Kapitel 8

Freitag, August 2, 2002
Vormittag und Nachmittag

Severus machte seine Sache beim Frühstück gut, fand er. Zusammen mit Miss Granger am Tisch bei Potter und den Weasleyeltern zu sitzen und sich zu unterhalten, war einfach, und das Vorbild der Regency-Woche-Mitarbeiter erinnerte Severus daran, dem Unterhaltungsstil der Zeit Rechnung zu tragen. Es gab eine Menge Gelächter bei seinen Tischgenossen, von denen die meisten in Urlaubsstimmung waren, und das erleichterte seinen Job sehr.

Kurz, nachdem er sich gesetzt hatte, betraten die Lehrer in einer großen Gruppe die Große Halle und sahen in ihren Regency-Kostümen prächtig aus. Beim Anblick von Flitwick, der mit einer lächerlichen Anzahl von Uhrtaschen und Verschlüssen an seiner Kleidung wie ein Dandy ausstaffiert war, biss Severus sich auf die Innenseite seiner Wange. Lucius hatte es geschafft, sich zu ihnen zu gesellen; er war in seiner maßgeschneiderten Herrenkleidung sehr elegant und sah mit Leticia am Arm selbstzufrieden aus. Severus verbarg sein Grinsen hinter seiner Teetasse, während er daran nippte. Er hatte Lucius Interesse an anderen Frauen bekunden sehen, seit Narcissa ihn verlassen hatte, aber nie mit der anhaltenden Entschlossenheit, die er bei der Verfolgung von Professor Mortelle an den Tag legte. Mit ihrem feurigen Haar und den strahlenden Augen glich sie äußerlich in nichts Narcissa, und sie trug ein Temperament in sich, dem Severus mehr als einmal bei Diskussionen über Leticias Curriculum und ihren Unterrichtsstil begegnet war. Er zog Leticias Feuer Narcissas distanzierter, eisiger Verachtung für alles und jeden außer ihrer nahen Familie vor; jedoch war er überrascht gewesen, dass Lucius sich von ihr angezogen fühlte. Narcissa war immer perfekt korrekt gewesen, immer tipptopp frisiert, und Leticia besaß diese Eigenschaften ebenfalls, aber Leticia besaß auch eine gefährliche – um nicht zu sagen unheilvolle – Seite, die Narcissa vollständig abging. Und genau das schien Lucius anzuziehen wie die sprichwörtliche Flamme die Motte.

Severus hoffte fast, die Flügel seines Freundes angesengt zu sehen – es würde ihm richtig guttun.

Das sagt gerade der Richtige, piekte seine innere Stimme.

Lucius und Leticia setzten sich auf die beiden leeren Plätze neben Severus, und sein alter Freund erkundigte sich prompt nach den Vergnügungen des vergangenen Abends.

„Hattest du Spaß beim Kartenspielen?"

Severus warf ihm einen schrägen Blick zu. „Musst du fragen?"

Lucius machte sich nicht die Mühe, sein Grinsen zu verbergen. „Ah, das hätte ich gerne gesehen."

„Dumbledores Portrait schien es auf jeden Fall zu genießen", gab Severus zu.

„Allerdings bin ich ziemlich überrascht, dich bei deinen Gästen beim Essen zu vorfinden", kommentierte Lucius mit gesenkter Stimme.

Severus spürte einen Anflug von Ärger. „Was ich tue, ist kaum deine Angelegenheit", sagte er und wandte sich zu Miss Granger, um etwas zu ihr zu sagen.

Nach einiger Zeit erhob sie sich von ihrem Stuhl. „Wenn alle mit dem Essen fertig sind, möchte ich gerne, dass Sie mich zu den Räumen von Madam Malkin begleiten. Sie ist die Chefschneiderin hier in Hogwarts Manor, und sie hat für jeden von ihnen einige Kleidungsstücke vorbereitet, die für Ihren Aufenthalt hier auf dem Land angemessen sind."

Die Gäste standen auf, und ein Summen freudiger Konversation erhob sich mit ihnen. Severus nutzte die Gelegenheit aufzustehen und sprach leise in Miss Grangers Ohr. „Soll ich mit Ihnen zu Madam Malkin kommen?", fragte er.

Mit einem fast satyrartigen Vergnügen bemerkte er die Röte, die ihr auf die Wangen stieg, gefolgt von ihren Fingern, die sich hoben, um den Punkt an ihrer Schläfe zu berühren, wo sich ihr Haar infolge seines Atems bewegte. Ihre Augen flogen zu seinem Gesicht, die Lippen überrascht geöffnet, und genauso schnell wandte sie ihren Blick wieder ab.

Ein Impuls trieb ihn dazu, noch einen Schritt näher zu ihr zu treten, und er tat dies, ehe er auch nur zu einem Entschluss kommen konnte.

„Das ist nicht notwendig", sagte sie ruhig.

Ihre Reaktion auf ihn weckte seinen Jagdinstinkt über jeden klaren Gedanken hinaus. Er rang damit, seine Stimme gleichbleibend zu halten und sagte, „Wo und wann soll ich Sie dann wieder treffen?"

Sie bewegte sich von ihm weg, grüßte die erste Gruppe sich sammelnder Gäste mit einem Lächeln und bedeutete ihnen, dem wartenden Hauselfen zu Madam Malkins Räumen zu folgen. Als der letzte Nachzügler sich in Bewegung gesetzt hatte, um der hinausgehenden Schar zu folgen, sah sie ihn wieder an, obwohl sich ihre braunen Augen dieses Mal auf sein Halstuch hefteten und nicht die volle Distanz zu seinem Gesicht überwanden.

„Das ist nicht notwendig, Sir", entgegnete sie bestimmt, und mit einem kleinen Knicks wandte sie sich ab, um ihren Schützlingen aus dem Raum zu folgen.

Er hatte kaum seine erwidernde Verbeugung vollführt, als die irritierende Stimme seines sogenannten Freundes seine Ohren erreichte.

„Abgeblitzt!", gluckste Lucius, und sein lachender Blick reizte Severus dazu, seine Serviette mit kaum kontrollierter Heftigkeit auf seinen Teller zu werfen. „Aber keine Angst, du wirst dich erholen, dessen bin ich sicher", beeilte sich Lucius hinzuzufügen.

„Verzieh dich", empfahl Severus, ehe er aus dem Raum stolzierte.

~oo0oo~

Hermione wartete auf einer Seite des riesigen Raumes, der Madam Malkin und ihren Arbeitskräften zur Verfügung gestellt worden war. Den Gästen wurden ihre Garderoben präsentiert, und jeder von ihnen wurde in einen Anprobenraum geleitet, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung war, ehe sie mit einem Hauself in ihre Schlafräume entlassen wurden, der ihnen half, die ungewohnten Kleidungsstücke einzusammeln, zu transportieren und anzuziehen.

Hermione antwortete automatisch auf alle Bemerkungen, die an sie gerichtet wurden, aber ihr Kopf schlug sich mit einem Problem herum.

Was war mit Snape los, und wie konnte sie dafür sorgen, dass es aufhörte?

Für ihren Zeitplan war es sehr störend, wenn der Schulleiter um sie herumschlich und sie von ihren Pflichten abhielt. Ron um sich zu haben, war eine Sache; ihm konnte sie (meistens) vertrauen, dass er ihre Anweisungen empfing und ausführte und sich somit nützlich für sie machte. Aber in derselben Weise konnte sie nicht von Schulleiter Snape Gebrauch machen, und wenn man jegliche Nützlichkeit wegnahm, war seine Anwesenheit nichts als ein Störfaktor. Seine Präsenz war … anders als Rons. Sein Körper war nicht allzu unterschiedlich; beide waren sie hochgewachsen und breiter und schwerer als sie selbst, auch wenn Snape zugegebenermaßen schlanker war als Ron. Nein, es war eher Snapes Stimme, die sie durcheinanderbrachte, denn sie schlich sich in ihre Gedanken, ob es ihr gefiel oder nicht, und sein Verhalten ihr gegenüber war für sie sehr beschwerlich. Er ignorierte sie nicht und widersprach nicht dem, was sie sagte, wie Ron es zu tun pflegte; stattdessen hatte er für ihre Bequemlichkeit und Unterhaltung gesorgt, während er mit ihr beim Frühstück saß. Nein, so durfte es nicht weitergehen. Snape würde sie kontinuierlich von dem ablenken, worüber sie nachdenken und was sie tun sollte, und das durfte nicht passieren. Sie hatte eine Aufgabe zu erledigen, und nichts war wichtiger, als sie gut auszuführen.

Sie würde einen Weg finden müssen, um ihn abzuwimmeln.

~oo0oo~

Es war ein perfekter Sommertag, und Lucius empfand eine fast ungehörige Freude, sich einfach mit der köstlichen Leticia Mortelle an seinem Arm im Sonnenschein unter den flauschigen weißen Wolken aufzuhalten.

„Kommen Sie", hatte er gesagt und sich vor sie hingestellt, als sie den Damensalon verließ. „Sie wissen, dass Sie mir einen Spaziergang durch das Labyrinth versprochen haben."

Sie hatte ihn von unter ihren dunkel getönten Wimpern kühl angesehen, mit einem geheimnisvollen Lächeln, das in ihm den Wunsch erweckte, sie zu schnappen und zu küssen, ohne Rücksicht darauf, wo sie waren, als dieser aufreizende Ausdruck auf ihren Lippen erschien. „Ich bin ziemlich sicher, dass ich nie ein solches Versprechen gegeben habe", hatte sie widersprochen.

Unbeirrt hatte er ihre Hand ergriffen und sie auf seinen Arm gelegt. „Sie haben mich nicht abgewiesen, als ich es vorgeschlagen hatte, und das ist dasselbe wie eine Zustimmung", hatte er sie informiert. „Und ich sehe, dass Sie bereits Ihren Spenzer angezogen haben – ein bezaubernder, himmelblauer Farbton, muss ich sagen, und er passt wundervoll zu Ihren Augen –, also sind wir bereit für einen Spaziergang über die Ländereien."

Eine Haube hatte sie vermieden und sich stattdessen entschlossen, einen frivolen, kleinen Sonnenschirm zu tragen, um ihren Teint vor der schädlichen Sonne zu schützen, und dennoch leuchtete ihr Haar wie gebranntes Kupfer über ihrem Gesicht. Ihre bloße Anwesenheit ließ ihn sich fühlen, als sei er wieder ein junger Mann, jünger sogar, als sie es war, obwohl er wusste, dass er mehr als eine Dekade älter als sie war. Er hatte aufgehört, sich über seine Empfindungen und die Gründe für sie zu wundern; alles, was zählte, war seine Fähigkeit, immer noch solch energiespendende Lebensfreude zu erleben.

„Wird sich der Schulleiter uns anschließen?", fragte Leticia, und Lucius sah, dass Severus sich ihnen mit einem entschlossenen Ausdruck auf dem Gesicht schnell näherte.

„Oh, ich glaube nicht, dass er zu uns will", antwortete Lucius und sah Richtung See, wo die Hauselfen eine Anzahl von Rasenspielen zusammengestellt hatten, damit die Gäste daraus wählen konnten. „Ist das nicht Miss Granger in der rosa Jacke?"

Leticia lachte. „Ich glaube, Sie haben recht", sagte sie. „Miss Granger ist die Empfängerin der Aufmerksamkeit des Schulleiters."

Lucius zog Leticias Hand weiter durch seine Ellenbogenbeuge und bedeckte ihre anmutig behandschuhte Hand mit seiner. „Lassen Sie uns hier entlang gehen, zu den Hecken, die Mr Longbottom so klug für uns geschaffen hat – ich glaube, wir werden im Labyrinth ganz alleine sein."

Und als Leticia leicht spöttische Augen zu seinem Gesicht hob, verfestigte er seinen Griff auf ihre Hand. Sie gab keinen Gegendruck zurück, aber weder tadelte sie ihn, noch zog sie ihre Hand zurück, und Triumph erfüllte ihn, als er einen Pfad fern der am See herumschlendernden Menge einschlug.

~oo0oo~

Harry stand unter einer Buche an Hermiones Seite, einen Federball in der Hand, den er gelegentlich hochwarf und wieder fing, und tat, was er konnte, um die Langeweile zu bannen. Wie er befürchtet hatte, versuchten ständig Leute, die er nicht kannte, mit ihm zu sprechen. Er antwortete ihnen so freundlich, wie er konnte, aber all die Aufmerksamkeit machte ihn nervös. Viel lieber würde er mit Ron Zauberschach spielen oder auf dem Quidditchfeld fliegen, auch wenn Neville dort auf dem Gelände ein großes Labyrinth hatte wachsen lassen. Aber Ron war nirgendwo zu sehen – er schien jedoch aufgewacht zu sein, denn er war nicht in seinem Zimmer gewesen, als Harry nach dem Frühstück nachgesehen hatte – und Hermione hatte für die Dauer der Regency-Woche das Fliegen als 'nicht authentisch' verboten.

„Sei nicht albern!", hatte er zurückgegeben. „Zauberer fliegen schon seit Jahrhunderten und Aberjahrhunderten auf Besen!"

Aber sie hatte sich geweigert nachzugeben, also stand er hier und fragte sich, wie er dies weitere zehn Tage durchstehen sollte, ohne den Verstand zu verlieren.

Hermione händigte Federballschläger und einen Federball an Arthur Weasley aus, der so aufgeregt darüber war, als seien es Stecker und Sicherungen.

„Oh, das wird so ein Spaß!", rief er Molly zu, die ihm mit liebevollem Amüsement zusah.

„Natürlich wird es das, Lieber", stimmte sie zu, und die beiden begannen, das Muggelspiel auszuprobieren.

Hermione wandte sich Harry mit einem Lächeln zu. „Oh, komm, Harry", schalt sie ihn. „Es ist nicht annähernd so schlimm wie wochenlanges Camping ohne Ende mit nichts anderem zu tun als zu hungern, frieren und abwechselnd ein Stück von Voldemorts Seele um den Hals zu tragen!"

Harry lachte laut. „Nun, wenn du es so sagst, kann ich dir nur zustimmen."

Hermione tätschelte seinen Arm. „Das ist besser", sagte sie. „Hast du Ron gesehen?"

„Nein, aber ich weiß, dass er aufgestanden ist, weil er nicht in seinem Zimmer ist."

Sie zupfte an der Kante ihres langen, rosafarbenen, jackenartigen Kleidungsstücks. „Ich war grob zu ihm, als er letzte Nacht zu meinem Zimmer gekommen ist."

Harry wusste nicht, was er dazu sagen sollte, daher hielt er den Mund. Über ihre Schulter sah er Severus in ihre Richtung kommen, und der Schulleiter sah nicht allzu glücklich aus. „Sag, Hermione, hast du etwas getan, um Severus zu verärgern?"

Daraufhin sah Hermione auf, etwa wie ein Kaninchen angesichts eines Raubtiers. „Warum? Ist er hier? Sie drehte sich nervös um, und als sie Severus erspähte, eilte sie zur nächststehenden Gruppe Gäste und bot freundlich an, Mr Parkinson zu zeigen, wie man beim Bowls seinen Ball zur Zielkugel spielte.

Harry warf den Federball wieder in die Luft und war überrascht, als eine Hand hervorschoss, um ihn zu fangen. Er drehte sich um und sah, wie Malfoy den Federball wieder warf.

„Glaubst du, du kannst dieses Spiel spielen?", fragte Malfoy.

Harry betrachtete das Gesicht des Frettchens und suchte nach einem Zeichen, dass Malfoy ihn verkohlte, aber das Einzige, was er sah, war Langeweile, die fast so groß wie seine war.

„Ich habe das schon gespielt", sagte Harry. „Meine Tante hat ein Set."

Malfoy drückte Harry einen Schläger in die Hand. „Los, lass uns den anderen zeigen, wie es geht. Kein Einziger von ihnen scheint imstande zu sein, es herauszufinden."

Harry nahm willig den Schläger entgegen. Selbst Federball zu spielen war viel besser als herumzustehen und darauf zu warten, dass die Hauselfen das Picknick zum Mittagessen servierten.

Parkinson versuchte, ihren Eltern zu zeigen, wie man ohne Netz Federball spielte, aber Harry freute sich, als Malfoy zum Netz trat, das zwischen zwei günstig stehenden Bäumchen gespannt war. Malfoy zog seinen Rock mit den langen Schößen und seine Weste aus; offensichtlich hatte er vor, hemdsärmelig zu spielen, und Harry kam nicht umhin zu bemerken, wie die Wärme der Sonne sein Hemd dazu gebracht hatte, sich um Malfoys Körper zu schmiegen und die Muskeln dort zu betonen. Harrys Mund wurde trocken; er schluckte und versuchte, sich zum Wegsehen zu zwingen. Was spielte es für ihn eine Rolle, wie das Frettchen ohne seine Kleider aussah?

„Achtung, Potter!", rief Malfoy und der Federball flog über das Netz zu ihm.

Harry spielte den Federball zurück, und sie fanden in ein stetiges Hin- und Herspielen. Gäste, die sich damit abgemüht hatten, die Spielregeln herauszufinden, hielten in ihren Bemühungen inne und kamen dazu, um den beiden jungen Männern zuzuschauen, wie man es richtig spielte. Innerhalb kurzer Zeit ergriffen sie Partei und feuerten sie an. Harry schlug daneben und informierte die Zuschauer gutmütig, dass sie ein lauter Haufen seien.

„Spiel weiter, Harry!", rief George fröhlich. „Du weißt, wie wir Leute von Regency-Geblüt weitermachen – wir wetten darauf, wer gewinnen wird!"

Neville wurde dazu auserkoren, George zu helfen, und innerhalb kürzester Zeit sammelten sich alle Herren um sie herum und schlossen ihre Wetten ab. Harry und Malfoy setzten ihr Spiel fort, und als Malfoy danebenschlug, grinste er Harry an, und sein weißblondes Haar klebte ihm auf der Stirn.

„Ich glaube, sie mögen uns!", sagte er, und es erschien Harry, als betrachte der andere Mann ihn genau, die grauen Augen fragend. „Du könntest deinen Rock ausziehen, weißt du – du wirst ihn verderben, wenn du so schwitzt."

Jetzt starrte Harry Malfoy an, als gebe die Inspektion des Frettchens Harry das Recht, ihn zu begutachten – einschließlich Zinsen. Aber er hatte nicht vor, seinen Rock abzulegen – er war weder so mager noch so fit wie Malfoy, und er war sich seiner Defizite akut bewusst.

„Spiel einfach!", schnappte er, und ein weiterer, munterer Schlagabtausch begann, während die Zuschauer sie anfeuerten, und sogar die Bowlsspieler sich von ihrem Sport abwandten, um zuzusehen, wie Harry und Malfoy ihre Badmintonschlacht austrugen.

~oo0oo~

Hermione sah ihre Schüler einen nach dem anderen abwandern, bis sie alleine mit den Bowlsbällen in der Hand dastand.

„Sagen Sie, Miss Granger – gibt es bei Ihren Aktivitäten draußen auch Wettbewerbe?"

Die Stimme senkte sich auf sie nieder wie ein eine Schokoladenglasur auf ein Stück reifes Obst, aber als sie sich zu ihm umdrehte, was sein Ausdruck alles andere als einladend. Sie hob das Kinn.

„Nein, Schulleiter, aber ich kann sehen, dass dies eine bedauerliche Unterlassung war. Es scheint, als ob unsere Gäste etwas Wettkampf sehr genießen."

Er nickte etwas knapp und wandte seine Aufmerksamkeit den Kämpfern am Netz zu. „Diese beiden tun es ganz sicher – haben es immer getan –, und sogar ein erbitterter Zweikampf ist ein akzeptabler Zeitvertreib, wenn er … den Rubel am Rollen hält."

Sie lachte, erfreut, solch eine Regency-Phrase aus seinem Mund zu hören.

Er wandte sich ihr wieder zu, und seine kohlschwarzen Augenbrauen hoben sich über genauso schwarzen Augen. „War das richtig?", fragte er.

„Perfekt!", sagte sie und konnte nicht verhindern, dass sie ihn anlächelte. „Wenn Sie damit meinen, dass es den Geldeingang im Fluss hält", fügte sie hinzu.

Er nickte einmal und ignorierte jetzt, dass Harry und Draco zu ihr sahen. „Wie kommen Sie zurecht?", fragte er.

„Es klappt alles ganz gut, glaube ich", sagte sie. „Es wurde ein wenig langweilig, ehe Draco und Harry zu spielen begannen, aber jetzt scheinen sich alle gut zu unterhalten. Und die Helfer sind unter den Gästen, um ihnen zu zeigen, wie man sich unterhält und miteinander umgeht." Sie erblickte die herankommenden Hauselfen, die große Picknickkörbe, Decken und eisgekühlte Limonadenkrüge vor sich schweben ließen. „Ich kann das Picknick richten lassen, und sobald Harry und Draco fertig sind, steht das Mittagessen für uns bereit."

Snape legte eine Hand fest an ihren Ellenbogen, und sie sah fragend zu ihm auf.

„Erlauben Sie den Hauselfen, ihren Job zu machen", schlug er vor. „Sie verstehen ihr Handwerk, das versichere ich Ihnen. Begleiten Sie mich zu einem Spaziergang, und wenn wir zurückkommen, können wir den anderen bei einer leichten Mahlzeit Gesellschaft leisten."

Hermione sah besorgt zu den Hauselfen, die angefangen hatten, Decken im Schatten der Bäume auszubreiten und für die Bequemlichkeit Kissen an strategisch günstigen Punkten zu platzieren. Ihr wäre viel wohler dabei, die Hauselfen zu instruieren, als eine private Unterhaltung mit dem Schulleiter zu führen. Aber wie konnte sie ihn abweisen, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen?

Wie er es am Morgen getan hatte, legte er ihre Hand auf seinen Arm und ging los, und sie ging mit ihm, weil sie nicht wusste, wie sie ihn abweisen sollte. Sie spähte von unter ihren Wimpern auf ihn und sah sein habichtsartiges Profil, das von der Hakennase dominiert wurde, unter der sich ein Mund fand, der als dünne Linie Missfallen zeigen konnte, sich bog, um sie mit möglichem Amüsement zu verwirren oder sich in entwaffnendem Lachen entspannte. Es war ihr nicht klar, dass sie ihn anstarrte, bis er herabsah, und sie sich in die Augen sahen, ihre plötzlich verlegen und seine fragend.

„Sie brauchen keine Skrupel zu haben, mich als Eskorte zu akzeptieren, wissen Sie", sagte er und bog ans Seeufer ab. „Meine einzige Absicht ist es, Ihnen so viel Hilfestellung zu geben, wie ich kann, und Ihren vorgesehenen Partner zu ersetzen, dessen Interesse an diesem Projekt … nicht besonders begeistert war. Es ist schließlich alles für Hogwarts."

Hermione fragte sich kurz, was Ron davon halten würde, wenn er sie mit dem Schulleiter umherlaufen sah. Er sollte nicht überrascht sein, da er sie praktisch Snape übergeben hatte – aber würde er eifersüchtig sein? Fast hoffte sie darauf; es wäre Balsam für ihren verletzten Stolz zu denken, dass Ron sich zumindest ein klein wenig über Snapes Aufmerksamkeiten ihr gegenüber entrüstete.

Sie zwang ihre Gedanken wieder zurück zu den Worten des Schulleiters und musste zugeben, dass ihr gefiel, was er sagte. Es war zu seinem eigenen Vorteil sicherzustellen, dass die Regency-Woche erfolgreich verlief, oder? Wenn der Schulleiter hoffte, jemals eine Gehaltserhöhung für seine Lehrer – oder sich selbst! – zu bekommen, brauchte er schließlich die Gäste, um dies zu erfüllen. Hermione war entschlossen, das Projekt zum Erfolg zu führen, weil sie daran glaubte und ein Jahr ihres Lebens der sorgfältigen Planung und Umsetzung dieser Pläne gewidmet hatte. Auf der ganzen Welt gab es niemanden, für den so viel bei der Regency-Woche auf dem Spiel stand wie für sie, ausgenommen Severus Snape.

Er hatte recht. Während der zehn Tage des Regency-Projekts war er der logische Partner für sie, und sie musste anerkennen, dass er sie nicht dafür verspottet hatte, dass ihr Freund abtrünnig geworden war. Snape hegte offensichtlich keine Absicht, sie während der Dauer ihrer Partnerschaft ihres Privatlebens wegen zu drangsalieren.

„Danke, Schulleiter", sagte sie, stoppte und brachte ihn damit dazu, ebenfalls stehenzubleiben. „Ich weiß Ihre Offenheit zu schätzen. Ich nehme Ihr Angebot an." Sie räusperte sich und schaute über den See hin von ihm weg. „Sie haben recht."

Eines seiner Lachen, derer, die sie dazu brachten zu vergessen, woran sie denken sollte, lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf sein Gesicht. Sogar seine Augen schienen heller zu werden, wenn er lachte.

„Könnten Sie das noch einmal sagen?", fragte er mit gespieltem Ernst. „Ich habe das wirklich nicht so regelmäßig von Ihnen gehört, wie ich sollte."

Hermione lachte laut heraus. „Sie sind unmöglich!", stellte sie fest und beschloss, dass sie lockerer werden und mit ihm wie ihren Alterskameraden sprechen würde. Er war nicht ihr Lehrer, der Ehrerbietung und Respekt forderte. Vielmehr war er ihr Partner dabei, das Regency-Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen – für Hogwarts – und daher war es wichtig für sie beide, dass sie entspannt miteinander umgingen. Schließlich würden sie den Großteil des Tages zusammen verbringen.

Der Schulleiter legte eine Hand auf sein Herz, neigte seinen Kopf und ließ sein Haar nach vorn fallen, das einen Schutzwall vor seinem Gesicht bildete. „Zumindest beginnen wir, einander zu verstehen."