Kapitel 27: Ruhm ist kein Ersatz für Liebe
Elsa verließ völlig verstört das Haus in dem ihre Tante lebte und lief ohne Ziel die Straßen entlang. Sie hasste ihre Tante nun mehr denn je. Elsa wusste, dass es kein schöner Besuch werden würde aber mit dem hatte sie nicht gerechnet. Die Erkenntnis, dass ihre Eltern sie nie geliebt hatten, traf Elsa tief, selbst nach all diesen Jahren. Alles was Elsa jemals wollte, war geliebt zu werden. War es zu viel verlangt, von seinen Eltern geliebt zu werden? Tief in ihrem Inneren, ahnte Elsa immer, dass ihre Eltern nicht viel für sie übrig hatten. Doch es jetzt genau zu wissen, verletzte Elsa zu tiefst.
Ihr ganzes Leben lang, jagte Elsa dem Traum nach ein Star zu werden und von allen bejubelt, geachtet, verehrt und beachtet zu werden. Wenn sie schon nicht geliebt wurde, so wollte sie wenigstens beachtet werden. Sie glaubte, wenn sie bejubelt und gefeiert wurde, dann würden sie die Leute auch lieben. Eine traurige Vorstellung aber sie erhielt Elsa am Leben. Wie lange konnte ein Mensch völlig vereinsamt überleben? Elsa war eine einsame Frau, bis zu dem Tag am dem Massimo wieder in ihr Leben trat. Seine bedingungslose Liebe, zeige Elsa wie es wirklich war von einem Menschen geliebt zu werden. Ein Gefühl welches sie nie zuvor hatte erleben dürfen. Ruhm, Applaus, Verehrung….all das war nichts wert, wenn man allein war.
Aber jetzt war Elsa nicht mehr allein, sie hatte Massimo und auch wenn er weit weg war, so wusste sie dass er da war und es spendete ihr unsagbar viel Trost. Ihre Gedanken schweiften ab und sie musste an Jude denken. Ihre Schwester, Jutta Mars. Es war für Elsa noch immer schwer zu glauben, dass sie eine Schwester hatte. Sie war voller gemischter Gefühle und sie fühlte sich schlecht, dass sie sich nicht so richtig über die neuen Erkenntnisse freuen konnte. Elsa spürte einen Anflug von Wut und Eifersucht auf ihre Schwester. Jutta war das Goldkind, welches ihre Eltern wollten und sie nur der dunkle Schatten. Ihre Eltern liebten Jutta viel mehr als sie und dabei war Jutta nicht mehr, als eine Erinnerung. War ihre Schwester schuld, dass sie nicht geliebt wurde?
Elsa blieb stehen und atmete tief durch.
‚Oh du lieber Gott, was ist nur los mit mir?'
Kopfschüttelnd ging sie weiter und schämte sich für ihren Gedanken. Natürlich war es nicht Judes Schuld, sie hatte nicht darum gebeten entführt zu werden. Ebenso wenig, hatte Elsa um ihre Geburt gebeten. Sie waren nur zwei kleine unschuldige Kinder.
Sie dachte an den letzten Satz zurück, den sie zu Hedwig sagte.
‚Der kleine Engel von damals, sitzt in einem Sanatorium für geisteskranke Kriminelle.'
Warum hatte sie das gesagt? Sie hätte das nicht sagen sollen, schon um Judes Willen. Ihre Tante lebte mit der Vorstellung, dass Jutta ein Engel war und sie der Teufel in Frauengestalt. Sie wollte dieses Traumschloss zerstören….ja, sie wollte das Traumschloss ihrer Tante zerstören und sie für den Rest ihrer paar armseligen Jahre grübeln lassen. Erst jetzt wurde Elsa bewusst, dass sie dafür Jude als Verrückte hatte denunzieren müssen.
‚Ich bin manchmal so ein Ekel.'
Elsa spürte wie ihr Kopf begann zu schmerzen. Sie brauchte etwas um ihre Nerven zu beruhigen und suchte die erste Bar auf, die sie finden konnte. Es war noch Vormittag aber das war Elsa egal, sie brauchte einen Schnaps….oder auch zwei oder drei. Später würde sie sich damit beschäftigen, soviel über den Verbleib von Gruper heraus zu finden wie nur möglich aber jetzt musste sie den Kopf freibekommen und den Schmerz aus vergangenen Tagen betäuben.
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In Briarcliff lag Jude noch immer in ihrer Zelle und lauschte der Stille. Es waren einige Stunden vergangen, dass sie Frank hierher gebracht hatte und ihr seine Liebe gestanden hatte. Immer wieder hörte sie seine Worte und sah sein liebeswertes Gesicht vor sich. Sie konnte noch immer nicht glauben, dass der Mann den sie immer nur für einen Freund hielt, so viel mehr für sie empfand. Doch was empfand sie für ihn? Solange war sie blind durch die Welt gelaufen und hatte das wesentliche nicht gesehen. Solange hatte sie nur Augen für einen Mann und hatte ihn doch nie wirklich gesehen. Liebe macht blind, und Jude war das beste Beispiel dafür. Sie hatte ihr Herz an einen Mann verschenkt, der ihre Liebe mit Füssen trat. Nie hatte sie ein glückliches Händchen bei der Wahl ihrer Männer gehabt. Sollte es vielleicht doch noch ein Happyend für sie geben? Jude schloss die Augen und gab sich der Vorstellung einer glücklichen Zukunft hin. Vielleicht würde sie ja doch irgendwann hier heraus kommen. Vielleicht würde Elsa wirklich zurückkommen und sie könnte diesen Ort verlassen. Vielleicht würde sie sogar mit Frank diese Hölle verlassen. Und auch wenn das alles wahrscheinlich nur eine Traumvorstellung war, so ließ sie Jude das erste Mal seit Monaten zufrieden und mit einem Lächeln auf den Lippen einschlafen.
