Kapitel 34: Eine gute Erinnerung
Völlig verzweifelt und frustriert machte sich Elsa zu Fuß auf den Weg zum Standesamt. Sie brauchte frische Luft und sie musste sich abreagieren. Noch immer konnte und wollte sie nicht verstehen, was da gerade geschehen war. Sie servierte diesen Leuten einen der schlimmsten Kriegsverbrecher des Dritten Reiches auf einem goldenen Teller und was geschah? Nichts!
Elsa wollte nicht einen Gedanken daran verschwenden, was dieses Monster noch alles tun würde. Sie selbst hatte am eigenen Leib erfahren, zu was er fähig war. Und eines stand fest, ein Mann wie Gruper würde sich nicht einfach zur Ruhe setzten. Ganz im Gegenteil, wo könnte er besser seine menschenverachtenden Experimente durchführen, als in einem Sanatorium!
Nach fast 20 Minuten die Elsa durch die Straßen von Berlin gegangen war, spürte sie wie ihre Beine anfingen immer heftiger zu schmerzen und sie rief sich ein Taxi um den Rest des Weges zu fahren. Ein hämisches Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht und sie blickte auf ihre Beine herab. Jahrelang hatte sie keine Schmerzen mehr und selbst lange Strecken bereiteten ihr nie Probleme und jetzt plötzlich waren die Schmerzen wieder da. So frisch wie ihre Erinnerungen jetzt wieder waren, so frisch waren auch wieder ihre Wunden. Elsa wusste, dass es lediglich Phantomschmerzen waren und doch waren sie real. Mit einem tiefen Seufzer rieb sie über ihre Knie und versuchte sich zu entspannen. Doch wie sollte sie sich hier entspannen, die ganze Stadt lag voller dunkler Erinnerungen und normalerweise, wäre Elsa niemals wieder zurückgekehrt. Doch nichts war mehr normal…..
Nach weiteren 10 Minuten kam Elsa endlich beim Standesamt an und hoffte, sie würde nicht wieder enttäuscht werden. Es konnte doch nicht sein, dass diese ganze Reise umsonst gewesen sein sollte. Sicher wusste sie jetzt, was wirklich mit Jutta geschehen war aber solange sie keine Beweise hatte, war das auch nicht wirklich von Bedeutung. Mit einem gemischten Gefühl betrat Elsa das Standesamt und blickte sich um. Sofort sah sie wieder die Frau vom Vortag an der Information sitzen und Elsa betet mit jeden Schritt, dass sie ein kleines Erfolgserlebnis doch noch haben würde. Sobald die Dame Elsa erblickte, begann sie freundlich zu lächeln und winkte Elsa zu sich heran.
„Guten Tag Frau Mars, ich habe Sie schon erwartet." sagte die Frau freundlich und begann in ihren Unterlagen zu suchen.
Die Worte ließen Elsa hoffen und sie trat dichter an den Tresen heran „Guten Tag, haben Sie etwas für mich gefunden?"
Mit einem aufgeschlossenen Lächeln blickte die Frau wieder zu Elsa und schob ihr 2 Dokumente entgegen „Sie haben wirklich viel Glück Frau Mars. Tatsächlich ist es wie ich gesagt hatte, sehr unwahrscheinlich noch Unterlagen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg zu finden, da vieles zerstört wurde. Im Geburtenregister war leider nichts mehr zu finden, was die Existenz einer Jutta Mars bestätigen würde. Allerdings haben wir weiter gesucht und im Taufregister fanden wir dann doch noch etwas. Jutta Mars, geboren am 02.04.1909 wurde am 26.04.1909 getauft. Hier ist der Auszug." Die Frau zeigte auf das erste Dokument und sprach dann weiter „Es schien für Sie so wichtig zu sein, aber mehr konnten wir hier über eine Jutta Mars nicht finden. Aber wir fanden noch Ihren Auszug, ich dachte mir vielleicht wollen Sie ihn."
Das zweite Dokument zeige die Taufurkunde von Elsa selbst und plötzlich überkam sie sein seltsames Gefühl. In der linken Hand hielt sie die Urkunde von Jude oder Jutta und in der rechten Hand hielt sie ihre eigene Taufurkunde. Auf beiden waren die Namen ihrer Eltern und die der Taufpaten aufgelistet und immer mehr wurde Elsa bewusst, was ihr das eigentlich alles bedeutete. Von der ersten Sekunde an, spürte Elsa eine Verbundenheit zu Jude, die sie sich selbst kaum erklären konnte. Dann wurde alles bestätigt durch die Offenbarungen ihrer Tante und Elsa wusste, Jude war ihre Schwester. Aber das hier, war etwas ganz anderes. Es war etwas Greifbares….keine Vermutung, keine Erzählung…..es war ein Beweis. Jutta Mars existierte noch immer und war nicht gestorben.
„Ich kann Ihnen nicht sagen, wie viel mir das bedeutet. Ich danke Ihnen…..Ich….ich kenne nicht einmal Ihren Namen!" sagte Elsa noch völlig überwältigt.
„Mein Name ist Gerda Müller und ich freue mich, dass ich Ihnen helfen konnte."
Kleine Tränen bildete sich in Elsas Augen und sie ergriff die Hand der anderen Frau „Danke Gerda, Sie können sich nicht vorstellen wie wichtig das hier für mich ist und für meine Schwester. Ich glaube Sie sind die einzige gute Erinnerung, die ich mit nach Hause nehmen werde."
Nach Hause! Das war in diesen Moment alles was Elsa wollte. Zurück nach Hause, zurück zu ihren geliebten Massimo, zurück zu ihrer kleinen Pepper und zurück, um auch Jude nach Hause zu holen.
Mit einen letzten Lächeln verabschiedete sich Elsa von der Frau, die sie für immer in guter Erinnerung behalten würde und fuhr zurück zu ihrem Hotel um den ersten Flug zurück nach Boston zu buchen.
