Hermine war überrascht, als sie und Snape das Haus verließen und nicht etwa den Weg bis zur Appariergrenze des Anwesens zu Ende gingen, sondern der Mann sie hinter eine Ligusterhecke zog, nachdem er einen Blick über seine Schulter geworfen hatte.
"Sie scheinen Recht zu haben. Malfoy hat gerade etwas von Erinnerungen gefaselt. Er schmückt sich damit, eine ganze Sammlung von Schmutz zu besitzen, mit dem er sich die Zeit vertreibt."
Kurz glaubte Hermine, der Mann würde noch etwas hinzugefügen wollen, aber er schwieg. So fragte sie: "Und jetzt? Ich habe schon immer geahnt, dass es in diesem Haus mehr geben muss, als das Ministerium gefunden hat."
Snape schnaubte hörbar amüsiert. "Er könnte in diesem Anwesen die ganze Winkelgasse verstecken, ohne dass das Ministerium es bemerken würde. Wir gehen zurück!"
"Auf gar keinen Fall machen wir das! Was auch immer wir finden, wäre ohne Sicherung mit einem Ermittlungsbefehl des Ministeriums nichts wert. Man kann nicht einfach in ein Haus gehen-"
Snape fiel ihr vehement ins Wort. "Nein, kann man nicht. Und ob Sie es glauben oder nicht, ich bin nicht blöd. Ich will auch nicht einfach rein und schnüffeln. Ich will mich zum Corpus Delicti führen lassen! Kommen Sie, ich muss ganz dringend mit jemanden sprechen."
Hermine war verwirrt genug, um ihm tatsächlich zu folgen. Jemand stellte sich als ein außergewöhnlich zarter Hauself heraus, den sie in einem baufälligen Schuppen fanden. Diese Wesen waren stets klein und leicht, aber so einen wie diesen hatte Hermine noch nie gesehen. Wenn es hoch kam, maß er zwei Drittel eines gewöhnlichen Elfs.
"Sicky, ich bin froh dich hier zu finden."
Die Augen des Wesens wurden groß, dann fiel es auf die Knie und kroch zu Severus.
"Mister Snape, Sir. Sicky ist der, der sich freut! Auf ewig Ihr Diener, Sir!"
Snape schien die ganze Situation sichtlich unangenehm zu sein. Doch er ließ es zu, dass der Elf sich zu seinen Füßen zusammenrollte.
"Ich entlasse dich heute aus deiner Schuld. Dafür musst du mir nur einen Gefallen tun. Dein Herr besitzt eine Sammlung von Erinnerungen, richtig?"
Die Elfe ließ mit leidender Miene die Ohren hängen, nickte aber zur Antwort. Snape straffte sich sichtlich.
"Führe mich dort hin. Zeig sie mir, mehr verlange ich nicht. Wenn du es tust, wird dein Herr vielleicht nicht mehr lange dein Herr sein."
Ein kurzes Zögern folgte, dann griff das Wesen nach Snapes Hand. Dieser richtete eine Forderung an Hermine.
"Holen Sie die Kavallerie! Kingsley, Potter und alle, die Ihnen sonst noch in den Sinn kommen! Geben Sie mir zehn Minuten, offiziell werde ich hier auf Sie gewartet haben, um das Anwesen im Auge zu behalten. Sie haben mit dem ersten Blick auf die Beweise nichts zu tun. Alles wird sauber sein und verwertbar. Ich muss aber verhindern, dass Malfoy, aufgeschreckt durch unseren Besuch, Spuren verwischt und wir ohne nichts da stehen, so kurz vor dem Ziel."
Hermine überdachte das Gehörte. Natürlich hatte Snape recht und ja, sie traute ihm zu, dass er wusste, was er tat und worauf es ankam. Aber würde Malfoy es bemerken, dann wäre was auch immer in einem Prozess nichts wert. Wenn es aber nichts mehr zu finden gab, gäbe es keinen Prozess. So nickte sie die Worte ab.
Damit war der Mann sammt Elfe verschwunden. Hermine nahm die Beine in die Hand. Was auch immer Malfoy von sich gegeben hatte, es musste wohl absolut gegen ihn verwendet werden können. Die Hexe ahnte, in welche Richtung es gegangen war. Vor Monaten hatte sie erste Gerüchte gehört, von einer widerlichen Sammlung in diesem Haus. Nach und nach hatte sich das Bild ergeben, dass diese Sammlung alles, was Malfoy bisher ausgesagt hatte, ad absurdum würde führen können. Aber Gerüchte reichten eben nicht und selbst die immer wieder vom Ministerium durchgeführten Durchsuchungen hatten nichts zu Tage gefördert. Und nun war es so schnell gegangen, viel schneller als Hermine es vermutet hatte. Das war natürlich gut und könnte dafür sorgen, dass sich die Todesserprozesse endlich - endlich! - in eine vernünftige Richtung bewegten. Fraglich war nur, was das ganze für sie bedeuten würde.
Noch vor nicht einmal zwei Stunden hatte sie Snape gegenüber gehofft, die Peinlichkeit umgehen zu können. Das würde wohl nicht funktionieren, nicht nur ihm gegenüber, sondern allen. Wenn es hier diese Erinnerungen gab, dann war sie vertreten. Das war doch der Ursprung der gefälschten Erinnerung, die dem Ministerium zugestellt worden war.
Mit einem Mal wurde ihr schrecklich schlecht. Sie war dem Kommenden nicht gewachsen. Sie würde die Auroren verständigen. Aber nicht mit ihnen zurückkehren. Harry würde es verstehen und auf das Anwesen und die Bewohner selbst schieben. Ja, vorerst hätte er sicher noch Verständnis für seine Freundin.
Was er tat, war Unsinn! Daran war vor allem verwerflich, dass Severus dennoch handelte, in vollem Bewusstsein des Unsinns.
Granger war Schuld daran, nur sie, mit ihren Andeutungen am Morgen, ihren Gedanken zu diesem Fall. Und dann noch die Worte des Widerlings Malfoy! Es gab hier eine Erinnerung von Granger und es war... Verflucht, nicht nur die reine Neugier, auch der Wunsch die Hexe vor Schaden zu schützen, was ihn verleitete, vorab sichten zu wollen, was ihr blühen würde.
Nun, in einem hatte er sich geirrt. Ein Aufrufzauber ließ nicht etwa ein Reagenzglas in seine Hand fliegen, nein, er fing fünf auf. Funf! Fünf Erinnerungen, in denen die Hexe eine Rolle spielen musste.
Den Zauber hatte er hinter seinem Rücken gewirkt, ohne das Sicky es mitbekommen hatte. An sie gewandt stieß er aus: "Der ganze Wahnsinn deines Herrn spiegelt sich in diesem Raum wider."
Und das war sicher nicht übertrieben. Vier hohe Regale waren mit den kleinen Zylindern gefüllt. Lauter kleine, weiße Nebel mit sicherlich eindeutigem Inhalt. Gemessen an dem, was dem Ministerium überstellt worden war, dürfte der Inhalt ausgesprochen bunter Natur sein. Und Granger war mehrfach vertreten. Die brave Hexe...
"Führe mich zurück, Elfe. Und weiche nicht von meiner Seite. Malfoy wird wütend sein. Aber er wird noch heute das Anwesen verlassen müssen. Er hat Beweismaterial unterschlagen. Bei seiner Position und Rolle in der Vergangenheit bedeutet das Untersuchungshaft. Ich werde mich dafür einsetzen, dass das auch für die Lady gilt."
War das absoluter Schutz für das Wesen? Mit Sicherheit nicht. Irgendwann kämen die Hausherren zurück.
Das dachte Severus zu diesem Moment tatsächlich noch. Wie konnte er auch ahnen, dass dieser Fund alles verändern würde. Und das es ausgerechnet Granger anzurechnen war, dass nicht nur Malfoy, sondern auch Umbridge den Rest ihres Lebens in Haft verbringen würden.
