Kapitel 13: Flieg nicht davon

Dr. Arden machte sich nach dem Gespräch mit Mary Eunice auf den Weg zum Büro des Monsignore. Er konnte noch immer nicht glauben, dass seine Vergangenheit ihn einholte, wieder. Er hatte alle Spuren seines alten Lebens als Hans Gruper verwischt und doch war es jetzt schon das zweite Mal, dass er Gefahr lief aufzufliegen und das in so kurzer Zeit. Er verfluchte sich selbst, dass er diese Schlampe nicht umgebracht hatte. Niemals hätte er gedacht sie wieder zu sehen und noch dazu in Begleitung des Mannes, der viele seiner Freunde getötet hatte. Er musste unbedingt verhindern, dass diese Leute von ihm erfuhren. Sie mussten verschwinden, sofort. Und dann würde er dafür sorgen, dass Judy Martin niemals ein Wort über ihn verlieren würde. Er klopfte an die Tür des Monsignore und trat ein, ohne auch nur auf eine Antwort zu warten.

„Wir haben ein Problem!" begann Arden sofort und ließ sich in den Stuhl vor dem Schreibtisch des Monsignore fallen.

„In der Tat haben wir das! Sie vergessen Ihren Anstand Doktor." Mit missbilligenden Blick sah Timothy Howard über den Rand seiner Brille und musterte den älteren Mann.

„Für Höflichkeiten haben wir keine Zeit. Wir haben Besuch bekommen von jemanden aus meiner Vergangenheit, der uns großen Ärger machen könnte. Ich will nicht lange um den heißen Brei herum reden. Eine gewisse Elsa Mars ist heute hier erschienen um diesen schwachsinnigen Spitzkopf zu sehen und so wie wir denken, will sie diese Missgeburt mitnehmen. Das ist nicht das Problem, denn sein wir doch mal ehrlich, niemand hier hat wirklich Verwendung für Pepper. Sie dient nicht einmal medizinischen Zwecken."

Timothy hörte Arden aufmerksam zu, verstand aber bis dahin nicht was er genau sagen wollte.

„Bitte Arden, kommen Sie auf den Punkt ich habe noch viel Arbeit. Ich ertrinke geradezu in Arbeit, die mir früher Schwester Jude abgenommen hatte, also bitte."

Bis vor kurzen war sich Timothy nicht bewusst, wieviel Arbeit ihn Jude abgenommen hatte. Es gab Zeiten, da wünschte er sich wirklich sie wieder bei sich zu haben.

Arden lachte und klatschte in die Hände „Da sind wir auch schon beim Thema. Ihre liebe Jude ist das Problem. Sie wissen, dass sie Nachforschungen über mich gemacht hatte und das sie weiß, wer ich wirklich bin. Das war bis jetzt kein Problem, sie ist eine geistesgestörte Mörderin und man würde ihr niemals Glauben schenken. Jedoch hat die Ankunft von Fräulein Mars alles geändert. Um es kurz zu machen. Elsa Mars ist eine Frau, die ich noch aus Deutschland kenne, sie war der Star in einem kleinen Kurzfilm den ich gedreht habe. Sagt Ihnen das Wort Snufffilm etwas? Es sind Filme wo Menschen vor laufender Kamera getötet werden zur Unterhaltung der anderen. Fräulein Mars wurde mehr oder weniger freiwillig der Star dieses Films, sie verlor zwar nicht ihr Leben aber dafür ihre Beine. Ich habe ehrlich gesagt nicht gedacht, sie jemals wieder zu sehen aber nun ist sie hier und auf Ihren seltenen Vogel gestoßen und das bringt uns in eine missliche Lage."

Mit blassen Gesicht ließ sich Timothy in seinen Stuhl fallen und sah Arden geschockt an.

„Jesus Christus….Sie sind ein Monster Arden!"

Er wusste, dass Arden die Wahrheit sagte. Er selbst hatte gesehen, was er mit Shelly und einigen anderen Patienten getan hatte. Er war kein Arzt oder Wissenschaftler….er war ein Monster.

„Halten wir Jesus da raus. Sie stecken genauso tief drin wie ich Monsignore. Das heißt, wenn ich auffliege und untergehe, dann Sie mit mir. Alles wird ans Tageslicht kommen und das wollen Sie doch nicht, oder?"

Ohne jede Art von Emotionen sah Arden zu Timothy und nickte.

„Das habe ich mir gedacht! Sehen Sie, damals als ich Schwester Jude kennen lernte, da dachte ich zuerst es wäre diese kleine Hure aus Deutschland. Die Ähnlichkeit der beiden ist beängstigend. Niemand weiß wie die beiden zu einander stehen aber ich will verdammt sein, wenn sie nicht Verwandt sind. Wenn Miss Martin und Fräulein Mars in irgendeiner Art und Weise zusammen gehören, dann wird sie mit Sicherheit versuchen, Ihre Jude hier heraus zu holen. Sie weiß einfach zu viel."

Timothy musste seine Gedanken ordnen. Er konnte das eben gehörte kaum glauben. Jude hatte nie von Familie geredet und sie hatten viele gemeinsame Abendessen zusammen. Sie hätte doch etwas gesagt…oder nicht? Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Arden weiter sprach.

„Sie ist ein Risiko. Für mich, für Sie und für alles andere hier. Sie wissen was die einfachste Lösung wäre oder? Es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein verzweifelter Patient das Leben nimmt."

„NEIN." Timothy sprang auf und kippte dabei seinen Stuhl um. Mit ernsten Blick sah er zu Arden und zeigte mit den Finger auf ihn „Sie werden Jude unter keinen Umständen etwas antun. Es muss einen anderen Weg geben."

Mit finsteren Blick stand Arden auf und sah den Monsignore kalt an „Ihre Gefühle für dieses verrückte Weib werden uns alle zu Grunde richten. Sie wollen doch Kardinal werden und später Papst. Wenn diese Frau auch nur ein Wort sagt, dann ist Ihre Karriere für immer ruiniert. Sie wissen das so gut wie ich."

Timothy seufzte und spürte die Panik in sich aufsteigen. Arden hatte Recht, Jude wäre einfach ein zu großes Risiko aber sie umbringen?

„Sagen Sie Doktor, ich habe gehört dass eine Elektroschocktherapie das Erinnerungsvermögen von Menschen verwirren kann. Vielleicht, ist das die Art von Behandlung die Jude jetzt braucht."

Arden grinste und konnte es kaum erwarten, Mary Eunice davon zu erzählen.

„Nun, es werden vielleicht mehrere Behandlungen erforderlich sein….gerade bei einen so sturen Menschen."

Timothy sah Arden an und sein Blick war ernst und traurig zu gleich.

„Ich genehmige hiermit so viele Behandlungen wie erforderlich sind."

Und auch wenn Timothy diese Entscheidung nicht leicht fiel, so war es das einzig Richtige um sich zu retten. Jude würde diesen Ort nicht verlassen….sie würde niemals fortfliegen.