Kapitel 8: Elsa und Pepper
Wie Massimo es versprochen hatte, machten er und Elsa sich am nächsten Morgen auf den Weg nach Briarcliff. Massimo machte sich Sorgen um Elsa, sie hatte in der letzten Nacht kaum ein Auge zu gemacht und war in Gedanken die ganze Zeit bei Pepper. Er selbst kannte die Frau mit Mikrozephalie nicht, aber Elsa hatte so oft von ihrer Pepper gesprochen. Die ganzen Jahre glaube seine Geliebte, dass Pepper ein schönes Leben im Kreise ihrer richtigen Familie haben würde und nun traf sie die Nachricht von Peppers Verbleib wie ein Messer ins Herz. Er wusste dass Elsa sich schreckliche Vorwürfe machte und sah immer wieder besorgt zu dem Beifahrersitz, wo Elsa gedankenversunken aus dem Fenster schaute. Er betet nur, dass Pepper noch am Leben war auch wenn die Chance nicht sehr hoch war. Menschen wie Pepper, hatten keine besonders hohe Lebenserwartung. Es wusste nicht, wie Elsa es verkraften würde, wenn Pepper schon gestorben war und den Rest ihres Lebens in einem Irrenhaus hatte verbringen müssen.
„Elsa, wir werden bald da sein." Sagte Massimo und legte behutsam seine Hand auf die von Elsa, ohne seinen Blick von der Straße abzuwenden. Ihre Hand war eiskalt und sie zitterte leicht.
„Oh Massimo, ich habe Angst. Was ist wenn mich Pepper nicht mehr erkennt? Oder wenn sie nichts mehr mit mir zu tun haben will? Ich habe sie in diese Hölle gebracht, ich hätte sie niemals zu ihrer Schwester bringen dürfen." Wieder bildeten sich Tränen in Elsas Augen und sie spürte wie ihr Herz immer schneller schlug.
„Elsa…..,du weißt, dass auch die Chance besteht, dass Pepper…..nun, dass sie…"
Elsa hob ihre Hand und schüttelte heftig den Kopf „Nein Massimo, ich will es nicht hören." Innerlich wusste Elsa natürlich, dass es möglich war, dass Pepper bereits tot war, aber daran wollte sie erst gar nicht denken. Etwas tief in ihr, sagte ihr das Pepper noch am Leben war und sie würde ihren Engel daraus holen „Ich weiß was du sagen willst, aber Pepper lebt noch! Ich weiß es und ich werde sie zu uns holen. Sie ist so ein Familienmensch, das war sie immer. Sie verdient es bei Menschen zu sein, die sie lieben und ich liebe meine Pepper."
Massimo fuhr an den Straßenrand und hielt den Wagen an „Elsa, il mio amato hör mir zu. Selbst wenn wir Pepper finden, glaubst du wirklich sie werden sie uns einfach so mitgeben? Auch wenn sie unschuldig da drin ist, so glauben diese Leute, dass sie eine Mörderin ist." Er nahm Elsas Gesicht zwischen seine Hände und gab ihr einen liebevollen Kuss „Ich will nicht, dass du enttäuscht wirst, wir werden Pepper zu uns holen. Aber wir werden sie sicherlich nicht gleich mitnehmen können. Ich will nur, dass du daran denkst. In Ordnung?"
Elsa seufzte, sie wusste das Massimo recht hatte, aber der Gedanke Pepper zu finden und sie dann wieder dort zurück zu lassen, zerriss Elsas Herz in Zwei „Ich weiß Massimo. Lass uns jetzt bitte weiter fahren. Ich muss endlich Gewissheit haben."
Massimo gab ihr noch einen Kuss und setzte das Auto dann wieder in Bewegung. Es vergingen noch 15 Minuten, bis Elsa und Massimo an einem großen Anwesen ankamen, was nach außen hin recht freundlich wirkte. Die Anlage sah gepflegt aus und in Elsa keimte die Hoffnung auf, dass es Pepper vielleicht so schlimm ergangen war wie sie dachte. Seufzend stieg sie aus und nur wenige Augenblicke später, stand Massimo neben ihr und umfasste ihre Taille.
„Bist du bereit?" fragte Massimo und sah besorgt zu Elsa.
„Ich will einfach nur zu Pepper."
Gemeinsam gingen Elsa und Massimo die Teppen zum Eingang nach oben, wo 2 Wachmänner standen und die beiden Besucher skeptisch ansahen.
„Mein Name ist Massimo Dolcefino und das ist meine Frau Elsa, wir möchten einen Ihrer Patienten besuchen."
Mit leicht verwirrten Blick, musterten die beiden Männer Elsa und sahen sich gegenseitig fragend an.
„Wem möchten Sie besuchen? Uns wurde keinen Besuch angekündigt." Sagte einer der beiden mit harter Stimme.
„Wir möchten Pepper sehen!" sagte Elsa und sah die Männer mit ernsten Blick an.
„Pepper? Der Spitzkopf? Das Ding bekommt doch nie Besuch." höhnte der andere Mann.
Elsa fasste nach Massimos Hand und sah ihn aufgeregt an. Sollte das also heißen, dass Pepper wirklich noch hier war. Elsas Herz schlug wie wild in ihrer Brust und sie wäre am liebsten an diesen beiden Idioten vorbei gerannt, doch sie musste Ruhe bewahren.
„Dann muss wohl ein Fehler vorliegen, wir haben bereits vor einer Woche unseren Besuch angekündigt und uns wurde gesagt, es würde kein Problem sein." log Massimo und hoffte, dass sie nicht genau nachfragen würden.
„Wissen Sie, hier ging es in letzter Zeit drunter und drüber. Gehen Sie rein. Schwester Johanna ist in der Halle, wenden Sie sich an sie."
Elsa sah zu Massimo und gemeinsam betraten beide, die Vorhalle des Anwesens. Kaum waren Elsa und Massimo verschwunden, da sahen sie die beiden Männer an.
„Hast du das gesehen? Ich hätte schwören können, dass Schwester Jude da stand. Die Frau sah fast genauso aus."
„Pst, sei bloß leise! Du weißt wie Schwester Mary Eunice reagiert, wenn wir sie mit Schwester Jude anreden. Aber ich dachte auch sie wäre es. Kann es hier wirklich noch verrückter werden?"
Kaum hatten Elsa und Massimo die Halle betreten, spürte Elsa die Kälte die von diesen Ort ausging. Es war dunkel und kalt.
„Entschuldigung, kann ich Ihnen helfen?" es war Schwester Johanna, die auf die beiden mit einem freundlichen Lächeln zukam. Doch kaum hatte die junge Nonne Elsa erblickt, so stockte ihr der Atem „Oh gütiger Herr im Himmel!" japste sie und betrachtete Elsa von oben bis unten.
Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Elsa zu der Nonne und verzog das Gesicht, das war schon das zweite Mal, dass man sie hier so ansah „Verzeihung, sind Sie Schwester Johanna? Wir sind hier um Pepper zu besuchen. Mein Mann hat unser Kommen bereits angekündigt. Diese beiden Lakaien da draußen, schienen nichts von unseren Besuch zu wissen. Ich hoffe doch, Sie sind besser informiert und zwingen uns nicht dazu, mit dem Leiter dieser Einrichtung zu sprechen." Elsas Stimme war fest und sie durchbohrte die andere Frau geradezu mit ihren Blick.
Erst als Elsa zu sprechen begonnen hatte, erkannte Schwester Johanna, dass dies nicht Schwester Jude sein konnte. Die Ähnlichkeit war unheimlich aber die Art wie sie sprach war eine ganz andere. Diese Frau hier, sprach mit einem ausländischen Akzent.
„Aber nein, ich nehme an Sie haben mit Schwester Mary Eunice gesprochen?" fragte die unschuldige Nonne und sah immer noch zu Elsa.
„Ja, genau das war der Name. Ich vergesse schnell Namen, aber jetzt wo sie es sagen!" freundlich lächelte Massimo und log weiter. Er hasste es zu lügen aber diese Situation erforderte eine Ausnahme.
„Dann kommen Sie, ich bringe Sie in den Gemeinschaftsraum." Sie deutete Massimo und Elsa an, ihr zu folgen „Sie haben einen interessanten Akzent, darf ich fragen woher Sie kommen?"
Elsa hatte wenig Lust auf Smalltalk aber sie wollte sich auch jetzt, so kurz vor dem Ziel nicht selbst den Weg versperren „Ich komme aus Deutschland." sagte sie kurz angebunden.
„Ich muss sie warnen. Einige unserer Patienten hier, können ziemlich aufdringlich werden. Der Raum wird natürlich überwacht aber wir haben immer ein paar schwarze Schafe die aus der Reihe tanzen."
Langsam öffnete Schwester Johanna die Tür zum Gemeinschaftsraum und ließ Elsa und Massimo eintreten. Elsa zitterte an ganzen Körper und sah sich langsam um. Einige der Leute hier saßen in Zwangsjacken da und andere liefen völlig ziellos umher. Doch sie konnte Pepper nicht entdecken.
„Pepper? Pepper? Wo bist du?" Schwester Johanna lief durch den Raum und fand Pepper allein in einer Ecke sitzen „Pepper, stell dir vor, du hast Besuch." Die Nonne nahm die verwirrte Pepper an der Hand und führte sie durch den Raum. Was keiner von den Menschen hier wusste, war das Pepper alles verstand was man ihr sagte und sie konnte sich nicht vorstellen wer sie besuchen kommen sollte. Doch als sie aufblickte, konnte sie ihren kleinen Augen kaum trauen. War das real? Konnte das sein? An der Tür, stand eine Frau, von der Pepper dachte, sie würde nie mehr wieder sehen. Ein unaufhörlicher Strom aus Tränen lief der kleinen Frau über ihr Gesicht, als sie realisierte, dass es wirklich Elsa war, die hier im Raum stand. Ihre Elsa, ihre Engel.
Elsa verfolgte jeden Schritt der Nonne, bis sie in einer Ecke verschwand und nur wenige Sekunden später mit Pepper an der Hand auf sie zukam.
‚Pepper!'
Elsa griff nach Massimos Arm und schluckte ihre Tränen herunter. Sie war es wirklich. Ihre süße Kleine war tatsächlich hier. Elsa war nicht in der Lage sich zu bewegen oder etwas zu sagen. Sie starrte Pepper nur an. Für einen Moment schauten sich die beiden nur an, bis Pepper das Schweigen brach.
„ELSA….ELSA….ELSA" schrie die kleine Frau und ein kindergleiches Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht, sie riss sich von Schwester Johanna los und rannte auf Elsa zu „ELSA…ELSA…..ELSA!"
Erst nachdem Pepper wie wild anfing zu schreien, löste sich Elsa aus ihrer Starre und lief wie in Trance auf Pepper zu. Elsa machte sich nun keine Mühe mehr ihre Tränen zu verbergen. Als sie Pepper erreichte, schloss sie ihr Liebchen in eine feste Umarmung und überschüttete den halbkahlen Kopf mit Küssen.
„Ohhh Pepper, meine Pepper, mein Liebchen. Ich habe dich so vermisst, mein kleiner schöner Engel."
Pepper spürte Elsas Umarmung und sie klammerte sich geradezu an die Frau, die ihr so viele Jahre eine Mutter war. Es war, als wäre es erst gestern gewesen, dass sie Elsa zuletzt sah und sie atmete den Geruch von Elsas Parfum tief ein. Es fühlte sich an, wie Zuhause. Ein Gefühl, welches Pepper so lange Zeit nicht mehr hatte.
Massimo beobachtet gerührt die Szene und lächelte. Aber nicht nur er, beobachtete die beiden. Der ganze Saal sah zu Pepper und der großen blonden Frau, die sich weinend in den Armen lagen.
