Kapitel 45: …wieder Jude und Timothy?
Es fiel Frank schwer Jude zu verlassen aber er wusste, er konnte nicht länger bei ihr bleiben. Jedes auffällige Verhalten konnte Jude und ihm zum Verhängnis werden. Wieder völlig bekleidet verließ Frank den Frauentrakt und begab sich wieder zum Gemeinschaftsraum um seiner Arbeit nachzugehen.
Jude blieb allein in ihrer Zelle zurück und starrte an die dunkle Decke. Sie konnte es nicht erwarten von hier zu verschwinden und diesen Teil ihres Lebens endgültig den Rücken zuzuwenden. Sie wollte die Sonne auf ihrer Haut spüren, die frische Luft einatmen und hingehen können, wohin sie wollte. Und sie würde es nicht allein tun müssen, sie war nicht länger einsam und diese Aussieht auf eine schöne Zukunft ließ sie neuen Mut schöpfen. Sie wusste natürlich, dass es nicht so einfach werden würde, doch die Hoffnung hielt sie am Leben. Sie setzte all ihre Hoffnungen in Elsa, die wie sie hoffte bald zurückkommen würde und in Frank, der seine Liebe zu ihr mehr als einmal unter Beweis gestellt hatte. Sie schloss die Augen und wäre fast eingeschlafen, als sie Schritte vernahm. Es war ruhig…zu ruhig und Jude wusste sofort, dass es keiner der anderen Insassen war. Sie setzte sich auf und schaute zu der Tür. Angst keimte wieder in ihr auf. Was wenn Arden seinen Elektroschockapparat wieder repariert hatte? Was wenn Mary Eunice sich eine neue Folter hat einfallen lassen? Was wenn man Frank enttarnt hatte? Langsam öffnete sich die Tür und Jude hatte das Gefühl alles in Zeitlupe zu sehen. Eine junge Nonne gefolgt von einen Wachmann öffnete die Tür.
„Miss Martin, bitte kommen Sie mit!"
Jude schluckte schwer und sah die junge Nonne an „Wohin?"
„Der Monsignore möchte Sie in seinem Büro sehen." sagte sie und Jude wusste in diesem Augenblick nicht, ob sie erleichtert sein sollte oder nicht. Timothy war der Letzte, den sie jetzt sehen wollte, doch sie wusste, dass es keine Bitte war sondern eine Aufforderung, der sie nachkommen musste. Sie stand Wortlos auf und folgte der Nonne durch die Flure von Briarcliff zu ihrem alten Büro. Einen Weg den sie nur allzu gut kannte.
Als sie ankamen, klopfte die junge Nonne an die Tür und schon wenige Sekunden später ertönte die Stimme von Timothy und Judes Herz sank. Es gab eine Zeit, da war der Klang seiner Stimme ihr immer ein Trost, doch nun war alles anders. Jude und Timothy gab es nicht mehr.
„Miss Martin ist hier! Sie wollten sie doch sprechen."
Jude blieb vor der Tür stehen und wusste noch nicht, wie sie Timothy entgegen treten sollte….nicht nach all dem was er getan hatte.
„Vielen Dank Schwester, Sie können jetzt gehen. Ich möchte alleine mit Miss Martin sprechen."
Die junge Nonne verließ das Büro und sah zu Jude „Der Monsignore erwartet Sie!"
Jude atmete tief ein und betrat langsam das Büro…ihr altes Büro. Wie oft war sie hier zusammen mit Timothy und sprach über ihren gemeinsamen Traum? Einen Traum, der sich im Nachhinein als ein einseitiger Traum erwies, denn in den Plänen eines ehrgeizigen Mannes war kein Platz für sie.
„Jude…bitte kommen Sie….setzten Sie sich!" Timothy deutete auf den Stuhl vor seinen Schreibtisch und wagte kaum Jude anzusehen. Die Bilder die er nur kurze Zeit vorher zu sehen bekam waren steht's in seinen Gedanken und es kostete ihn alle Mühe diese erst einmal zu verdrängen. Er wollte Jude wieder für sich gewinnen…..nur für sich.
Jude trat langsam näher und nahm Platz, sie fühlte sich unwohl und wäre am liebsten sofort aus dem Büro gestürmt.
„Wie geht es Ihnen? Ich habe gehört es ging Ihnen nicht gut." fragte Timothy obwohl er wusste, dass Jude nicht einmal annährend so krank war, wie er glaubte.
„Es geht mir gut." sagte sie nur kurz angebunden und biss sich auf die Unterlippe.
Fast hätte Timothy gesagt, dass er sich dessen sicher war, doch er wollte Jude wieder für sich gewinnen und das konnte er nicht durch Vorwürfe. Zudem konnte er sich nicht selbst als Voyeur bloßstellen.
„Das freut mich, ich war wirklich in Sorge." Timothy lächelte und sah zu Jude, als er selbst auf der anderen Seite des Schreibtisches Platz nahm.
Judes Unwohlsein verwandelte sich in Wut, bei Timothys Worten. Er war in Sorge?
„Ach wirklich?" fragte sie und konnte den sarkastischen Ton in ihrer Stimme nicht verbergen…nein, sie wollte ihn nicht verbergen.
„Aber natürlich, trotz all dem hier habe ich nie unsere gemeinsame Vergangenheit vergessen."
„Wie mir scheint, wollten Sie aber, dass ich sie vergesse!" sagte Jude bitter und sah Timothy das erste Mal tief in die Augen. Sie liebte einst diese vermeintlich treuen Augen, doch nun da sie wusste was für ein Mann Timothy war, erkannte sie die List in ihnen.
Timothy lachte nervös und schüttelte leicht den Kopf „Wie bitte? Jude, ich weiß nicht was Sie meinen."
„Was ich meine ist, dass Sie die Elektroschocktherapie bei mir befürwortet haben! Sie haben mich diesem Untier zum Fraß vorgeworfen, obwohl Sie genau wissen, was für ein Mensch Arden ist. Sie wollten mich ebenso wie er und Mary Eunice zum Schweigen bringen. Was ist der nächste Schritt? Werde ich ebenso wie viele andere Patienten in Ardens Labor verschwinden? Werde ich als Häufchen Asche in einem anonymen Grab enden?" Judes ganze Wut und tiefe Enttäuschung kam wieder hoch und Tränen der Wut quollen in ihren Augen auf „Wie?...Wie konnten Sie mir das antun? Nach allem was wir zusammen erlebt haben….."
Judes Worte waren wie ein Messer in seinem Herzen, denn er wusste –und das war das schlimmste– das sie recht hatte. Er wusste, dass sie nicht verrückt war und doch ließ er sie einliefern. Er wusste sie hatte Mutter Claudia nicht getötet und doch ließ er alle in dem Glauben sie wäre eine Mörderin. Er wusste Arden war ein Verbrecher und Monster und doch ließ er ihn weiter machen …..und wofür?
‚Es ist für deinen Traum! Alles was du immer wolltest'
Ja, sein Traum war sein Leben!
„Jude bitte, beruhigen Sie sich! Ich habe Sie gebeten zu mir zu kommen, weil ich möchte, dass es wieder so wird wie vorher. Ich habe vielleicht ein oder zwei Fehler gemacht, aber das ist doch nicht das Ende. Die Wahrheit ist….Sie fehlen mir." und diese letzten Worten waren womöglich das aufrichtigste, was Timothy jemals gesagt hatte.
Timothys letzte Worte ließen Jude zu Stein erstarren. Hätte er es wenige Wochen zuvor gesagt, hätte sie ihm Glauben geschenkt, doch jetzt nicht mehr. Nicht nachdem was er getan hatte.
„Wie? Wie sollte es wieder so werden wie früher? Sie haben ja keine Ahnung, was Sie mir angetan haben. Ich habe so viel für Sie getan, in dem naiven Glauben es wäre das Richtige….es wäre für uns. Aber alles war immer nur für Sie! In ihrem Leben gab es nie wirklich einen Platz für mich."
„Das stimmt nicht Jude!" Timothy stand auf und ging um den Schreibtisch herum, er kniete sich neben Jude und nahm ihre Hand in seine „Unser Traum war immer real für mich. Wissen Sie noch? Ich nannte Sie einmal meinen selten Vogel….damals fragten Sie mich, ob es Kompliment oder eine Beleidigung sei. Ich sagte es wäre ein Kompliment und das war es…..Sie sind so besonders Jude. Ich werde es Ihnen beweisen, ich werde Sie davon überzeugen, dass sich nichts geändert hat."
Timothy legte eine Hand auf Judes Wange und spürte ihre warme und weiche Haut. Er wollte so gern mehr von ihr spüren, doch er wusste es war ausgeschlossen.
Jude spürte Timothys Hand auf ihrer Wange und sie glaube, es würde vielleicht alte Gefühle in ihr wach rufen…..doch nichts geschah, ganz im Gegenteil. Sie wollte nicht von ihm berührt werden, sie stieß seine Hand weg und stand hastig auf.
„Es tut mir Leid Timothy, aber dafür ist es zu spät…..viel zu spät."
Sie wollte gerade in Richtung Tür gehen, als Timothy sie am Handgelenk festhielt. Er war wütend und enttäuscht, er bot ihr eine Gelegenheit aus dieser Situation und sie stieß ihn von sich. Mehr und mehr wurde ihm bewusst, dass er sie verloren hatte, doch das wollte er nicht akzeptieren. Er zog Jude zu sich zurück und sah ihr tief in die Augen.
„Ich werde Ihnen etwas Zeit geben, über all das nachzudenken. Aber ich sage Ihnen eines…..ein Mann wie ich, sitzt an einem längeren Hebel als ein einfacher Wachmann " Timothy sprach leise weiter „Ich weiß alles! Alles über Sie und Frank McCann….."
Fassungslos sah Jude Timothy an und sie fragte sich, was genau er wusste.
