Kapitel 30: Eine neue Hoffnung

Der nächste Morgen kam und Jude erwachte das erste Mal seit langen völlig ausgeschlafen. Sie konnte sich nicht mehr erinnern, wann sie zuletzt eine Nacht durchgeschlafen hatte und das ohne Alpträume. Noch nicht ganz munter, rieb sich Jude die Augen und dachte an den gestrigen Tag. Hatte sie das alles nur geträumt? Oder war es wirklich passiert? Hatte Frank ihr wirklich gesagt, dass er sie liebte? Langsam setzte sich Jude auf und ein leichtes Lächeln zierte ihr Gesicht. Nein, es war kein Traum. An einem Punkt in ihrem Leben, wo Jude den Glauben an die Liebe längst verloren hatte, gab es nun doch einen Mann der sie liebte. Sie konnte es in seinen Augen sehen, dort war nichts bedrängendes, nichts hinterhältiges, nichts falsches…..nur Zuneigung und Liebe.

Jude war bereits Mitte fünfzig und hatte schon viele Männer Bekanntschaften gemacht. Doch diese hatten nicht das entfernteste mit Liebe zu tun. Selbst ihr damaliger Verlobter, hatte sie nie so angesehen wie es Frank tat. Sie hatte diesen Bastard so geliebt und alles was er ihr gelassen hatte, war ein Leben voller zerstörter Träume und Einsamkeit. Nie wieder hatte sich Jude in einen Mann verliebt, bis sie Timothy Howard traf. Er war für sie das Sinnbild von Gutherzigkeit und Reinheit. Sofort nachdem sie sich kennenlernten, war Jude ihm verfallen und hätte alles für ihn und seinen großen Traum getan….alles. Doch auch diese Liebe erwies sich im Nachhinein als eine einseitige Liebe. Timothy gab ihr Hoffnung und etwas an das sie glauben konnte oder glauben wollte. Einen Traum, einen Sinn in ihrem Leben. Wie oft hatte er davon gesprochen sie mit nach Rom zunehmen? Doch sie war nicht in Rom. Sie saß in einer Haftanstalt für kriminelle Geisteskranke und das für einen Mord, den sie nicht begannen hatte. Verdammt bis zu ihrem Tode hier zu sein und das durch die Hand eines Mannes, den sie geliebt hatte. Jude konnte sich noch genau daran erinnern, wie sie wach wurde und die Fesseln an ihren Handgelenken spürte. Das erste was sie sah, war das Gesicht von Timothy und sie war so erleichtert ihn zusehen, doch schnell musste Jude erkennen, dass er nicht gekommen war um ihr zu helfen oder beizustehen. Er hatte sie fallen lassen und das obwohl er wusste, dass sie weder Paranoid war, noch eine Mörderin. Sie verspürte eine rasende Wut auf ihn aber was noch viel schlimmer für sie war, war das wieder ein Mann sie benutzt hatte, nur um sie danach wie einen dreckigen Lappen in den Abfall zu werfen. Die Erkenntnis, dass Timothy nicht einmal annährend der gutherzige und reine Mann war, den sie glaubte zu kennen traf Jude tief. An diesen Tag starb für Jude die Hoffnung jemals von einen Mann geliebt zu werden und doch sah alles plötzlich ganz anders aus.

Jude hätte es nie für möglich gehalten aber die Hoffnung in ihr war nicht völlig gestorben, Frank hatte mit seinem Geständnis etwas in ihr bewirkt, was sie wieder hoffen ließ. War es wirklich möglich, dass es noch nicht vorbei war? Gab es noch Hoffnung auf ein normales und erfülltes Leben? Jude wollte es glauben. Frank hatte so viel auf sich genommen um ihr zu helfen, er hatte ihr immer zugehört und war für sie da. Selbst als sie völlig betrunken von allen kopfschüttelnd und verachtend angesehen wurde, sah sie in Franks Augen keinerlei Ablehnung.

Oh Gott ich bin so dumm und blind gewesen. Hätte ich alles früher erkannt, wäre vielleicht alles ganz anders gekommen. Ich bin ja so dumm gewesen.' verfluchte sich Jude in Gedanken und schüttelte den Kopf über ihre eigene Blindheit.

Bis vor kurzen hatte sie keinerlei Hoffnung gehabt jemals diesen Ort zu verlassen und nun gab es gleich zwei Menschen auf die sie hoffen konnte. Frank der ihr Schutzengel war und Elsa die ihr versprochen hatte zurückzukehren.

Jude starrte auf die kalten dunklen Wände ihrer Zelle und schüttelte den Kopf.

„Ich werde nicht hier sterben, ich muss nur noch ein bisschen länger durchhalten." Sagte sie leise zu sich selbst und hatte das Gefühl ihr alter Kampfgeist kehrte mehr und mehr zurück. Sie würde nicht aufgeben, nicht jetzt. Sie kannte Elsa nicht gut, eigentlich kannte sie die andere Frau gar nicht aber etwas tief in ihr sagte ihr, dass Elsa wiederkommen würde und bis dahin würde sie durchhalten müssen, egal was Arden und Mary Eunice noch alles planten. Sie würde es schaffen und Frank gab ihr die Kraft dazu.