Kapitel 16: Abschied von Pepper

Massimo konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sein Geist reiste viele Jahre zurück in die Vergangenheit. Eine Vergangenheit voller Gräueltaten und Erinnerungen, die Massimo lange verdrängt hatte. Er und Elsa hatten ein neues Leben begonnen und hatten mit der schrecklichen Vergangenheit abgeschlossen. Konnte es wirklich sein, dass sie diese Vergangenheit jetzt einholte? Dieser Mann, schien ernsthaft besorgt zu sein und wenn dieser Arzt namens Arthur Arden der wäre, den Massimo vermutete, dann hatte er auch Grund zur Sorge. Er musste Elsa von hier fortbringen und das so schnell wie möglich. Mit blassen Gesicht betrat Massimo wieder den Gemeinschaftsraum und nährte sich langsam den Tisch an dem Elsa, Judy und Pepper saßen. Dicht hinter Judy stand Schwester Mary Eunice und blickte die Frau, die Elsa so unglaublich ähnlich sah voller Verachtung an. Er wusste nicht was es war, aber diese junge Nonne hatte etwas Unheimliches an sich. Wie in Trance ging Massimo weiter und stellte sich direkt hinter Elsa.

„Hier sind unsere Ausweise." Sagte er nur kurz und knapp und übergab sie Mary Eunice.

Etwas verwirrt drehte sich Elsa zu Massimo um. Sie kannte ihn nun schon so viele Jahre und sie konnte an der Art wie er sprach erkennen, dass etwas nicht in Ordnung war. Als sie in sein blasses Gesicht sah, wurde ihr Verdacht bestätigt.

„Massimo, ist alles in Ordnung? Du siehst schrecklich blass aus." Sorgenvoll blickte sie ihren Mann an.

Alle Augen an diesem Tisch waren nun auf ihn gerichtet und er wusste, er dürfte sich jetzt nichts anmerken lassen. Sollte auch nur irgendjemand einen Verdacht schöpfen von seiner Vermutung, wären sie alle in Gefahr. Er zwang sich zu einen lächeln und schüttelte den Kopf.

„Aber natürlich." Er beugte sich zu Elsa und gab ihr einen liebevollen Kuss auf die Wange „Aber ich denke, wir sollten jetzt wirklich alle Formalitäten hinter uns bringen und Pepper in ihr neues Zuhause bringen."

Elsa sah Massimo verwundert an, er schien es plötzlich sehr eilig zu haben und das musste einen Grund haben.

Schwester Mary Eunice lächelte falsch und schrieb Elsas und Massimos Namen in die Papiere, ebenso ihre Adresse. Möglicherweise würde sie die Adresse ja noch brauchen.

„Ich gebe Ihren Mann Recht Miss Mars. Zudem kann ich es ohnehin nicht gestatten, dass unser täglicher Ablauf gestört wird indem Sie zu lange hier sind. Verstehen Sie mich nicht falsch aber wir haben hier einige Patienten die Schizophren sind und die könnten langsam unruhig werden."

Sie übergab die Entlassungspapiere an Elsa und verschränkte die Arme vor der Brust.

Pepper hatte sich neben Massimo gestellt und umklammerte seine Hand.

„Geeehhnnnn….Gehen…" stammelte sie und zog an Massimo.

Elsa seufzte, sie war so glücklich Pepper mit sich nach Hause zu nehmen aber auf der anderen Seite, fühlte sie sich schlecht um Judys willen. Elsa sah Jude entschuldigend an und stand dann auf. Sie ging um den Tisch herum und stellte sich vor Jude, die auch aufstand. Beide Frauen standen sich wieder gegenüber und sahen sich gegenseitig an. Elsa wusste nicht was es war, aber sie verspürte den Drang Jude in eine Umarmung zu ziehen. Sie legte ihre Arme um die andere Frau und drückte sie fest. Leise dass es niemand außer Jude hören konnte, flüsterte sie in Judes Ohr.

„Ich werde wieder kommen, versprochen."

Jude war überrascht von der Umarmung und doch erwiderte sie sie sofort. Elsas leise Worte, machten Jude Mut und sie drückte Elsa fester an sich. Jude hatte so viele Fragen und wollte so gern mehr über Elsa wissen, besonders in welchem Bezug beide wirklich zu einander standen aber jetzt war das nicht möglich. Sie musste warten und sie hoffte, dass sie so lange hier bestehen konnte. Sie wusste, dass Mary Eunice und Arden ihr keine Ruhe lassen würden.

Nach einer langen Umarmung löste sich Elsa von Jude und ging wieder zu Massimo. Sie sah in seine Augen und wusste nicht genau, was sie dort sah. War es angst?

„Pepper mein Liebchen, verabschiede dich und dann gehen wir." Elsa musste wissen, was mit Massimo los war, aber nicht hier.

Pepper sah Mary Eunice an und schüttelte den Kopf und statt zu ihr zu gehen, ging sie zu Jude und grinste sie breit an.

„Pepper kommt besuchen…..Juuuude!"

Jude blickte in das seltsame Gesicht der kleinen Frau und schluckte den Kloß in ihrem Hals. Wieso war der kleine Spitzkopf so liebeswert zu ihr? Sie hatte es nicht verdient. Sie legte ihre Hand auf Peppers Schulter und zwang sich zu einem Lächeln.

„Auf Wiedersehen Pepper."

Massimo nickte Jude zum Abschied zu und legte dann seinen Arm um Elsas Taille.

„Komm schon Pepper, wir fahren." Rief Elsa und sah noch einmal zu Jude. Obwohl sie Jude erst kurz kannte, fiel ihr der Abschied unsagbar schwer.

Jude blickte Elsa nach und seufzte traurig. Sie hoffte wirklich, dass Elsa wieder kommen würde.

„Nun Miss Martin, wie mir scheint ist der Trubel jetzt vorbei." Mary Eunice stellte sich dicht neben Jude und sah sie mit bösen teuflischen Augen an „Sie werden hier niemals heraus kommen…..niemals!"

Mit einem falschen Grinsen ging sie an Jude vorbei und verließ den Saal.