Die wahre Geschichte, wie Draco Malfoy mich auf dem Weihnachtsball küsste

Ich sah gut, nein, umwerfend aus! Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, bin ich nicht gerade die Bescheidenste, und so drehte ich zufrieden ein paar Pirouetten vor dem großen Spiegel im Schlafsaal. Der Abend des Weihnachtsballs war gekommen und mich trennten nur noch zehn Minuten von einer unvergesslichen Ballnacht mit Draco Malfoy. Dem intelligentesten, reichsten und schönsten Slytherinschüler, den ich je gesehen hatte und der mit mir zum Ball gehen wollte und nicht mit Pansy Parkinson!
Ich quiekte vor Vergnügen und bewunderte mich ein letztes Mal im Spiegel. Obwohl tiefster Winter war, hatte ich mich für ein knielanges Petticoat Kleid entschieden. Zu groß war die Angst, jemand würde bei einem längeren Kleid beim Tanzen drauftreten. Es war rot, natürlich nicht Gryffindorrot, sondern Kastanienrot wie meine Haare. Ich hatte Pumps in derselben Farbe und eine zierliche Silberkette um meinen Hals. Mein Makeup war dezent: etwas Wimperntusche, Kajal und Lippenstift. Außerdem trug ich mein neues Parfum. Meine Haare hatten keine Sonderbehandlung erfahren und lagen lockig und etwas strubbelig wie immer. Sie waren einfach nicht zu bändigen!
Ich atmete ein letztes Mal tief ein, und machte mich auf den Weg zur großen Treppe. Um punkt sechs Uhr, wie von Malfoy befohlen, schritt ich die Stufen herunter. Einige Jungs sahen mich mit großen Augen an, sogar aus anderen Häusern, und auch die Mädchen musterten, teils neidisch, teils bewundernd, mein Kleid, was meine anfängliche Nervosität dämpfte und mir einen kleinen Selbstbewusstseinsschub verpasste. Jetzt erblickte ich auch den Blondschopf am Fuß der Treppe, nahm die letzte Stufe noch einmal besonders elegant, und kam direkt vor ihm zum Stehen.
„Beeindruckend, Miss Livingsten", sagte Malfoy und seine Lippen umspielte ein spöttisches Lächeln.
„Vielen Dank, Mister Malfoy", sagte ich eben so spöttisch und machte sogar einen Knicks.
Er hatte sichtlich gute Laune. Seine grauen Augen leuchteten intensiv wie graue Flammen und auf seinen Lippen lag jetzt ein zufriedenes, wenn auch typisch narzisstische, Lächeln. Er trat neben mich und holte einen Blumenstrauß hinter seinem Rücken hervor. Weiße Rosen mit grünem Schleierkraut zusammengesteckt. Die Slytherinfarben.
„Die Farben der Familie Malfoy", korrigierte er mich. „Schließlich gehst du nicht mit irgendjemandem zum Ball". Ich nickte nur und senkte meinen Blick auf die Blumen, damit er nicht sah, wie rot ich wurde.
„Vielen Dank, sie sind wunderschön", hauchte ich.
Er verdrehte leicht genervt die Augen, hielt mir aber seinen Arm hin, in den ich mich glücklich, aber leicht eingeschüchtert, einharkte. So betraten wir die große Halle, die in einen wahren Eispalast verwandelt wurde: Eiszapfen an den Decken, kristallene Kronleuchter und wunderschön dekorierte Festtafeln. Während ich nicht wusste, wo ich zuerst hinschauen sollte, blieb Draco ruhig und gelassen. Er kannte so viel protz und prunk wahrscheinlich von Zuhause!
Wir suchten uns einen Sitzplatz nahe der Tanzfläche und schnell gesellten sich auch Crabb und Goyle hinzu. Die, die ganze Zeit stehend, wie zwei Bodyguards um uns herum platziert waren. Ein wenig unheimlich für mich, aber wahrscheinlich auch wieder ganz normal für meine Begleitung. Plötzlich verdunkelten sich die Lichter und das leise Geigenspiel des Orchesters signalisierte das Einlaufen der trimagischen Champions. Allen voraus, Fleur Delacour. Sie sah wunderschön aus und genauso wie viele andere Mädchen, konnte ich mir ein neidisches Seufzen nicht verkneifen! Malfoy schnalzte nur gelangweilt mit der Zunge.
„Was ist? Sie sieht doch umwerfend aus?", flüsterte ich ihm zu.
„Da gibt es hübschere Mädchen", raunte er zurück und seine Blicke durchbohrten mich fast. Er machte Scherze, oder? Fleur war schließlich mit einer Veela verwandt!
Doch ehe ich den Gedanken weiterverfolgen konnte, setzte das Orchester zum ersten Takt an. Der Eröffnungstanz begann.
Elegant wirbelten die Champions mit ihren Begleitungen über die Tanzfläche. Alle, mit Ausnahme von Hermine Granger, sahen toll aus und fast war ich neidisch, nicht mit einem der Champions zum Ball gegangen zu sein, bei all der Aufmerksamkeit und dem Applaus, den sie bekamen. Jetzt gesellten sich auch zunehmend mehr Schüler und Lehrer dazu und die Tanzfläche füllte sich. Malfoy neben mir räusperte sich und ich sah ihn erwartungsvoll an.
Elegant streckte er mir seine Hand entgegen und bei der unausgesprochenen Aufforderung in seinen Augen wurden meine Beine weich wie Butter und meine Hände schwitzig.
„Gerne", hauchte ich und legte meine Hand in seine. Mit bestimmten und dennoch grazilen Schritten trat er auf die Tanzfläche mit mir an seiner Seite. Crab und Goyle musterten uns erwartungsvoll und Pansy Parkinson sah aus, als wolle sie sich auf mich stürzen.
Malfoy bekam von alldem nichts mit, oder er ignorierte es gekonnt. Er legte eine federleichte Hand auf meine Hüfte und zog mich näher an sich. Dann begann er mit mir einen klassischen Walzer zu tanzen.
Er führte Weltklasse! Seine Schritte waren geschmeidig und immer im Takt und seine Hände drückten das perfekte Mittelmaß an Kraft und Leichtigkeit aus, um mich elegant über die Tanzfläche zu befördern. Ohne Zweifel ein Mann aus gutem Hause!
Von allen Seiten waren „Oh's" und „Ah's" zu hören und egal, ob sie uns galten oder nicht, ich fühlte mich wie eine Prinzessin. Auch Malfoy amüsierte sich und schenkte mir ein Lächeln.
„Hast du Spaß", fragte er mich. Ich nickte nur, da ich krampfhaft versuchte, unter seinem Blick nicht zu erröten. Wie blöd ich gewesen war, mich an die Seite eines der Champions zu wünschen.
Er drehte mich einmal im Kreis und zog mich wieder zu sich heran.
„Freut mich zu sehen, dass es dir gefällt", raunte er mir zu und sein Amber- und Sandelholzgeruch stieg mir in die Nase, sodass ich total berauscht war.
„Ich geh kurz frische Luft schnappen", sagte ich auch sogleich, als der Tanz beendet war. Er nickte und folgte mir nach draußen.
„Ah Sauerstoff", rief ich, heilfroh, endlich durchatmen zu können. Sein Parfum hatte eine zu starke Wirkung auf mich. Nicht gut Lina, gar nicht gut!
Malfoy lehnte sich lässig gegen eine Mauer und nippte an einem Glas Punch, welches er im Vorbeigehen schnell vom Buffet gegriffen hatte.
„Viele haben dich gerade beim Tanzen angestarrt", sagte Draco plötzlich.
Ich zuckte nur mit den Schultern. „Seitdem Pansy meine Klamotten quasi in Luft aufgelöst hatte, gucken mich immer viele Leute an oder tuscheln hinter meinem Rücken. Ich kenne das schon!".
Er lachte ein kehliges, ironisches Lachen. „Deine Unterwäsche war ja auch ein netter Anblick!".
Ich spürte, wie meine Wangen heiß wurden. „Ach hör doch auf, du Ekel", maulte ich ihn an und wandte den Blick ab. Er kicherte.
„Nein, jetzt im ernst, heute haben dich viele Jungs angeguckt. Es war…irritierend".
„Nun Mister ‚mir entgeht Garnichts', dich haben auch viele Mädchen angeschmachtet". Vor allem Pansy Parkinson, aber das erwähnte ich nicht laut!
„Mich schauen die Leute wegen meinem Geld oder meinem Familiennamen an. Dich, weil du heute sehr hübsch aussiehst", sagte Draco und nun legte sich auch auf seine Wangen ein roter Schimmer. Mein Herz schlug so schnell, dass ich Angst hatte, es würde gleich aus meiner Brust springen.
„D-danke" stammelte ich.
Er grinste wieder spöttisch und signalisierte mir zu ihm zu kommen. Ich tat wie mir befohlen und stellte mich direkt vor ihn, den Blick gesenkt und nervös mit einer Rüsche an meinem Kleid spielend. Er lehrte das Glas in einem großen Zug und trat dann ebenfalls näher an mich heran. So nah, dass ich wieder sein Parfum, oder Aftershave, oder was es auch immer war, riechen konnte. Eine Weile war es still zwischen uns. Niemand rührte sich, niemand sagte etwas. Wir standen nur so da, ich mit gesenktem Blick und er mit seinem Glas in der Hand, welches er elegant zwischen seinen langen dünnen Fingern umhergleiten ließ.
„Draco…", sagte ich leise, doch weiter kam ich nicht. Frustriert setzte er das Glas auf einer Fensterbank ab, drückte meinen Kopf zu sich hoch, sodass ich zu ihm aufschauen musste und legte seine Lippen auf meine. Es war ein weicher und zärtlicher Kuss ohne viel drum und dran. Ein einfacher, simpler Kuss.
Nach einer gefühlten Ewigkeit lösten wir uns voneinander. Meine Gedanken kreisten und ich hatte das Gefühl, die Welt drehte sich doppelt so schnell wie gewöhnlich. Malfoy sah sichtlich zufrieden aus.
„Dein erster Kuss, Livingsten?". Ich nickte. War das so offensichtlich?
„Das hat man gemerkt", fügte Malfoy hinzu. Frage beantwortet. Man hat es also bemerkt! Er machte einen Schritt zurück und griff nach seinem Glas. Als Draco sich wieder zu mir drehte, lag ein Ausdruck in seinen Augen, den ich nicht wirklich zuordnen konnte. Zufriedenheit? Ein bisschen. Perplexität? Sicherlich auch. Wut? Ich war mir nicht sicher. Narzissmus? Aber hallo! Er schritt mit großen Schritten zur Tür, drehte sich aber noch einmal um.
„Ich bringe nur mein Glas weg und ziehe mich dann zurück. Du solltest auch schlafen gehen".
Ohne eine Antwort abzuwarten, verschwand er. Ich hingegen blieb wie angewurzelt stehen und legte ungläubig einen Finger auf meinen Mund. „Malfoy hatte mich geküsst", sagte ich leise zu mir selbst, ehe sich ein breites Grinsen auf meinem Gesicht breit machte und ich mit viel guter Laune seinem Rat Folge leistete und ins Bett ging. Ich wusste schon genau, von wem und was ich träumen würde!