Kapitel 14: Ein treuer Freund
Er konnte es kaum glauben. So schnell er konnte, rannte Frank den Flur entlang in Richtung Elektroschockraum. Sein Herz raste und er fühlte sich wie in Trance. Inständig betet er, dass niemand ihn sah und dass auch niemand gesehen hatte, dass er das Gespräch zwischen Arden und dem Monsignore belauschte hatte. Immer dachte Frank, dass Arden kein guter Mensch war, aber das was er eben hören musste, ließ seinen Glauben an die Menschlichkeit erschüttern. Arden war kein Mensch, er war ein verdammtes Monster. Jude musste alles über ihn in Erfahrung gebrachte haben und jetzt ergab plötzlich alles einen Sinn. Deswegen war sie hier eingesperrt, deswegen musste Mutter Claudia sterben….sie wusste zu viel.
Frank zitterte am ganzen Körper, als er an den weiteren Verlauf des Gespräches dachte. Arden wollte Jude um jeden Preis aus den Weg haben, er würde sie auch umbringen, dessen war sich Frank sicher. Er musste einen Weg finden um in Judes Nähe zu bleiben und dennoch nicht auffällig zu werden. Als er an der Tür stand und hörte, wie der Monsignore sich für Jude einsetzte, da spürte Frank eine tiefe Erleichterung, doch so schnell sie kam, so schnell verschwand sie wieder, als er kurz danach die Elektroschocktherapie vorschlug. Wie konnte er nur so etwas tun? Sein Herz zog sich zusammen, als er an Jude dachte und ihren Blick für den Monsignore. Frank kannte diesen Blick nur allzu gut, denn es war derselbe Blick, mit dem er selbst Jude Tag für Tag ansah. Es war ein verliebter Blick. Frank war nie die Zuneigung entgangen, die Jude für den Monsignore hegte. Umso mehr hasste er den anderen Mann dafür, dass er dies nicht zu schätzen wusste. Was hätte Frank dafür gegeben auch nur einmal von Jude so angeblickt zu werden.
Frank sah sich immer wieder um, bis er endlich bei Ardens Elektroschockraum ankam. Er würde nicht zulassen, dass dieser irre Frankenstein Jude das Hirn wegbrannte. Sofort machte sich Frank an die Arbeit und kappte die Kabel für die Stromversorgung. Es würde eine Weile dauern, bis der Apparat wieder in Gange wäre aber nicht ewig. Frank musste einen Weg finden, wie er Jude hier herausholen konnte und das so schnell wie möglich. Nicht auszudenken, was Arden noch alles mit ihr vorhaben würde.
Leise machte sich Frank auf den Weg zurück und achtete steht's darauf, dass niemand ihn sah. Wenn auch nur eine Person ihn sehen würde, dann könnte das alles zerstören. Man könnte ihn entlassen und somit hätte er keinerlei Einfluss mehr auf Judes Schicksal. Sie hatte doch niemanden der ihr helfen konnte…..oder doch? Was hatte Arden erzählt? Ein Mädchen aus Deutschland? Möglicherweise jemand aus Judes Familie? Warum sonst sollte Arden solche Angst haben?
Schnell machte sich Frank auf den Weg zum Gemeinschaftsraum, er musste versuchen mit dieser Frau zu sprechen.
„Frank, wo wollen Sie denn so schnell hin?"
Abrupt blieb Frank stehen, als er die Stimme von Mary Eunice hinter sich hörte. Er traute der jungen Nonne kein Stück weit, sie und Arden steckten unter einer Decke, da war sich Frank sicher. Er schluckte all seine Emotionen herunter und drehte sich lächelnd zu der jungen Nonne um.
„Es gibt hier ein Gerücht, über einen sehr speziellen Besucher." In Gedanken sortierte Frank schnell seine Gedanken und versuchte sich an Judes Patienten Nummer zu erinnern. Er dürfte keinerlei Anzeichen für Sympathie zeigen. „Es soll wohl eine Frau hier sein, die Patientin G2573 sehr ähnlich sieht. Ich war einfach nur Neugierig."
Mary Eunice musterte Frank mit skeptischen Blick „Seien Sie nicht zu Neugierig, dass soll einigen Leuten schon schlecht bekommen sein. Ich habe eine andere Aufgabe für Sie. Wir werden heute Abschied von unserer geliebten Pepper nehmen, sie wird heute entlassen. Bitte sorgen Sie dafür, dass ihre Zelle gereinigt wird für die nächste arme Seele. Und dann…..dann habe ich für Sie noch eine spezielle Aufgabe, für morgen früh. Aber das wird eine Überraschung."
Grinsend drehte sich Mary Eunice um, und wo andere das süße Lächeln einer unschuldigen kleinen Nonne sahen, hatte Frank das Grinsen des Teufels gesehen. Egal was sie plante, es würde nichts Gutes sein.
Frank seufzte und lehnte sich gegen die Wand. Wie sollte er nur mit der Frau reden, wenn Mary Eunice bereits im Gemeinschaftsraum war?
