Kapitel 6
Freitag, 2. August 2002
Nach Mitternacht
Auf der Suche nach einer bequemen Position rollte Hermione sich von der Seite auf den Rücken. Sie streckte den Arm nach oben, knuffte ihr Kissen und versuchte, es so in Form zu bringen, dass es ihr behagte. Crookshanks, der sich in seiner Ruhe gestört fühlte, maunzte seinen Ärger und sprang auf den Boden. Seit zehn Uhr hatte sie sich ruhelos herumgewälzt, als sie gleich nach der Begegnung mit dem Schulleiter zu Bett gegangen war. Heute war er so seltsam gewesen – gelegentlich fast komisch – dann wiederum hatte er fast geflirtet. Was um Himmels Willen bedeutete das? Wie sollte sie Snapes Benehmen verstehen? Gütiger Himmel, Voldemort war ein begabter Legilimentiker gewesen, und er hatte Snape nie durchschaut. Wie sollte sie das anstellen?
Am Morgen würden die ersten Gäste eintreffen und erwarten, in eine Welt des Regency einzutauchen. Hermione hatte das letzte Jahr damit zugebracht, selbst als Erste einzutauchen, um auf diesen Tag vorbereitet zu sein – aber hatte sie es gut genug gemacht? Hatte sie die Hauselfen erfolgreich gelehrt, wie sie die Gäste ansprechen und sich benehmen sollten? Würden ihre Helfer ihren Teil dazu beitragen, die Illusion von Regency-Zeiten entstehen zu lassen?
Sie drehte sich wieder auf ihre rechte Seite und starrte mit blickleeren Augen auf die Wand, die sich in Griffweite befand. Ron war bei alldem bei ihr gewesen. Während der Recherchen war er an ihrer Seite gewesen, als sie ihren Vorschlag geschrieben hatte, als sie Meeting um Meeting mit den Eigentümern der Zauberergeschäfte und -unternehmen gehabt hatte, die sie als Sponsoren für das Event zu ködern hoffte –, aber je mehr Zeit vergangen war, desto ungeduldiger war Ron bei alldem geworden. Was sagte dies auf lange Sicht über ihre Partnerschaft aus? Welche Art Partner – Ehemann, flüsterte ihr Kopf – würde er für eine Frau mit ihren Ambitionen abgeben? Sie war entzückt gewesen, auf die Position der Seniorassistentin des Ministers für Spezielle Projekte befördert zu werden; sie war begeistert gewesen, dem Komitee vorzusitzen, um eine Lösung für das Budgetproblem von Hogwarts zu finden. Sie würde jedoch nicht zufrieden damit sein, auf dieser Stelle zu bleiben. Es gab viele, viele Themen, die sie interessierten, und sie wollte sie alle erkunden, bis sie fand, was ihr am meisten lag.
Sie war wirklich nicht daran interessiert, zu heiraten und eine große Familie zu gründen. Gegen die Ehe hatte sie nichts – ihre Eltern waren seit fast dreißig Jahren glücklich verheiratet, nicht wahr? –, und sie hatte keine Einwände gegen ein Kind oder zwei – in ein paar Jahren, nachdem sie Zeit gehabt hatte, ihren optimalen Platz in der magischen Arbeitswelt zu finden, wo sie am meisten Gutes tun konnte. Aber Ron wollte mit dem Kinderkriegen anfangen, sobald sie verheiratet waren, und er war wirklich entsetzt von der Vorstellung, irgendeine Art von Verhütung zu verwenden – niemand in seiner Familie tat das, sagte er. Schließlich war es ein Segen, eine große Familie zu haben – auch das sagte er –, und sie war sich nicht sicher, ob sie dem zustimmte. Was war gut daran, mehr Kinder zu haben, als man ernähren konnte? Erinnerte Ron sich nicht, wie unglücklich er über all die gebrauchten Sachen gewesen war, die er in seinem Leben hatte über sich hatte ergehen lassen müssen?
All diese Punkte hatten sie miteinander erörtert, bis sie völlig entnervt voneinander waren, aber sein jüngstes Benehmen machte ihr jetzt die meisten Sorgen. Er hatte alles rund um die Regency-Woche zu hassen begonnen, und seine Negativität verdarb ihr die Laune – er ruinierte die Woche faktisch für sie, obwohl sie alles in ihrer Macht stehende getan hatte, um sie zu einer erfolgreichen Veranstaltung zu machen, die Spaß machte.
Es ist schrecklich selbstsüchtig von ihm, sagte ihr die unwillkommene Stimme in ihrem Kopf.
Sie wälzte sich auf die andere Seite. Sie wollte das nicht von ihm denken. Es war zu schmerzhaft – zu endgültig –, weil Hermione wusste, dass sie es nie würde ertragen können, ihr Leben mit einem egoistischen Mann zu teilen.
Als das Hämmern begann, war sie gerade eingenickt. Das laute Geräusch ließ sie erschrocken erwachen, und ihr Herz klopfte dabei so fest wie das Geklopfe an ihrer Tür.
„Ermei-nie!"
Sie setzte sich senkrecht im Bett auf. Es war Ron.
„Ermei-nie! Wach auf! Ich muss mit dir reden", schrie er, ehe er wieder mit der Faust gegen ihre Tür zu hämmern begann.
„Ehrlich!", sagte sie laut, stand auf und zog ihren kuscheligen, pinkfarbenen Morgenmantel über das alte, rote Arsenal FC T-Shirt, das sie zum Schlafen trug. „Ich komme!", rief sie.
Ron hörte nicht auf, ihren Namen zu rufen oder gegen ihre Tür zu hämmern, bis sie sie aufsperrte und öffnete, während sie ihre Zähne so fest aufeinanderbiss, dass ihr der Kiefer wehtat.
„Hallo", sagte er und schaffte es, seine Augen auf ihr Gesicht zu konzentrieren. Mit einer Hand tätschelte er ihren Kopf und ergriff mit der anderen ihre Taille, als ob er sie in eine Umarmung ziehen wollte.
Hermione zuckte vor ihm zurück. „Was willst du?"
Er runzelte die Stirn. „Ich will dich sehen – das habe ich verdammt nochmal tagelang nicht getan –, ja, und außerdem will ich mit dir reden."
Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Es scheint, als seist du für beides zu betrunken."
Er grinste sie mit einem Gesichtsausdruck an, der gewinnend sein sollte. „Ich glaube, das kriege ich hin."
Hermione legte eine Hand mitten auf seine Brust, um einem weiteren Versuch zuvorzukommen, ihr Zimmer zu betreten.
„Geh ins Bett, Ronald", sagte sie bestimmt. „Ich bin müde und muss schlafen – und du musst auch schlafen. Wir müssen um sieben Uhr morgen früh aufgestanden und in Kostümen sein, wenn die ersten Gäste zur Frühregistrierung eintreffen. Alles, was du tun musst, ist, auf deinen persönlichen Zeitplan zu sehen und entsprechend zu planen."
Sie versuchte, ihre Tür zu schließen, aber er stellte seinen Fuß mitten in den Weg. „Ja, darüber muss ich mit dir reden." Ein Stirnrunzeln zeigte sich auf seinem sommersprossigen Gesicht, als dächte er sehr angestrengt über das nach, was er sagen wollte.
„Nun?", stupste Hermione ihn. „Heraus damit, was immer es ist."
Er seufzte schwer und gab dabei Gerüche von Whisky und stinkenden Zigarren von sich, wie immer am Pokerabend. Angeekelt schreckte sie zurück.
„Ronald, du stinkst! Geh einfach weg!" Sie trat ihm gegen das Bein, um seinen Fuß von der Türschwelle zu entfernen, aber er stand unbeweglich.
Ohne Acht auf ihre Worte und ihre Taten sagte er, „Ich habe meinen Zeitplan nicht, Baby. Ich … habe ihn verloren."
Hermione schloss die Augen, um bis zehn zu zählen. Sie war so wütend, dass sie Mühe hatte, tief durchzuatmen, was sie versuchte, um nicht aus vollem Hals zu schreien.
„Geh dorthin, wo du ihn zuletzt gesehen hast und versuche Accio", sagte sie, als sie wieder ruhig sprechen konnte. „Wenn du ihn nicht finden kannst, wirst du warten müssen, bis ich Zeit habe, dir einen neuen zu erstellen."
Ron sah sie böse an, als sei sie schwer von Begriff. „Ich habe das verdammte Ding nicht verlegt", informierte er sie. „Ich habe ihn verflucht nochmal verloren, 'Mione."
Sie stampfte mit dem Fuß auf. „Du sprichst wirklich in Rätseln, Ronald!"
„An Snape!", überschrie er sie. „Ich habe ihn beim Kartenspiel an Snape verloren!"
Hermione fühlte sich, als würde ihr Kopf vor schierer Verzweiflung gleich explodieren. „Je mehr du redest, desto weniger Sinn ergibt es, Ronald. Jetzt GEH INS BETT!"
Er ergriff sie an den Oberarmen und hob sie auf die Höhe seiner Augen hoch. „Warum hörst du mir nicht einmal zu?", schrie er. „Ich habe den Zeitplan auf ein Pokerblatt gewettet, und Snape hat ihn von mir gewonnen."
Hermione schaffte es, eine Hand in den Ärmel seines Chudley Cannons T-Shirt zu schieben. Auf der empfindlichen Unterseite seines Unterarms griff sie nach Haut und kniff ihn, so fest sie konnte. Sofort ließ Ron sie fallen.
„Verdammte Hölle!", kreischte er.
Da sie wieder vollständig ihre Arme unter Kontrolle hatte, zog sie ihren Zauberstab und richtete ihn auf ihn. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals so zornig gewesen zu sein seit der Nacht, in der sie Umbridge den Zentauren übergeben hatte. Als sie wieder sprach, war ihre Stimme scharf und tief, und ihr Atem kam in Stößen.
„Stehst du da und erzählst mir, dass du deinen Platz als mein Begleiter bei einem Kartenspiel verwettet hast, und du hast verloren?"
Er schluckte und nickte stumm, und seine blauen Augen huschten zwischen ihrem Gesicht und ihrem Zauberstab hin und her. „Sei nicht sauer", flehte er. „Snape hat mich dazu gebracht."
Sie lachte, ein harscher, bitterer Klang. „Oh, natürlich hat er das, Ronald. Snape würde nichts lieber tun, als mich während einer Woche Regency-Vergnügens überallhin zu begleiten."
„Ich hatte das nicht vor, Baby, ich schwöre es. Es war … es war ein Unfall!" Er breitete die Arme aus und trat einen Schritt näher zu ihr. „Ich rede mit ihm am Morgen und nehme ihn wieder zurück, ich verspreche es dir. Lass uns uns küssen und versöhnen!"
Die Vorstellung, ihn jetzt – jemals wieder, flüsterte ihre innere Stimme – zu küssen, war extrem übelkeitserregend. Sie hatte geglaubt, dass sie und Ron dann, wenn der Spaß bei der Regency-Woche begann, wieder den Weg zu ihrem alten Miteinander finden würden – wie damals, als sie noch begeistert davon war, mit ihm, ihrem hochgewachsenen, gutaussehenden Freund, dem Quidditch-Torhüterchampion, gesehen zu werden, dem hübschere Mädchen als sie nachliefen –, aber in diesem Moment wusste sie, dass so etwas für sie beide nicht denkbar war.
Sie hielt seinen Blick und zog wohlüberlegt den alten, ramponierten keltischen Kreuzring von ihrer linken Hand – den billigen Ring, der er ihr vor zwei Jahren gegeben hatte, um 'den Platz für einen Diamanten freizuhalten', sobald er sich einen leisten konnte –, und sie streckte ihn ihm hin.
„Ich glaube, wir sind getrennt glücklicher", sagte sie ruhig.
Ron sah aus, als hätte er einen Klatscher in den Bauch bekommen. Seine Augen traten aus den Höhlen und sein Mund stand offen – nicht sein vorteilhaftestes Aussehen. Hermione trat näher zu ihm und bot ihm den Ring.
„Nimm ihn, Ronald, und geh zu Bett. Ich bin fertig mit dir."
Ron stand noch einen Moment still und schloss langsam den Mund, während seine Ohren erst rosa, dann rot anliefen. Seine Hand schoss nach vorn, schlug ihren Arm von sich weg und ließ den Ring klappernd auf den Steinboden fallen. „Benimm dich nicht wie ein dummes Weibsstück!", schrie er.
Plötzlich ging Hermione das Temperament durch, wie ein Stern zur Supernova explodiert, ein Zauber flog aus ihrem Zauberstab und weißes Licht traf seinen Arm.
„Wage dich nicht, mich zu beschimpfen!", kreischte sie. „Verschwinde aus meinem Zimmer, bevor ich einen Troll rufe, um dich rauszuwerfen!"
Beim ersten Laut von Hermiones kreischender Stimme preschte Crookshanks unter dem Bett hervor, als habe ihn eine Kanone abgeschossen, zischte zwischen Rons Beinen durch und aus dem Zimmer.
Ron rieb den schmerzenden Fleck auf seiner Schulter, wo ihn der Stachelzauber getroffen hatte. „Du bist genau wie Snape", fauchte er sie an. „Ihr beide seid füreinander geschaffen! Ich hoffe, du hast viel Spaß mit dem hässlichen Idioten!"
Er ging rückwärts, als fürchte er sich davor, ihr den Rücken zuzuwenden, und Hermione bückte sich, um den Ring aufzuheben, und rannte hinter ihm her. „Vergiss den nicht!", rief sie, warf ihn nach ihm und freute sich, als sie damit seine Wange traf, wo er abprallte und gegen die Wand hinter Ron flog. „GEH WEG!"
Er machte eine unfeine Geste. „Ich hätte dich schon vor Monaten fallenlassen sollen! Seit du angefangen hast, die ganze Zeit hier herumzuhängen und an deiner kostbaren Regency-Woche zu arbeiten, warst du keine richtige Freundin mehr! Du hast mich nicht einmal mehr geküsst, geschweige denn mit mir Sex gehabt – und du warst nie gut darin!"
Hermione fühlte, wie ihr die Vernunft entglitt. „Oppugno!", schrie sie.
Aber Ron war mit diesem Zauber zu vertraut, um noch länger zu bleiben. Er wandte sich so schnell herum, dass er taumelte, weil er viel zu betrunken war, um sicher auf seinen Füßen zu sein, und torkelte in Richtung seines Zimmers den Flur entlang, sein Gang in etwa zwischen Rennen und Schwanken, und er ruderte wild mit den Armen, um seine Angreifer abzuwehren. Der Schwarm fetter, gelber Vögel verfolgte ihn wie verrückt, und sie krallten und hackten nach jedem Zentimeter entblößten Fleisches, den sie erreichen konnten. Er sah so lächerlich aus, dass Hermione laut lachte, ein bitteres, schadenfrohes Lachen. Sie sah zu, bis Rons Tür mit einem Krachen zufiel.
~oo0oo~
Hermione sah sich nach ihrer Katze um. Der Korridor war nicht lang. Entlang des Flures, an dessen Ende sich eine Mauer befand, lagen drei Räume; Hermiones war das dritte Zimmer. Sie ging den Durchgang zu einem größeren Korridor hinunter, aber Crookshanks sah sie nicht. Die Feuerschalen an den Wänden warfen seltsame Schatten auf die Mauern, als sie vorbeiging; sie war jedoch nicht in fantasievoller Stimmung, und die seltsamen Formen ängstigten sie nicht.
Sie machte den schmatzenden Laut, den sie benutzte, wenn sie ihn zum Füttern rief. „Crookshanks!", rief sie leise und dachte plötzlich an die Bewohner der benachbarten Räume, was sie nicht getan hatte, während sie sich mit Ron stritt. „Komm, Crooks!"
Aber das flache Gesicht ihres großen, orangefarbenen Katers erschien nicht in der Dunkelheit. Dann schritt sie zum hinteren Ende des Ganges, aber alles, was sie fand, war eine angelehnte Tür. Diese Tür war nie zuvor offen gewesen – tatsächlich hatte sie gedacht, dass dort nur eine Wand war –, daher war sie sich sicher, dass niemand dort drinnen schlief –, aber was, wenn sie sich irrte und in jemandes Schlafzimmer spazierte? Wäre das nicht peinlich?
„Crooks?", rief sie außerhalb der leicht offenstehenden Tür, die gerade genügend weit geöffnet war, um einer buschigen Katze Durchgang zu gestatten. Aber Crookshanks kam nicht.
Sie gab auf und drehte sich in Richtung ihres Zimmers um. Sie sollte wieder zu Bett gehen und schlafen, wenn sie konnte. Sie hatte nicht den Wunsch, zahlende Gäste am Morgen mit ihrem abgespannten Anblick zu erschrecken. Sie überlegte, ihre Tür einen Spaltbreit offen zu lassen, damit Crooks hereinkonnte, wenn er zurückkam, aber was war, wenn Ron beschloss, dass er noch mehr zu sagen hatte, und zurückkam? Sie wollte nicht, dass er hineinkommen konnte. Also klinkte sie die Tür fest zu, dann schloss sie ab und warf obendrein noch einen Schutzzauber.
Erst, als sie wieder in der anonymen Dunkelheit unter der Decke lag, gestattete sie sich selbst zu weinen.
~oo0oo~
Der Schulleiter saß in seinem Lieblingssessel und erwiderte den gelbäugigen Blick einer fantastisch hässlichen Katze, die aufmerksam und mit zuckendem Schwanz im zweiten Sessel ihm direkt gegenübersaß.
„Sieh mich nicht an", sagte er zu der Katze und nahm einen weiteren Schluck des medizinischen Weinbrands in seinem Glas. „Ich habe dich hier nicht hereingebeten, ich wollte nur die Show verfolgen. Schade, dass es so schnell vorbei war, aber er ist ihr nicht gewachsen, weißt du."
Die orangefarbene Katze streckte sich auf dem Sessel aus, als mache sie ein großes Zugeständnis, und sie ließ das Gesicht des Schulleiters kein einziges Mal aus den Augen.
„Das ist richtig", stimmte der Schulleiter zu und schlug unter seinem Morgenmantel lässig ein langes Bein über das andere. „Halte mich im Auge, dann kann ich dir nichts tun."
Das Zimmer, in dem er mit seinem Besucher saß, war selbst für Hogwartsmaßstäbe groß, denn es war das Schlafzimmer des Schulleiters. Angrenzend an das Direktorenbüro war es Teil einer Suite von Räumen, die der Schulleitung zur Verfügung standen. Lehrer – selbst Schulleiter – verdienten keine großen Mengen Gold bei ihrer Arbeit, und der Schulbeirat war sorgsam darauf bedacht, die Lehrer auf andere Weise zu entschädigen – durch Dinge, die sie kein Geld kosteten. Das Schlafzimmer des Schulleiters betrat man durch eine Tür aus dem Büro. Beim Eintritt war man von der Größe des massiven Vierpfosterbetts beeindruckt, das auf einem erhabenen Sockel in der Mitte des Raumes stand. Die Pfosten waren in Form der Wappentiere der vier Häuser geschnitzt, und der hölzerne Rahmen, der die vier geschnitzten Pfosten miteinander verband, trug einen Behang aus schwerem, fließendem Stoff. In Dumbledores Tagen war der Stoff purpurfarben gewesen, aber Severus hatte stattdessen einen dunkleren Ton, die tiefblaue Farbe des Mitternachtshimmels gewählt. Türen an der linken Seite führten in sein Ankleidezimmer und in sein Bad, das so opulent war, dass es das Präfektenbad langweilig erscheinen ließ. Auf der rechten Seite befand sich sein Wohnbereich; Sessel und ein Sofa waren um den Kamin gruppiert. Die Polster bestanden aus einem ziemlich alten Chintz: ein blassgelber Hintergrund, bedeckt mit Mohnblumen, abscheulich, aber zweckdienlich, und Severus war nicht willens, sie zu ersetzen.
An der Wand mit dem Kamin befand sich eine Tür, die in einen wenig genutzten Korridor in der Nähe der Räumlichkeiten der Lehrer führte. Die Tür wurde nie benutzt – tatsächlich hatte Dumbledore dort einen verzierten Servierwagen für Getränke stehen, als ob er Teil der Wand sei –, aber Severus zog es vor, den Wagen näher in Reichweite zu haben. Auf der anderen Seite dieser Wand lag außerdem das Gästezimmer, das dem Grangermädchen zugeteilt worden war. Er hatte mit der Zuteilung der Zimmer nichts zu tun; und Granger kannte sicher nicht die Lage der Räume des Schulleiters.
Er hatte in seinen Sessel gesessen und vor dem Zubettgehen einen Schluck Weinbrand genossen, als er erhobene Stimmen gehört hatte. Ah, Weasley rechtfertigte sich vor seiner Freundin – auf welche bessere Unterhaltung konnte man hoffen? Er war zur Tür geschlichen und hatte sie geöffnet, um besser hören zu können. Dabei hatte er nicht damit gerechnet, dass das räudige Haustier des Mädchens in sein Zimmer flitzen würde, als seien Höllenhunde hinter ihm her. Zu dem Zeitpunkt waren die Streithähne im Flur gewesen und hatten einander angeschrien, und er wagte es nicht, sich zu bewegen, um die Tür zu schließen. Als das Mädchen außerhalb seiner Schlafzimmertür stand und ihr flachgesichtiges Katzentier zurücklocken wollte, hielt er einen unbehaglichen Moment lang die Luft an, aber zu seiner enormen Erleichterung hatte Granger aufgegeben und war wie eine vernünftige Frau zu Bett gegangen.
Er grinste. Wäre es ihr nicht peinlich gewesen, wenn sie ihm in seinem Morgenmantel über den Weg gelaufen wäre? Im Sommer zog er es vor, in Unterwäsche zu schlafen, in Unterhemd und Boxershorts, und sie wäre mit dem Anblick seiner nackten Beine und Füße konfrontiert worden. Sie wäre super verblüfft gewesen, dachte er. Natürlich hätte er seinen Besitz von Weasleys persönlichem Zeitplan mit ihr diskutieren können – warte, sie wäre ebenfalls im Nachtgewand gewesen, oder? Vielleicht ein hauchdünnes, schwarzes Negligé, mit Federn besetzte Pantöffelchen an ihren manikürten Füßen … oder ein gerüschtes rosa Babydoll-Nachthemd, ihre glatten Beine und ihre Füße nackt … mit ihrer kurvenreichen Figur wäre sie ein Leckerbissen in Dessous …
In diesen unterhaltsamen Gedanken schwelgte er, bis sein Weinbrand ausgetrunken war, dann erhob er sich.
„Es ist Zeit, dass du gehst", informierte er die Katze.
Die Kreatur, die eingeschlafen war, öffnete ihre lampenartigen Augen und blinzelte als einzige Reaktion.
„Husch", sagte Severus. „Ich werde diese Tür schließen, und ich lasse mich nicht von dir wecken, um dich rauszulassen."
Das Katzentier schloss seine Augen wieder, als ob Severus mit jemand anderem spräche.
„Sture Katze", sagte er und ging zur Tür hinüber. „Wenn du mich beim Schlafen störst …"
Aber die Katze senkte ihren runden Kopf auf ihre Pfoten und schnurrte so laut, dass Severus es von dort hören konnte, wo er stand.
Leider konnte er auch das leise Weinen hören, das aus dem Nachbarzimmer kam. Er stand bei der Tür und beugte sich herab, bis seine Stirn gegen den steinernen Türsturz drückte, und starrte hilflos auf den Boden, während er die Tränen des Mädchens ertrug, bis nichts als Stille mehr aus ihrem Zimmer drang. Er richtete sich auf, die Gedanken weit weg, und als er sich bewegte, sah er ein Blitzen von Metall.
Er öffnete die Tür ganz, trat in den Korridor und hob den billigen, angelaufenen Ring auf, den das Mädchen auf ihren entlassenen Verehrer geworfen hatte. Dann trat er zurück in sein Schlafzimmer und ging zu der hohen Kommode, auf der er den Inhalt seiner Taschen ablegte, wenn er sich am Ende des Tages auskleidete. Mitten darauf befand sich ein mit Kalligraphie bedecktes Pergament, und auf dem Pergament lag ein Damentaschentuch. Er deponierte den Ring auf dem leinenen Quadrat und schloss die Augen.
Was zum Teufel dachte er sich? Wusste er eigentlich, was er tat? Er schlug dem Frager in seinem Kopf die Tür vor der Nase zu, und seine Lippen verzogen sich mit einem höhnischen Knurren.
„Scheiße", fluchte er und stapfte davon ins Bett.
~oo0oo~
Anmerkung der Autorin:
Hier findet Ihr den Ring, den Hermione nach Ron geworfen hat:
herpie-houseelf dot livejournal dot com / 1304 dot html
