Die peinliche Geschichte, wie ich laut furzen musste, als Draco Malfoy mit mir flirtete
Das Frühstück ist reichhaltig gewesen und so musste ich erst einmal einen Verdauungsspaziergang machen. Vollgefressen wie ich war, war an ein zügiges Schreiben der Essays nämlich gar nicht zu denken.
So zog ich mir eine dicke Jacke und einen Schal an, legte Bücher und Pergament schon bereit, und nahm dann den Weg an den Gewächshäusern entlang in Richtung von Hagrids Hütte. Eigentlich hatte ich vorgehabt, zum verbotenen Wald zu gehen, entschied in letzter Sekunde aber anders und ging zum See. Einer meiner Aufsätze handelte von Wassermenschen und vielleicht inspirierte mich das düstere, moorartige Gewässer ja zu ein paar schlauen Sätzen.
Pustekuchen: Wassermenschen sind…
Über diese zwei Worte kam ich nicht heraus. „Jetzt stell dich nicht so an Lina, du hast die Viecher doch während des Turniers gesehen", ermahnte ich mich selbst. Also Wassermenschen sind…dumm, hässlich, aggressiv, tödlich. Toll, würde ich diesen Essay abgeben, würden alle einschließlich Hagrid und die blöde Granger sich einen Ast ablachen. Und schlimmer noch, Granger würde wie immer eine eins bekommen und ich nicht. Das konnte ich mir nicht erlauben!
„Denk wissenschaftlich", sagte ich laut zu mir selbst. Wassermenschen sind…Wasserbewohner. Frustriert schmetterte ich meine Pergamentrolle zu Boden und begann, wie wild darauf rumzutrampeln.
„Du blöder, blöder, blöder Essay. Warum muss ich dich schreiben? Ich habe echt besseres zu tun, als mir über dir den Kopf zu zerbrechen", schrie ich das Stück Papier an. Frustriert setzte ich mich auf einen großen Gesteinsbrocken und vergrub das Gesicht in den Händen, um einen weiteren Wutanfall zu unterdrücken. Erst, als jemand zu klatschen begann, hob ich meinen Blick.
„Nicht schlecht…ich wusste gar nicht, dass so viel Wut in so einem kleinen Ding wie dir drinsteckt", sagte Malfoy höhnisch. Er beabsichtigte gar nicht erst, mit dem Klatschen aufzuhören.
„Du! Was machst du hier?".
Draco zog eine Augenbraue hoch. „Spazieren gehen. Oder darf ich das etwa nicht?".
„D-doch nur dachte ich, du seist über die Feiertage Zuhause…so wie alle anderen auch".
„Alle anderen bis auf du". Er grinste. Anscheinend amüsierte er sich köstlich.
„Ich bin nicht weggefahren, weil ich DAS DA noch fertigschreiben muss", erklärte ich, während ich angewidert auf das Stück Pergament deutete.
„Wenn DAS DA mal den Schreibtisch eines Professors zieren soll, wäre es doch ratsam, nicht darauf rumzutreten". Draco tat so, als könne ich eins uns eins nicht zusammenzählen. Es ärgerte mich, und zwar tierisch.
„Ach quatsch nicht so blöd und erzähl mir lieber, was du hier willst!".
Sein Grinsen verschwand und ein kühler, herablassender Gesichtsausdruck machte sich auf seinen Zügen breit. „Spazieren gehen. Das sagte ich bereits!".
„Ja, aber du hast mir nicht erzählt, warum du hier spazieren gehst und nicht Zuhause", Zornesröte zierte mittlerweile meine Wangen. Wenn der Kerl vorhatte, mir den letzten Nerv zu rauben, dann konnte er auch gleich gehen!
„Ich wüsste auch nicht, was dich das angeht", entgegnete Malfoy, während er sich nach meinem Essay bückte. Das Ding sah so zerknittert aus, als wäre es bereits einmal verdaut worden. Elegant faltete er es auseinander, wischte die Schuhabdrücke leicht weg und begann zu lesen.
„Oh Gott, bitte sag nichts dazu. Halte einfach deinen wunderschönen, verführerischen Mund", betete ich leise vor mich hin. Zu früh gefreut: Draco brach in schallendes Gelächter aus. So laut, wie ich es noch nie von ihm gehört hatte.
„Ich haha sehe, dass ich haha dich bei sehr haha tiefgründigen hahaha Gedankengängen gestört habe haha", schaffte Malfoy zu sagen, während er sich krampfhaft vor Lachen den Bauch festhielt. Peinlich berührt riss ich ihm meine Hausaufgabe aus den Händen. Warum musste er mich zum Deppen machen? Ich hasste es.
„Wenn du nur gekommen bist, um mich zu demütigen, kannst du dich gleich wieder verziehen", zischte ich und hielt ihm meinen Zauberstab unter die Nase. Draco hob besänftigend die Hände.
„Ich muss mich nicht über dich lustig machen. Das tut Pansy schon echt gut".
Ich drückte ihm die Spitze meines Zauberstabes unter das Kinn. „Pass auf was du sagst. Ich bin jetzt echt nicht in Stimmung für Neckereien!".
„Keine Sorge. Ich sehe sehr gut, dass du heute nicht zum Scherzen aufgelegt bist!".
Ich verfestigte den Druck auf meinen Zauberstab, was mit größter Wahrscheinlichkeit einen blauen Fleck auf seiner blassen Porzellanhaut hinterlassen wird.
„Natürlich nicht. Erst der fiese Streich von Pansy mit dem Heuler, dann dieser blöde Essay und jetzt du…du zerrst an sämtlichen Nervensträngen die ich habe!".
Ich hätte heulen können, ermahnte mich aber, es nicht zu tun. Stattdessen ließ ich endlich von Draco ab und machte zwei Schritte zurück. Er musterte mich, von oben bis unten.
„Ich hätte nicht gedacht, dass die Sache mit dem Heuler dich so mitnimmt".
„Die Situation war sehr unangenehm, falls du es nicht mitbekommen haben solltest!".
„Doch. Ich bin schließlich derjenige, dem deine Weihnachtsgrüße ins Gesicht geschrien wurden", entgegnete er trocken. Doch das Zucken seiner Mundwinkel verriet ihn. Er war wieder bei bester Laune.
„Was willst du von mir? Dass ich mich entschuldige, weil ich zu Weihnachten an dich gedacht habe? Vergiss es Blondschopf. Wenn sich jemand entschuldigen sollte, dann ist das ja wohl die Kröte Pansy!". Ich funkelte ihn böse an. Wären meine Blicke Dolche, wäre er jetzt bestimmt tot. Kurz schien Draco abzuschätzen, wie er reagieren sollte. Er entschied sich anscheinend für „happy go lucky" und setzte ein breites, sehr breites, Grinsen auf.
„Was…", doch weiter kam ich nicht mit meiner Frage. Er machte ein paar elegante Schritte auf mich zu und schneller als ein Wimpernschlag stand er vor mir, eine Hand um meine Hüfte geschlungen, die andere Hand unter meinem Kinn.
„Du bist schon irgendwie niedlich, wenn du wütend bist", hauchte er mir ins Ohr.
Meine Nackenhaare richteten sich auf und in meinem Unterleib formte sich ein fester Knoten. Malfoy war mir nah, sehr nah, zu nah!
„Und du bist irgendwie nervig, wenn du in Spiellaune bist", konterte ich.
Er zog die Augenbrauen zusammen. „Hat dir schon mal jemand gesagt, dass man respektvoll mit einem Malfoy zu reden hat?".
„Und hat dir schon mal jemand gesagt, dass man Leuten nicht so auf die Pelle rücken soll?". Ich wusste nicht, wo mein Selbstvertrauen ihm gegenüber herkam. Wahrscheinlich lag es an meiner schlechten Laune, dass ich mit ihm reden konnte, ohne ein einziges Mal rot zu werden und ich liebte es. Was mir jedoch sorgen bereitete, war der Kloß in meiner unteren Magengegend, der sich nicht nur zusammenzog, sondern jetzt auch noch zu gluckern begann.
„Wie vorlaut wir heute sind", sagte Draco und beugte sich wieder zu meinem Ohr. „Aber ich will nett zu dir sein, Livingsten, und dir ein Angebot machen".
Bei Merlins Bart, konnte er mich nicht einmal beim Vornamen nennen? Ich sagte nichts weiter, sondern sah ihn nur auffordernd an.
„Sei lieb zu mir und ich helfe dir bei deinem Essay". Er schmunzelte, als er das sagte.
„Und wenn ich keine Lust habe lieb zu dir zu sein?".
„Keine Sorge, Darling. Da lass ich mir schon was für dich einfallen". Als er dies sagte, strich er eine meiner Haarsträhne zur Seite und gab mir einen federleichten Kuss auf mein Ohrläppchen. Selbstbeherrschung ade! Ich hatte mich wohl zu früh gefreut, denn sobald Draco seine Lippen von meiner Haut löste, begann mein Puls sich zu beschleunigen und meine Hände, schwitzig zu werden. Wie naiv von mir zu glauben, ich könnte mich in seiner Gegenwart einmal cool verhalten.
„I-ist das s-so", stammelte ich, weil ich das Gefühl hatte, irgendetwas sagen zu müssen. Er lehnte sich zurück und musterte mich mit einer hochgezogenen Augenbraue. Dann grinste er verschmitzt.
„Sieh an, wer zu seinem alten, stammelnden, eingeschüchterten Selbst zurückgefunden hat".
„Nicht witzig", jammerte ich.
„Doch irgendwie schon…und süß!". Er beugte sich vor und gab mir einen Kuss auf die Lippen. Etwas weniger zärtlich, als bei meinem Ohrläppchen , eher fordernd, aber sehr sexy. Ich lehnte mich ihm entgegen und erwiderte den Kuss. Hungrig, bewegten sich meine Lippen auf seinen. Ich seufzte leise, was er zum Anlass nahm, meine Haare zu greifen und mich daran noch weiter zu sich hin zu ziehen. Doch dann passierte es:
Der Knoten in meiner Magengegend löste sich und ein lauter „Pups" war zu hören. Zu allem Überfluss roch es auch noch sehr unangenehm. Draco, dessen Lippen sich zuvor noch gierig über meine hergemacht hatten, hielt inne. „Bitte, sag nichts, ignoriere es, küss mich einfach weiter", flehte ich innerlich. Pustekuchen.
„Mmh…verwest hier irgendwo ein Tier?", fragte Malfoy. Er hatte sich wieder von mir gelöst und inzwischen eine Armlänge Abstand zwischen uns gebracht.
„Nein…", antwortete ich kleinlaut. Die Röte stieg mir ins Gesicht, ich war wütend und gedemütigt.
„Dem Geruch nach zu urteilen, vergammelt hier gerade etwas…oder warte…bist du das etwa?". Er grinste bis zu den Ohren, fast schon gehässig.
„Sehr witzig, Malfoy…nicht!". Diese vier Worte brachte ich nur mit Mühe heraus, denn meine Unterlippe begann zu zittern. Ich wusste, dass er es sah, aber er schien mein Unbehagen großzügig zu ignorieren.
„Denkst du ich finde es witzig, dass du mich hier halb vergast? Ekelig!".
Ohne Malfoy eines weiteren Blickes zu würdigen, stürmte ich an ihn vorbei. Die Tränen rannten an meinen Wangen herunter und kalter Schweiß stand mir auf der Stirn. Ich würde ein Bad nehmen müssen! Scheiße, warum musste ich nur in einen so abgebrühten Mistkerl verknallt sein?
