Die peinliche Geschichte, wie Draco Malfoy mir mehr oder weniger seine Liebe gestand

Eine Woche war es jetzt her, dass Millicent mich abgeschrieben hatte. Sie saß im Unterricht zwar noch immer neben mir, würdigte mir jedoch keines Blickes. Anders hingegen sah es bei Pansy aus: die Mistkröte ließ keine einzige Gelegenheit aus, mir eins auszuwischen. Zerrissene Notizen, Kaugummi im Haar, Beine stellen, das volle Programm.
Wie gerne hätte ich in solchen Situationen eine Freundin zum Reden gehabt!
Und Malfoy? Der blonde Schönling mied mich ebenfalls wie der Teufel das Weihwasser, obwohl eigentlich er es war, mit dem ich am dringendsten reden musste.

Und so schleifte ich also mit hängenden Ohren an einem Freitagvormittag zum Zaubertränke-Unterricht. Kein Malfoy, keine Millicent, dafür Pansy und jede Menge Gryffindors, der Tag konnte nur Schlimm werden…sagte ich mir.
„Armortentia", erklang Professor Snapes schmierige Stimme im Raum, „gilt als der mächtigste aller Liebestränke." Ein allgemein aufgeregtes Murmeln war zu hören, nur ich vergrub mein Gesicht zwischen den Seiten 276 und 277 im Lehrbuch. Liebestränke? War das sein Ernst? Konnten wir nicht einfach über Vielsafttrank sprechen? Dann nämlich würde ich mich einfach in eine Schnecke verwandeln und unter den nächsten Stein kriechen. Der Gedanke war wirklich verlockend.
„In Hogwarts ist das Brauen und Benutzen aller Liebestränke, also auch das von Amortentia, verboten", fuhr Snape in unerträglich gelangweiltem Ton fort. Wieder ging ein Raunen durch den Raum, diesmal ein enttäuschtes. In Anbetracht der Tatsache, dass bald Valentinstag war, kein Wunder. Während ich so meinen Gedanken nachhing, trat Snape an einen Schrank und holte ein kleines Fläschchen mit einer silbrig-perlmutfarbenden Flüssigkeit zum Vorschein, die in Schattierungen sämtlicher Farben des Regenbogens schimmerte.
„Kann mir einer sagen, was das ist?"
Granger hob natürlich sofort die Hand, doch Snape ignorierte sie großzügig.
„Bullstrode, was ist mit Ihnen?", bellte Snapes Stimme plötzlich durch den Raum, was mich vor Schreck hochfahren ließ. Meine Sitznachbarin, Millicent, wurde rot wie ein Feuersalamander. „E-Einhornb-blut S-Sir?", stammelte sie. Snape ließ ein verachtendes „Tch" hören.
„War das eine Frage oder eine Antwort, Bullstrode?"
„Ich w-weiß es nicht, S-sir", krächzte sie. Mitfühlend legte ich ihr eine Hand auf die Schulter. Sie war schließlich noch immer meine Freundin. Währenddessen meldete Granger sich immer ungeduldiger. Unter einem schweren Seufzer gab Snape nach.
„Das ist Armortentia, Professor. Schon seine äußerlich erkennbaren Qualitäten deuten an, dass der Trank genau den individuellen Vorlieben jedes einzelnen entspricht: Amortentia glänzt charakteristischerweise perlmuttartig in allen Regenbogenfarben, wobei die individuelle Lieblingsfarbe für jeden dabei ist und der in spiralförmigen Schwaden entweichende Dampf des perlenden Gebräus hat einen immer anderen Wohlgeruch, in dem alle, die ihn einatmen, den Duft von ihren Lieblingsdingen wiedererkennen. Schon den Duft dieses Liebestranks einzuatmen ist verführerisch. Spontan wird das Einatmen langsam und tief und ein selbstvergessenes Wohlgefühl breitet sich im ganzen Körper aus. Eingenommen bewirkt der Trank selbstverständlich nicht wirkliche Liebe, sondern eine unabweisbare Attraktion zu einer bestimmten Person, die alle anderen Absichten und Interessen verdrängt."
Du meine Güte, holte dieses Mädchen eigentlich auch mal Luft? Zwei oder drei Gryffindors pfiffen anerkennend durch die Zähne, woraufhin einige Slytherins mit Würgegeräuschen reagierten. Ich ließ ein genervtes Stöhnen hören, was Malfoy kurz auf mich aufmerksam machte. Doch genauso schnell, wie er mich angeschaut hatte, drehte er den Kopf auch schon wieder weg.
Mit einem Schwenker seines Zauberstabs ließ Snape alle Bücher zuklappen und die Tische zur Seite schweben: ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass sich alle vor dem Lehrerpult versammeln sollten.
„Leider hatte Miss Granger mit ihrer Ausführung durchaus Recht, was die Individualität dieses Trankes betrifft. Ich werde Ihnen dies nun demonstrieren."
Die Hand von Hannah Abbott, Hufflepuff, erhob sich zögerlich.
„Aber Sir, was nützt uns diese Demonstration", fragte sie kleinlaut.
Snape musterte sie abschätzig. „Damit Sie irgendwann in der Lage sind, diesen Trank zu identifizieren, wenn er Ihnen begegnen sollte", knurrte er. Einige Slytherins kicherten und beschämt senkte Abbott den Blick. „Fünf Punkte Abzug für Hufflepuff für mangelnde Intelligenz!"
Das Kichern wurde noch ein Ticken lauter, Snape grinste selbstgefällig.
Im Verlauf der Stunde ließ er jeden von uns einmal nach vorne treten und fragte jedesmal, welche Farbe der Trank für uns hätte. Blau, Rosa, Lila und etliche weitere Farben wurden genannt. Granger nickte jedesmal andächtig, sie fühlte ihre Ausführung von zuvor bestätigt.
„Und jetzt sagt mir, was Ihr riecht", befahl Snape irgendwann.
Wieder trat einer nach dem anderen nach vorne. Als ich endlich an der Reihe war, log ich mir eine Mischung aus Lavendel, Mandarinen und Zimt zurecht. Natürlich war für mich der Duft von Draco Malfoy der schönste Geruch auf Erden. Doch dieser war leider undefinierbar und selbst wenn ich ihn hätte bezeichnen können, würde meinen Kurs von meinen Geheimen Sehnsüchten überhaupt nichts angehen!
Als ich meine Antwort runtergebetet hatte, nickte Snape mir zu und entließ mich damit. Der blonde Schönling war als nächstes an der Reihe. Er beugte sich tief über das Fläschchen und atmete einmal tief ein. Seine beiden Gorillas von Freunden musterten ihn gespannt.
„Ich riech' nichts", sagte Malfoy plötzlich. Snape zog eine Augenbraue hoch.
„Sie meinen?"
Malfoy rümpfte angewidert die Nase. „Alles, was ich rieche, ist der penetrante Geruch von Livingsten, Sir."
Seine Antwort versetzte mir ein Stich ins Herz und ein dicker Kloß bildete sich in meinem Hals. Einige Schüler begannen, mich neugierig zu mustern. Ich drehte mich weg.
„Probieren Sie es nochmal, Mister Malfoy", forderte Snape Draco auf. Seine Stimme klang wiedererwarten erheitert. Ungewöhnlich wenn man bedachte, dass Snape normalerweise keinen Humor für Leute hatte, die in seinem Unterricht aus der Reihe tanzten.
Wieder einmal holte Malfoy tief Luft und wieder einmal rümpfte er die Nase.
„Tut mir leid Sir, aber der Geruch von Livingsten ist zu penetrant!"
Malfoy warf mir einen garstigen Blick zu, genauso wie Pansy. Irgendwo kicherte jemand und auch die Mundwinkel von Professor Snape kräuselten sich leicht nach oben.
„Wie es scheint, Mister Malfoy, haben Sie vorhin nicht zugehört!"
Malfoy schaute Snape missbilligend an. „Sie meinen, Sir?"
Doch bevor Snape antworten konnte, ergriff Granger das Wort. „Alle, die den Duft von Armortentia einatmen, erkennen den Duft ihrer Lieblingsdinge wieder", erklärte sie ein weiteres Mal. Snape warf ihr einen garstigen Blick zu, beließ es aber dabei.
„Und was soll mir das jetzt sagen? Das mein Lieblingsgeruch der von Livingsten ist?"
Granger nickte, kaum in der Lage, ein Grinsen zu unterdrücken. Meine Wangen wurden heiß und ich spürte wieder die Blicke der anderen Schüler auf mir ruhen. Vor allem die von Pansy versuchten sich durch mich hindurch zu bohren.
„Und wie soll ich bitte etwas anderes riechen, wenn sie genau hinter mir steht?", entgegnete Malfoy. Doch jetzt ergriff ich auch Mal das Wort.
„Ähm Draco…ich stehe mindestens fünf Schritte von dir entfernt."
Er drehte sich zu mir um und sah mich mit einer Mischung aus Entsetzen und Missfallen an.
„Bevor du meinen Geruch irgendwann mal wahrnimmst, würdest du wahrscheinlich erstmal den von Goyle und Pansy riechen", führte ich weiter aus.
Bei den Gryffindors und Hufflepuffs brach allgemeines Gelächter aus, während Malfoy blass wurde wie eine Kalkwand. Die Hand, die Pansy ihm auf die Schulter legte, stieß er weg. Stattdessen ging er zu seinem Tisch, kramte seine Bücher zusammen und schulterte seine Tasche. Noch bevor Snape etwas sagen konnte, war der Blondschopf schon aus dem Raum gestürmt, doch nicht, ohne mir vorher einen halb wütenden, halb verzweifelten Blick zugeworfen zu haben.