Kapitel 7
Freitag, 2. August, 2002
Vor dem Frühstück
Hermione rannte leichtfüßig die Haupttreppe zur Eingangshalle hinunter. Ihre Helfer hatten gute Arbeit geleistet und zur Ära passende Gemälde, hier und da ein Tischchen und Blumen platziert, als sei dies das Foyer des Landsitzes eines Gentleman aus der Regency-Zeit. Neben einem der verzierten Tische hing ein enormer, mannshoher Spiegel in einem vergoldeten Rahmen. Der Spiegel war Parkinsons Idee gewesen, und Hermione musste zugeben, dass sie gut war. Ihre Gäste würden Regency-Kostüme tragen, völlig ungewohnte Kleidungsstücke, und sie würden neugierig sein, wie sie aussahen – natürlich besonders die Hexen, aber selbst Zauberer waren von einiger Eitelkeit besessen. Lucius Malfoy war bekannt dafür, dass er eine geschlagene Viertelstunde damit verbrachte, sein Aussehen aus jedem möglichen Blickwinkel zu überprüfen. Jetzt hielt sie vor dem Spiegel inne, um sich selbst zu inspizieren.
Sie hatte verschiedene Regency-Frisuren geübt, die sie aus Büchern in Muggel- und Zaubererbibliotheken zusammengestellt hatte. Sie fand es amüsant, wie sehr die Moden beider Gruppen einander im frühen neunzehnten Jahrhundert geähnelt hatten. Wann hatten sie sich auseinanderentwickelt? Warum hatten die Zauberer beschlossen, ihren altmodischen Kleidungsstil beizubehalten?
Letztlich hatte sie sich für zwei Frisuren entschieden, eine für tagsüber und eine weitere zur Abendkleidung. Jetzt trug sie ihr Haar direkt unter der Scheitellinie zu einem hochgesetzten Knoten geschlungen und mit einem Zopf umwunden, der gerade lang genug war, um einmal um den Knoten herumzureichen. Das Haar, das zu kurz war, um sich einfrisieren zu lassen, zierte in feinen, Korkenzieherlöckchen ihren Nacken, ihre Wangen und ihre Stirn. Ihr Make-up war minimal, da die Damen der Zeit wenig davon getragen hatten; glänzende Farbe auf ihren Lippen und Mascara auf den Wimpern waren alles, was sie sich zugestand. Um den Hals trug sie ein einfaches Medaillon an einem Samtband. Ihr Tageskleid war passend, um darin Gäste zu empfangen oder über die Ländereien zu spazieren. Es war aus gemustertem Musselin mit blass-rosa Blüten auf weißem Grund. Der Rock war nahe dem Saum mit drei Reihen rosafarbener Rüschen verziert, und der runde Ausschnitt wurde von einem duftigen weißen Schultertuch ergänzt, um züchtig ihr Dekolleté zu bedecken. Sie besaß eine hübsche blassrosa Pelisse, die sie über dem Kleid tragen konnte, wenn sie ins Freie ging, und sie konnte es kaum erwarten, sie zusammen mit dem dazu passenden, schlichten Schutenhut auszuprobieren.
Zufrieden mit ihrer Erscheinung sah sie zu den Registriertischen hinüber, wo Parkinson, Lavender und Parvati saßen und darauf warteten, Gästen bei der Registrierung für die Veranstaltung behilflich zu sein. Jede der jungen Frauen war korrekt im Stil der Zeit gekleidet. Sie würden den Gästen ihre Päckchen aushändigen, die deren persönliche Zeitpläne, detaillierte Aufstellungen ihrer Kostüme und den Lageplan ihrer Zimmer enthielten.
Die Gäste würden in die Große Halle zum Frühstück geleitet; danach verbrachten sie den Großteil des Vormittags bei Madam Malkin und ihren Schneidern, damit ihre Kostüme angepasst wurden. Am Nachmittag stand ein Picknick am See auf dem Programm, gefolgt von Spielen im Freien und Spaziergängen im Labyrinth.
Hermione fühlte einen Stich von Bedauern. Ron hätte bei allen Festlichkeiten an ihrer Seite sein sollen, und sie hatte oft davon taggeträumt, wie viel Spaß dies machen – wie romantisch! es sein würde. Aber Ron hatte ein für alle Mal bewiesen, wie wenig sie ihm bedeutete – denn wenn er sie liebte, würde er auch ihre Projekte lieben, oder? –, und daher würde sie während des Events alleine sein. Sie erwartete nicht, dass Snape tatsächlich Rons Zeitplan übernähme – er hatte von Anfang an klargemacht, dass er nur das Notwendigste beitrüge, was von ihm verlangt wurde, damit die Veranstaltung funktionierte –, aber sie war entschlossen, den Gästen ein glückliches Gesicht zu zeigen. Sie zahlten für das Regency-Erlebnis, und sie war fest entschlossen, ihnen dies zu liefern.
Letztlich war der Sinn all dessen, Hogwarts zu unterstützen, und für ihre Schule würde sie alles tun – sie hatte einige ihrer glücklichsten Zeiten dort verbracht. Hatte sie nicht Harry und Ron in Hogwarts kennengelernt? Und war von einem dreiköpfigen Hund bedroht, von einem Basilisken versteinert, von einem Werwolf gejagt, von einem Quidditchspieler aus Durmstrang betatscht, von zornigen Zentauren bedroht worden, hatte sich um Professor Flitwick gekümmert, als er von Professor Snape auf dem Weg, Dumbledore zu töten, geschockt worden war, und gegen Voldemorts eindringende Todesser um ihr Leben gekämpft?
Warte … war sie jemals in Hogwarts glücklich gewesen?
„Guten Morgen, Hermione!"
Sie wandte sich von ihren Erinnerungen ab, um Penny Clearwater herankommen zu sehen, golden und lieblich in Himmelblau. „Wie hübsch du aussiehst!", rief Hermione aus.
Penny lachte, aber sie sah erfreut aus. „Du siehst auch hübsch aus!", stellte sie fest, aber Hermione wusste es besser. Sie konnte Penny oder Lavender oder den Patilschwestern das Wasser nicht reichen, wenn es um physische Schönheit ging.
Penny sah auf die kleine Taschenuhr, die wie eine Brosche an ihr Mieder gesteckt war. „Es ist sieben Uhr!", sagte sie aufgeregt. „Die Ersten werden jeden Moment eintreffen!"
Arm in Arm wie Freundinnen aus der Regency-Ära gingen die Mädchen zu den Vordertüren des Schlosses hinaus, um die von Pferden gezogenen Wagen zu erwarten, die ihre Gäste aus Hogsmeade herbringen würden. Eine Sonderfahrt des Hogwarts-Expresses brachte einige von ihnen, andere konnten via Flohnetzwerk zu den Drei Besen reisen oder dorthin apparieren, um in einem der Wagen herzufahren. Hermione war entschlossen, dass ihr Regency-Erlebnis in dem Moment begann, wenn sie in Hogsmeade ankamen, weshalb sie auf Pferden statt Thestralen bestanden hatte, um die Wagen zu ziehen.
Hagrid hatte ihr gegenüber die Stirn gerunzelt. „Natürlich kann ich den Pferden den Weg aus dem Dorf zum Schloss beibringen – aber, 'Ermione, Zauberer und Hexen aus dieser Zeit wussten auch alles über Thestrale! Sie wären genauso authentisch wie Pferde!"
Hermione war unnachgiebig geblieben. „Niemand in einem Jane-Austen-Roman ist jemals in einem von Thestralen gezogenen Wagen gereist!", stellte sie fest.
Hagrid hatte sich mit Würde geschlagen gegeben. „Wenn du meinst", stimmte er zu.
Jetzt rumpelte der erste Wagen von den Toren mit den geflügelten Ebern herauf, in ihm zwei Paare mittleren Alters, die Hermione nicht kannte. Aufgeregt drückte Penny ihre Hand; dann entstiegen die Paare dem Wagen, und Penny und Hermione knicksten gleichzeitig und brachten die Fremden dazu, sie gespannt anzuschauen.
„Willkommen auf Schloss Hogwarts", sagte Hermione und lächelte ein Willkommen. „Bitte kommen Sie herein – die Bediensteten bringen Ihr Gepäck. Wir freuen uns so, dass Sie gekommen sind!"
Und sie ging nach drinnen voraus und überließ es Penny, den nächsten Wagen zu begrüßen.
~oo0oo~
Harry zupfte an der Krawatte, einem etwa dreißig Zentimeter breiten, monströsen weißen Schal, der gefaltet und um seinen Hals gewickelt war – ein qualvoller Prozess, für den Hermione glücklicherweise einen Zauber entwickelt hatte. Die Spitzen seines Hemdkragens ragten steif um sein Kinn empor. Seine Weste war cremefarben mit babyblauen Streifen. Sein dunkelblauer Rock saß so eng, dass er fünf Minuten gebraucht hatte, um sich hineinzuschlängeln, und die blass gelbbraunen Pantalons glichen eher Strumpfhosen als Hosen – falls er irgendwelche ungeplanten Reaktionen südlich der Gürtellinie hatte, würde er vor keinem Beobachter mehr Geheimnisse haben.
Er liebte Hermione wie eine Schwester, und Hogwarts war das erste Zuhause, das er je gekannt hatte, aber wenn er realisiert hätte, welch eine Geduldsprobe die Regency-Woche sein würde, hätte er sich nie bereit erklärt, daran teilzunehmen. Und heute kamen die ersten Gäste, und er musste die nächsten zehn Tage durchstehen, in denen ihn Leute umgaben, die ihn bewunderten und kennenlernen wollten. Zehn Tage! Weshalb nannte sie es eine Woche, von der sogar ein Troll wusste, dass sie sieben Tage dauerte, wenn sie 'Frühregistrierung' zuließ, die das Ganze auf zehn Tage verlängerte?
Er steckte die Taschenuhr in die Uhrentasche an seiner Weste, aber verdammt wollte er sein, wenn er sich das Monokel um den Hals hängte – es sah wie der hässliche, alte Schmuck aus, den Dudleys Tante Marge immer trug.
Als er vollständig ausstaffiert war, fühlte er sich, als brauche er wieder ein Bad. Wie zum Teufel konnten diese Regency-Kerle es aushalten, im Sommer all diese Kleidungsstücke zu tragen? Sie waren erstickend! Er blickte auf die Uhr auf dem Kaminsims. Er hatte keine Zeit mehr, weiter Aufhebens zu machen; das Frühstück wurde in der Großen Halle serviert, und Hermione wollte, dass er dort war, um die ersten Ankömmlinge zu begrüßen. Offensichtlich war das Versprechen seiner Anwesenheit eines der Verkaufsargumente für den ziemlich unverschämten Preis, den Hermione den Leuten für die Teilnahme an dem Event in Rechnung stellte.
Ein letztes Mal starrte er auf sein Spiegelbild, und ihm graute vor der Idee, jede Minute eines jeden Tages der 'öffentliche Harry' zu sein, bis dieses Ding beendet war. Warum hatte Ginny nicht ein letztes Mal als seine Begleiterin kommen können – um der alten Zeiten willen? Ohne seine 'Freundin' an seinem Arm würden ihm Mädchen nachlaufen und mit ihm flirten, an denen er kein Interesse hatte. Er wusste, dass Ginny in den Torhüter der Kenmare Kestrels verliebt war – einen anständigen Kerl namens Kevin Kerwin –, aber Ginny wusste sehr genau, wo seine Neigungen lagen. Nicht, dass sie wirklich öffentlich bekannt waren. Scheiß drauf, er war überhaupt nicht öffentlich. Seine Liaisons waren verstohlen und von kurzer Dauer gewesen, und er schätzte einfach nicht die Idee, dass seine Vorlieben Futter für die Mühlen des Propheten und für Rita Skeeters wöchentliches Schmierblatt Probe! Magazine wurden.
Nur daran zu denken, erschöpfte ihn.
Resolut ging er zum Zimmer nebenan und klopfte. „Ron! Bist du angezogen?"
Der einzige Laut, der aus Rons Zimmer kam, war röchelndes Schnarchen.
Er klopfte fester. „Ron! Wach auf!"
Keine Antwort. Harry betrachtete die Tür und zog Alohomora in Erwägung.
„Denkst du darüber nach, Einbruch in dein Repertoire aufzunehmen?"
Harry drehte den Kopf, um den Korridor hinunterzuschauen, die Lippen verärgert zusammengepresst. Draco Malfoy lehnte im Eingang zum Korridor und hatte einen gestiefelten Fuß nachlässig über den anderen gekreuzt. Dabei wirbelte er ein Monokel an dessen Band herum, als hätte er sein ganzes Leben lang schon eines getragen. Weit entfernt davon, unbehaglich oder fehl am Platz auszusehen – beides Gefühle, die Harry mit den Regency-Kostümen erfahren hatte, – sah Malfoy völlig entspannt aus.
Und fein. Der nervige Idiot war dazu geboren, hautenge Kleidung zu tragen und gut damit auszusehen.
„Hast du dich verlaufen, Frettchen?", fragte Harry. „Dies ist nicht der Teil des Schlosses für zahlende Gäste."
Malfoy zuckte mit den Schultern. „Ich bin gekommen, um zu sehen, ob Hermione mich für irgendetwas braucht."
Harry drehte sich von der Tür weg, Ron vergessen, und ging zu Malfoy hinüber mit dem Wunsch, groß genug zu sein, um über ihm aufzuragen in der Art und Weise, wie es Severus mit Leuten machte. Aus irgendeinem Grund hegte Harry den Wunsch, das Frettchen sich ducken zu sehen.
„Hermione ist praktisch seit Tagesanbruch unten", sagte er. „Außerdem bin ich sicher, dass Ron es nicht schätzen würde, wenn du zum Schlafzimmer seiner Freundin kommst."
Malfoy lachte, seine grauen Augen so fahl wie winterliches Eis. „Oh, ich glaube nicht, dass das Wiesel meinetwegen besorgt ist, Narbengesicht – nicht mehr, als er es deinetwegen wäre, oder?"
Harry ging bei Malfoys Andeutung hoch. Der ehemalige Slytherin war ihm immer ein Rätsel gewesen. Aber Malfoy war beinahe so vorsichtig wie Harry, die Zaubererpresse aus seinen persönlichen Beziehungen herauszuhalten. Der einzige Mensch, den Harry im letzten Jahr oder so im Zusammenhang mit Dracos Namen gesehen hatte, war Blaise Zabini, und Malfoy war mit Zabini seit der Schulzeit befreundet, genau wie Harry und Ron es waren. Mit seinen Klassenkameraden Zeit zu verbringen, hatte keinerlei Bedeutung in Sachen Beziehungen …, aber das bedeutete nicht, dass er nicht Malfoy damit ärgern konnte.
„Wo ist dein Freund eigentlich?", fragte Harry mit unschuldig großen Augen, obwohl er bereits wusste, dass Zabini seine Pläne gecancelt hatte, an der Regency-Woche teilzunehmen.
Das Lachen auf Malfoys Gesicht erstarb, und seine Augen wurden dunkler, wie Sturmwolken, die sich am Horizont sammelten. „Du solltest dich um deine eigenen Angelegenheiten kümmern, Potter." Malfoy stieß sich von der Wand ab, und sein Mund verzog sich zu einem schmollenden Grinsen. „Ich gehe zum Frühstück hinunter. Und schau nicht auf meinen Hintern, wenn ich weggehe!"
Harry zwang sich zu einem Lächeln. „Wackle nicht herum wie ein Mädchen", riet er.
Das Frettchen mochte nicht wie ein Mädchen mit dem Hintern wackeln, aber er stolzierte wie eines, überlegte Harry, als er Malfoy weggehen sah.
~oo0oo~
Hermione stand in der Nähe der Tür zur Großen Halle und wartete darauf, dass die letzten Gäste eintrafen. Inzwischen saßen fünfzehn von ihnen um zwei große, runde Tische verteilt und frühstückten. Die Gäste, unter denen sich Molly und Arthur Weasley befanden, deren Ferien George bezahlt hatte, und Fortescue und Amaryllis Parkinson, Pansys Eltern, trugen noch ihre eigene Kleidung, aber Hermiones Helfer waren kostümiert und zwischen den frühstückenden Besuchern verteilt, lieferten sie Farbe und Kontext zum Regency-Thema. Harry lachte mit Molly und Arthur und zog die Blicke seiner Tischgenossen auf sich, von denen er den meisten erstmals an diesem Morgen begegnet war, während Luna Lovegood, die authentisch in einfachem, osterglockengelbem Musselin gekleidet war, sich mit den Speisenden am zweiten Tisch unterhielt. Zuerst schienen die Parkinsons von Luna ein wenig verschreckt gewesen zu sein, aber sobald Draco sich an den Tisch gesetzt hatte, der prächtig in seiner Regency-Kleidung aussah, hatten sie einen zufriedenen Eindruck gemacht.
Penny Clearwater wartete noch immer außerhalb des Schlosses auf den letzten Wagen – sie erwarteten siebzehn Personen für die Frühregistrierungsgruppe, da Zabini jetzt gecancelt hatte –, und die Mädchen am Registrierungstisch wurden unruhig. Hermione schaute auf die Uhr. Es war jetzt eine Stunde später als die erwartete Ankunftszeit der Gäste; etwas musste die Ankunft von Finbar Quigley und seinem Partner, dessen Name ihnen nicht genannt worden war, verzögert haben. Hermione machte sich eine geistige Notiz, den Namen der zweiten Person festzustellen, um ihn auf dem persönlichen Zeitplan zu ergänzen, den sie vorbereitet hatte.
Der Gedanke an den Zeitplan ließ sie sich auf die Lippe beißen. Nein, sie würde nicht anfangen, sich traurig zu fühlen und wegen Ron in Selbstmitleid versinken – nicht jetzt, wenn sie die Gäste willkommen heißen und hereinbitten musste. Snape würde niemals wirklich Rons Zeitplan verwenden – gewissermaßen an Rons Stelle treten – wollen, er konnte sie kaum ertragen und hatte kein Interesse daran, an all den Aktivitäten teilzunehmen. Wenn man ihn reden hörte, dachte man, er habe sogar in den Sommerferien Unmengen Arbeit zu erledigen, obwohl seltsamerweise sein Schreibtisch jedes Mal leer gewesen war, wenn Hermione in Snapes Büro gewesen war.
Entschlossen richtete sie ihr Augenmerk wieder auf das aktuelle Problem. Da Ginny es abgelehnt hatte, weiter so zu tun, als sei sie Harrys Freundin, war Harry ebenfalls ohne Partner. Er konnte einspringen und Rons Stelle als ihre Eskorte einnehmen. Das würde für sie beide funktionieren.
Mit einem entschiedenen Nicken signalisierte sie Parkinson und ihren Kolleginnen, sich den frühstückenden Gästen anzuschließen. Es war sinnlos, sie am Registriertisch sitzen zu lassen; sobald die Nachzügler auftauchten, konnten Hermione oder Penny sich um sie kümmern.
Parkinson, Lavender und Parvati freuten sich, entlassen zu werden, und Hermione bewunderte das liebliche Bild, das sie in ihren Kostümen abgaben, während sie in die Große Halle eilten. Dann ging sie die Eingangstüren hinaus, um Penny hereinzuholen.
~oo0oo~
Severus stand auf dem Treppenabsatz der zweiten Etage und sah über die steinerne Balustrade auf Granger, die an der Tür zur Großen Halle wie eine Regency-Gastgeberin stand und wartete, um einen verspäteten Gast zu begrüßen. Sie war in jedem Detail präzise, vom Zähmen ihrer buschigen Mähne zu einer sorgfältigen Haartracht bis zu den rosa Ziegenlederschuhen an ihren Füßen. Es war eine Schande, überlegte er, dass sie das Leinentüchlein vorn in ihr Kleid stecken und ihr Dekolleté verbergen musste, aber zweifellos würde es zu sehen sein, wenn sie sich am Abend zum Diner kleidete. Sie mochte ihn für gleichgültig gegenüber dieser ganzen Affäre halten, aber in Wahrheit hatte er alles Material sorgfältig studiert, das sie ihm dagelassen hatte, und außerdem noch ein paar eigene Untersuchungen angestellt.
In der Kleidung der Periode fühlte er sich lächerlich, aber er hatte Potter und Draco entdeckt, als sie auf einem der Korridore im achten Stock miteinander gesprochen hatten, und er sah kostümiert nicht schlechter als die beiden aus. Er war es nicht gewohnt, blaue Röcke und gelbe Hosen zu tragen – die Regency-Männer mussten ein Haufen angeberischer Idioten gewesen sein! –, aber er wusste von dem, was er gelesen hatte, dass Granger die Kleidung korrekt ausgesucht hatte, daher würde er die Zähne zusammenbeißen und die Sachen tragen … für Hogwarts.
Während er sie beobachtete, sah sie über die Schulter und ermöglichte ihm einen guten Blick auf ihr Profil, und einen Augenblick lang schlossen sich ihre Augen, und sie biss sich auf die Lippe. Nicht, dass er ihr das verübeln konnte; auch er würde auf diese volle, leicht schmollende Unterlippe beißen, bekäme er den Hauch einer Chance dazu.
Nein! Nein, er würde nicht auf diese Weise an sie denken, als sei sie eine Fremde, mit der er niemals spräche. Diese Gewohnheit hatte er angenommen, denn als er zum ersten Mal ihr Hinterteil und das Schwingen ihrer Hüften gesehen hatte, war ihm ihre Identität nicht klar gewesen, und die Anziehungskraft ihres Körpers ging seinem Wissen ihres Namens voraus. Aber das musste aufhören; seine ungewollte Faszination für ihre Reize brachte ihn dazu, Dinge zu ihr zu sagen, die völlig unangemessen waren. Er hatte kein Recht, sie zu necken oder sie gar zu verspotten – und es spielte keine Rolle, wie entzückend sie errötete, wenn er sie durcheinanderbrachte. Die Regency-Woche war eine ernsthafte Angelegenheit, und er würde sie – und das Mädchen – entsprechend handhaben.
Denn wenn diese Farce – nein, dieses Projekt – erfolgreich verliefe, dann wäre das Defizit im Schulbudget ausgeglichen, und das Mädchen würde aus Hogwarts verschwinden. Er würde sie nicht mehr sehen oder wieder mit ihr umgehen müssen – nicht regelmäßig.
Und das wäre das Beste für alle.
Sie huschte ans Ende der Eingangshalle und gab den Mädchen ein Zeichen, in die Große Halle zu gehen; dann schritt sie durch die Eingangstür und kam kurz darauf mit Miss Clearwater zurück. Severus trat schnell zurück, um nicht gesehen zu werden. Penelope Clearwater war immer eine gute Schülerin gewesen, eine herausragende Vertrauensschülerin, und ein Schulmädchen mit gesundem Menschenverstand, wie ihr Interesse an Percy Weasley gezeigt hatte, einem weiteren ernsthaften Schüler. Jedoch war ihre plötzliche, grundlose Anziehung zu ihm, Severus, beängstigend.
Was er brauchte, war ein Ablenkungsmanöver – jemand, an der er Interesse bekunden konnte, die Clearwater daran hindern würde, ihm nachzustellen.
Wieder spähte er über die Balustrade, und Clearwater war weg, aber Granger stand immer noch im Eingang der Großen Halle, als zögere sie hineinzugehen. Das Stück Pergament, das Ronald Weasleys Namen trug – der persönliche Zeitplan des Jungen für die Regency-Woche – ruhte in der Innentasche des lächerlich engen Rocks, den Severus trug, und mit einem Schlag erinnerte er sich daran. Hätte er Weasley am Abend zuvor nicht angestachelt, wäre der rotschöpfige Welpe gerade jetzt an Grangers Seite als ihr Begleiter beim Frühstück. Als er den Zeitplan als Wetteinsatz akzeptiert hatte, hatte Severus gedacht, dass er Weasleys Platz einnähme, um Granger in ruhigem Fahrwasser zu halten. Aber was ihm beim Pokern einfach vorgekommen war, schwebte nun drohend wie eine unmögliche Aufgabe im hellen Morgenlicht. Er konnte sich nicht vorstellen, aufmerksam um sie herumzutanzen – mit ihr zu tanzen! – und die Verantwortung für die tagtägliche Funktionsfähigkeit des Mädchens zu übernehmen. Das wäre viel zu ermüdend …, um nicht zu sagen gefährlich.
Sie biss sich wieder auf die Lippe, und er biss die Zähne zusammen. Wie es aussah, war Granger allein – ein Single –, eine Frau ohne Partner bei einer 'romantischen' Veranstaltung. Im Klartext, sie war ein Zielobjekt für jeden männlichen Single, der zufällig an der Regency-Woche teilnahm – und Merlin wusste, dass jeder alleinstehende Mann mit einer Hauch von Verstand um sie herumschwirren würde wie Bienen um den Honigtopf.
Er dachte darüber nach. Granger, der gutaussehende, fitte junge Männer nachstellten. Granger, der man den Hof machte und schmeichelte. Granger, mitten in einer frischen, jungen Romanze.
Das wäre eine absolute Katastrophe! Wie konnte sie sich auf ihren Job konzentrieren, der darin bestand, die Regency-Woche zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen, wenn ihr von einem Schwachkopf in Kniehosen und Strümpfen der Kopf verdreht wurde?
Und warum zur Hölle hatte er ihr erlaubt, eine 'Geld-zurück-Garantie' in ihre Anzeigen für die Regency-Woche einzubauen? Wenn sie scheiterte, und das ganze Event den Bach hinunterging, konnten die zahlenden Gäste ihre Galleonen zurückverlangen!
Innerhalb eines Augenblicks wurde ihm alles klar: Es war seine Pflicht als Schulleiter, als Grangers Partner zu fungieren, alleinstehende Männer von ihr fern- und sie bei Laune zu halten, für Hogwarts! Dass seine Aufmerksamkeiten Granger gegenüber Clearwater von ihm abbringen würden, war nur ein zusätzlicher Anreiz, der die bittere Pille etwas versüßte.
Er würde sich damit abfinden und es wie ein Mann ertragen müssen.
~oo0oo~
Hermione lächelte, als sie Penny, Parvati, Lavender … ja, und sogar Parkinson bei den Gästen sitzen und am Frühstück teilnehmen sah. Es gab nichts, das sie an ihrem Standort an der Tür hielt, außer ihren eigenen, unrealistischen Erwartungen. Es war albern von ihr gewesen, davon zu träumen, einen Regency-Urlaub mit Ron zu erleben. Von Anfang an war er dagegen gewesen. Aber alleine in den Raum hineinzugehen und sich zu den anderen dazuzusetzen, würde die Realität ihres Singlestatus besiegeln. Es machte sie traurig, auch nur daran zu denken.
Eine Bewegung aus dem Augenwinkel veranlasste sie, sich umzudrehen, und sie erblickte den Schulleiter, der in Regency-Eleganz wie aus dem Bilderbuch herunterkam. Der engsitzende Rock stellte die Breite seiner Schultern im Gegensatz zu seiner schmalen Taille zur Schau, und die gewirkten Pantalons präsentierten lange, schlanke, wohlgeformte Beine. Guter Gott, wer hätte ahnen können, welch fitten Körper Snape all die Jahre unter diesen sich bauschenden Umhängen verborgen gehalten hatte?
Er blieb vor ihr stehen, und Hermione ließ sich in einen kleinen Knicks sinken, wie es in der Zeit üblich war. „Guten Morgen, Schulleiter", sagte sie.
Snape erwiderte mit einer korrekten Neigung seines Oberkörpers, leicht aber bemerkbar: die Verbeugung eines Gentleman. „Ich hoffe, Sie befinden sich wohl heute Morgen, Miss Granger?"
Sie lächelte, erfreut, dass er die gesellschaftlichen Nettigkeiten beachtete. „Sehr gut, Sir. Und viele unserer Gäste sind angekommen – werden Sie sich ihnen zum Frühstück anschließen?" Mit einer Geste bat sie ihn herein, ganz die ausgezeichnete Gastgeberin, die einen spätkommenden Gast platzierte.
Er bot ihr seinen Arm. „Wenn Sie mich begleiten und mir zeigen, wie ich vorgehen muss." Eine Seite seines Mundes hob sich. „Ich fürchte, ich bin nicht so gut wie Ihre Helfer vorbereitet in allen zugehörigen … Gepflogenheiten."
Hermiones spürte ein seltsames Flattern im Bauch. Snape war charmant zu ihr! Absichtlich! Und welch eine seltsame Reaktion sie auf ihn hatte, genau wie am Tag zuvor, als ihre Hände sich berührt hatten. Aber jetzt bot er freiwillig Umgang an …
„Und wir müssen uns mit dem Frühstück beeilen", fuhr er fort, und seine nachtschwarzen Augen forderten sie heraus zu widersprechen, „denn während die Gäste bei Madam Malkin sind, müssen Sie mich in die Feinheiten des Bowlingspiels einweihen – das steht als Nächstes auf unserem Zeitplan, oder?"
Sie spürte die Macht seines Willens – seiner Persönlichkeit – in einer Weise wie nie zuvor, und obwohl es ihr das richtige Atmen erschwerte, war sie nicht in der Lage, den Blickkontakt zu ihm abzubrechen. Ohne einen weiteren Gedanken an Ron, an Erwartungen oder an sonst etwas außer dem Mann vor sich legte sie ihre Hand auf seinen Arm und schritt mit ihm in die Große Halle.
~oo0oo~
Anmerkung der Autorin:
Wie man eine Regency-Krawatte bindet und ein Portrait eines Regency-Gentleman sowie Bilder eines Damenmusslinkleides mit Spencer könnt Ihr hier sehen:
herpie-houseelf dot livejournal dot com/1651 dot html
