Kapitel 2
Donnerstag, 1. August 2002
Vormittag
Hermione aß einen weiteren Löffel Müsli und zog die Stirn über ihrer To-do-Liste kraus. Sollte sie Ron dazu einteilen, ihr beim Erstellen der persönlichen Zeitpläne zu helfen? Oder sollte sie ihn nach Malfoy Manor schicken, um die abschließende Bestandsaufnahme der für die Jagd verfügbaren Vollblüter vorzunehmen? Er verabscheute Dinge, die er 'Fummelarbeit' nannte, was er möglicherweise über das Erstellen von Zeitplänen dachte, aber bei allem, was mit Malfoy zu tun hatte, war seine Reaktion ebenfalls nicht vorhersehbar. Wie es wohl sein mochte, einen fügsamen Freund zu haben? Jemanden, der einen in Allem unterstützte und Anweisungen ohne Streit akzeptierte? Sie seufzte und legte ihre Liste zugunsten von mehr Kaffee beiseite.
Penny sah von ihrem Clipboard auf. „Was ist?"
Es war der letzte Tag, ehe die ersten Gäste einzutreffen würden, die sich für die Früh-Registrierung bei der Regency-Woche angemeldet hatten. Hermione und ihr Team von Freiwilligen wohnten in Hogwarts und waren fleißig an allen Last-Minute-Details bei der Arbeit. Sie und Penny frühstückten zusammen mit den Lehrern in der Großen Halle, bevor sie den höchst arbeitsreichen Tag in Angriff nahmen.
Hermione wies auf ihre Liste. „Oh, ich versuche, mich zu entscheiden, was ich heute Harry und Ron zu tun gebe. Sind deine Aufgaben alle erledigt?"
Pennys Wangen färbten sich ein wenig rosa und machten sie noch hübscher als sonst. Hermione wünschte, dasselbe würde auch bei ihr zutreffen; wenn sie jedoch verlegen war, sah sie einfach wie eine Tomate mit buschigem Haar aus.
„Heute Morgen habe ich eine Besprechung mit dem Schulleiter, um ihn auf dem Laufenden zu halten, weißt du", sagte Penny und hörte sich dabei etwas atemlos an.
Hermione nickte und achtete sorgsam darauf, ernsthaft dreinzuschauen. Pennys plötzliche, unerklärliche Schwärmerei für Severus Snape war aufgetreten, nachdem Hallo Zauberer im letzten Sommer einen Rückblick auf das Leben des Schulleiters veröffentlicht hatte. Der Direktor hatte den Artikel nicht kommentiert, und Hermione hatte angenommen, dass einige der berichteten Beziehungen und Romanzen extrem zweifelhaft waren, aber es stand außer Frage, dass das Bildmaterial eindrucksvoll gewesen war – und einflussreich. Ganz besonders betraf dies einen Schnappschuss von ihm, den Dennis Creevey gemacht hatte, als der Zaubergamot der Empfehlung des Zaubereiministers gefolgt war, Severus Snape vom Kriegstribunal von allen Missetaten freisprechen zu lassen. Snapes breites, triumphierendes Lächeln, als er sich umdrehte, um Harry Potter die Hand zu schütteln, hatte ihn vom verdrießlichen Zaubertrankmeister, an den sich jeder erinnerte, in eine andere Art Mann verwandelt. Noch aussagekräftiger war ein weiteres Foto von ihm, das offensichtlich gemacht worden war, ohne dass er es bemerkt hatte. Es zeigte ihn mit dem Gesicht gegen den Wind, das Haar zurückgeweht und mit Blick in die Ferne wie in eine grenzenlose Zukunft. Wenn man dieses Bild betrachtete, neigte man irgendwie dazu, nicht die übergroße Hakennase zu beachten; stattdessen zogen die leuchtenden Augen, der entschlossene Mund und der starke, eckige Kiefer den Blick auf sich. Der Artikel und die Fotos hatten die Fantasie der Öffentlichkeit angeregt und die gängige Sichtweise auf seine Person sogar unter seinen ehemaligen Schülern verändert.
„Und natürlich die anderen Punkte auf meiner Liste", beeilte sich Penny hinzuzufügen und wies auf das Pergament neben ihrem Teller. Mit ihrer Feder hakte sie beim Vorlesen jeden Punkt ab, und die verlegene Röte ihres Gesichts ebbte langsam ab. „Cho und Padma sind für das Musikzimmer verantwortlich, Noten und Instrumente. Lavender, Parvati und Pansy erledigen die abschließende Bestandsaufnahme der Kostüme und gleichen sie mit der Gästeliste ab."
Hermione presste die Lippen zusammen, entschlossen, keine unhöfliche Bemerkung über Pansy Parkinson zu machen. Es erschien scheinheilig, dass Parkinson so entschlossen war, bei der Geldbeschaffung für Hogwarts zu helfen, obwohl sie während Voldemorts Attacke auf die Schule willens gewesen war davonzulaufen – sie hatte sogar vorgeschlagen, Harry auszuliefern, um die Todesser zu beschwichtigen! Aber als Erwachsene war sie in der Wohltätigkeitsarbeit sehr aktiv und hatte so einen Ruf erworben als jemand, die gute Werke vollbrachte. Außerdem war ihr Vater, Fortescue, Mitglied des Schulbeirats; es hatte keine echte Möglichkeit bestanden, sie auszuschließen.
Als sei sie gerufen worden, eilte Pansy zu ihnen hinauf, und der Ärger stand ihr deutlich in ihr ziemlich strenges Gesicht geschrieben.
„Was ist?", platzte Hermione heraus, was ihr einen besonders garstigen Blick von Pansy einbrachte.
„Es geht um Blaise Zabini", sagte sie und sprach gezielt Penny an. „Er hat eben ein Storno geeult. Und er hatte ein komplettes Set Kostüme bestellt! Sogar einen maßgeschneiderten Reitrock für die Jagd!"
Penny erhob sich und ließ ihr Frühstück stehen. „Nun, er hat nicht früh genug storniert, um seine Anzahlung zurückzubekommen", sagte sie praktisch. „Aber es ist wirklich eine Schande, denn ich habe die Sachen gesehen, die Madam Malkin für ihn gearbeitet hat. Lass uns sehen, ob wir ihn umstimmen können, Pansy. Du bist mit ihm befreundet, oder?"
Die beiden Mädchen gingen davon, die Köpfe zusammengesteckt, während sie besprachen, wie sie Zabinis maßgeschneiderte Kostüme am besten verwenden konnten. Hermione sah zu, wie sie davongingen, ohne Harrys Ankunft zu bemerken.
„Geht es dir gut?", fragte Harry und ließ sich auf den Platz gleiten, den Penny freigemacht hatte. „Du siehst aus, als hättest du wieder Kopfschmerzen."
Mit einem halbherzigen Lächeln wandte Hermione sich ihm zu. Man konnte sich darauf verlassen, dass Harry bemerkte, wie es ihr ging, ohne dass ihm etwas gesagt wurde!
„Nichts, was genügend Koffein nicht beheben könnte", versprach sie ihm.
Er bediente sich von der Warmhalteplatte mit Eiern und mehreren fetten Würstchen. Während er Marmelade auf seinem Toast verteilte, fragte er, „Was steht für mich heute auf dem Programm?"
Hermione zeigte ihm ihre Liste. „Alles außer diesen beiden Aufgaben oben ist eingeteilt. Ich habe mich zu entscheiden versucht, wo ich Ron heute einsetzen soll, und du bekommst automatisch den anderen Job."
Harry verdrehte die Augen Richtung Decke der Großen Halle, wo flauschige weiße Wolken über einen Himmel von makellosem Blau jagten. „Kümmere dich nicht um mich – ich mag es, wenn ich am Schluss von jedermanns Liste stehe."
Seine Worte waren von einem Funkeln in seinen Augen begleitet, aber Hermione verteidigte sich dennoch. „Als ob du am Ende von irgendjemandes Liste stehst! Und du weißt, wie schwierig Ron sein kann – ich will ihm etwas zu tun geben, was mir einen vollen Arbeitstag von ihm einbringt." Sie sah zur Tür. „Wo ist er eigentlich?"
Harry zuckte mit den Schultern und hielt die Augen dabei auf seinen Teller gerichtet. Hermione erkannte seine Vermeidungstaktik, die jetzt in der Tat etwa genauso raffiniert war, wie als er elf Jahre alt gewesen war.
„Lange im Pub gewesen?", tippte sie.
„Ein bisschen", sagte er unverbindlich.
Sie nahm an, dies würde ihr genügen müssen.
Neville Longbottom, Luna Lovegood und George Weasley kamen zusammen herein. „Wir lassen heute die Büsche für das Labyrinth wachsen, richtig?", fragte George und klaute sich ein Stück Toast von Hermiones Teller.
Hermione schlug ihm auf die Hand. „Hol dir dein eigenes Frühstück!", protestierte sie, aber George lachte nur.
„Ich habe Nargelmagie benutzt", bekannte Luna ernsthaft. „George und Neville habe ich den Zauber beigebracht – das funktioniert prima. Nargelzauber sind die perfekte Anregung für fantastischen Pflanzenaustrieb."
Neville beugte sich hinab und tat so, als binde er seinen Schuh zu. „Wir verwenden nicht ihren Zauber", flüsterte er. „Aber wir werden bis Sonnenuntergang fertig werden – keine Sorge, Hermione. Die Hecken sind hier für das Trimagische Turnier gewachsen. Wir müssen sie nur daran erinnern und sie dazu ermuntern, wieder zu wachsen."
Hermione lächelte ihren Dank, und ihre drei Freunde nahmen am Tisch Platz, um ihr Frühstück zu genießen.
Dann kam Professor Mortelle herein, ihr leuchtend rotes Haar perfekt frisiert, ihre Haltung selbstbewusst und zielstrebig. Von durchschnittlicher Körpergröße, vollbusig und üppig, hatte sie Augen in der Farbe von Saphiren. Über einem goldbraunen Etuikleid trug sie pfauenblaue Roben; das Ensemble wurde von einem irisierenden Schal zusammengehalten, den sie trug, einer schimmernden Mischung von Blau-, Grün-, Gold- und Brauntönen, wie die Schwanzfedern eines Pfauen. An ihren Füßen trug sie Stilettopumps, die perfekt zu ihren Roben passten.
Hermione seufzte neidisch. „Diese Frau besitzt die umwerfendsten Schuhe, die ich je gesehen habe. Sie muss jeden Knut, den sie verdient, für ihre Garderobe ausgeben."
„Nicht gerade die Art von Lehrerin mit schwarzen Roben", stimmte Harry zu. „Kennst du sie überhaupt?"
„Ich habe einige Zeit mit ihr verbracht. Anfangs ist sie ein wenig einschüchternd, aber sie hat eine wirklich spitze Zunge – sie bringt dich sogar zum Lachen, wenn du weißt, dass du das besser nicht tun solltest. Ich glaube, sie ist die klügste Hexe, die ich je getroffen habe."
Harry schnaubte. „Du bist die klügste Hexe – alle sagen das."
Einen Moment lang presste Hermione die Lippen aufeinander. „Ich habe darüber nachgedacht", gab sie zu. „Die Wahrheit ist, Lupin sagte, dass ich die klügste Hexe meiner Altersgruppe bin – aber Professor Mortelle ist im Alter näher an der Generation deiner Eltern. Übrigens hat sie Durmstrang besucht – Remus kannte sie wahrscheinlich nicht." Bei einem plötzlichen Gedanken grinste sie und senkte ihre Stimme zu einem Flüstern. „Ich glaube, Lucius Malfoy schwärmt für sie – es ist wirklich ganz süß."
Harry machte mit einer Hand eine schlagende Bewegung, als wolle er seine Abscheu zu dem Thema zeigen. Hermione gab nach und sie aßen schweigend eine Zeitlang weiter, bis Harry zögernd fortfuhr.
„Hermione, hast du … mit Ginny gesprochen?"
Hermione legte den Kopf einen Augenblick lang schief, dachte nach und beschloss dann, direkt zu sein. „Du weißt, weshalb sie nicht zur Regency-Woche kommt, Harry."
Er schaute sie schmerzerfüllt an. „Aber wie soll ich sie mir vom Hals halten?"
Sie stellte ihre Tasse auf der Untertasse ab und sah ihm ernsthaft und mit Bedacht in die Augen. „Sag die Wahrheit", sagte sie ruhig. „Sag die Wahrheit, und du wirst eine komplett andere Art von Problem haben – aber eines, das dir wahrscheinlich lieber ist." Sie lächelte ihn liebevoll an und tätschelte seine Wange.
Eine höhnische Stimme ertönte oberhalb von ihnen. „Rührend, aber am Frühstückstisch, Granger? Ehe ich gegessen habe? Nehmen Sie etwas Rücksicht auf meine Verdauung."
Hermione und Harry schauten schuldbewusst über ihre Schultern, ganz so, wie sie es im Zaubertrankunterricht getan hätten, wären sie beim Flüstern erwischt worden, wenn sie hätten brauen sollen. Schulleiter Snape grinste höhnisch auf sie nieder, aber Hermione dachte, dass der Hohn seine Augen nicht erreichte.
In letzter Zeit hatte sie das oft gedacht.
„Morgen, Severus", sagte Harry mit einem Grinsen. „Und lass Hermione in Ruhe – sie ist nicht so wie ich an deinen Sinn für Humor gewöhnt."
Snape neigte seinen Kopf und brachte sein Haar dazu, nach vorn zu schwingen und sein Gesicht zu verbergen. „Guten Morgen, Leiterin des Regency-Projekt-Komitees", sagte er, aber ohne seinen Gesichtsausdruck sehen zu können, konnte Hermione nicht sagen, ob er sich über sie lustig machte.
„Es heißt Leitung", schnaubte sie und wandte sich wieder ihrem durchgeweichten Müsli zu.
„Besserwisserin."
Sie wirbelte herum, eine scharfe Antwort auf den Lippen, aber der Schulleiter war weitergegangen und schlenderte zu Professor Mortelle, um neben ihr Platz zu nehmen. Hatte er wirklich diesen verhassten Schimpfnamen gemurmelt, oder hatte sie es sich nur eingebildet?
„Er ist unmöglich", murmelte sie, nahm ihre Feder in die Hand und zog eine unnötige Linie unter dem Wort 'Damensattel', wobei die Spitze ihrer Feder durch das Pergament stach und einen Tintenfleck auf der Tischdecke hinterließ, der sich ausbreitete.
„Solange du so auf ihn reagierst, wird er weitermachen", informierte Harry sie deutlich amüsiert. „Severus wird dich immer wieder provozieren, wenn du ihn lässt – es ist eine seiner kleinen Freuden. Er sagt, Lehrer haben nicht viele davon. Aber wenn du darüber hinweggehst, wenn er so ist – wenn du nicht reagierst –, wird er nach einer Weile aufhören … meistenteils."
Hermione schnaubte. „Dich behandelt er noch immer, als seist du nicht recht gescheit", verwies sie, „und dabei bist du sein größter Fürsprecher." Sie schaute den Tisch hinunter und bemerkte das halbe Lächeln auf Snapes Lippen, während er zuhörte, was Professor Mortelle sagte. „Dieses Zeitungsfoto von Ihnen außerhalb Ihres Zimmers im St Mungo – das mit der Überschrift Er ist der tapferste Mann, den ich je gekannt habe – stammte von ihm."
Harry sah sie ernsthaft an, plötzlich ganz der qualifizierte Auror statt des unbeholfenen Schuljungen. „Das glaube ich nicht", sagte er. „Er hat sich selbst zu dem gemacht, was er ist, durch das Leben, das er gelebt hat. Er konnte nicht ewig so tun, als sei er ein schamloser Idiot. Irgendwann musste er sein wahres Gesicht zeigen. Man hätte ihn letztendlich ohnehin durchschaut, egal, was ich gesagt oder getan habe."
Hermione stand auf und zerzauste liebevoll sein Haar. „Rede dir das nur weiter ein", sagte sie und sammelte ihre Sachen ein. „Also kann ich auf dich zählen, dass du nach Malfoy Manor gehst und die endgültige Bestandsaufnahme von Pferden und Ausrüstung besorgst?" Sie nahm das entsprechende Blatt und schob es ihm über den Tisch zu. „Erfasse genaue Zahlen, Harry – es ist wichtig."
Er salutierte großspurig. „Befehle erhalten, Boss!"
Hermione warf ihm einen vernichtenden Blick zu und stolzierte hinaus in die Eingangshalle. Sie hatte immer noch Pläne fertigzustellen, aber es gab keinen Grund, weshalb sie das nicht draußen an der frischen Luft tun sollte.
~oo0oo~
Sie saß unter ihrem Lieblingsbaum am Seeufer und kopierte Rons To-do-Liste des Tages, als Draco Malfoy sie fand. Hermione und Draco waren nach dem Krieg Freunde geworden – Vertraute sogar –, aber Draco neigte dazu, zu viel umherzuziehen, als dass Hermione ihn sehr oft traf.
„Severus sagte, du seist hier unten", sagte Draco, beschwor eine Decke herbei und legte sie neben Hermione, ehe er sich setzte.
„Snape ist über mein Kommen und Gehen nicht auf dem Laufenden ", schnappte sie, unerklärlich irritiert.
Draco sah sie von der Seite an. „Das kannst du mir nicht weismachen", sagte er, und ein Lachen schwang in seiner Stimme mit. „Wer ist dir denn heute schon über die Leber gelaufen?"
Hermione knallte ihren Planer zu und schlug damit auf ihr Clipboard. „Niemand! Aber was treibst du hier, Draco?"
Er hob seine Augenbrauen. „Ich bin ein zahlender Kunde, Granger – achte auf deine Manieren."
Sie schnaufte verärgert und rang um Fassung. „Ich weiß, dass du gebucht hast, aber sogar die Früh-Registrierung fängt erst morgen an. Warum also bist du hier?"
Draco flegelte sich zurück auf einen Ellenbogen, bedacht, auf der Decke zu bleiben, als habe er Sorge, Grasflecken auf seine makellosen, engsitzenden weißen Jeans oder das eisblaue Hemd zu bekommen, das er darüber trug. „Ich muss das Datum verwechselt haben", sagte er, und seine grauen Augen glitten von ihr ab, als wolle er keinen Blickkontakt halten. „Wo sind deine Freunde?", fragte er.
„Ron schläft lange, und Harry ist schon mit einer Aufgabe unterwegs", informierte sie ihn. „Aber glaube nicht, dass du hier herumhängen und im Weg sein kannst – wir haben heute einen Riesenhaufen Arbeit zu erledigen."
Draco lachte laut. „Zweifellos steht am See herumzuhängen auf deiner Riesen-To-do-Liste."
„Was geht dich das an, Frettchen?"
Hermione schaute sich um und sah Harry oben am Hang stehen, der angriffslustig aussah. Draco andererseits veränderte sich, als sei ein Schalter umgelegt worden. Das Lachen verschwand aus seinem Gesicht, und er war wieder sein altes, überhebliches Selbst.
„Das Narbengesicht redet", sagte er gedehnt und hörte sich dabei gelangweilt an.
„Warum beantwortest du nicht ihre Frage?", fragte Harry aggressiv. „Was tust du hier?"
Malfoy setzte sich aufrecht, seinen steifen Rücken zu Harry gewandt. „Wenn du mit mir reden willst, komm herunter", sagte Draco. „Ich habe nicht vor, mir das Genick zu verrenken, um mich mit dir zu unterhalten."
Harry schritt den Hügel hinunter, bis er zwischen Hermione und Draco stand. Hermione zupfte am Hosenbein seiner Jeans. „Lass ihn in Ruhe, Harry. Er stört mich nicht."
Draco lehnte sich nach vorn und sprach um Harrys Beine herum zu Hermione. „Ich war zu Besuch bei meiner Mutter in Frankreich", sagte er. „Seit der Scheidung lebt sie dort, weißt du. Ihre Schwester war da – eine Frau namens Andromeda Tonks – und sie hatte einen Dreikäsehoch dabei." Unvermittelt stand er auf, und seine grauen Augen waren auf einer Höhe mit Harrys grünen. „So ein kleiner Wechselbalg mit blauem Haar, der Teddy heißt."
Harrys Fäuste ballten sich, und Hermione stand hastig auf und legte besänftigend eine Hand auf seinen Arm. „Malfoy zieht dich nur auf", sagte sie zu ihm.
Harry trat einen Schritt vor, und seine Nase war nur noch ein kleines Stück von Dracos entfernt, als umklammere Hermione nicht seinen Arm und zöge warnend daran. „Das ist mein Patensohn, von dem du sprichst", schnarrte Harry. „Und er ist kein Wechselbalg, Malfoy – er ist ein Metamorphmagus, genau wie seine Mama, deine Cousine, es war – wie jeder außer einem Idioten selbst erkannt haben könnte."
„Aber die Idioten der Welt haben dich auf ihrer Seite, Potter – darum braucht man sich nicht zu sorgen." Und Draco trat zurück und wandte ihnen den Rücken zu, während er an den Manschetten seines langärmeligen Hemdes herumhantierte.
„Harry, du solltest in Malfoy Manor sein", erinnerte ihn Hermione und trat auf die Stelle, die Draco verlassen hatte.
„Ich bin hinaufgegangen, um mir die Zähne zu putzen und habe Ron gesehen – habe ihm gesagt, dass du ihn gesucht hast. Er hat gesagt, er kommt direkt nach dem Frühstück zu dir." Aber die ganze Zeit, während Harry mit ihr sprach, wandte er den Blick kein einziges Mal von Malfoys Rücken ab.
Draco drehte sich um. „Du gehst ins Manor, Narbengesicht?" Seine grauen Augen glitten von Harrys verstrubbeltem Haar zu seinen abgetragenen Turnschuhen und wieder zurück, ein höhnisches Grinsen auf den Lippen.
Harry zerrte seinen Arm aus Hermiones Griff. „Fick dich, Frettchen", sagte er und steuerte wütend den Hang hinauf.
Hermione schüttelte den Kopf. „Nun, ich hoffe, du bist glücklich, Malfoy", sagte sie. „Du bist nur fünfzehn Minuten hier, und schon gibt es Ärger."
Draco lächelte sie strahlend an. „Zerbrich dir nicht deinen kleinen Wuschelkopf darüber", sagte er. „Offensichtlich braucht der Junge, der meckerte, einen Führer durch die Manor-Stallungen – es ist ja nicht so, als ob er schon einmal dort gewesen wäre."
Er ließ die Decke verschwinden und ging mit einem Grinsen davon.
„Draco, du solltest ihn in Ruhe lassen, wenn er in einer solchen Stimmung ist", rief sie ihm nach, aber Malfoy winkte ab und ging weiter, ohne zu ihr zurückzuschauen.
„Du kommst ihm besser nicht in die Quere!", rief sie seinem kleiner werdenden Rücken nach, aber Draco zeigte keine Anzeichen, dass er sie gehört hatte. Mit einem frustrierten Schnauben machte sie sich auf die Suche nach Ron, seine To-do-Liste des Tages in der Hand. Wenn sie mit den persönlichen Zeitplänen früh anfing, konnte sie immer noch später ins Manor gehen für den Fall, dass Harry nicht zurechtkam …
