Die peinlich wahre Geschichte, wie Draco Malfoy und ich nicht ganz freiwillig Teil eines Softpornos wurden
Als ich den Gemeinschaftsraum verließ und in den Korridor trat, wusste ich bereits, dass dies ein wirklich verkorkster Tag werden würde. Lag es daran, dass ich gleich in den ersten beiden Unterrichtsstunden Snape ertragen musste? Gut möglich. Oder daran, dass für heute das Quidditchtraining aufgrund des schlechten Wetters abgesagt wurde? Wahrscheinlich. Aber in erster Linie bereiteten mir die Magenschmerzen, die ich schon den gesamten Morgen hatte, Sorge. In der Regel regierte mein Körper so, wenn etwas Schlimmes passieren würde, und ich betete, dass nicht Pansy der Grund war.
Anstatt direkt in Richtung Keller zu gehen, machte ich einen Schlenker an der großen Halle vorbei. Schon auf dem Korridor wehte mir der Geruch von gebratenem Speck, Toast und Rührei entgegen. Lecker!
Doch sobald ich durch die große Eingangstür trat, drehten sich einige Schüler mit großen Augen zu mir um. Wieder andere begannen, zu tuscheln. Was war los? Hatte ich vergessen, mir etwas anzuziehen oder mir die Zähne zu putzen? „Da ist sie", raunten einige Sechstklässler sich zu. „Wie peinlich", war vom Ravenclaw-Tisch zu hören. „Ob Draco das wohl schon weiß", tuschelten Astoria und Daphne Greengrass. Mit einem mulmigen Gefühl ging ich durch den Raum zu meinem Platz bei Millicent. Dabei bohrten sich stets die Blicke der anderen Schüler in meinen Rücken und fast glaubte ich, dass auch die Lehrer mich missbilligend musterten. Hatte ich etwas verbrochen? Ich wusste es nicht.
„Scheiße Lina, was hast du gemacht?", fragte Millicent mich sogleich, als ich noch gar nicht richtig Platz genommen hatte. Ich zuckte mit den Schultern.
„Ich hab keine Ahnung, wovon du redest."
Sie deutete mit der Spitze ihrer Gabel auf einen Zettel, der gefaltet unter meinem Teller lag. „Den hat jeder bekommen! Keine Ahnung wer die Zettel verteilt hat, aber derjenige scheint es echt auf Malfoy und dich abgesehen zu haben", raunte sie mir zu.
„Natürlich weißt du nicht wer es war. Es ist ja auch nicht offensichtlich, wer etwas gegen mich haben könnte", knurrte ich mein Gegenüber an.
Millicent zuckte mit den Schultern und widmete sich dann wieder ihren gebackenen Bohnen. „Du solltest wirklich aufhören, immer so gereizt zu sein. Wenn du so weiter machst, vergraulst du wirklich jeden in deiner Umgebung!"
„Wenn du mir damit sagen möchtest, dass du vorhast, mir als Freundin den Rücken zu kehren, muss ich ja keine Angst haben, denn das hast du ja schon, wenn ich dich erinnern darf", entgegnete ich schnippisch.
Millicent wischte sich den Mund an einer Serviette ab und stand auf. „Ich schlage vor, du guckst erstmal auf den Zettel. Danach wirst du nichtmehr nur Probleme haben, deine Freunde an dich zu binden, sondern überhaupt noch jemanden zu finden, der nur einen Funken Respekt vor dir hat", zischte Millicent und ging.
Ich sah ihr nach, wie sie gemeinsam mit Astoria und Daphne die große Halle verließ. Mir war plötzlich ganz kalt und das Tuscheln und leise Tratschen der anderen dröhnte wie Paukenschläge in meinen Ohren. Pansy, die ein paar Plätze von mir entfernt saß, grinste mir gehässig zu. Mit einem unguten Gefühl im Magen faltete ich den Zettel auseinander. Und bereute es sofort: Es war ein Foto von Draco und mir. Ich saß splitterfasernackt auf dem Beckenrand im Badezimmer der Vertrauensschüler, der Blondschopf kniete vor mir, die Hände auf meine Hüften gelegt. Jeder, der das Foto betrachtete, bekam einen perfekten Blick auf seinen Hinten und Rücken sowie auf meine Brüste geboten! Entsetzt faltete ich das Papier zusammen und blickte mit tränennassen Augen zu Pansy herüber.
„Diesmal bist du zu weit gegangen", formte ich mit meinen Lippen.
Sie schüttelte mit dem Kopf. „Nichts, was du nicht verdient hättest", antwortete sie ebenso lautlos. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck stand sie auf und verließ nun ebenfalls den Raum. Einige Schüler blickten kurz auf, widmeten ihre Aufmerksamkeit dann aber wieder mir. Einige lachten, einige deuteten hämisch mit dem Finger auf mich. Zu allem Überfluss bohrten sich auch noch die Blicke der Lehrer in meinen Rücken, allen voran der von Professor McGonagall und von Snape. Es roch bedrohlich nach einem Monat nachsitzen, sowohl für den Blondschopf, als auch für mich. So ein Dreck!
Ein weiteres Mal ging ein Raunen durch die Schülerreihen, doch diesmal lag es nicht an mir, sondern an Draco, der in die große Halle gestürmt kam. Ein paar Gryffindors fingen an zu kichern, aber Draco ließ sie mit einem bösen Blick verstummen. Dann suchte er die große Halle mit den Augen ab. Als sein Blick mich traf, eilte er schnurstracks auf mich zu.
„Geht es dir gut?", fragte er besorgt.
Traurig sah ich ihm in die Augen, sagte aber nichts. Doch Draco verstand auch so.
„Ich weiß was passiert ist! Pansy hat diesmal wirklich alle Register gezogen", sagte er und streichelte mir über den Rücken. Ich schluchzte und suchte schnell nach einen Taschentuch. Ich wollte nicht vor allen anderen weinen. Diese Blöße gab ich mir nicht auch noch!
„Schhhh alles wird gut", versuchte Draco mich zu beruhigen.
„Nein, nichts wird gut. Dein und mein Ruf sind dahin, alle machen sich über uns lustig", schniefte ich. Draco ballte die Hände zu Fäusten. „Ja, ich weiß, und Pansy wird dafür bezahlen. Verlass dich drauf!"
„Wer hier ‚bezahlen' muss und wer nicht, Mister Malfoy, liegt alleine in meiner Macht und nicht in Ihrer", hörte ich plötzlich eine bekannte, schmierige Stimme sagen. Draco und ich fuhren auseinander, was Snape mit einer hochgezogenen Augenbraue quittierte.
„Ist der Lehrplan an dieser Schule wirklich so langweilig, dass Sie beide lieber dem Unterricht fern bleiben, um stattdessen", er legte ein aufgefaltetes Exemplar jenes Zettels auf den Tisch, „dieser fragwürdigen Art der Unterhaltung zu frönen, anstatt sich um Ihre Bildung und Zukunft zu sorgen?"
Alle Schüler, die Snapes Monolog gelauscht hatten, brachen in schallendes Gelächter aus. Er selber wirkte ebenfalls hoch erfreut über seinen ‚ach so tollen' Spruch. Ich für meinen Teil wäre am liebsten weinend weggerannt.
„Besser als Ihr Unterricht war das allemal, Sir", entgegnete Draco, seine Stimme pures Gift.
Ein anerkennendes Raunen ging durch die Menge. Bis auf Potter hatte es noch nie jemand gewagt, Snape die Stirn zu bieten.
„Sie alle gehen jetzt sofort zum Unterricht", brüllte Snape und es dauerte tatsächlich keine Minute, da war der Raum wie leergefegt.
Mit einem mehr als unzufriedenen Blick, wandte sich Snape schließlich wieder Draco und mir zu. „Erklären Sie", forderte er uns auf.
„Das ist alles Pansy Parkinsons Schuld", sagte ich, die Wangen rot vor Wut.
Snape zog eine Augenbraue hoch. „Ist sie das? Dabei sind auf dem Foto ausschließlich Sie beide zu erkennen. Sie und Mister Malfoy sind der Grund für diese unerträgliche Unruhe, die sich seit diesem Morgen im Schloss ausbreitet", zischte Snape mich an.
Ich schüttelte den Kopf. „Aber Professor, sie hat das Foto gemacht, das weiß ich!"
Meine Stimme klang verzweifelter als gewollt und ich griff schnell nach Dracos Hand, um nicht die Fassung zu verlieren. Beruhigend strich er mir mit dem Daumen über die Fingerknöchel.
„Und was genau macht Sie da so sicher, Livingsten?", wollte Snape wissen.
„Weil sie sauer ist, dass Malfoy und ich zusammen sind. Sie versucht schon seit Wochen, mich zu demütigen."
„Ich verstehe!" Mehr sagte Snape nicht dazu.
„Das war's? ‚Ich verstehe'? Werden Sie denn nichts dagegen unternehmen?", fauchte Draco unseren Lehrer an.
„Jedenfalls nichts gegen Miss Parkinson, da Sie beide keine Beweise vorlegen können, dass sie tatsächlich an der Verbreitung dieses mehr als unglücklichen Fotos beteiligt war."
Ich zitterte am ganzen Leib. Das durfte nicht Snapes Ernst sein. Er bestrafte uns, obwohl wir schon die Opfer waren? Ein Wimmern entfuhr mir und Draco drückte meine Hand noch etwas fester.
„Allerdings werde ich Sie beide nachsitzen lassen und zwar so lange, bis Sie mit ihrem Schreibpult regelrecht verwachsen sind!", erklärte Snape und ein höhnisches Lächeln umgab seine Lippen.
„Aber wieso?", fragte Draco entsetzt. Er war mindestens genauso erstaunt wie ich.
„Wegen Fernbleiben des Unterrichts, sexuellen Handlungen auf dem Schulgelände und, so wie andere Lehrkräfte und Mitarbeiter mir berichteten, Prügeleien im Klassenraum sowie Fehlverhalten in der Bibliothek!"
„Aber … aber", stammelte ich.
„Was ist, Livingsten?"
„Aber was ist mir Pansy Parkinson?", fragte ich. Es wollte mir einfach nicht in den Kopf gehen, warum Draco und ich bestraft wurden und die Mistkröte nicht.
Snape seufzte gedehnt. „Wenn es Sie beruhigt, Livingsten, werde ich prüfen lassen, was es mit Miss Parkinson und Ihrer Anschuldigung auf sich hat", erklärte er. „Und bis dahin sehen wir uns Freitag zum Nachsitzen. Sie werden Kessel schrubben, bis Ihnen die Hände abfallen!"
Draco presste die Lippen aufeinander und ich wagte ebenfalls nicht, den Mund aufzumachen.
„Keine Widerworte? Gut. Und jetzt sehen Sie zu, dass Sie zum Klassenraum gehen. Ich komm gleich nach.
Missmutig schulterten wir unsere Taschen und gingen schnellen Schrittes in Richtung Korridor. Malfoy, der die ganze Zeit meine Hand nicht losgelassen hatte, zog mich an sich und legte einen Arm um meine Taille. „Keine Sorge, ich bin bei dir", raunte er mir zu.
„Ach, bevor ich es vergesse", rief Snape uns hinterher. Abrupt blieben wir stehen.
„Ich werde natürlich ihre Eltern über die Vorfälle, insbesondere über den jetzigen, informieren müssen", sagte er.
„Ich hätte auch nichts anderes erwartet", knurrte Draco, verfestigte seinen Griff und zog mich hinter sich her aus der großen Halle.
