Die wahre Geschichte, wie Malfoy und ich uns mit Pansy anlegten
Auf dem Weg zurück zum Gemeinschaftsraum bohrten sich die Blicke der anderen wie Pfeile in meinen Rücken. Niemand war bei uns auf dem Turm gewesen und doch schien es so, als wüsste das komplette Schloss Bescheid, dass dort etwas passiert war.
Malfoy, der neben mir herging, beschleunigte seine Schritte. Und da ich nicht abgehängt werden wollte, tat ich es ihm gleich, sodass wir quasi im Dauerlauf um die nächste Ecke joggten, weg von den Blicken der anderen, und komplett außer Atem vor unserem Gemeinschaftsraum zum Stehen kamen.
„Nach dir", japste Draco und wies in einer eleganten Bewegung zur Tür. Ich nickte und mit etwas Schwung, die Tür war alt und schwer, trat ich ein. Zu meiner Erleichterung war der Raum so gut wie leer. Nur eine Handvoll weiterer Slytherin war vor Ort, spielte Zauberschach oder steckte die Nase in Bücher. Beruhigt atmete ich aus.
Bis mein Blick den von Pansy traf. Sie saß auf dem Sofa vor dem Kamin und musterte Draco und mich mit zusammengekniffenen Augenbrauen. Mein Atem stockte, unfreiwillig musste ich husten. Meine Begleitung legte mir eine Hand auf den Rücken.
„Also ihr beiden, huh?"
Während Pansy das sagte, stand sie auf und kam ein paar Schritte auf uns zu. Traurig blickte sie zu Draco, dessen Hand noch immer auf meinem Rücken lag. „Woher weißt du davon?", wollte er wissen. Sie zuckte nur mit den Schultern.
„Das ist doch egal!", entgegnete sie, „jedenfalls weiß es jetzt halb Hogwarts."
Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Ich wollte nicht, dass meine Beziehung zu Malfoy auf dem Silbertablett serviert lag. Der Blondschopf schien das gleiche zu denken. Jedenfalls musterte er mich beunruhigt aus dem Augenwinkel.
„Warum sie, Draco?", wandte sich Pansy wieder an ihn, deutete dabei aber mit einem Finger auf mich. Malfoy schüttelte nur mit dem Kopf.
„Das lass mal getrost meine Sorge sein, Parkinson." Seine Stimme klang kühl und abweisend und fast glaubte ich, die Temperatur im Raum fallen zu spüren.
„Aber warum nicht ich", zog sie nach.
Draco sah unfassbar genervt aus, schaffte es diesmal aber, sich im Griff zu halten. Seine Stimme blieb diesmal erstaunlich ruhig. „Wir kennen uns einfach schon zu lange, Pansy. Ich kann für dich nicht mehr empfinden als Freundschaft. Tut mir leid!"
Er redete fast schon zärtlich auf sie ein und das versetzte mir einen Stich. Auch wenn ich wusste, dass er es nur tat, um sie zu besänftigen. So viel Mitgefühl verdiente die Kröte nicht!
„Ich bin aber viel besser als sie. Jetzt sag schon die Wahrheit. Warum willst du mich nicht, du Lügner?"
Pansys Stimme schraubte sich immer höher, bis sie fast nur noch ein aufgeregtes Kreischen war. Unsere Mitschüler vergruben entweder das Gesicht immer weiter in ihren Büchern oder sammelten schnell ihre Sachen zusammen und huschten aus dem Gemeinschaftsraum. Auch ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Was für eine peinliche Situation!
„Liegt es daran, dass ihr Papa Geld hat? Oder auch im Schulvorstand ist so wie dein Vater? Oder hat sie dich mit irgendetwas gekauft?"
Malfoy warf ihr einen Todesblick zu. Und während er das tat, verkrampfte sich seine Hand in meinem Umhang, als müsste er sich zusammenreißen, nicht auszuholen und zuzuschlagen.
„Und du…", jetzt wandte sich Pansy mir zu, „wie oft musstest du die Beine breit machen, um ihn dazu zu kriegen, ausgerechnet dich zu daten?"
Draco zuckte zusammen und ich zog scharf die Luft ein. „Wie bitte?", spukte er ihr vor die Füße, doch bevor Pansy noch etwas sagen konnte, hatte ich schon einen großen Schritt auf sie zugemacht und ihr meine flache Hand mitten ins Gesicht geklatscht. Der Schlag halte als Echo von den Wänden wieder und niemand von denen, die sich noch im Raum befanden, wagte es, sich zu rühren. Böse funkelte ich die Mistkröte an.
„Das nimmst du zurück. Auf der Stelle!", knurrte ich. Den Namen meines Vaters in den Dreck zu ziehen, war schon schlimm genug. Aber mich als billiges Flittchen zu bezeichnen, war das Ende der Fahnenstange.
Pansy sah aus, als würde sie sich ebenfalls auf mich stürzen wollen, aber Draco hielt sie zurück. „Pansy, es reicht", fauchte er sie an. „Glaubst du wirklich, ich würde es überhaupt noch in Erwägung ziehen, mit dir auszugehen, nachdem du dich und mich hier blamiert hast?"
Plötzlich fing Pansy am ganzen Körper an zu zittern und Tränen füllten ihre Augen. „Das ist unfair. Ich bin seit Jahren mit ihm befreundet und habe keine Chance und du brauchst nur um die Ecke zu kommen und schon liegt er dir zu Füßen", heulte sie und glotzte mich dabei aus rot verquollenen Augen an.
„Was willst du von mir hören Pansy? Das es mir Leid tut? Pech gehabt, das tut es nämlich nicht."
Fast hätte ich Mitleid mit ihr gehabt, so traurig wie sie da vor mir stand. Aber meine Abneigung gegen sie war stärker. Sie hatte mich so oft gedemütigt und verletzt, jetzt sollte sie mal erfahren, wie das ist.
Schluchzend sah sie wieder zu Draco, doch der schüttelte nur mit dem Kopf.
„Fahrt zur Hölle, alle beide", fauchte sie und stampfte dann an uns vorbei zu den Schlafsälen. Draco seufzte. „Pansy…", rief er ihr hinterher. Sie drehte sich um und sah ihn mit großen Hundeaugen an.
„So lange du dich nicht bei Lina und mir entschuldigt hast, will ich dich nicht mehr sehen, verstanden? Mit deiner giftigen Art will ich dich nicht um mich haben." Draco durchbohrte Pansy mit seinem Blick und ich fühlte eine Welle der Genugtuung über mich schwappen. Doch auch Pansys Blick verdunkelte sich und sie richtete ihn direkt auf mich.
„Das werdet ihr bereuen. Vor allem du, Livingsten", drohte sie. Ihre Stimme war pures Gift.
Malfoy nahm meine Hand in seine und drückte sie ganz fest. Das hielt mein Herz aber trotzdem nicht davon ab, mir in den kleinen Zeh zu rutschen.
Pansy heckte etwas aus, so viel war klar. Und egal was es war, es würde schmerzhaft werden. Vor allem für mich! Mit einem gehässigen Gesichtsausdruck drehte sie sich nun endgültig um und verließ den Raum.
„Alles in Ordnung?", fragte mich Draco nach einer Weile und nahm mein Gesicht zwischen seine Hände. Ich schüttelte den Kopf. „Ach du Scheiße … ach du Scheiße", konnte ich nur immer wiederholen. Dabei wackelten meine Beine wie weiche Spaghetti.
Malfoy führte mich zum Sofa und legte seine Arme um mich. „Alles ist gut", raunte er mir zu. Dabei strich er zärtlich über meine Rippen.
„Nein, nichts ist gut. Sie hat mich als Schlampe bezeichnet und jetzt heckt sie gerade irgendetwas Fieses aus, das weiß ich", heulte ich und vergrub das Gesicht in den Händen. Ich hatte furchtbare Angst, dass Pansy mich ein weiteres Mal demütigen oder Flüche auf mich hetzen würde. Ich schluchzte und suchte in meinem Umhang nach einem Taschentuch.
„Vielleicht war das, was sie sagte, ja nur eine leere Drohung. Vielleicht wollte sie uns nur Angst machen", sagte Draco. Entsetzt sah ich zu ihm hoch.
„Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, das Pansy leere Drohungen macht? Wenn sie sagt, wir werden es bereuen, dann werden wir es auch bereuen."
Eine Weile sah Draco mich nur an. Als würde er in meinem Gesicht nach etwas suchen wollen, das ihm sagte, dass Panys vielleicht doch nicht durch und durch verkorkst war und damit ihre Drohungen nur leere Worthülsen. Doch dann seufzte er.
„Du hast Recht. Irgendetwas wird passieren", sagte Draco. Und dann: „Aber ich werde nicht zulassen, dass sie dir etwas tut!"
Unweigerlich musste ich lächeln. „Und wie willst du das anstellen?"
„Bleib einfach in meiner Nähe, die ganze Zeit." Als der Blondschopf dies sagte, musste er ebenfalls lächeln.
„Versprochen?", fragte ich ihn.
Er gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Versprochen!"
