Kapitel 32: Gespräche unter Freunden

Jude war mehr als glücklich, dass sie weder Mary Eunice noch Arden an diesen Morgen gesehen hatte. Schon allein die bloße Anwesenheit der beiden, ließ Jude unruhig werden, denn sie wusste die beiden würden nicht aufgeben, bis sie völlig gebrochen oder tot war. Allerdings hatte sie auch Frank seit gestern nicht mehr gesehen und Jude begann sich um den Mann der ihr am Tag zuvor seine Liebe gestand zu sorgen. Was wenn Arden und Mary Eunice herausgefunden hatten, dass er es war der Ardens „Spielzeug" zerstört hatte. Nach allem was Jude über Arden wusste, war dieses Monster zu allem im Stande. Jedes Mal wenn die Tür zum großen Gemeinschaftsraum auf ging, hoffte Jude sie würde Frank hereinkommen sehen aber jedes Mal wenn sie voller Erwartungen zur Tür blickte wurde sie enttäuscht.

Judes unruhige Blicke blieben nicht unbemerkt von Lana, die zusammen mit Jude im Gemeinschaftsraum saß.

„Jude? Komm, jetzt sag mir was los ist. Du bist den ganzen Morgen schon so nervös." Lana zog an ihrer Zigarette und blickte zu der blonden Frau.

Jude war so in Gedanken versunken, dass sie hörte das Lana etwas sagte aber nicht wahrnahm was genau sie sagte.

„Jude?" sagte Lana noch einmal etwas lauter um die Aufmerksamkeit von Jude zu erlangen.

„Was?" fragte Jude nur und sah zu Lana „Es tut mir Leid Lana, aber ich habe nicht zugehört. Was hast du gesagt?"

Mit einen tiefen seufzten drückte Lana ihre Zigarette aus und sah Jude tief in die Augen „Ich wollte wissen, was heute mit dir los ist. Du bist so nervös und hast heute eine Zigarette nach der anderen geraucht. Was ist gestern noch alles geschehen? Ich meine außer das du das Glück hattest, Ardens Horrorapparat zu entkommen."

Lana hatte ein scharfes Auge und beobachtete die Menschen in ihrer Umgebung genau. Etwas stimmte nicht mit Jude und sie wollte wissen was. Es war nicht so, dass sie Interesse als Reporterin hatte, sie wollte es wissen als Freundin.

„Ich bin deine Freundin Jude und ich habe gelernt dir zu vertrauen, nach allem was vorher war. Du kannst mir auch vertrauen. Es ist doch so, du und ich wir haben hier nicht sehr viele Freunde, aber die wenigen die wir haben, denen sollten wir vertrauen. Denkst du nicht auch?"

Lana ergriff Judes Hand und drückte sie freundschaftlich.

Jude sagte kein Wort und sah die Aufrichtigkeit in Lanas Augen. Sie drückte ebenfalls Lanas Hand und atmete tief durch.

„Es ist so, in den letzten Tagen ist so viel geschehen. Dinge die mein Leben wieder völlig auf den Kopf gestellt haben und dieses Mal in einer guten Art und Weise. Ich glaube, ich kann das alles noch nicht so verarbeiten. Zuerst das Treffen mit Elsa….du musst zugeben, es hätte jeden überrascht eine Person zu treffen, die wie ein Spiegelbild ist. Dann kam diese schreckliche Nachricht von der Elektroschocktherapie und auch da, hatte ich mehr Glück als ich es wahrscheinlich verdient hatte." Jude lächelte kurz und schüttelte den Kopf „Glück? Nein Lana, es war kein Glück! Es war mein Schutzengel, der mich gerettet hat."

Verwundert blickte Lana zu Jude „Was meinst du damit?" Lana beugte sich vor und sprach so leise das niemand außer Jude sie hören konnte „Meinst du, jemand hat dir geholfen?"

Jude sah sich kurz um, um sicher zu gehen, dass niemand sie hören konnte „Ja, Ardens Apparat ging nicht zufällig kaputt Lana. Jemand der mir viel bedeutet, hat wirklich viel auf sich genommen um mir zu helfen und nun…." Judes Blick wurde traurig und auch etwas panisch „…und nun, habe ich diese Person seit gestern nicht mehr gesehen und ich habe Angst, dass Arden dahinter gekommen ist. Dieser Mann ist ein Monstrum und ohne Skrupel, aber er ist nicht dumm. Ich habe Angst Lana!"

In Judes Augen bildeten sich Tränen, als sie daran dachte, was mit Frank passieren könnte, sollte man die Wahrheit erfahren. Nicht schon wieder wollte sie dafür verantwortlich sein, dass jemand wegen ihr leiden musste und schon gar nicht Frank. Erst jetzt, wo Jude begann sich wirklich Sorgen um ihn zu machen erkannte sie, dass er ihr mehr bedeutete als sie zunächst dachte.

Mit einen mitfühlenden Blick, sah Lana Jude an und konnte sehen, dass Jude wirklich Angst hatte. Nicht um sich, sondern um ihren sogenannten Schutzengel. Lana überlegte wem Jude meinen könnte und dann ganz plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Es konnte nur er sein. Noch als Jude Nonne in Briarcliff war, war Lana nicht entgangen das ein bestimmter Mann sie mit seinen liebevollen Blicken geradezu verfolgte. Damals konnte es Lana nicht verstehen, sie sah in Jude ein eiskaltes und berechnendes Miststück, aber nun hatte sie die Frau hinter der strengen Schwester Jude kennen gelernt und begann zu verstehen.

Mit einen Flüsterton sagte Lana lediglich „Frank!" und in Judes schockierten Augen sah sie, dass sie Recht hatte. Judes Schutzengel war Frank McCann.

„Woher? Ich meine, wie hast du?" Jude war außerstande einen klaren Satz zusammen zu bekommen. War es so offensichtlich? Hatte sie vielleicht selbst Frank verraten, durch irgendwelche Gesten?

Lana schüttelte den Kopf und lächelte „Ach Jude, mir ist schon früher aufgefallen, dass Frank dich nicht so ansah, wie ein Mann im Normalfall eine Nonne ansieht. Da war immer etwas Liebevolles in seinen Augen…..ich würde sogar behaupten es war ein verliebter Blick. Es fiel mir schon damals auf, als die Zellenkontrolle war und er über deinen, naja…nennen wir es Witz gelacht hat. Weißt du noch? Du hast mich gefragt ob ich die Bürgerrechtsbewegung für verfolgte Lesben anrufen wollte."

Jude atmete tief durch und schloss die Augen „Oh mein Gott, ich bin so ein gemeines Miststück gewesen. Es tut mir Leid Lana, alles was ich gesagt habe."

„Damals hätte ich dir am liebsten den Hals umgedreht, aber das ist Vergangenheit. Ich habe dir verziehen und nun lass es uns vergessen."

Jude öffnete die Augen und blickte Lana an, mit ernsten Ausdruck und voller Kampfgeist.

„Wenn Elsa zurückkommt und für mich wirklich die Möglichkeit besteht diesen verdammten Ort zu verlassen, dann werde ich nicht ohne dich gehen Lana. Ich verspreche es dir! Ich werde meine Fehler wieder gut machen. Ich werde nicht ohne dich gehen!"

Zwar glaubte Lana nicht wirklich daran, dass sie oder Jude diesen Ort jemals lebend verlassen würden, aber allein der Gedanke, dass jemand an sie dachte machte Lana glücklich. Nichts jagte ihr mehr Angst ein, als die Einsamkeit. Vielleicht war das der Grund weshalb sie so an Jude festhielt, wenn Jude da war, fühlte sie sich nicht allein. Mit beiden Händen hielt sie nun Judes Hand fest.

„Das weiß ich Jude." Lächelte Lana und blickte dann zu der Tür, wo gerade jemand den Raum betrat „Oh und wo wir gerade beim Thema Freunde sind…..sieh mal."

Langsam und unauffällig blickte Jude zum Eingang des Gemeinschaftsraumes und sie hatte das Gefühl, dass ein riesiger Stein von ihrem Herzen fiel.

Frank'