Kapitel 20: Endgültig
Nachdem Elsa und Massimo gemeinsam mit Pepper Briarcliff verlassen hatten, fühlte sich Jude einsamer und verlassener als je zuvor. Sie hatte die starke Bindung zu Elsa gefühlt und für einen kurzen Moment, gab sich Jude der Hoffnung hin, zu jemanden außerhalb dieser Mauern zu gehören. Doch kaum hatte Elsa den Gemeinschaftsraum verlassen, war es als hätte jemand dieses Band zerschnitten.
Judes Verstand raste und sie wusste nicht wohin mit all diesen Gedanken. Sie wollte mehr über Elsa wissen, sie wollte herausfinden wer sie selbst wirklich war, ob sie vielleicht doch noch eine Familie hatte…..es gab so viele Fragen und sie wusste, sie würde hier niemals Antworten bekommen. Hier in Briarcliff war sie wie alle anderen, nur eine Gefangene. Sie würde keine Antworten auf ihre Fragen bekommen und dieses Wissen machte Jude wahnsinnig. Sie fühlte sich hilfloser als je zuvor.
Noch eine ganze Weile stand Jude da und starrte auf die Tür durch die Elsa verschwand, fast hatte sie die Hoffnung sie würde wieder kommen. Ein dummer törichter Gedanke, sie wusste das Elsa jetzt nichts für sie tun konnte. Die Zeit verging und Jude wusste nicht mehr, wie lange sie einfach nur da stand und in die Leere starrte, bis sie plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter spürte.
„Jude? Sind Sie in Ordnung?"
Langsam drehte sich Jude um und erblickte Lana und Kit hinter sich. Beide schaute sie fragend aber auch gleichzeitig besorgt an.
Jude lachte freudlos auf und schüttelte den Kopf „Offen gesagt, ich weiß es nicht. Ich weiß im Moment gar nichts mehr."
Kit nickte wissend und deutete Jude an sich zu setzten, an den Platz wo sie zuvor mit Elsa, Massimo und Pepper gesessen hatte. Gemeinsam nahmen alle drei Platz und schwiegen einen Moment, bis Lana als erstes sprach.
„Jude, wer war diese Frau? Das war einfach unglaublich! Diese Ähnlichkeit ist absolut verblüffend."
Noch immer wusste Jude selbst nicht, was sie von all dem halten sollte. Nervös zündete sie sich eine Zigarette an und zog einige Male daran, bevor sie sprach.
„Ihr Name ist Elsa und sie kommt aus Deutschland. Sie kam nur hierher um Pepper zu holen…..und dann…" Jude beendete ihren Satz nicht, als sie sah wie Mary Eunice wieder den großen Saal betrat. Mit einem breiten Grinsen ging sie auf Jude, Lana und Kit zu.
„Ich muss sagen, es macht mir langsam Sorgen, dass Sie drei so viel Zeit miteinander verbringen. Man könnte meinen Sie planen eine Verschwörung." Spöttisch sah sie die drei Insassen an und fixierte dann Jude mit ihrem Blick „Miss Martin, ich bin so eben mit Dr. Arden Ihren neuen Therapieplan durchgegangen. Wir sind alle der Meinung, dass der Besuch dieser Deutschen Sie aus dem Gleichgewicht bringen könnte und dass wollen wir doch nicht. Nicht nachdem Sie in letzter Zeit eine so vorbildliche Patientin waren."
Jude atmete tief durch und schluckte schwer, sie hatte Angst davor was als nächstes kommen würde.
„Wie dem auch sei, Sie werden morgen die erste Elektroschocktherapie bekommen." Mary Eunice musste sich das grinsen verkneifen, denn die Freude auf den morgigen Tag war unglaublich groß. Eine noch größere Befriedigung verspürte sie, als sie die geschockten weit aufgerissenen Augen von Jude sah und die Angst dahinter.
‚Ahhh, da habe ich wohl doch Judys größte Angst entdeckt.'
Auch Kit und Lana sahen sich schockiert an.
„Das ist doch wohl ein Witz! Abgesehen davon, dass diese Behandlung barbarisch ist, habe ich noch nie gehört das diese Behandlung vorsorglich angewandt wird." Kit erhob sich von seinem Stuhl und stellte sich direkt vor Mary Eunice.
„Mr. Walker, darf ich Sie daran erinnern, dass Sie nichts weiter als ein Patient hier sind und keiner unserer Ärzte! Aber vielleicht möchten Sie Miss Martin Gesellschaft leisten auf den Weg zur Therapie? Ich bin sicher, Dr. Ardens Apparat hat genug Strom für zwei von Ihnen!" Mit fester und lauter Stimme wandte sie sich an Kit und sah ihn mit kalten Augen an. Erst jetzt fiel Kit auf, das in ihren Augen nichts mehr zu sehen war. Es war als würde er in ein dunkles Loch schauen, frei von jeglichen Emotionen und Empfindungen. Es gab nichts Menschliches mehr in ihnen.
Auch Lana wusste, dass diese angebliche vorsorgliche Behandlung nur eine Ausrede war. Aus irgendeinen Grund wollten sie um jeden Preis Jude zum Schweigen bringen. Etwas in Lana sagte ihr, dass es auch mit dieser Elsa zutun hatte. Warum sonst hätten sie ihr Pepper einfach so mitgegeben. Auch wenn Pepper ein kleiner Schachkopf war, so war sie eine verurteilte Mörderin. Niemals hätte man sie einfach so entlassen. Mary Eunice wollte um jeden Preis, dass diese Frau von hier verschwand. Was also musste man tun? Man gab ihr, dass was sie wollte. Etwas musste Jude und diese Elsa verbinden, was nicht ans Tageslicht kommen sollte. Lana spürte wie sie selbst fröstelte bei den Gedanken an die Elektroschocks. Sie selbst hatte erfahren wie es ist, wenn der Strom durch den Körper fließt und man sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Die Schmerzen danach, das ständige Summen im Kopf, die Verbrennungen an den Schläfen…es war wirklich barbarisch.
„Also Miss Martin, morgen früh geht es los. Dr. Arden ist sich noch nicht sicher, aber er denkt das drei Behandlungen ausreichen."
Jude spürte wie ihr schwindelig wurde. Drei? Hatte dieses Miststück tatsächlich drei gesagt? Das würde sie niemals überstehen. Sie wusste nicht einmal, ob sie eine überstehen würde. Sie schluckte den Kloß in ihren Hals herunter und sprach mit zitternder Stimme „Ich will den Monsignore sprechen!"
Mary Eunice hätte am liebsten laut losgelacht, dieser Tag wurde wirklich immer besser.
„Nun, das können Sie natürlich tun aber ich wüsste nicht warum. Wissen Sie, er ist wirklich schwer beschäftigt und er hat diese Behandlung bereits genehmigt. Auch er hält es für eine gute Idee…..um ehrlich zu sein, hat er es sogar vorgeschlagen."
Mit jeden Wort was Mary Eunice sprach, spürte Jude wie ihr Herz immer weiter in Zwei gerissen wurde.
„Nein….." flüsterte Jude leise zu sich selbst und spürte wie heiße Tränen in ihren Augen aufstiegen. Das war nicht möglich, er konnte das unmöglich getan haben. Nicht nach allem was sie zusammen erlebt hatten, nicht nach all diesen Jahren der zusammen Arbeit und der Freundschaft. War es möglich, dass er sie wirklich hat fallen lassen? Endgültig!
Er hatte sie endgültig fallen lassen und diese Erkenntnis zerriss Jude in Stücke.
