Kapitel 24: Das Geständnis

Oft hatte sich Frank vorgestellt, wie er es Jude am besten sagen sollte, dass er sie liebte. Es gab unzählige Szenarien, die er in Gedanken durchspielte oder in seinen Träumen erlebte. Zusammen in einem dunklen Flur in Briarcliff zu stehen, gehörte nicht dazu. Frank wusste nicht einmal, ob er es ihr überhaupt sagen sollte, die Angst vor Zurückweisung war zu groß. Zudem hatte er Angst, mit seinem Geständnis ihre Freundschaft zu verlieren. Immer noch stand Frank regungslos da und starrte Jude an und er konnte sehen, dass sie auf eine Antwort wartete. Nie hätte er gedacht jemals in dieser Situation zu sein. Als Nonne war sie unerreichbar für ihn aber jetzt war sie keine Nonne mehr. Sollte er es ihr sagen? Aber wenn nicht jetzt, wann dann?

Jude wartete ungeduldig auf Franks Antwort, sie konnte sehen, dass er mit sich selbst im Zwiespalt war. Vielleicht hätte sie ihn nicht fragen sollen, vielleicht hätte sie es einfach bei einem Danke belassen sollen aber sie musste einfach wissen, warum er das alles für sie tat. Er nahm so ein großes Risiko auf sich und das nur um sie zu schützen. Wenn Arden oder Mary Eunice ihn dabei erwischt hätten, wie der den Elektroschocker zerstörte, hätte das schlimm ausgehen können für Frank. Arden war ein verrücktes und hinterhältiges Monster, ein Kriegsverbrecher und Mörder. Mary Eunice war nicht besser, auch sie hatte Blut an den Händen. Jude hatte keinen Zweifel daran, dass Frank plötzlich einen tragischen Unfall haben würde, sollten sie jemals herausfinden was er getan hatte.

Noch immer hielt Frank Judes kleine Hand in seiner und atmete tief ein und aus. Jude hatte es ihm vorhin selbst gesagt, sie hatte für einen Moment Angst ihn als Freund verloren zu haben. Frank trieb hier ein gefährliches Spiel und er wusste es, er wollte nicht, dass ihm etwas passierte ohne dass Jude jemals erfuhr was er wirklich fühlte. Sie musste es wissen.

Er sah ihr tief in die Augen und lächelte unsicher, seine Augen spiegelten all seine Emotionen wieder, als er langsam seine Stimme wieder fand.

„Warum ich das für Sie tue? Ich tue das alles für Sie weil….weil….." seine Worte brachen ab und er schüttelte den Kopf „Ach Jude, können Sie denn nicht sehen, was ich für Sie empfinde?"

Jude spürte wie ihr Herz immer schneller schlug und ihre Hände wieder begannen zu zittern. Sie sah in Franks Augen und fing seinen Blick auf. Sie kannte diesen Blick. Sie selbst hatte diese Blicke lange Zeit für einen anderen Mann gehabt. Einen Mann der sie verraten hatte und diese Wunde in ihrem Herzen war immer noch frisch und tief.

„Oh Frank." Brachte Jude heraus und Tränen bildeten sich erneut in ihren Augen. Wie konnte sie das vorher nie bemerkt haben? Sie war so verdammt blind gewesen. Vorsichtig legte sie ihre Hand auf Franks Wange und sah ihn an. Was sah er in ihr? Er war so ein guter, netter, verständnisvoller und lieber Mann. Er verdiente sein Glück und eine wunderbare Frau. Eine Frau die besser war als sie.

Frank fühlte Judes warme Hand auf seiner Wange und es sendete ein warmes Gefühl durch seinen Körper. Schon diese unschuldige und liebevolle Geste, war mehr als er zu hoffen gewagt hatte.

„Ich liebe Sie Jude. Das tat ich von Anfang an." seine Stimme war nicht mehr als ein leises flüstern und es fühlte sich an wie in einem Traum. Er konnte noch nicht ganz glauben, dass sie tatsächlich hier zusammen waren und er ihr seine Liebe gestanden hatte. Frank hatte plötzlich das Gefühl, dass jemand eine schwere Last von seinen Schultern genommen hatte. Es war ein geradezu befreiendes Gefühl.

Jude hörte seine leisen Worte und sie wusste nicht, wie sie das jetzt verarbeiten sollte. Da stand dieser wundervolle liebenswerte Mann vor ihr, der für sie solch hohe Risiken einging und sagte ihr, dass er sie liebte und sie brachte einfach kein Wort heraus. Aber was sollte sie ihm auch sagen? Sein Geständnis und die ganze Situation hier überforderten Jude und sie wusste selbst nicht mehr was sie fühlte.

„Frank, ich…." Gerade als Jude etwas sagen wollte, hörten sie wie jemand den Frauentrakt betrat und ein lauter Schrei durch den Flur schallte. Erschrocken sprang Jude zurück und brachte etwas Abstand zwischen Frank und sich selbst. Auch Frank sah sich erschrocken um und betete, dass niemand sie so gesehen hatte.

Einer der Pfleger, schleifte eine Patientin in einer Zwangsjacke durch den dunklen Flur und schien bis jetzt weder Jude noch Frank bemerkt zu haben. Frank sah zu Jude und deutete ihr, sie solle in ihre Zelle gehen.

„Frank? Frank, sind Sie das? Verdammt, helfen Sie mir mal und schließen die Zelle dieser Irren auf." rief der Pfleger, als er Frank erblickte. Frank sah noch einmal kurz zu Jude und lief dann zu seinen „Kollegen" um ihn zu helfen.

Jude stand immer noch geschockt in der Tür zu ihrer Zelle und hörte die lauten Schreie und bösen Flüche der anderen Frau. Doch was genau sie schrie, hörte Jude nicht. Ihre Gedanken waren immer noch ganz bei Frank und seiner Liebesbeichte. Erst das laute knallen der Zellentür einige Meter weiter, holte Jude ins hier und jetzt zurück.

„Danke Frank! Was machen Sie hier?" hörte Jude den Pfleger fragen und sie erkannte die Stimme des Mannes. Ihr Gesicht verzog sich voller Abscheu. Dieser Mann war die Art Mensch, der seine eigene Mutter vor ein Auto stoßen würde, wenn es ihm einen Vorteil brachte.

„Wie mir scheint haben heute zwei unser Schützlinge Arrest." Sagte Frank kalt und Jude wusste genau, warum Frank wieder seine Maske aufsetzten musste. Einerseits war sie sogar froh, dass sie unterbrochen wurden. Sie brauchte jetzt Zeit für sich, um alles erst einmal richtig verarbeiten zu können.

Ein widerliches Lachen dröhnte durch den Flur „Wer ist denn das andere unartige Schäfchen?" Ungefragt ging der Pfleger hinter Frank her, bis er Jude erblickte. Grinsend blickte er die Frau an und lachte wieder „Oh Miss Martin. Was haben Sie denn nun wieder ausgefressen?"

Angewidert sah Jude den Mann an und sah dann zu Frank „Ich möchte jetzt in meine Zelle, wenn es Ihnen nichts ausmacht." ihre Stimme war trotzig und ohne Emotionen, als sie zu Frank sprach.

„Hey Moment mal….sollte Sie nicht heute eine Elektroschocktherapie bekommen?" fragte der Pfleger und sah irritiert zu Frank.

„Ja, aber das Lieblingsspielzeug des Doktors ist anscheinend beim letzten Stromausfall durchgebrannt." Log Frank und wollte nur noch, dass der Kerl endlich verschwand.

Mit einem süffisanten Grinsen, sah der Mann wieder zu Jude „Ach, das ist aber Schade. Ich nehme an, Sie haben sich nach all den Jahren als Nonne darauf gefreut, mal wieder richtig durchgeschüttelt zu werden."

Schon allein dieser Kommentar ließ Franks Blut kochen. Er ballte die Hände zu Fäusten und nahm all seine Selbstbeherrschung zusammen um nicht auf ihn loszugehen. Frank atmete tief durch und sah dann wieder zu Jude, der die Wut über diesen widerlichen Kommentar ins Gesicht geschrieben stand.

„Miss Martin, gehen Sie bitte in ihre Zelle. Eine Schwester wird Ihnen nachher Ihr Mittag bringen." Sagte Frank kalt. Seine Gesichtszüge waren streng aber seine Augen waren voller Wärme und Jude nickte nur. Kurz bevor er die Tür schloss und sich sicher war, dass der andere Mann ihn nicht sehen konnte, schenkte er Jude noch ein kleines Lächeln.

Die Stimmen wurden langsam immer leiser und schließlich verstummten sie. Frank hatte den Trakt verlassen und Jude war allein in ihrer kleinen Zelle. Tief in Gedanken versunken, ließ sie sich auf das Bett fallen und dachte nur noch an Franks Worte. Ich liebe Sie.