Kapitel 17: Zwiespalt
In einer Ecke der Vorhalle, stand Timothy Howard und beobachtete die Leute die gerade mit Pepper Briarcliff verließen. Er konnte kaum glauben wie sehr die Frau Jude ähnelte. Er beobachtete die Frau genau und besonders die Art wie sie ging. Sollte das wirklich das Mädchen aus Deutschland sein, von dem ihm Arden erzählt hatte? Er sagte er hätte die Beine der jungen Frau namens Elsa Mars abgetrennt aber so wie sie lief, konnte er das nicht so ganz glauben. Vielleicht war alles nur eine Verwechslung, vielleicht war diese Frau hier eine ganz andere. Wenn dem so war, waren vielleicht die drastischen Maßnahmen die er für Jude genehmigt hatte nicht nötig. Aber was wenn sie es doch war? Was wenn diese Frau wirklich die Elsa Mars war, die vor vielen Jahren von Arden verstümmelt wurde? Timothy war hin und her gerissen, er wusste nicht mehr was er tun sollte. Eines jedoch stand fest, diese Frau musste auf die eine oder andere Art mit Jude verwandt sein. Diese unglaubliche Ähnlichkeit hatte er bisher nur bei Schwestern gesehen. Wenn Jude und Elsa Schwestern waren und Elsa wirklich Jude hier herausholen wollte, dann würden möglicherweise alle Dinge die hier passiert waren ans Tageslicht kommen. Und davon gab es viele. Sollte auch nur ein Mensch davon erfahren, dass er die ganze Zeit wusste wer Arden wirklich war, dann war alles für das er sein Leben lang gearbeitet hatte ruiniert. Seine Karriere wäre für alle Zeiten vorbei, er würde niemals Kardinal werden und würde niemals nach Rom gehen. Das war alles, was Timothy Howard immer wollte. Er lehnte sich mit den Kopf an die kalte Wand und schloss die Augen.
‚Oh Herr, was soll ich nur tun?'
Hinter ihm hörte er Schritte näher kommen und er erkannte schon an der Art der Schritte, wer sich ihm nährte.
„Beängstigend nicht oder?" Dr. Arden erschien hinter Timothy und fixierte den jüngeren Mann mit seinen Blick. Arden wusste, dass es für Timothy Howard nichts Wichtigeres gab, als die Aussicht ein großer Mann der Kirche zu werden. Dennoch musste er ihn im Auge behalten. Arden wusste schon seit langem, dass er eine bestimmte Vorliebe für die ehemalige Schwester Jude hatte. Er konnte nicht zulassen, dass diese Vorliebe ihnen allen zum Verhängnis werden würde.
Timothy starrte in die jetzt leere Eingangshalle und seufzte „In der Tat, ist die Ähnlichkeit wirklich erstaunlich. Dennoch bin ich mir nicht sicher, ob diese Frau wirklich das arme Ding ist, welches Sie verstümmelt haben." Voller Abscheu sah Timothy den anderen Mann an. Dieser Mann war wirklich ein Monster und er wünschte, er hätte damals anders gehandelt. Warum hatte er Arden damals nicht der Polizei gemeldet?
Dr. Arden grinste Timothy herablassend an „Diese Frau war kein armes Ding. Sie war eine Hure….eine kleine dreckige Hure, die ihren Körper verkauft hatte. Um Menschen wie sie, ist es nicht schade. Ganz im Gegenteil, man sollte die Welt von all diesen Menschen befreien."
„Sie richten über Menschen, als seinen Sie Gott. Aber nur der Herr selbst hat das Recht zu richten Dr. Arden."
Ardens Blick verdunkelte sich und er trat näher an Timothy heran „Das sagen Sie? Wer hat über die kleine Shelly gerichtet? Wenn ich mich recht erinnere, dann waren das Sie, verehrter Monsignore."
Timothy sah sich erschrocken um und flüsterte voller Wut „Sie waren das! Sie haben Shelly verstümmelt! Sie haben aus ihr ein Monster gemacht….Sie haben ihr die Menschlichkeit genommen."
„An einem Ort wie Briarcliff gibt es nichts Menschliches mehr. Der Abfall der Menschheit sammelt sich hier. Sehen Sie sich doch um, ein nicht lebenswertes Leben nach dem anderen. Geisteskranke, Behinderte und Missgeburten, das sind alles keine Menschen mehr. Briarcliff ist eine Sammelgrube, eine Sammelgrube für Abschaum. Aber im gleichen Moment auch ein Paradies für einen Wissenschaftler wie mich. Schon früh habe ich erkannt, dass es diese Menschen nur aus einem Grund gibt, der Wissenschaft zu dienen. Warum soll ich Experimente an Tieren machen, wenn ich ein viel genaueres Ergebnis durch Versuche am Menschen erzielen kann? Nur dafür wurden diese Menschen geboren…" Arden musterte Timothy abermals und kniff die Augen zusammen „Hören Sie, ich weiß warum wir diese Diskussion hier führen. Es ist wegen Jude, nicht wahr? Wissen Sie, ich dachte immer ein Mann der Kirche wäre über solche Dinge erhaben."
Arden hatte einen wunden Punkt getroffen und Timothy blitze ihn böse an „Wie können Sie es wagen, mein Gelübde in Frage zu stellen? Ich bin ein Mann Gottes durch und durch!"
„Gut das Sie das erkennen, denn eines sage ich Ihnen Monsignore. Niemals…..niemals werde ich zulassen, dass jemand außerhalb dieser Mauern von allem erfährt."
Mit diesen Worten drehte sich Arden um und ließ Timothy allein zurück. Ein Gefühl der Angst überkam ihn und er hatte das Gefühl durch seine Adern würde das pure Eis fließen. Es gab keinen Ausweg, nicht mehr. Wenn Timothy sich jetzt gegen Arden stellen würde, würde er alles verlieren und vielleicht sogar sein Leben.
Nein, er wollte die Macht. Er wollte ein großer Mann sein. Er wollte jemand sein, an dem man sich für alle Zeiten erinnerte. Und trotzdem hatte er immer einen Gedanken im Hinterkopf.
‚Wird Gott mir vergeben?'
