnerin verschwunden war.
„Ich fand die Vorstellung, wie der edle Lucifer einen XXL-Burger verdrückt, nur ziemlich witzig", meine ich und grinste ihn an.
Er schnaubte empört.
„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich meinen Anzug verschmutzen würde? Glaub mir, Liebes, ich hab schon ganz andere Sachen verschlungen, ohne auch nur eine Falte in mein Hemd zu machen."
Er blickte mich tief aus seinen dunklen Augen an und ich konnte mir lebhaft vorstellen, was er wohl damit meinte. Ich löste den Blickkontakt, um meine Hormone zu beruhigen und wechselte das Thema.
Als unser Essen dann kam, konnte Lucifer einen verwunderten Blick nicht unterdrücken. Die Kellnerin hatte gut sieben oder acht verschiedene Mahlzeiten hinter sich her schweben und lies diese gekonnt vor den richtigen Gästen nieder.
„Es ist ziemlich schwierig, etwas so still zu halten, während man es schweben lässt", erklärte ich Lucifer, als ich seinen Blick bemerkte.
„Ich konnte das nie, deshalb hab ich auch während meiner Ausbildung nie gekellnert."
„Gut zu wissen", meinte Lucifer trocken. „Dann werde ich dir nie einen Job als Kellnerin im LUX anbieten. Aber dafür bist zu auch zu hübsch, ich könnte mir dich eher als Tänzerin vorstellen, vielleicht in einem Käfig…"
Ich verschluckte mich prompt an meinem Burger bei diesen Worten und Lucifer klopfte mir lachend auf den Rücken.
Als wir unsere Mahlzeiten gegessen hatten und ich für uns beide gezahlt hatte (Lucifer hatte eigentlich darauf bestanden zu zahlen, aber da das Restaurant nur Galleonen und Sickel als Währung entgegennahm, musste er mich wohl oder übel zahlen lassen), gingen wir wieder hinaus aus dem Restaurant an die frische Luft.
„Ich muss noch einen Brief an meinen Bruder verschicken", meinte ich an Lucifer gewandt. „Das Postamt ist ein paar Minuten zu Fuß von hier, willst du noch kurz mitkommen, oder soll ich dich zurück zum LAPD bringen?"
„Ein magisches Postamt? Das kann ich mir doch nicht entgehen lassen", erwiderte Lucifer lachend.
Und so gingen wir noch gemeinsam zum Postamt, wo Lucifer die vielen Eulen bestaunte.
„Ihr überbringt eure Post per Eule? Ist das nicht ein bisschen… mittelalterlich?", fragte er skeptisch.
Ich zuckte nur mit den Schultern und zahlte für die Langstreckeneule nach England, die Harry seinen Brief überbringen würde.
Dann gingen wir zurück auf die Straße und apparierten von dort in die kleine Gasse neben dem LAPD, aber natürlich nicht, ohne dass ich Lucifer und mich noch mittels Tarnzauber vor den Blicken der Muggel geschützt hatte.
Nachdem ich mich wieder kurz an Lucifer festhalten musste, um meinen Schwindel vom apparieren zu bekämpfen, gingen wir vor den Eingang des LAPD. Dort verabschiedete ich mich von Lucifer.
„Ich hoffe, der kleine Einblick in meine Welt hat dir gefallen. Vielleicht kann ich dich auch mal nach England mitnehmen, da ist der Unterschied zwischen den Muggeln und den Zauberern noch viel größer", sagte ich zu Lucifer.
„Ich würde gern nach England reisen, vor allem, wenn die Reise so kurz ist wie gerade eben", erwiderte dieser.
Dann überraschte er mich, indem er mich zum zweiten Mal des heutigen Tages fest in seine Arme schloss.
„Der Ausflug hat mir tatsächlich gut gefallen", sagte Lucifer, den Mund nahe an meinem Ohr. Ich konnte seinen warmen Atem auf meinem Hals spüren. Es war ein sehr angenehmes Gefühl, sodass ich erschauderte und meine Augen schloss. Dann ließ er mich zu meinem Bedauern wieder los und trat zurück.
„Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder, Liebes", grinste er und zwinkerte mir zu. Dann drehte er sich abrupt um und verschwand im Gebäude des LAPD. Ich konnte ihm nur noch ein „Bis bald, Lucifer!" hinterherrufen.
Als ich abends in meinem Bett lag, mit Lio links neben mir auf meinem Kissen, lies ich den Tag noch einmal Revue passieren. Ich dachte an die vielen schönen Momente mit Lucifer und daran, wie sehr ich seine Berührungen, wenn sie auch nur von kurzer Dauer waren, genossen hatte. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Ich hatte mich ein bisschen in meinen neugewonnenen teuflischen Freund ,Lucifer Morningstar, verliebt.
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Mein herzlicher Dank gilt wieder allen, die diese Geschichte favorisiert und zu ihren Alerts hinzugefügt haben. Besonders bedanken möchte ich mich bei Gabrielle und Ag98 für die lieben Reviews! Bis zum nächsten Kapitel;) Eure Zwalt
