Die wahre Geschichte, wie Pansy Parkinson und ich uns Flüche um die Ohren hexten

Die Weihnachtsferien gingen zu Ende und schnell holte der Alltag einen wieder ein. Ich hatte es bis jetzt erfolgreich geschafft, Draco aus dem Weg zu gehen und neben einem mittelmäßigen Essay auch zwei gute abgegeben. Ich war mehr als zufrieden: Besser hätte der Schulbeginn nicht laufen können.
„Pass doch auf wo du hinläufst, du Blindschleiche", maulte mich jemand von der Seite an. Es war Pansy. Ich musste sie wohl übersehen und angerempelt haben, als ich aus Professor Sprouts Büro rauskam. Jetzt stand sie vor mir, die Arme gekreuzt, und musterte mich herablassend aus ihren kleinen Schweineaugen.
„Eine Entschuldigung wäre wohl zu erwarten", keifte sie. Ein Grüppchen Hufflepuffs starte und schon an. Genervt, aber nicht genervt genug um einen Streit anzufangen, ging ich an ihr vorbei.
„Musst du nicht zum Unterricht, Parkinson?", rief ich ihr noch über die Schulter zu, dann bog ich in den nächsten Korridor ein. Bei Merlins Bart, ich musste sie nur sehen und bekam Ausschlag!
Mit gedämpfter Stimmung nahm ich die Treppe in den zweiten Stock und betrat den Klassenraum für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Ein paar wenige Plätze waren noch frei und so ließ ich mich in die Bank neben Millicent Bulstrode sinken.
„Hattest du schöne Ferien", fragte sie mich.
„Waren okay. Ich bin ja hiergeblieben".
Sie nickte. „Stimmt, ich erinnere mich". Mehr sagte sie nicht, sondern vergrub ich aufgequollenes Gesicht wieder in der Packung mit Schokofröschen. Das störte mich wenig. Denn mir stand der Sinn sowieso nicht nach einer Unterhaltung. Als Draco zusammen mit Pansy das Klassenzimmer betrat, tat ich so, als würde ich meine Pergamentrollen vorbereiten.
„Psst….Psst", raunte mir Millicent irgendwann ins Ohr.
„Was?".
„Stimmt es das du…in den Ferien etwas mit Malfoy hattest?".
„Shit", war mein letzter Gedanke, bevor sich Panik in mir breitmachte. Woher wollte sie das wissen? Sind Draco und ich beobachtet worden? Am See, oder im Bad?
Fast mechanisch legte ich meine Schreibfeder zur Seite und wandte mich Millicent zu. Sie aß noch immer ihre Schokofrösche und sah mich dabei interessiert an.
„Wer hat dir das erzählt?", fragte ich mit heiserer Stimme. Mein Mund war trocken, als hätte ich zuvor einen Kilo Sand gegessen.
„Ich habe es von so ziemlich jedem gehört. Jeder im Haus munkelt so vor sich hin".
Ich nickte geistesabwesend und obwohl ich ihr mit nur einem Ohr zugehört hatte wusste ich schmerzlich, dass ich tief in der Tinte saß. Wenn jeder Slytherin über uns redete hieß das, dass auch Pansy davon gehört haben musste. Dies wiederrum könnte ein Grund dafür sein, warum sie heute Morgen so patzig war. Was wiederrum bedeuten könnte, dass „Eine Entschuldigung wäre wohl zu erwarten" eine doppelte Bedeutung hatte!
Deprimiert ließ ich meinen Kopf auf das Schreibpult sinken. Ich war dem Tod geweiht, denn Pansy würde mich ausnehmen wie einen Fisch.
„Alles in Ordnung?", fragte Bulstrode.
Ich drehte meinen Kopf etwas, sodass ich sie ansehen konnte.
„Draco und ich hatten nichts miteinander, das sind Märchen, die du gehört hast", log ich sie an.
„Ich verstehe. Aber warum siehst du dann so geknickt aus?".
Ich seufzte. „Weil Pansy auf Draco steht und wenn sie die Gerüchte auch schon gehört hat, dann tötet sie mich".
„Dann musst du sie einfach zuerst töten", antwortete Millicent und zwinkerte mir zu. Auch sie stand mit Pansy auf Kriegsfuß, da diese sich ständig über Milicents Gewicht lustig machte.
„Alles klar, Bulstrode. Ich werde darüber nachdenken". Ich schenkte ihr ein breites Grinsen, wenn auch nur ein halbherziges. Ich hatte noch immer einen flauen Magen vor Nervosität und es kostete mich echt Anstrengung, nicht auf meine Pergamente zu kotzen.
„Tische beiseite und Zauberstäbe raus", hallte plötzlich die knurrige Stimme von Mad-Eye Moody durch den Raum. Hastig humpelte der Mann von der Tür zum Lehrerpult und knallte ein Buch auf den Tisch. „Sofort!", zischte er.
Wiederwillig erhoben sich alle Schüler und holten die Zauberstäbe aus den Umhängen hervor. Tische und Bänke schwebten zur Seite, sodass eine Art Manege in der Mitte des Klassenzimmers entstand.
Moody legte das Buch zur Seite, welches es mit Schwung zuvor auf dem Tisch gepfeffert hatte. Es diente wohl nicht als Lektüre, sondern lediglich als Druckmittel.
„Entwaffnungszauber", sagte er, „lassen sich leicht und schnell ausführen. Die Schwere liegt in der Situation: Ist die Umgebung ruhig, oder herrscht Panik. Kämpft ihr gegen einen oder mehrere Gegner, und so weiter. Heute, möchte ich mit euch ein paar Zauber üben. In Zweiergruppen".
Das klang doch gar nicht so schlecht. Ich würde mich einfach mit jemandem zusammentun, der eine Niete in diesem Fach war und nach einem kurzen „Expelliarmus" hatte sich die Sache erledigt!
Selbstzufrieden schaute ich mich im Raum um und entschied, dass es wohl das Beste sei, mich mit Millicent zusammenzutun oder Neville Longbottom fertig zu machen.
„Alles verstanden? Gut, dann teile ich euch jetzt ein".
Zu früh gefreut.
Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass jeder, der ein leichtes Opfer gewesen wäre, irgendeinen anderen Partner bekam. Sogar Draco wurde einem Hufflepuff zugeteilt.
„Livingsten und… Parkinson", brüllte Mad-Eye dann irgendwann. Pansy wurde bleich und auch ich fühlte meine Gesichtszüge entgleisen. Das konnte doch nicht sein ernst sein.
„Na los, wird's bald, übt endlich", knurrte der Auror und nahm einen großen Schluck aus seiner Flasche. Er schüttelte sich und humpelte zu seinem Stuhl.
Wiederwillig machte ich ein paar Schritte auf Pansy zu. Dabei umklammerte ich meinen Zauberstab ganz fest.
„Livingsten…", knurrte sie mich an.
„Parkinson", meine Stimme klang nicht weniger bedrohlich.
„Ich habe Gerüchte gehört!".
Ich zuckte mit den Schultern. „Und wenn schon. Es sind nur Gerüchte".
Sie kam zwei Schritte auf mich zu und hielt mir die Spitze ihres Zauberstabs an die Kehle.
„Irgendwie glaube ich nicht, dass das alles erstunken und erlogen ist, was die anderen so erzählen".
Wütend und genervt hielt auch ich ihr jetzt meinen Zauberstab unter die Nase. „Glaube was du willst, aber nerv mich nicht damit", raunte ich ihr mit tiefer Stimme zu. Sie ließ ein verächtliches „Tch" hören.
Plötzlich ging alles ganz schnell. Mit einem Satz sprangen Parkinson und ich aufeinander zu und schrien „Expelliarmus", doch wir duckten uns jeweils schnell genug und der Zauber flog ins Leere. Das ging eine Weile so weiter: Einer schrie „Expelliarmus", der andere wich aus und umgekehrt. Unsere Mitschüler hatten mittlerweile mit ihrem Training aufgehört und sahen uns interessiert zu. Mad-Eye hatte ein belustigtes Lächeln auf den Lippen und Dracos Gesicht war ausdruckslos. Er lehnte gegen einen Schreibpult, flankiert von Crabb, Goyle und Zabini.
„Jetzt reicht's", bellte Pansy. „Schluss mit den Taschenspielertricks!".
Mit einer großen Bewegung schwang sie ihren Zauberstab und so gleich wurde ich in die Luft gehoben.
„Du Kröte. Hast du etwa Ascendio an mir angewendet?", schrie ich sie an. Doch Pansy lachte nur. Ein paar andere Slytherins und Gryffindors stimmten mit ein.
„Furunculus", rief ich und ein Lichtblitz traf Pansy mitten ins Gesicht. Unschöne, eitrige Blasen bildeten sich auf ihrer Haut, die nacheinander aufplatzten. Ein unangenehmer Geruch von Fäulnis machte sich im Klassenraum breit und ich hatte ein weiteres Mal das Gefühl, mein Magen würde sich umdrehen.
Jetzt zuckte ein heller Lichtstrahl aus Pansys Zauberstab und ich wurde zu Boden gerissen.
„Densaugeo".
Mein Kiefer begann zu schmerzen und meine Schneidezähne wuchsen furchtbar in die Länge.
„Das hast du davon, du hässlicher Bergtroll!", keifte meine Gegnerin.
„Nein, das hast du davon. Obscuro!".
Vor Schreck ließ Pansy ihren Zauberstab fallen und betastete ihre Augen.
„ich sehe nichts mehr, ich sehe nichts mehr", jammerte sie.
„Professor? Sollten Sie nicht dazwischen gehen", wandte sich ein Hufflepuff an Mad-Eye. Dieser schüttelte mit dem Kopf.
„Lass sie sich austoben", antwortete er.
Jetzt ergriff Draco das Wort. „Ich finde allerdings auch, Professor, dass man dem Unfug endlich ein Ende setzen und vernünftigen Unterricht machen sollte!".
Mad-Eye musterte den Blondschopf von der Seite. „Mein Unterricht, meine Regeln. Wenn dir das nicht passt, Jungchen, kannst du ja gehen".
Genervt drehte sich Malfoy wieder Crabb, Goyle und Zabini zu. „Mein Vater wird davon erfahren!", murmelte er leise vor sich hin.
„ich sehe nichts mehr, ich sehe nichts mehr", sagte Pansy immer noch. Wie eine Tonbandaufnahme, die sich immer wiederholt. Dabei wedelte sie mit ihren Armen in der Luft herum, als würde sie etwas Greifbares suchen, an dem sie sich orientieren konnte. Ich beschloss, die Situation zu nutzen. Jetzt, wo ihr Zauberstab eh schon am Boden lag.
„Levicorpus".
Pansys Körper wurde an den Füßen von einer unsichtbaren Kraft nach oben gezogen, bis sie ebenso in der Luft hing, wie ich es zuvor getan hatte. Doch vorher schlug sie noch mit dem Kopf auf dem Boden auf, als ihr die Füße weggerissen wurden. Sie stöhnte auf und Blut tropfte ihr aus der Nase. Meine Mitschüler zogen scharf die Luft ein und Draco biss sich auf die Unterlippe, doch ich ignorierte es. Mit einem „Liberacorpus" ließ ich Parkinson auf den Boden fallen. Sie windete sich vor Schmerzen und das Nasenbluten war schlimmer geworden. Sie tastete verzweifelt nach ihrem Zauberstab. Ich kickte ihn mit meinem Schuh weg.
„Na warte, ich bin noch nicht fertig mit dir!", knurrte ich. „Incarcerus".
Seile strömten aus meinem Zauberstab und legten Pansy in Fesseln. An die vielen Zuschauer um uns herum dachte ich schon gar nicht mehr. Mich interessierte in diesem Moment einzig und allein meine Wut und meinen Hass auf Pansy. Ich wollte sie büßen lassen für das viele Unrecht, das sie mir bis dato getan hatte. Ich hob meinen Zauberstab für einen letzten Schlag gegen sie.
„Petrificus Totalus", hallte plötzlich eine männliche Stimme durch den Raum. Mein Körper erstarrte, ich konnte mich weder bewegen, noch sprechen. Dann trat Malfoy aus der Menge der Schüler. Er hatte seinen Zauberstab auf mich gerichtet und warf Mad-Eye einen vernichtenden Blick zu.
„Es widert mich an, wie sie Schüler aufeinanderhetzen. Das ist kein Unterricht, das ist krank. Und jetzt beenden sie es!". Seine Stimme war durchdringend und kühl. Einige der anderen Schüler schauten eingeschüchtert zu Boden oder musterten den Auror. Dieser fixierte Malfoy mit seinem Blick. Sein künstliches Auge rollte unaufhaltsam in seiner Halterung und er fuhr sich ein paar Mal mit der Zunge über die Lippen. Er wirkte angespannt, zumindest dachte er nach.
„Du bist ziemlich vorlaut, Jungchen".
Draco ließ sein typisches „Tch" hören. „Ich habe einfach keine Lust mehr auf dieses Theater".
Ein Knurren machte sich in Mad-Eyes Kehle breit. „Glaubt ihr etwa auch, mein Unterricht sei ein Theater?", schrie er die anderen an. Niemand rührte sich. Eine Weile war es still.
„Tja, und was mache ich jetzt mit euch zwei?". Der Auror wandte sich jetzt an Pansy und mich. Meine Gegnerin wimmerte noch immer und ich lag wie angewurzelt. Ich wollte Mad-Eye so gerne sagen, er solle mich weiterkämpfen lassen, wollte Draco sagen, er solle sich nicht in meine Angelegenheiten einmischen, doch es ging nicht. Stattdessen sah ich den Auror nur an.
Dieser seufzte. „Greengrass, Davis…schafft Mrs. Parkinson in den Krankenflügel. Malfoy, Bulstrode…macht dasselbe mit Livingsten".
Mit einem Schwung seines knorrigen Zauberstabs löste Mad-Eye Moody die Flüche von uns beiden. Die anderen halfen uns auf die Füße, niemand redete. Millicent war noch so lieb und sammelte Dracos und meine Unterrichtsmaterialien und Taschen ein, ehe sie uns zu Madame Pomfrey begleitete.