Kapitel 29: Erinnerungen an Elsa Mars

Elsa saß in einer kleinen Bar und trank bereits ihren dritten Schnaps, sie musste alles was sie gerade von ihrer Tante gehört hatte verarbeiten und versuchen mit all dem irgendwie weiter machen zu können. Jude war tatsächlich ihre Schwester, die Schwester von der sie glaube, sie sei vor vielen Jahren verstorben. Innerlich verfluchte Elsa ihre Eltern. Wieso hatten sie Jutta aufgegeben? Wieso haben sie sie totgeschwiegen? Vielleicht hätte man sie viel früher finden können. Vielleicht wäre Jude jetzt nicht in einer Irrenanstalt und sie selbst wäre mit mehr Liebe aufgewachsen. Wenn ihre Eltern Jutta so geliebt haben, warum haben sie nicht länger nach ihr gesucht? Elsa konnte es nicht verstehen, aber sie hatte ihre Eltern nie wirklich verstanden.

Aber eines stand für Elsa fest, sie hatte eine Schwester zu der sie sich sofort verbunden gefühlt hatte und das noch bevor sie wusste, wer Judy Martin wirklich war und sie würde alles dafür tun, um sie aus Briarcliff heraus zu holen. Alles! Sie wusste, sie konnte nicht einfach ohne jegliche Art von Beweise dorthin zurückkehren. Sie brauchte ein offizielles Dokument und so trank Elsa ihren letzten Schnaps aus und machte sich auf den Weg zum Standesamt in Charlottenburg. Elsa selbst hatte nicht viel Hoffnung eine Geburtsurkunde oder Taufurkunde von Jutta zu finden. Zwischen ihrer Geburt und dem heutigen Tag, hatte Deutschland zwei Kriege miterlebt und vieles wurde zerstört. Ob die gesuchten Unterlagen noch vorhanden waren, war mehr als fraglich aber Elsa musste es einfach versuchen.

Sie fuhr mit einem Taxi zum Standesamt und bete, dass noch irgendwo der Name Jutta Mars zu finden war. Nach weniger als 10 Minuten kam Elsa an ihrem Ziel an und bezahlte den Fahrer. Mit wenig Zuversicht betrat Elsa das große Verwaltungsgebäude und begab sich zu der Dame an der Information.

„Guten Tag, mein Name ist Elsa Mars. Ich bräuchte einen Auszug aus dem Geburtenregister."

Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte die Dame zu Elsa und studierte das Gesicht der blonden Frau.

„Verzeihung bitte, aber sagten Sie ihr Name sei Elsa Mars?"

Etwas irritiert blickte Elsa zu der Frau, die in etwa in ihrem Alter war und nickte „Ja, darf ich fragen ob wir uns kennen?"

Mit einem freundlichen Lächeln blickte die andere Frau zu Elsa und musterte das Gesicht von Elsa genau „Oh ja, Sie sind tatsächlich Elsa Mars, ich erkenne Sie wieder. Verzeihen Sie, aber ich habe Sie vor vielen Jahren in einen Nachtclub singen hören. Ich kann mich noch sehr gut an ihren Auftritt erinnern, mein Mann hatte mir an diesen Abend einen Heiratsantrag gemacht. Wir waren danach oft in diesem Lokal, aber wir haben Sie leider nie wieder singen hören. Ich muss Ihnen sagen, ich liebe Ihre Stimme…Oh meine Güte, verzeihen Sie bitte. Was kann ich für Sie tun Frau Mars?"

Ein strahlendes Lächeln erschien auf Elsas Gesicht und sie konnte kaum glauben, dass sich so viele Jahre nachdem sie in Berlin aufgetreten war noch jemand an sie erinnerte. Doch schnell erinnerte sie sich wieder daran, warum sie hergekommen war.

„Ich benötige dringend einen Auszug aus dem Geburtenregister von 1909." Sagte Elsa und sah die andere Frau hoffnungsvoll an.

„1909? Ich befürchte das wird schwierig, es existieren nicht mehr viele Unterlagen aus den Jahren vor dem ersten Weltkrieg." Die Dame blickte zu Elsa und in ihr enttäuschtes Gesicht.

„Bitte, es ist wirklich wichtig. Ich brauche dringend diesen Auszug. Können Sie nicht nachsehen, ob noch Einträge vorhanden sind."

Mit einen Seufzer nickte die Dame „Um welchen Auszug genau handelt es sich denn?"

„Es geht um Jutta Mars, sie wurde am 02.04.1909 geboren. Sie ist meine Schwester und ich brauche eine Geburtsurkunde oder etwas Derartiges. Ich wäre nicht hier, wenn es nicht wichtig wäre."

Die Frau an der Information konnte die Verzweiflung in Elsas Stimme hören und schrieb sich den Namen und den Geburtstag auf „In Ordnung Frau Mars, ich werde es überprüfen aber bitte, machen Sie sich nicht allzu viel Hoffnung."

Elsa nickte und atmete tief durch „Wie lange wird es dauern?"

„Nun, diese alten Register sind nicht hier gelagert. Normalerweise kann es bis zu einer Woche dauern aber….." ein sanftes lächeln erschien wieder auf ihrem Gesicht „….kommen Sie morgen Nachmittag wieder. Ich werde es nach ganz oben auf die Liste setzten."

„Ich danke Ihnen…..wirklich. Sie können sich nicht vorstellen wie wichtig das für mich ist."

„Es war mir eine Ehre Ihnen zu helfen, ich hoffe nur ich habe morgen gute Nachrichten für Sie."

Elsa verabschiedete sich von der Dame und verließ voller Hoffnung das Standesamt. Jetzt konnte sie nichts anderes tun, als warten. Doch sie hatte keine Zeit zu verschenken und so würde der Verbleib von Hans Gruper als nächstes auf ihrer Liste stehen. Und sollte sie keine Informationen über ihn bekommen, was nach 1945 mit ihm geschehen war, so gab es noch eine andere Möglichkeit ihn zu identifizieren…auch wenn das Elsas schlimmste Alpträume von neuen erwachen lassen würde.