Kapitel 9: Elsa, Pepper und ein Zusammenstoß

Peppers lautes Geschrei hatte die Aufmerksamkeit der meisten Patienten auf sich bezogen, so auch die von Lana und Kit. Beide hatten den kleinen Spitzkopf noch nie so laut und lebhaft erlebt. Meist saß Pepper allein in einer Ecke und beobachtete die Insassen. Offenbar hatte sie von jemanden Besuch bekommen, was beide zuvor nie erlebt hatten. Ihre Blicke folgten Pepper und sie sahen, wie sie auf eine große blonde elegant gekleidete Frau zulief. Lana und Kit saßen zu weit weg, um auf den ersten Blick die Frau genau sehen zu können. Neugierig wer Pepper besuchen kam, gingen sie einige Schritte auf die beiden Frauen zu und mit jedem Schritt, den sie machten, weiteten sich ihre Augen. Fast gleichzeitig blieben Lana und Kit stehen, als sie die fremde Frau aus der Nähe sehen konnten.

„Oh mein Gott, Kit was geben die uns für Medikamente? Siehst du was ich sehe oder habe ich wirklich den Verstand verloren?" Lana musterte die Frau, die anscheinend Elsa hieß von oben bis unten und Lana konnte es kaum glauben. Diese Frau war das Ebenbild von Jude.

„Nein Lana, ich sehe das Gleiche. Das ist ja unglaublich! Diese Frau sieht aus wie Jude! Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen sie ist es." Mit großen Augen sah Kit zu den beiden Frauen.

„Ich wurde zu gern wissen, wer sie ist." Lana hörte, wie sie mit Pepper sprach und eines fiel ihr sofort auf, die Art wie sie sprach war anders als Judes. Diese Frau hatte einen ausländischen Akzent, der nicht zu überhören war. Lana wollte unbedingt wissen, wer die Unbekannte Frau war und sie wollte wissen, ob Jude diese Frau vielleicht kannte. Aber wenn dem so wäre, warum kam sie wegen Pepper? Lanas Journalistengeist war geweckt und sie wollte einfach alles erfahren. Sie zog Kit mit sich und nahm in einer Ecke ganz in der Nähe von den beiden Platz.

Elsa drückte Pepper noch fest an sich und konnte es kaum fassen, ihren Liebling in den Armen zu halten. Erst jetzt, wo sie Pepper sah wurde ihr bewusst, wie sehr sie ihr kleines Monster vermisst hatte. Langsam schob sie Pepper weg, um ihr direkt in die Augen sehen zu können.

„Oh Pepper, meine Kleine. Es tut mir alles so leid…..so schrecklich leid. Hätte ich gewusst wo du bist, dann wäre ich schon viel früher gekommen. Ich werde alles tun, um dich hier heraus zu holen, das verspreche ich dir. Ich hole dich wieder nach Hause."

Elsa wischt Pepper die Tränen aus ihrem Gesicht und sah ihr tief in die Augen.

„Sie müssen wissen, Pepper versteht nicht alles. Ihr Verstand ist sehr begrenzt!" es war Schwester Johanna, die hinter Pepper erschien und das Gespräch mit angehört hatte.

Elsa spürte die Wut in sich aufkeimen, hatte jemals jemand sich überhaupt die Mühe gemacht und mit Pepper geredet? Sahen diese Leute nicht, was für ein Engel Pepper war?

„Peppers Verstand ist keineswegs begrenzt! Wie können Sie es wagen, so über sie zu reden? Sie ist eines der aufrichtigsten, liebvollsten, gutherzigsten und mitfühlendsten Wesen, was es jemals gegeben hatte. Sie verstehen meine Pepper nicht, sie sehen einen dummen kleinen Spitzkopf aber ich sage Ihnen eines, sie versteht jedes Wort. Wenn einer einen begrenzten Verstand hat, dann sind das Sie und ihres Gleichen. Menschen mit Trachten, die sich als Diener Gottes bezeichnen und in Wahrheit ebenso dumm und scheinheilig sind, wie der ganze Pöbel da draußen." Elsa sah die Nonne mit funkelnden zornigen Augen an und ihre Stimme erhob sich durch den ganzen Saal.

Massimo stellte sich dicht hinter Elsa und berührte sanft ihre Schultern, er wusste das wenn Elsas Temperament erst einmal geweckt war, dass es schwierig sein würde, sie zu beruhigen.

Peinlich berührt über den Ausbruch der Frau, die Pepper besuchen kam, sah Schwester Johanna zu Boden und spürte wie sich alle Blicke auf sie richteten. Einige der Insassen zeigten mit den Finger auf sie und lachten.

„Ich….nun…..ich denke, sie wollen allein mit Pepper reden." Schnell stürmte sie aus dem Raum und überlegte, ob sie Schwester Mary Eunice über die Ankunft des Gastes informieren sollte. Auf halben Weg zum Büro von Schwester Mary Eunice, lief sie fast in Jude hinein, die gerade auf sie zukam.

„Oh lieber Herr im Himmel, das ist alles so verrückt."

Fast ängstlich sah sie zu Jude und rannte schnell an ihr vorbei. Mit hochgezogenen Augenbrauen, sah Jude der Nonne, die einst für sie gearbeitet hatte nach und schüttelte den Kopf. Sie wusste nicht, was in Schwester Johanna gefahren war, aber sie wollte darüber auch nicht nachdenken. Noch immer hatte Jude die tröstenden und hoffnungsvollen Worte von Frank vor Augen. Am liebsten hätte sie seinen kleinen Brief behalten aber die Gefahr, dass ihn jemand fand, war einfach zu groß. Es würde sie in Schwierigkeiten bringen und auch Frank. Ein leichtes lächeln bildete sich auf Judes Lippen, als sie an ihren immer treuen Freund dachte. Geistesabwesend betrat Jude den Gemeinschaftssaal und war so in ihren eigenen Gedanken versunken, dass sie nicht bemerkt, dass sie geradezu in jemanden hineinlief und der Person vor ihr einen heftigen Stoß versetzte.

„Oh Verzeihung." sagte Jude, als sie die blonde Frau vor sich erblicke, die mit dem Rücken zu ihr stand.

Elsa spürte einen Stoß von hinten und taumelte einen Schritt nach vorn „Au, verdammt sind Sie blind?"

Langsam drehte sich Elsa um, um zu sehen wer sie angestoßen hatte.