Kapitel 3: Unerwiderte Liebe

Briarcliff 1964

Frank McCann POV

Ich stehe in dem großen Gemeinschaftsraum von Briarcliff und beobachte halbherzig den Film ‚Im Zeichen des Kreuzes'. Alle Insassen oder Patienten schauen wie gebannt auf die große Leinwand und beobachten den alten Film. Ich sehe die Bilder vor mir und höre die Stimmen der Schauspieler und dennoch bin ich mit meinen Gedanken ganz woanders. Verträumt denke ich an eine Frau und habe Bilder vor meinen Augen, die ich nicht haben sollte, denn die Frau in die ich mich schon vor Jahren verliebt habe, ist unerreichbar für mich. Ich schiebe eine Doppelschicht nach der anderen um nur ein wenig länger hier bleiben zu können, einfach nur etwas mehr Zeit in ihrer Nähe verbringen zu können.

Ich bin nicht gerade ein Glückspilz in Sachen Liebe, ganz im Gegenteil. Ich habe eine gescheiterte Ehe hinter mir und einige in die Brüche gegangene Beziehungen. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, jemals richtig glücklich zu werden bis an einen Tag vor einigen Jahren. Ich war schon immer ein Mann gewesen, der an das Sonderbare und Übernatürliche geglaubt hatte. Viele lachten über mich aber es war mir egal. Vielleicht war es auch dumm daran zu glauben, aber ich wollte mich an die Hoffnung klammern. Vor einigen Jahren, machte ich mich nach meiner Scheidung auf den Weg zu einer Wahrsagerin und wollte wissen, was die Zukunft für mich bereithielt. Die alte Frau nahm meine Hand und auch nur ohne einen Blick auf meine Hand zu werfen, lächelte sie und sagte mir, ich werde die Liebe meines Lebens noch finden und wenn ich sie sehen würde, dann würde ich es wissen.

Ich fange an zu lachen und merke die bösen Blicke der Zuschauer und reiße mich wieder zusammen. Es war wirklich zum Lachen, denn von allen Frauen die es auf der Welt gab, verlor ich mein Herz an eine Nonne. Eine Frau die niemals meine Liebe erwidern würde. Doch was soll ich tun? Ich kann meine Gefühle nicht beeinflussen und ich liebe sie. Schwester Jude war viel mehr als das, was viele hier in ihr sahen. Sie war nicht grausam oder böse, sie war streng und scheute sich nie ihre Meinung zu sagen. Leider sagte sie des Öfteren zu offen ihre Meinung, etwas was an einem katholischen Ort bei Frauen nicht sehr erwünscht war. Sie hatte einen besonderen Sinn für Humor, einen trockenen Humor den nicht jeder verstand. Sie brachte mich so oft unbewusst zum Lachen.

Vielleicht war das einfach mein Schicksal, auf ewig die Frau die ich liebe nur aus der Ferne zu sehen. Ich bin immer noch in meinen Gedanken ganz bei Schwester Jude, bis ich darauf aufmerksam gemacht werde, dass einige Patienten fehlen. Schnell blicke ich mich um und bekomme Panik. Verdammt, sie würde mir in den Hintern treten. Ich seufze und gehe zu Schwester Mary Eunice. Ich mochte die kleine Nonne recht gern, aber in den letzten Wochen hatte sie sich sehr verändert. Ich weiß nicht was es war, aber sie hatte etwas Unheimliches an sich. Ich würde sie auf jeden fall im Auge behalten, hoffentlich besser als die Patienten hier.

Ich musste mir eine Ausrede einfallen lassen, warum ich die Leute einfach habe herumspazieren lassen. Ich konnte ja wohl schlecht sagen, dass ich in Gedanken nur bei ihr war.

Nachdem Schwester Mary Eunice verschwunden war um Schwester Jude zu informieren, überlegte ich mir alle möglichen Ausreden und mir fiel einfach nichts Sinnvolles ein. Ich hoffe wirklich, dass ich mich damit nicht selbst vor die Tür gesetzt habe.

Bitte erklären Sie mir, wie vor ihre Nase Patienten einfach aufstehen und herausspazieren können?"

Mir fallen keine passenden Worte ein, deshalb behaupte ich einfach, dass ich zu sehr in den Film vertieft war. Ich beobachte Schwester Jude und weiß nicht, was heute vorgefallen war aber sie schien wirklich betrunken zu sein. Mir fiel es schon früher am Abend auf, als sie den Film vorgestellt hatte. Ich würde sie gern fragen was los war und ob ich etwas für sie tun konnte aber das schien mir jetzt nicht angemessen. Ich habe wirklich bedenken, dass meine Unachtsamkeit folgen haben würde aber sie schien in diesen Moment nicht wütend auf mich zu sein, sondern auf die Patienten, die sich davon gemacht hatten.

Gerade als sich Schwester Jude wieder zu mir umdrehte, erschien Pepper wieder im Gemeinschaftsraum und blickte völlig schockiert zu der Leinwand.

Ach, da ist ja einer unserer Ausreißer!"

Hörte ich Schwester Jude sagen und sie blickte kopfschüttelnd zu den kleinen Spitzkopf, der immer wieder sagte ‚Film gucken… Film gucken'

Ohne dass sie Pepper weiter beachtete, ging sie an mir vorbei und fluchte noch etwas vor sich hin, was klang wie ‚Hoffentlich ertrinken die alle.' Ich konnte mir trotz meiner misslichen Lage das Lachen nicht verkneifen und begann dann damit, die Patienten in ihre Zellen zu bringen.

Diese Nacht würde ich sicherlich nicht so gut schlafen, es war nicht die Angst um meinen Job, denn als Wachmann in einer Irrenanstalt wurde man nicht wirklich gut bezahlt. Ich wollte Briarcliff unter keinen Umständen verlassen. Ich wollte hier bleiben, bei Jude.