Kapitel 3
Donnerstag, 1. August 2002
Nachmittag
Ron Weasley saß niedergeschlagen im Lehrerzimmer, die große, manchmal ungeschickte Faust um den Zauberstab geballt. Sein sommersprossiges Gesicht war vor Konzentration verzogen, während er Informationen auf Xenophilius Lovegoods Aktivitätenzeitplan für die Regency-Woche übertrug und dabei regelmäßig in Hermiones handgeschriebene Liste sah.
„Ich kann nicht glauben, dass du den alten Blödmann überhaupt herkommen lässt", murmelte Ron, während er sorgfältig Mittwoch Morgen, 9 Uhr, Tanzunterricht im Trophäenraum von Hermiones Gesamtliste auf sein Pergament bewegte. Die Formel ihres magischen Kopierzaubers ging ihm noch immer nicht geläufig von der Zunge, und seine Zauberstabbewegung war eckig. „Er hätte uns ohne mit der Wimper zu zucken den Todessern ausgeliefert."
Hermione sah nicht von ihrer Arbeit auf. Sie hatte keinen einfachen Weg gefunden, die individualisierten Zeitpläne en masse herzustellen, denn jeder hatte sich für unterschiedliche Lehrgänge, Veranstaltungen und Events eingeschrieben. Alle Muggelquellen, die sie zu Rate gezogen hatte, hatten ihren Teilnehmern individuelle Unterlagen im Stil einer „Tanzkarte" zur Verfügung gestellt, um sie zu informieren, wann sie wo sein sollten. Natürlich konnten die Muggel einfach alle Daten in einen Computer eingeben und ganz fix Zeitpläne ausdrucken. Aber ihre Version war höherwertig, denn sie benutzte echtes Pergament und hatte ihre Gesamtliste mit einer echten Feder und echter indischer Tinte erstellt! Sie hatte einen Masterplan von allen verfügbaren Veranstaltungen erstellt und einen enormen Stapel von Pergamentblättern, auf dem die Mahlzeiten eines jeden Tages aufgezeichnet waren, weil diese für alle gleich waren. Alles, was sie jetzt zu tun hatten, war, den Namen des Teilnehmers oben auf sein Pergament zu setzen und mit ihrem Kopierzauber den jeweiligen Aktivitäten-Zeitplan zuzufügen.
Das einzige Problem war, dass Hermione zehn Zeitpläne in der Zeit komplettierte, die Ron für einen brauchte, und er hatte bereits drei verdorben, indem er Tinte darauf verspritzt oder gekleckst hatte. Obwohl sie lediglich Sandwiches im Lehrerzimmer zu Mittag gegessen hatten, fühlte es sich an, als seien sie kaum vorangekommen. Sie würde die ganze Nacht daran sitzen, und das bedeutete, dass sie keinen Schlaf bekäme, weil die ersten Gäste am Morgen eintrafen!
Unter dem Tisch schubste Ron ihren Fuß an. „Hörst du mir zu, Hermione?"
Meistens gab sie sich wirklich Mühe, geduldig und freundlich zu Ron zu sein; schließlich war er ihr Freund. Aber sie war von den Vorbereitungen für die Veranstaltung so gestresst, dass sie am Ende ihrer Geduld angelangt war.
„Tritt mich nicht!", schnappte sie verärgert.
„Ich habe gesagt, warum lässt du den alten Lovegood mitmachen? Er hätte Harry an Voldemort ausgeliefert!"
Hermione komplettierte Romilda Vanes Zeitplan und nahm ein neues Blatt, um den Plan für Finbar Quigley vorzubereiten. „Wir haben das schon diskutiert, Ronald", antwortete sie. „Du hättest dasselbe getan, wäre deine Tochter von Todessern entführt worden – und Mr Lovegood hat seine Strafe schon bekommen, nicht wahr? Die Todesser haben ihn nach Azkaban gebracht und ihn bis zum Kriegsende dort behalten!"
Ron antwortete nicht, aber seine Lippen waren aufeinandergepresst, und sie wusste, dass er zornig war. Warum fiel es ihm so schwer, Menschen zu verzeihen? Nach der Art, wie er andere beurteilte, sollte man denken, er sei ein Vorbild! Dann öffnete sich die Tür des Lehrerzimmers, und Ron drehte sich herum, um zu sehen, wer es war, als ob er erwartete, dass jemand hereinkäme und ihn rettete.
Aber es war nur der Schulleiter.
„Oh, Sie sind es", sagte Ron unhöflich, und Hermione schubste unter dem Tisch seinen Fuß an – vielleicht etwas fester, als sie vorgehabt hatte. „Scheiße!", rief Ron und zuckte vor Schmerz an seinem Schienbein zurück, während er Tinte über der ganzen Seite verspritzte.
„Mein Name ist Snape, Mr Weasley", sagte der Schulleiter glatt, und Hermione war durch das winzige Zucken an Snapes Mundwinkel von der Schweinerei abgelenkt, die Ron wieder auf einer Seite angerichtet hatte.
„Er hat nicht Sie Scheiße genannt", sagte Hermione in loyaler Verteidigung ihres Verehrers.
Die Augenbrauen des Schulleiters hoben sich. „Was für eine Ausdrucksweise, Miss Granger", murmelte er und warf ihr einen schiefen Blick von der Seite zu.
Hermione biss sich auf die Innenseite ihrer Wange. Neckte er sie gerade? Seine schwarzen Augen schienen zu lachen. Weshalb war er so schwierig zu durchschauen? Sie öffnete den Mund zu einer Antwort, aber der Schulleiter glitt in einen Sessel und nahm sich eine Zeitschrift von dem Tisch, der mit Lesestoff übersät war, den andere Lehrer zurückgelassen hatten.
„Lassen Sie sich von mir nicht stören – bitte, fahren sie mit Ihrem … Projekt fort." Und er öffnete die Zeitschrift und sah hinein, während sein Haar durch die Bewegung nach vorn fiel. Allem Anschein nach war Snape in seine Lektüre vertieft.
„Gib mir das", sagte Hermione zu Ron und streckte die Hand nach Mr Lovegoods Zeitplan aus.
Ron warf ihn ihr zu und krümmte seine Schultern. „Das hier langweilt mich zu Tode", sagte er und sah aus dem Fenster in den Sonnenschein und auf das Schimmern von Wasser in der Ferne. „Warum können wir keine Pause machen? Geh mit mir an den See."
Hermione saugte mit dem Zauberstab weiter die überschüssige Tinte vom Pergament ab und ignorierte die Bitten ihres Freundes. Wenn Ron vielleicht aufhörte, sich vor der Arbeit zu drücken, würde Snape es nicht hören, wie sie ihn zurechtwies. Sie warf wieder einen Blick auf den Schulleiter, aber dessen Gesicht war durch den Vorhang seines ziemlich strähnigen Haars vor ihr verborgen.
Ron ließ den Holzstuhl mit der geraden Rücklehne stehen und ging um den Arbeitstisch, um sich neben Hermione zu setzen. Als sie von dem, was sie tat, nicht aufsah, beugte er sich zu ihr, die Lippen nahe an ihrem Ohr. „Würdest du nicht gerne ein wenig Zeit für uns alleine stehlen?", fragte er. „Es ist … ewig her, seit wir …"
Hermione ruckte zornig ihren Kopf von ihm weg, sich der Tatsache äußerst bewusst, dass Snape keine zwei Meter entfernt saß. Wollte Ron wirklich gern diese Unterhaltung vor Publikum führen? Diesem Publikum?
Sie konnte spüren, wie Ron sich neben ihr versteifte, als er ihren Ärger bemerkte. Er setzte sich wieder aufrecht hin und der schmeichelnde Ton verschwand aus seiner Stimme, als er ruhig fragte, „Wo warst du gestern Abend? Ich habe an deine Tür geklopft, als ich von Hogsmeade zurück war."
„Oh?", fragte sie, und ihre Stimme klang hoch und gepresst. „Um welche Uhrzeit war das, Ronald?"
Sie fühlte sein Schulterzucken mehr, als sie es sah. „Halb zwei, vielleicht?", fragte er. „Der Pub hat um zwei geschlossen."
„Ich habe geschlafen", antwortete sie kalt. Also wirklich! Dachte er, ein Mädchen wollte in den frühen Morgenstunden einen betrunkenen Säufer in ihrem Bett?
„Ich habe gegen deine Tür gehämmert", sagte Ron beharrlich. „Warum hast du mich nicht hereingelassen?"
„Ich habe dich nicht gehört", sagte sie und vervollständigte die Reinigung des von ihm verschmutzten Pergaments. „Machst du das fertig?" Sie hielt es ihm wieder hin und drehte sich, um ihm ins Gesicht zu sehen.
Ron sah störrisch drein. „Du hättest mich hereinlassen sollen."
Snape räusperte sich ziemlich laut, und Hermione errötete vor Verlegenheit. Was musste er von ihnen denken? Und Rons Ohren liefen rot an, das war nie ein gutes Zeichen.
„Was wollen Sie, Snape?", schnarrte Ron.
„Ich möchte Sie natürlich nicht unterbrechen, aber ich konnte nicht anders als mitzuhören", sagte er mit ausdruckslosem Gesicht. „Mr Weasley, vielleicht wäre es hilfreich für Sie zu wissen, dass sich eine ungenutzte Tür zu den Räumen des Schulleiters im selben Korridor befindet wie die zu Miss Grangers Zimmer."
„Na und?", sagte Ron, und er klang so streitlustig, dass Hermione Mühe hatte, ihn nicht zu verhexen. Was war sein Problem? Alles, was sie tun wollte, war, diese persönlichen Zeitpläne fertigzustellen! Warum versuchte er, einen Streit mit dem Schulleiter vom Zaun zu brechen?
Snape antwortete jedoch in einem Ton, der sich von ausdruckslos zu gelangweilt veränderte. „Also, Sie haben an meine Tür geklopft, Sie Schwachkopf – nicht an ihre."
Rons Genick zeigte jetzt dieselbe Röte wie seine Ohren. „Warum schläft meine Freundin bei Ihnen nebenan?", forderte er.
Hermione war wütend. „Ronald!", sagte sie scharf.
Aber Snape war ungerührt. Er antwortete lediglich, „Miss Granger hat um Räume für sich und ihre Helfer im Lehrerflügel gebeten, damit die besten Zimmer für zahlende Gäste frei sind", sagte er und schien das Interesse an der Unterhaltung zu verlieren, denn er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Zeitschrift, die er in der Hand hielt.
Hermione fühlte sich beschämt. Es war schlimm genug, dass Ron mit ihr ständig Streit anfing, aber dies vor dem Schulleiter zu tun, ging zu weit.
Sie erhob sich, trat von ihm weg und begann, ihre Utensilien aufzuräumen, richtete den – jämmerlich kleinen! – Stapel mit den fertigen Pergamenten aus und nahm die Bögen, die Ron ruiniert hatte. Sie knäulte jedes davon zu einer kleinen Kugel zusammen, ehe sie sie mit einem Fingerschnippen in den Papierkorb beförderte. Die scharfen, zornigen Worte, die ihr auf der Zunge lagen, hielt sie zurück, entschlossen, dies nicht zu Snapes Erbauung – und ohne Zweifel – zu dessen Belustigung mit Ron auszufechten.
Während sie noch darum rang, etwas Neutrales zu ihm zu sagen, öffnete sich die Tür zum Lehrerzimmer und Draco schneite herein, gefolgt von Harry, der fuchsteufelswild aussah.
„Guten Tag, allerseits", sagte Draco, ging am Arbeitstisch vorbei und stoppte neben dem Schulleiter. „Wie kommst du zurecht, Severus?" Er drehte sich leicht, um das Trio hinter sich in die Unterhaltung einzubeziehen. „Was habe ich verpasst, während ich Klein-Potter hier davor bewahrt habe, von zahmen Rössern totgetrampelt zu werden?"
Snape schnaubte dazu hörbar, aber Harry ignorierte die Provokation. Stattdessen drückte er Hermione die Inventarliste in die Hand. „Bitte sehr", sagte er. „Ich glaube, es gibt dort genügend Pferde, um jedem eines zur Verfügung zu stellen, der sich schon für die Jagd angemeldet hat."
Hermione nickte nachdenklich, als sie über die Liste von Pferden, Sätteln, Zaumzeug und weiterer Ausrüstung sah. „Ja, aber wir müssen vorbereitet sein, zusätzliche Pferde zu stellen, falls sich mehr Leute zur Jagd anmelden", sagte sie. „Es ist die teuerste Aktivität, die wir anbieten, daher sollten wir es jedem ermöglichen, der reiten möchte – das Geld ist schließlich für Hogwarts!"
Ron schlängelte sich zu Harry hinüber. „Schönes Flugwetter heute, was, Harry?"
Hermione verdrehte die Augen. Wirklich, Ron war überhaupt keine Hilfe.
Draco spähte über ihre Schulter. „Womit arbeitest du, Granger?", fragte er und nahm den vervollständigten Zeitplan für Dimitar Zongraf in die Hand. „Eine Art Kopierzauber?"
Hermione nickte ein wenig beeindruckt, dass Draco das so schnell verstanden hatte.
Draco ließ sich auf den Stuhl fallen, den Ron freigemacht hatte, und sah fröhlich zu dem Trio auf. „Ich bin darin gut", prahlte er und machte wegscheuchende Gesten Richtung Harry und Ron. „Ihr zwei geht und macht was Männliches und Schweißtreibendes, während Granger und ich die hier abhaken." Und ohne dass ihm gesagt wurde, was er tun sollte, zog er seinen Zauberstab aus dem Ärmel und begann, die Masterliste genau zu betrachten.
„Das brauchst du mit nicht zweimal zu sagen", sagte Ron, wandte sich ohne ein Wort des Abschieds von Hermione ab und ging zur Tür. Dort hielt er inne und schaute über seine Schulter. „Kommst du, Harry?"
Harry zögerte einen Moment und starrte Malfoy misstrauisch an. „Vielleicht sollte ich Hermione helfen", sagte er.
Snape stöhnte hörbar. „Hau ab, Potter. Nimm Weasley für eine Runde auf das Quidditchfeld mit, und lass Miss Granger ihr Projekt fertigmachen. Am Morgen kommen die ersten Gäste, weißt du."
Harry schien hin- und hergerissen zu sein. „Wenn du dafür sorgst, dass Malfoy sie nicht ärgert, Severus, dann gehe ich."
Snape sah auf und bleckte Richtung Harry die Zähne. „Wenn du nicht aufhörst, mich zu ärgern, wird es dir leid tun", versprach er düster.
Dann lachte Harry, als ob Snape etwas Lustiges gesagt hätte, und er ging zu Ron und schlug ihm auf den Rücken. „Lust auf ein bisschen Fliegen?", fragte er grinsend, und die beiden verließen den Raum.
Hermione sah Draco skeptisch an. „Willst du das wirklich tun?"
Draco rollte penibel seine Ärmel hoch. „Ich habe Mutter regelmäßig geholfen, Einladungen zu adressieren", sagte er. „Der Vorgang sieht ziemlich ähnlich aus."
Sie zeigte ihm den Zauber und sie setzten sich hin; für eine halbe Stunde arbeiteten sie in kameradschaftlicher Stille. Danach hatte Hermione sich wieder genügend gesammelt, um zu sagen, „Habt du und Harry euch vertragen?"
Draco zuckte mit den Schultern. „Ich denke, ja", sagte er. „Warum?"
Hermione antwortete mit einer weiteren Frage. „Draco, wo ist Blaise?"
Draco komplettierte den Zeitplan für Pansy Parkinson und legte seinen Zauberstab nieder. „Ich habe keine Ahnung", sagte er gereizt.
Hermione seufzte. „Hattet ihr wieder Streit?"
Draco warf den Kopf hoch, und sein weißblondes Haar bewegte sich, ehe es wieder brav in Fasson fiel. „Ich bin fertig mit ihm. Können wir bitte nicht darüber reden?"
Sie legte ihre Hand auf seine, und er drückte sie kurz, dann nahm er wieder seinen Zauberstab auf. Die Tür des Lehrerzimmers öffnete sich, und Hermione unterdrückte ein Stöhnen. Sicherlich waren Harry und Ron noch nicht zurück? Aber als sie den Kopf hob, sah sie Professor Mortelle hereinkommen, der Lucius Malfoy folgte.
„Guten Tag, allerseits", sagte Mr Malfoy fröhlich, offensichtlich guter Dinge.
Dracos schaute von seiner Arbeit auf. „Vater!", sagte er.
Der ältere Malfoy ging zu Draco hinüber, der aufstand, um seines Vaters Hand zu schütteln und eine kurze, einarmige Umarmung auszutauschen. Die Körpergröße seines Vaters würde Draco nie erreichen, aber sie glichen sich im Typ und im Körperbau so sehr, dass ihre Verwandtschaft offensichtlich war.
„Draco, kennst du Professor Mortelle?" Mr Malfoy streckte eine Hand nach ihr aus, und sie kam zu ihm und trug dabei ein höfliches Lächeln auf den sorgfältig geschminkten Lippen. „Leticia, dies ist mein Sohn, Draco. Draco, Professor Leticia Mortelle."
Hermione sah ihnen amüsiert zu. Mr Malfoy schien ungewöhnlich jovial, aber Mortelle und Draco waren beide dem anderen gegenüber misstrauisch trotz der geübten Nichtigkeiten, die sie in förmlicher Höflichkeit austauschten. Müßig spekulierte sie, dass die rothaarige Hexe nach Slytherin sortiert worden wäre, hätte sie die Schule im Vereinigten Königreich besucht. Aber fühlte sie sich so zu Lucius Malfoy hingezogen wie er sich zu ihr? Hermione war nicht in der Lage gewesen, dies mittels Beobachtung festzustellen, und sie musste den Stil der älteren Frau bewundern. Sie vermutete, dass Malfoy genau wie jeder andere im Dunklen tappte, aber dennoch war sein Werben unvermindert, selbst nach all diesen Monaten ohne ersichtlichen Fortschritt.
Professor Mortelle schien am Erstellen der Zeitpläne sehr interessiert, denn sie nahm neben Draco Platz und begann, sich mit leiser Stimme mit ihm zu unterhalten. Hermiones Aufmerksamkeit blieb jedoch auf Mr Malfoy gerichtet, der sich gegenüber dem Schulleiter setzte.
„Warum gibt es kein Tablett mit Getränken in diesem Raum?", fragte Malfoy. „Das ist ziemlich unangenehm!"
Professor Snape warf seine Zeitschrift auf den Tisch, woher sie gekommen war. „Weil dies das Lehrerzimmer ist, Lucius. Der Ort, wohin Lehrer zu einer Tasse Tee in ihren Freistunden kommen. Ich habe nicht den Wunsch, dass meine Lehrer während ihrer Arbeitszeit Alkoholika trinken." Dennoch hob er seine Stimme und sagte, „Lehrerzimmer!"
Ein Hauself erschien vor ihm, verbeugte sich tief und sprach zu seinen knochigen Knien. „Wie darf Herpie dem Schulleiter dienen?"
Mr Malfoy sah erschrocken aus. „Sagte er Herpes?", fragte er, und seine humorvollen grauen Augen trafen die von Professor Mortelle, die bei der Frage aufgesehen hatte.
Mit einem belustigten Blick in den blauen Augen antwortete Professor Mortelle, „Ich glaube nicht, Lucius."
„Ein Schlückchen Scotch für Mr Malfoy", beauftragte Snape den Elfen. „Aus dem Vorrat des Schulleiters, wohlgemerkt."
Herpie poppte davon, und Snape starrte seinen Freund an. „Gib dir Mühe, die Hauselfen nicht zu verspotten", sagte er bissig. „Hogwarts hat keine so unbegrenzte Anzahl von ihnen, wie es das Manor anscheinend genießt."
Mr Malfoy setzte sich aufrechter und lehnte seinen Gehstock mit dem Schlangenkopf an seinen Sessel. Er legte eine perfekt manikürte Hand auf seine Brust. „Ich, Hauselfen verspotten?", fragte er in verletztem Ton. „Sag so etwas niemals! Ich habe zwölf volle Monate lang das vom Ministerium gesponserte Diversitätstraining und die Sensitivitätssitzungen absolviert. Ein Jahr, Severus! Wenn du solche Gerüchte über mich verbreitest, werde ich zu einer Wiederauffrischung zurückgeschickt." Er schniefte dramatisch. „Außerdem – könntest du mich zum Weinen bringen."
Er schauderte und löste bei Snape ein schnaubendes Lachen und ein Kichern bei Hermione aus. Sie musste zugeben, dass Mr Malfoy recht drollig sein konnte, wenn er sich anstrengte – und sein Benehmen ihr gegenüber hatte sich dramatisch verändert seit dem Kriegsende, der Auflösung seiner langen Ehe mit Narcissa Black, und ja, seinem Jahr der vom Zaubergamot vorgeschriebenen Inhaftierung an der Schule für Kulturelle Diversität. Manchmal fragte sie sich, ob er die Rolle des reformierten Todessers nur spielte, aber in diesen letzten paar Monaten enger Zusammenarbeit mit ihm bei den Geldbeschaffungsprojekten für den Hogwarts Fundus hatte sie ihn kein einziges Mal in seinem alten Gehabe erwischt.
Der Hauself kam mit einem Tablett mit schweren Kristallkelchen und einer ziemlich staubigen Flasche Scotch zurück. „Braucht Sir weiteren Service?", fragte Herpie mit piepsiger Stimme.
Der Schulleiter verneinte, und der Elf verschwand, als Mr Malfoy die Flasche ergriff und den Staub mit seinem eigenen Taschentuch abwischte. „Du hast die Elfen gut ausgebildet", sagte er anerkennend. „Den Staub magisch verschwinden zu lassen, könnte den Inhalt der Flasche verändern." Wonne kurvte seine Lippen. „Dies ist der Macallan Fine and Rare", sagte er fast ehrfürchtig.
„Dumbledore erhielt zwei Kisten des 39er Jahrgangs, als er Grindelwald besiegte", sagte Snape, nahm einen Kelch und hielt ihn zum Eingießen hin.
Malfoy beugte sich nach vorn, um den Gastgeber zu spielen, aber aus irgendeinem Grund konnte Hermione den Blick nicht vom Profil des Schulleiters abwenden. Dabei wurde sie ertappt, als er den Kopf umwandte und ihr direkt in die Augen sah.
„Darf ich … Sie verleiten, Miss Granger?" fragte er seidig, die schwarzen Augen geheimnisvoll.
Überrascht öffneten sich Hermiones Lippen, und sie stieß ein wenig Luft aus; sie fühlte sich seltsam verwirrt. In diesem Moment schien es, als seien sie und Snape alleine im Zimmer, und seine Worte hingen zwischen ihnen wie eine Einladung zu etwas gänzlich anderem als fünfundsechzig Jahre altem Singlemalt. Ihr Herz vollführte etwas Seltsames in ihrer Brust, ihr Atem beschleunigte sich, und ihre Hände schienen nicht zu ihr zu gehören, denn sie kribbelten in verrücktem Verlangen, sie nach ihm auszustrecken.
„Tu es nicht, Granger", sagte Draco fröhlich, und seine vertraute, wenn auch ärgererregende Stimme brachte sie schnell zurück in die Realität. „Du bist so ein Leichtgewicht; ein Schluck von dem Zeug würde dich für vierundzwanzig Stunden außer Gefecht setzen!"
Mit einer riesigen Willensanstrengung löste Hermione ihren Blick von Snapes, und sie tastete blindlings nach ihrem Zauberstab. Sie musste von dieser kleinen Episode unberührt erscheinen – eine Verirrung ihres Geistes, dessen war sie sich sicher, ausgelöst durch nichts als eine Irritation von Nerven durch Stress – und weitermachen, als sei nichts geschehen.
Nichts ist passiert, dachte sie starrsinnig, aber ihre zitternden Finger schienen etwas anderes zu sagen.
„… und Leticia hat einen höchst erfreulichen Zauber kreiert!", sagte Mr Malfoy, als Hermione sich wieder im Griff hatte. Sie schaute auf Professor Mortelle, die sie mit etwas beobachtete, das gefährlich nah an Verständnis war.
„Die Nicht-Reiter, die zu uns vor der Jagd zur Reitstunde kommen, bekommen mehr als nur Anfängerunterricht im Reiten", schwärmte Malfoy begeistert. „Ihnen wird ein Zauber beigebracht, der sie im Sattel halten wird!"
„Das ist es, Granger!", lachte Draco. „Nun musst du die Jagd mitreiten!"
Hermione schluckte. „Ich hatte immer vor, dabei zu sein, Draco", sagte sie. „Aber du weißt, ich mag nicht …"
„Einen Vollblüter zu reiten ist ganz anders als auf einem Thestral zu fliegen", schalt Draco. „Und mit dem Zauber, der dich am Fallen hindert, bist du auf alles vorbereitet!"
Sein strahlendes Lächeln war trügerisch, denn sie sah den teuflischen Glanz in seinen grauen Augen. „Du kannst mich nicht zwingen zu –", setzte sie an, aber irgendwie war der Schulleiter plötzlich an ihrer Seite.
„Exzellent", sagte er mit einer leichten Verbeugung in ihre Richtung. „Lucius und ich erwarten, dass Sie sich unserer Gruppe anschließen, Miss Granger, da die Leitung dieses ganzen Unternehmens zum Jagdherrn und zum Schulleiter gehört, meinen Sie nicht auch?"
Hermione sah hilflos von Snape, dessen Augen kein bisschen weniger schelmisch als Dracos aussahen, zu Mr Malfoy, der ihr mit seinem Glas zuprostete, zu Leticia Mortelle. Die gerissene Professorin lächelte sie freundlich an und sagte mit ihrer kultivierten Stimme, „Dann ist es eine beschlossene Sache, Hermione."
Die Uhr auf dem Kaminsims schlug die volle Stunde. „Wieso ist es schon so spät?", beklagte sich Lucius. „Ich hasse es, mich mit einem guten Glas von Severus' Scotch zu beeilen, besonders, weil er so geizig damit ist." Trotz seiner Worte schluckte er den Rest der Spirituose und erhob sich. „Ich muss los ins Manor, um mich zum Abendessen umzuziehen", informierte niemand Bestimmten. „Ich hoffe, du hast ein besonders leckeres Fest für unsere unermüdlichen Helfer der Regency-Woche bestellt, Schulleiter. Wir haben es verdient, meinst du nicht auch?"
Hermione sah zu, wie Snape Mr Malfoy vom Scheitel seines seidigen blonden Haares bis zu den Spitzen seiner handgemachten italienischen Lederschuhe musterte. „Ja, Lucius; ich kann sehen, dass du dir die Finger wundgearbeitet hast."
„Oh, das würde ich nicht sagen", murmelte Professor Mortelle mit einem koketten Lächeln. „Aber ich muss mich auch entschuldigen. Umziehen zum Abendessen ist … zeitaufwendig."
„Genau, was ich gesagt habe, meine Liebe", sagte Mr Malfoy, hob seinen Stock auf und bot ihr seinen Arm. „Bitte, erlauben Sie mir, Sie zu eskortieren."
Die beiden verließen den Raum, und es schien, als sei ein gut Teil Farbe und Vitalität mit ihnen entschwunden. Hermione wandte sich verbissen wieder ihrem Stapel unfertiger Zeitpläne zu.
„Komm nicht zu spät zum Abendessen, Draco", sagte der Schulleiter, und Hermione sah auf, um trotz seiner Worte diese gefährlichen schwarzen Augen auf sich geheftet zu sehen. „Wenn du dich verspätest, werde ich mir die Mühe machen … zu kommen und dich zu holen."
Und mit einer ironischen Verbeugung zu ihr drehte Snape sich in einem Wirbel von Schwarz um und schritt zur Tür.
„Was ich um seine Präsenz geben würde", sagte Draco bewundernd.
Was ich um … jemanden wie ihn geben würde, dachte Hermione, aber was sie sagte, war, „Am besten beeilen wir uns, Draco, sonst ist keiner von uns beim Abendessen."
Und mit neuer Energie gingen Hermione und Draco an die vorliegende Aufgabe.
