Das Gespräch war anders verlaufen, als Severus es sich vorgestellt hatte. Merlin, die Hexe hatte anfangs derart verklemmt gewirkt, dass ihn ihre Ausführungen nun tatsächlich eiskalt erwischt hatten. Mit jedem Wort hatte er sie weniger ansehen können. Die Schlüsse die zu ziehen waren, lagen glasklar vor ihm.
Hermine Granger war wohl kein unbeschriebenes Blatt und ihre anfängliche Unruhe ließ sich wohl auf ihn als Gesprächspartner zurückführen. Wenn seine Zusage, sie nicht in der Öffentlichkeit zu verspotten so schnell zum Redefluss befähigte, wollte er nicht wissen, was mit provokanten Fragen noch so zu Tage gefördert werden würde.
Mit dem Erfragen von pikanten Details sollte er allerdings warten. Gerade war er derart erregt, dass andernfalls damit zu rechnen wäre, seinerseits verspottet zu werden. Ganz dringend sollte er sich beruhigen. Neutrales Gebiet wäre gut. Und Nachdenken, über etwas, was sein Gehirn soweit forderte, dass das Blut aus tieferen Regionen seines Körpers abziehen würde.
"Eine interessante Analyse ist das, Granger. Sie deckt sich im groben mit meiner eigenen. Allerdings sehe ich den Erklärungsansatz anders. Das Verhalten des Professors in dieser Phantasie ist verwerflich, definitiv. Man muss schon reichlich verkommen sein, um ihm für seine List und das Ausdehnen der Regeln auf die Schulter klopfen zu wollen. Gerade auch in anbetracht des Alters der Schülerin. Ich gehe daher davon aus, dass es weniger um den Schutz meiner Person und Reputation ging, als um ein sehr allgemeines Handlungsmotiv. Hermine Granger sollte nicht als Gewaltopfer dargestellt werden. Sie soll Genuss aus dem Akt ziehen. Die Tatsache, dass sie sich drängen lässt und die Ausflucht dann auch noch genießt, lässt sie wie eine Nymphomanin erscheinen, die es tatsächlich mit jedem treiben würde. Auch nicht sympathisch, aber eben kein Opfer. Wer immer das war, mag weder Sie noch mich, wollte sich aber gleichzeitig nicht für eine Gewaltverherrlichung an einer Frau hergeben. Ich denke deshalb, wir suchen eine Frau."
Rot war die Hexe geworden, aber sonst schien sie eisern um ihre Beherrschung zu kämpfen.
"Fällt Ihnen da jemand ein?", fragte sie ehrlich interessiert. Severus zuckte mit den Schultern.
"Das Motiv sollte klar sein. Diese Erinnerung in Kombination mit dem falschen Brief impliziert, dass Ihre Aussage nichts wert wäre. Mein Freispruch sollte verhindert werden. Meine Aussage in den Todesserprozessen wäre dadurch weniger glaubwürdig erschienen. Zusätzlich hätte eine Publikation der Erinnerung dafür gesorgt, dass ich als moralisch beschädigt gelte - mehr noch als ohnehin schon. Mindestens beteiligt an dieser Sache ist eine Frau, die aus einer Todesserfamilie stammt und um einen Freispruch kämpft, für sich oder andere. Sie ist magisch begabt, beherrscht insbesondere Zauber der Erinnerungsextraktion, ist kreativ, detailsverliebt und sexuell erfahren. Das grenzte die Auswahl stark ein."
Granger nickte und zog einen Bogen Papier aus ihrer Schreibtischschublade.
"Meine Auswahl von Verdächtigen."
Sie tat ihm den Gefallen und brachte ihm die Liste an den Platz. Er war dankbar in diesem Moment nicht aufstehen zu müssen. Allerdings verbesserte sie die Situation nicht gerade, als sie sich nun auf die Kante ihres Schreibtischs setzte. Diese ungewollte Assoziation mit der Erinnerung führte dazu, dass er zunächst keinen Blick auf die Namen warf und stattdessen fragte: "Noch ein wichtiges Detail, für meine Einschätzung: Wie realistisch ist das Bild von Ihnen?"
Erneut wurde sie rot, sie schloss sogar die Augen. Dennoch antwortete sie mit ruhiger Stimme: "Sehr realistisch, zumindest für heute. Die Narbe hatte ich noch nicht, als Sie mein Lehrer waren. Und auch sonst sah ich anders aus." Da brach sie ab.
Er nickte, obwohl sie es nicht sehen konnte. Kurz war er versucht, sich unwissend zu geben und zu fragen, welche Narbe sie meinte.
'Die auf meiner Brust', in einem dann vielleicht auch verlegenen Tonfall wäre definitiv zu reizvoll für dieses Büro. Schon jetzt schien sein Gemächt nicht begreifen zu wollen, dass die Hexe ihm nicht zu Diensten sein würde. Die Alternative war allerdings auch nicht viel besser. Ganz offensichtlich war ein Gespräch mit der Hauptprotagonistin einer Sexphantasie nicht eben das, was als neutrales Gebiet zählte.
Die Realität der Szenerie sei zunächst dahingestellt. Ja, sie war selbstbewusst, aber dennoch sah er sie eher als Frau, die sich einem Mann in einem Bett hingab. Dennoch, selbst wenn sie lediglich so aussah, wie in dieser Szene, dann wäre sie auffallend anziehend, selbst als biederes Mäuschen, das das Licht für den Akt am liebsten löschen wollte. Er würde das keinesfalls billigen. Ihre Haut war glatt und gerade so gebräunt, dass sie gesund aussah, aber nicht gewollt optimiert. Ihre Proportionen waren perfekt. Lange Beine, flacher Bauch, die Hüfte nur minimal breiter als die Schultern, was sie weiblich aber nicht unförmig wirken ließ. Die Brüste eher zart, aber groß genug um in erregender Resonanz zu ihrem Körper beben zu können. Oh Merlin, wie gern würde er tatsächlich über diese Brüste lecken. Und noch viel mehr. Würde sie sich nackt und breitbeinig vor ihn legen, könnte er definitiv nicht die Beherrschung aufbringen und sie nicht nehmen! Er hätte sich in ihr versänkt. Noch so ein Beleg, der für eine Fälschung sprach.
'Kingsley, ernsthaft, ich war nie der Mensch, der sich um Regeln scherte. Hätte ich sie in eine solche Situation gebracht, hätte ich es auch zu Ende geführt.'
Das war kein Satz, den er dem Minister sagen sollte.
"Was ist mit Ihnen?' Hörbar interessiert klang sie nun und riss ihn fort von diesen unproduktiven Gedanken.
"Nicht realistisch", war seine knappe Antwort. Was sollte er auch sonst sagen? Dass er weniger behaart war, dafür seine Haut aber von der Zeit als Todesser sprach und von Narben übersät war? Dass er aus der täglichen Perspektive heraus seinen Schwanz eindrucksvoller fand? Hinzu käme das, worauf auch sie für sich nicht eingegangen war. Das jenseits der Optik. Ganz sicher war er nicht mit der Person in dieser Szene zu vergleichen. Er würde beim Sex kaum eine solche Souveränität an den Tag legen. Er war schon froh, wenn eine Frau den Eindruck erweckte, dass er seine Sache gut machte, ganz sicher würde er ihr keine guten Ratschläge geben, wie sie noch mehr Spaß würde haben können.
"Dann hat der Täter also die Möglichkeit gehabt, sich ein Bild von mir zu machen, aber nicht von Ihnen. Es wird also kein Mitarbeiter des Ministeriums gewesen sein."
Ein Bild von ihr... Wie sie sich unter einem Mann wandte, keuchte, stöhnt und kleine Schreie der Lust ausstieß. Wie sie mit Genuss einen Mann oral befriedigte. Ihr Verständnis der Frage musste ein anderes sein als seines. Es reizte ihn, ihr die Selbstsicherheit zu nehmen.
"Gemessen an einem Verständnis von Realismus suchen wir jemanden, der die Gelegenheit hatte, Sie beim Sex zu beobachten!", stieß er provokant bis abfällig aus. Wenn er mit ihr zusammen arbeiten sollte, wäre es besser, sie täte nicht so, als wäre sie die Hexe aus dieser Phantasie. Es mochte ja sein, dass sie hübsch war, aber ganz sicher war sie nicht der Mensch, der es sich auf einem Schreibtischen besorgen ließ! Es war an der Zeit auch diese Zielrichtung seiner Frage klarzustellen.
Sie zerrte ihm brutal den Boden unter den Füßen weg, als sie leise und peinlich berührt ausstieß: "Genau das befürchte ich auch."
