Kapitel 31: Was geschah mit Hans Gruper
Es war bereits dunkel als Elsa ein Museum erreichte, an dem eine Ausstellung über den 2 Jahre zuvor hingerichteten Kriegsverbrecher Adolf Eichmann stattfand. Elsa hatte nicht wirklich Anhaltspunkte wo sie mit der Suche nach Gruper beginnen sollte, aber vielleicht fand sie hier einige Antworten. Als Elsa das Museum betrat, machte sie sich auf die Suche nach dem Kurator der Ausstellung. Langsam ging Elsa durch die Flure und warf immer wieder einen Blick auf die grauenhaften Bilder des Schreckens an den Wänden. Menschen waren wirklich Monster. Als Elsa weiter ging, entdecke sie einen großen älteren Mann mit Brille der einige Dinge zu analysieren schien.
„Verzeihung, ich bin auf der Suche nach dem Kurator dieses Museums."
Der große Mann drehte sich zu Elsa und sah sie streng an „Den haben Sie gefunden gnädige Frau, aber heute gibt es leider keine Führung mehr. Kommen Sie doch morgen früh wieder."
Elsa schüttelte den Kopf „Es geht nicht um diese Ausstellung, ich bin auf der Suche nach jemanden der sich mit Kriegsverbrechern auskennt, die nach 1945 verschwunden sind."
Mit fragenden Blick nahm der Mann seine Brille ab und sah Elsa prüfend an. Er wusste nicht woher er sie kannte, aber er hatte das Gefühl, dass er sie schon einmal gesehen hatte.
„In der Tat kenne ich mich gut mit diesen Thema aus. Mein Name ist Professor Hinze, mit wem habe ich das Vergnügen?" Höflich hielt er Elsa seine Hand hin.
„Mein Name ist Elsa Mars." Elsa schüttelte seine Hand und begann nervös zu werden. Vielleicht konnte Professor Hinze ihr wirklich Informationen zu Gruper geben.
„Also, wie kann ich Ihnen helfen? Ich habe nicht sehr viel Zeit."
Elsa schluckte heftig und nickte „Ich nehme an, Sie kennen den Namen Doktor Hans Gruper!"
Mit großen Augen blickte der Professor zu Elsa und nickte „Selbstverständlich. Er war eines der größten Monster welches der Nationalsozialismus hervorgebracht hat. Er war als Lagerarzt in Auschwitz und hat bis Kriegsende unzählige Experimente an Menschen vorgenommen. Nach 1945 ist er laut meines Wissens nach München gegangen und hat sich dort versteckt. Die Suche nach Kriegsverbrechern wurde immer mehr angekurbelt und die Nürnberger Prozesse führten dazu, dass viele das Land verließen."
„Hat auch Gruper Deutschland verlassen? Es tut mir leid, ich will nicht unhöflich sein aber sein Leben ist nicht das, was mich jetzt interessiert. Ich muss wissen, ob er jemals gefasst wurde oder getötet."
Immer mehr beobachtete Professor Hinze die Frau vor sich, er kannte sie! Aber woher?
„Nein, Gruper wurde nie gefasst. Es heißt er sei 1947 oder 1948 über die Rattenlinie nach Argentinien gekommen und da verliert sich seine Spur. Sollte Gruper noch am Leben sein, so wird er unter falschen Namen irgendwo leben. Darf ich fragen, wieso Sie das so interessiert? Haben Sie etwa Informationen über Hans Gruper?" Das Interesse von Hinze war nun mehr als geweckt. Was wenn diese Frau mehr über Gruper wusste, als sie bisher gesagt hatte.
„Ich…nein, eigentlich nicht. Es ist mehr persönliches Interesse und…" ein nervöses Lächeln spiegelte sich auf Elsas Gesicht wieder.
Immer mehr versuchte sich Professor Hinze an die Frau zu erinnern, die er zweifelsohne vorher schon einmal sah und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
‚Oh du lieber Gott, kann das möglich sein?'
„Sie sind das Mädchen, nicht wahr?" fragte er und sah Elsa vollkommen schockiert an.
„Bitte was?" irritiert über die plötzliche Wende des Gesprächs sah Elsa den Mann vor sich an.
„Als Gruper weg war, wurden viele seiner Privaten Sachen beschlagnahmt. Einige erhielten Museen und andere wurden unter Verschluss gehalten, weil sie zu drastisch waren für die Öffentlichkeit. Unter seinen Privaten Sachen, befanden sich einige 8 Millimeter Streifen aus den frühen Dreißigern. Unmenschliche Filme, die nur noch mehr zeigten was für ein Monster er war. Auf einem Film war eine junge blonde Frau zu sehen, der man….." Als Professor Hinze in das nun kreidebleiche Gesicht der blonden Frau sah, hielt er innen und beendete seinen Satz nicht „Sie sind dieses Mädchen. Ich erkenne Sie!"
Elsa wurde schwindelig und sie hatte das Gefühl erbrechen zu müssen. Nach all diesen Jahren, hatte Elsa gehofft, dass dieser Film in Vergessenheit geraten war. Es war der schlimmste Tag ihres Lebens und nie hatte sie den Schmerz vergessen, als die kreischende Kettensäge ihre Beine abtrennte. Die Körperlichen Schmerzen waren lange vergangen, aber die Wunden in ihrer Seele waren noch tief und gerade jetzt hatte Elsa das Gefühl, jemand hätte sie rücksichtslos wieder aufgerissen.
„Ich…ich…." Elsa schluckte schwer und brachte kein Wort heraus. Es war einfach zu viel und Elsa hatte nicht damit gerechnet, jemals mit diesen Film konfrontiert zu werden.
Professor Hinze sah Elsa an und deutete auf die Bank, die ein paar Meter weit weg stand „Bitte Frau Mars, setzten Sie sich." Leicht stützend brachte er Elsa zu der Bank und ließ sie Platz nehmen. Immer wieder wanderte sein Blick zu ihren Beinen und er konnte kaum glauben, dass sie wirklich das Mädchen war, was auf so grausame Art und Weise seine Beine verlor. Aber er konnte ihr schmerzverzerrtes Gesicht noch vor sich sehen und auch ihre Reaktion zeigte ihm, dass er Recht hatte „Es tut mir aufrichtig Leid, dass ich Sie so aus der Fassung gebracht habe. Kann ich Ihnen ein Glas Wasser holen?"
Elsa schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch „Nein, vielen Dank es geht schon." Langsam öffnete sie die Augen und sah den Mann mit traurigen Augen an „Ich hätte nie damit gerechnet, dass dieser Film noch existiert."
„Also sind Sie es wirklich!" seine Stimme verriet Erstaunen und Ehrfurcht. Er hatte bis eben nicht geglaubt, dass das Mädchen diese Tortur überlebt hatte und nun saß sie hier.
Elsa nickte „Ja, ich wünschte ich könnte sagen, dass ich es nicht bin aber leider ist es so. Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich so ein Interesse an Grupers Verbleib habe."
„Und wie mir scheint, sind Sie nicht die Einzige. Vor etwa 2 Monaten wurden wir kontaktiert aus Amerika. Ein Herr Sam Goodman hatte sich nach Gruper erkundigt und einen Verdacht geäußert, dass er etwas über dessen verbleib wusste. Natürlich haben wir die Behörden informiert, aber dann hat sich Goodman nicht mehr gemeldet. Wissen Sie, es gibt viele Menschen die immer irgendjemanden gesehen haben wollen und das meiste davon ist Blödsinn. Aber bei Goodman, hatte ich nicht das Gefühl er wäre ein Verrückter. Er sagte er würde uns stichfeste Beweise liefern können, er arbeitete wohl mit einer Nonne zusammen, die mit Gruper zusammen arbeiten würde."
Elsas Herz schlug immer höher. Alles begann sich zusammen zu fügen.
„Sagte er wo sich Gruper angeblich aufhalten würde?"
„Er rief aus einem Ort nahe von Boston an. Er sagte Gruper würde in einem Sanatorium arbeiten namens Broierliff!"
Elsa schluckte schwer „Sagte er vielleicht Briarcliff?"
Mit großen Augen sah der ältere Mann Elsa an „Ja, genau es war Briarcliff! Oh mein Gott, er ist wirklich da oder? Wissen Sie was das bedeutet? Einer der größten Kriegsverbrecher des Dritten Reichs könnte gefasst werden. Haben Sie ihn etwa gesehen?"
Elsa wurde heiß und kalt, sie war so nahe dran und konnte es fühlen. Vielleicht würde es nach so vielen Jahren doch noch Gerechtigkeit für sie geben und für all seine anderen Opfer.
„Nein, aber ich war dort. Ich war in Briarcliff und einer der Mitarbeiter erzählte meinen Mann von einem Arzt, der sich Arden nennt. Ich….wir sind uns sicher, es ist Gruper!"
Je mehr Elsa erfuhr, desto mehr Angst bekam sie um Jude, die in Briarcliff diesem Monster ausgesetzt war. Sie musste dafür sorgen, dass Jude nichts zustoßen würde. Denn wenn Gruper erfuhr, dass man ihm auf der Spur war, würde er alles und jeden aus den Weg räumen.
„Die Ermittlungsbehörden sind bereits an dem Fall dran und wenn Sie jetzt noch von Ihnen hören, was Sie zusagen haben, dann werden sie bald Amtshilfe ersuchen. Bei solchen Fällen, wird nicht lange gewartet. Ich habe einen Freund beim Bundeskriminalamt, er wird Ihnen zuhören."
Elsa musste erst einmal ihre Gedanken sammeln, in binnen von wenigen Tagen hatte sich ihr ganzes Leben geändert. Pepper war wieder bei ihr, sie hatte eine Schwester, dann die Sache mit Gruper, jetzt war sie wieder in Deutschland und sie musste alles ganz allein durchstehen. Mehr und mehr vermisste sie Massimos Rückhalt und sie sehnte sich so sehr nach ihn. Er war immer für sie da und nun war sie alleine hier und ihre gesamte Vergangenheit brach über sie ein.
„Ich werde mit jeden reden, ich will das Gruper gefasst wird und bezahlen muss."
Professor Hinze nickte und deutet Elsa den Weg zu seinem Büro.
