Ein weiteres Kapitel meiner persönlichen Lieblingsgeschichte. Vielen Dank an alle Leser und an den Gast Kathrine, für die lieben Bewertungen.
Kapitel 39: Es gibt Jemanden…..
Frank war für einen Moment gefangen in seinen eigenen grausamen Erinnerungen, bis ihm Jude zurück in das hier und jetzt holte. Plötzlich spürte er wie ihre warmen weichen Hände sein Gesicht umfassten und sie ihre Stirn gegen seine legte. Er war ihr so nahe….so nahe wie noch nie zuvor in seinem Leben, nicht nur körperlich sondern auch emotional. Er vergaß alles um sich herum, für einen Moment vergaß er sogar wo sie waren und das es nicht mehr lange dauern würde, bis eine der Nonnen zurück kommen würde. Es wäre ein so wundervoller Augenblick, wenn sie nicht hier wären sondern irgendwo anders. Wo wäre ihm egal, nur weit weg von Briarcliff.
Eines Tages würde es soweit sein, dessen war Frank sich sicher. Er würde Jude von hier wegbringen und ein neues Leben beginnen. Er wusste, dass ein großer Teil seiner Träume vielleicht niemals wahr werden würden, denn er wusste nicht ob Jude jemals seine Liebe erwidern würde. Aber das war nicht der springende Punkt, er liebte sie und er würde alles dafür tun um ihr Leben zu retten und nur einmal ihr Lachen zu sehen. Ein Lachen ohne Trauer hinter ihren schönen braunen Augen. Ein echtes Lachen.
Franks eigenen Tränen begannen zu trockenen und er schloss die Augen um diesen Moment zu genießen. Er spürte ihren Atem auf seiner Haut und wie ihre Finger sanft seine Wangen streichelten. Ihre Lippen waren so nahe und Frank wollte nichts sehnlicher, als den süßen Geschmack ihrer Lippen auf seinen schmecken. Doch war sie schon bereit dafür? Würde sie es überhaupt zulassen oder würde sie ihn von sich stoßen? Langsam öffnete Frank wieder die Augen und nahm Judes Hände von seinem Gesicht und hielt sie fest in seinen. Beide saßen auf den kalten Boden und sahen sich an, niemand sagte ein Wort und es war auch nicht nötig. Frank wusste genau, was er jetzt tun wollte, doch ihm fehlte einfach der Mut. Statt zutun nach was sein Herz sich sehnte, schaute er Jude einfach nur an. Ihre Augen waren noch gerötet und ihr blondes langes Haar fiel unordentlich über ihre Schultern und doch war sie noch immer die schönste Frau, die Frank je gesehen hatte.
„Jude, ich möchte das Sie wissen, dass ich…." weiter konnte Frank nicht sprechen, als plötzlich etwas geschah, von dem er bisher nur träumen konnte. Er wusste nicht einmal ob er es war oder ob Jude es war, aber plötzlich spürte er ihre weichen Lippen auf seine und ein Gefühl welches er so noch nie zuvor erlebt hatte, durchströmte seinen ganzen Körper. Ihm wurde heiß und sein Herz schlug immer schneller. Er konnte kaum glauben, dass dies gerade wirklich geschah und mehr denn je verspürte er den Drang Jude in seine Arme zu nehmen und mit ihr dieses Gott verdammten Ort zu verlassen.
Jude wollte Frank Trost spenden und ihm wissen lassen, dass auch sie für ihn da sein würde, so wie er für sie da war. Doch dann sah er sie an und seine Augen sahen wie fast anbetend an und Jude tat einfach das, was ihr Instinkt ihr sagte. Sie hörte Frank sprechen, doch sie vernahm nicht genau was er sagte, sie schloss einfach den winzigen Abstand zwischen ihnen und küsste Frank. War es richtig? Jude wusste es nicht genau, aber es fühlte sich richtig an. Es war ein süßer und sanfter Kuss und hatte nichts mit dem gemeinsam, was sie bisher mit anderen Männern erlebt hatte. Jude hatte viele Männer in ihrem Leben geküsst und noch vieles mehr, doch all das war frei von Emotionen. Es ging um körperliche Befriedigung oder einfach nur darum nicht allein zu sein. Zuneigung oder gar Liebe hatte sie bei keinem Mann verspürt mit dem sie schlief. Zweimal war Jude in ihrem Leben hoffnungslos verliebt gewesen und beide Male endete es in einem Destaster. Einer der Männer den sie so liebte, infizierte sie mit einer Krankheit, die sie ihres Traumes einer Familie für immer berauben sollte. Der andere ließ sie fallen und sperrte sie in einem Sanatorium ein. Doch Frank war anders, er war lieb und süß und hatte sie nie verurteilt. Sie würde nie vergessen, wie angewidert Timothy Howard sie angesehen hatte, als er sie mit ihrem „Ausrutscher" konfrontierte, in der Nacht des Sturmes. Er sah auf sie herab, hielt sie für schwach und abtrünnig. Frank hatte sie nie so angesehen, selbst jetzt nicht, nachdem er ihr dunkles Geheimnis kannte. In seinen Augen sah sie nur Zuneigung, Liebe und Bedauern…Bedauern für das, was sie in ihrem Leben bereits erdulden musste. Gab es vielleicht doch noch eine Zukunft für sie? War es vielleicht doch noch nicht zu spät um glücklich zu werden? Jude wusste es nicht, aber sie wusste, dass sie diesen Moment auskosten wollte und ihn niemals vergessen würde, ganz gleich was Arden oder Mary Eunice ihr antun würden. Selbst wenn sie diesen Ort niemals verlassen würde und hier in diesen Mauern den Tod finden würde, so würde sie nicht - wie sie annahm - mit der Gewissheit sterben, dass es niemanden gab der sie liebte. Es gab diesen Jemand und er war genau jetzt bei ihr. Diesen Moment und diese Gewissheit, konnte ihr nun niemand mehr nehmen.
