Kapitel 23: Endlich allein
Mary Eunice war vollkommen außer sich. Wie konnte das sein? Wieso hatte Arden den Apparat vorher nicht getestet? Sie war so wütend wie nie zuvor in ihrem Leben. Am liebsten hätte sie ihre Wut direkt an Jude ausgelassen aber das war nicht möglich. Sie blickte auf die Frau, die sie so hasste. Sie konnte sie jetzt nicht länger sehen.
„Frank!" schrie Mary Eunice und sah zu den Wachmann neben Jude „Bringen Sie Miss Martin weg! Sofort! Bringen Sie sie in ihre Zelle, Miss Martin wird den Tag heute in ihrer Zelle verbringen."
Frank ließ sich das nicht zweimal sagen. Er schnallte Jude los und ließ sie langsam aufstehen. Er hätte ihr am liebsten geholfen aber die teuflischen Blicke von Arden und Mary Eunice verfolgten Jude die ganze Zeit über. Als Jude stand, packte Frank sie an ihren Oberarm und führte sie hinaus. Ein Stein fiel ihm vom Herzen, dass seine kleine Sabotage niemanden aufgefallen war. Er und Jude waren noch nicht ganz draußen, da hörte er Mary Eunice wütend gegen Arden wettern. Sollten diese beiden Schlächter sich doch gegenseitig zerfleischen.
Ohne ein Wort zu sagen, gingen Frank und Jude die dunklen Flure von Briarcliff entlang zum Frauentrakt. Es war ungewöhnlich still, was daran lag das die meisten Insassen jetzt im Gemeinschaftsraum oder in der Bäckerei waren. Sollte Frank die Chance nutzen und etwas sagen? Aber was sollte er ihr sagen?
Jude konnte noch immer keinen klaren Gedanken fassen. War das alles nur ein schlimmer Traum mit guten Ausgang? Erst als sie das Schloss ihrer Zellentür hörte, sah sie zu Frank auf. Sie sah Frank genau an und konnte in seinen Augen sehen, wie hin und her gerissen er war. Es war etwas in seinem Blick…..Angst? Schuld? Verlegenheit? Jude konnte nicht genau sagen was es war. Langsam sah sie sich um und erkannte, dass niemand außer ihnen hier war. Vorsichtig legte sie ihre noch zitternde Hand auf seine Schulter.
„Frank? Ich…ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken kann. Sie haben mich heute vor einen wahren Alptraum bewahrt. Ich muss gestehen, dass ich wirklich Angst hatte, als Sie plötzlich mit Mary Eunice in der Tür standen."
Frank spürte Judes Hand auf seiner Schulter und ein warmes Gefühl schoss durch seinen Körper, ein Gefühl das er sehr lange nicht mehr hatte. Er blickte in Judes Augen und sah sie aufrichtig an. Als er sprach, war seine Stimme leise und voller Emotionen.
„Sie müssen mir nicht danken, ich schrieb Ihnen, dass ich alles tun würde um Sie hier heraus zu holen und das werde ich auch. Ich werde alles tun um Ihnen zu helfen. Es tut mir Leid, dass ich so kalt war aber Mary Eunice beobachtet mich genau und ich wollte nicht dass sie verdacht schöpft. Es tut mir Leid, dass ich Ihnen Angst gemacht habe. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie erschreckend es sein muss zu wissen, dass man zu einer Elektroschocktherapie muss."
In Judes Augen bildeten sich Tränen und sie schüttelte mit einem kleinen Lachen den Kopf.
„Nein, es war nicht nur die Angst vor der Therapie. Ich dachte wirklich für einen Moment, ich hätte Sie als Freund verloren. Jetzt zu wissen, dass es nicht so ist bedeutet mir unsagbar viel Frank. Ihre Freundschaft ist im Moment der einzige Lichtblick, den ich habe."
Frank zerriss es fast das Herz. Er konnte vieles erdulden und ertragen, aber Judes Tränen waren mehr als er verkraften konnte. Er wollte sie so gern in die Arme nehmen, sie einfach hier heraus bringen und sie jedes Leid vergessen lassen. Doch das war nicht möglich. Es gab nur einen Weg um Jude hier heraus zu holen und das war der, die wahren Täter zu finden. Zwar ahnte Frank wer wirklich an den Tod von Mutter Claudia schuld hatte, dass aber zu beweisen würde schwieriger werden. Langsam nahm er Judes Hand in seine und hielt sie einen Moment fest.
„Ich werde es schaffen, ich hole Sie hier heraus. Ich würde alles für Sie tun Jude!"
Noch bevor Frank realisierte was er gerade gesagt hatte, sah ihn Jude mit großen Augen an. Ein Moment verging und keiner von beiden sagte auch nur ein Wort. Schließlich brach Jude das Schweigen und ihre Stimme zitterte.
„Warum? Warum tun Sie das alles für mich?"
Franks Herz begann wie wild zu rasen und er spürte wie sein Puls sich beschleunigte. Was sollte er ihr jetzt sagen? Sollte er ihr sagen, wie sehr er sie liebte?
