Kapitel 43: Ein weiterer Feind

Völlig neben sich, ging Timothy schnellen Schrittes zurück zu seinen Räumen. Er konnte selbst kaum begreifen, was hier eben geschehen war und was er gesehen hatte. Das Bild von Jude, wie sie stöhnend unter Frank lag, würde ihn niemals wieder aus dem Kopf gehen. Seine ganze Gefühlswelt war ein einziges Chaos. Timothy verspürte so viele verschiedene Gefühle, dass er nicht sagen konnte, was er genau fühlte. Erregung, Verlangen, Lust und Begierde…..aber ebenso Wut, Enttäuschung, Verrat und Entsetzen.

Noch immer spürte Timothy die Nässe in seiner Hose und fühlte sich so unglaublich beschämt. Wie konnte er sich nur zu so einer Sünde hinreißen lassen? Er wollte duschen und die Sünde von seinem Körper waschen. Er wusste, dass es das nicht ungeschehen machen würde aber was sonst sollte er machen? Er konnte unter keinen Umständen zur Beichte gehen….ganz ausgeschlossen! Er konnte diesen Vorfall allerdings auch nicht melden. Er musste allein damit fertig werden und beten das Gott ihm vergeben möge.

Als Timothy in seinen Räumen ankam, warf er seine Sachen in eine Ecke und begab sich unter die Dusche. Das heiße Wasser brannte auf seiner Haut und er versuchte seine Schwäche von sich zu waschen. Doch auch wenn er die Äußeren Spüren seines Handelns wegwaschen konnte, so würde es nicht helfen, sich selbst zu vergeben. Er hatte gesündigt und das auf eine Art und Weise, wie er es nie hätte tun dürfen. Das heiße Wasser floss über seinen Körper und er lehnte seine Stirn an die kalte Wand, während er die Augen schloss und tief durchatmete. Doch kaum hatte er seine Augen geschlossen, sah er wieder Jude vor sich. So wunderschön und unbefangen. Timothy dachte schon damals, als Jude noch eine Nonne war, dass sie eine schöne Frau war. Als sie dann Patientin wurde und er mehr von ihr sah, da erwischte er sich selbst des Öfteren dabei, wie er sie ansah und besonders einen Blick auf ihre unglaublich schönen Beine warf. Doch jetzt wo er sie so gesehen hatte, war es um Timothy geschehen. Er fühlte plötzlich Dinge, die ein normaler Mann durchaus fühlen dürfte, aber kein Mann der Kirche.

Ich bin so schwach….so schwach…..Herr, gib mir Kraft der Sünde zu wiederstehen.'

Timothy stellte das Wasser ab und begann sich wieder anzukleiden, er musste einfach vergessen, was geschehen war….aber wie? Wie sollte er es vergessen, wenn er Jude jeden Tag auf's neue sehen würde? Vielleicht sollte er Briarcliff einfach verlassen und all das den Rücken zukehren. Aber würde er Jude einfach zurück lassen können? Sie war doch sein seltener Vogel, dass jedenfalls dachte Timothy bisher, aber offenbar hatte sein Vögelchen jemand anderes gefunden, für den es sang. Und plötzlich fiel es Timothy wie Schuppen von den Augen…er war hier nicht das Problem und auch Jude war es nicht.

Frank….dieser verfluchte Bastard.'

Für Timothy war es einfacher zu glauben, dass Frank die Schlange im Paradies war, als zu glauben, dass Jude sich gänzlich von allem abgewandt hatte, was ihr einmal heilig war. Er und Jude hatten schon so viel geteilt und Jude war immer die gewesen, die ihm Kraft und Halt gab. Timothy wollte, dass es wieder so werden würde aber das würde nicht geschehen, solange sie unter dem Einfluss von Frank stand. Frank McCann war kein Mann Gottes und er war es nicht wert, dass Jude wegen ihm in Ungnade fiel. Timothy ballte seine Hände zu Fäusten und schlug mit aller Kraft auf seinen Tisch. Wut übernahm die Oberhand in Timothys Gefühlswelt, aber es war mehr als einfache Wut. Er war wütend, weil es einen Mann gab, der all das fühlen dürfte, von dem Timothy eigentlich nicht einmal hätte träumen dürfen. Dieser einfache Wachmann hatte alles gehabt, was er selbst haben wollte. Er dürfte Judes Lippen auf seinen spüren, er dürfte den Geschmack ihrer Zunge schmecken, er dürfte ihre schönen vollen Brüste streicheln, er dürfte in ihre heiße Nässe eintauchen…er hatte sie besessen, während Timothys einzige Zärtlichkeiten die waren, die er sich selbst verschaffte. Es war nicht fair…..einfach nicht fair.

Er wollte, dass sein Vögelchen wieder für ihn sang und nur für ihn, doch dazu musste Frank verschwinden. Aber wie? Frustriert ließ sich Timothy in seinen Stuhl fallen und seufzte. In Situationen, wo er selbst nicht weiter wusste, hatte Jude ihm immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, doch das würde dieses Mal wohl nicht so sein. Welch eine Ironie….

Es war, als hätte sich die ganze Welt gegen ihn verschworen. Er hatte Arden und Mary Euncie im Nacken zu sitzen und nun hatte er auch noch Jude verloren. Aber dabei würde Timothy es nicht belassen, er würde Jude wieder für sich gewinnen, auch wenn er dafür bis zum äußersten gehen musste. Nun hatte Timothy neben Arden und Mary Eunice noch einen weiteren Feind, aber vielleicht gelang es ihm, einen Feind durch einen anderen loszuwerden.