Kapitel 10
Samstag, 3. August 2002
Vormittag
Das Frühstück am nächsten Morgen war eine flatterhafte Angelegenheit, dennoch ertrug Severus es seiner Meinung nach mit vorbildlicher Gelassenheit. Krum, den er als ruppigen, mürrischen Buschen in Erinnerung hatte, sprühte vor Ferienstimmung, und mit Unterstützung der jungen Leute waren er und Quigley quirliger Mittelpunkt der Party. Miss Granger schien durchaus bereit zu sein, bei ihren Spötteleien mitzumachen, aber Severus freute sich zu sehen, dass sie dabei trotzdem nicht ihr Gefühl für Anstand verlor. Noch immer war sie sehr auf ihre Arbeit konzentriert, und Severus konnte sich nur freuen, dies festzustellen. Am Tisch saß er nicht neben ihr, weil Krum diesen Platz beschlagnahmt hatte, aber von seinem Platz unter den Lehrern hatte er eine gute Sicht auf sie, und es befriedigte ihn zu sehen, dass sie gut ausgeruht aussah und helle, wache Augen hatte.
Daher konnte er sein eigenes Mahl ohne Sorge um seine Partnerin in diesem Unternehmen verzehren; ihr ging es gut, und sie kam alleine zurecht, während er Koffein und einfachen Porridge zu sich nahm. Er gestattete einem Hauselfen, ihm Kaffee nachzuschenken, und zog seinen Zeitplan aus der Tasche, um seine Agenda für den Tag zu studieren. Bei dieser Bewegung hoben sich Ronald Weasleys Augen von seinem Teller, und er verfolgte die Bewegung des persönlichen Zeitplans von Severus' Tasche auf den Tisch, dann warf er einen anklagenden Blick auf Severus' Gesicht. Severus hob eine überhebliche Augenbraue und wartete darauf, dass der Junge sprach, während er sich fragte, ob sie den relativen morgendlichen Frieden mit einem Streit stören würden. Aber Weasley überlegte es sich offensichtlich anders und senkte seinen Blick wieder auf seinen Teller voll Eier und Würstchen.
Severus schaute sich den Zeitplan genau an. An diesem Morgen hatten sie beide – Gott sei's geklagt –Tanz- und Reitunterricht. Er verstand nicht, warum die Gäste nicht einfach eines dieser beiden Angebote wählen und mit ihrer Entscheidung zufrieden sein konnten, aber Miss Granger war über den Vorschlag empört gewesen.
„Ist Ihnen klar, wie viel wir pro Kopf für jede Unterrichtsstunde bezahlen?", hatte er sie bei Beginn der Planung gefragt. „Es ist haarsträubend."
Sie hatte von der Mappe gedruckter Materialien nicht aufgesehen, die ihre Bibel während des Entwicklungsstadiums des Projekts Regency-Woche gewesen waren. „Beides, Reiten und Tanzen, waren in dieser Zeit ein wesentlicher Bestandteil des Lebens und zwei der wichtigsten Wege der Sozialisierung und des Vergnügens", hatte sie nachdrücklich geantwortet. „Darüber hinaus geizen die Muggelorganisationen, die diese Art von Events anbieten, niemals in diesen Bereichen." Sie hatte ein Pergament in seine Richtung geschoben, während sich ihre Augen noch immer nicht von ihrer Arbeit hoben. „Haben Sie vergessen, dass wir einen Aufpreis für jede dieser Aktivitäten verlangen, zusätzlich zum Grundpreis für die Veranstaltung? Es ist den zusätzlichen Aufwand wert, das verspreche ich Ihnen."
Seine Lippen kurvten sich bei der Erinnerung an ihre ruhige Anmaßung von Autorität. Unerträgliches Mädchen! Aber ein effizientes, dessen Vision auf dem besten Weg war, die Schule vor einem fatalen Defizit zu bewahren. Man musste ihr Anerkennung zollen – und er würde sicherstellen, dass sie diese bekam, wenn alles vorüber war.
Miss Granger sah zu den jungen Leuten hin. „Seid ihr fertig mit Essen?", fragte sie. „Ich muss Viktor und Fin zu Madam Malkin hochbringen, ehe wir unseren Tanzlehrer treffen. Penny, kümmerst du dich darum, dass jeder den Weg in den richtigen Raum findet?"
Miss Clearwater nahm es hin, und Miss Granger erhob sich von ihrem geschnitzten Holzstuhl, einem von vielen, die die Bänke an den langen Tischen in der Großen Halle ersetzt hatten. Recht hatte sie gehabt, dass die Damen in ihren langen Kleidern der Periode sich niemals auf die Bänke hätten setzen können! Als Miss Granger aufstand, sprang Krum auf die Füße und legte seinen Arm um ihre Taille.
„Habe ich dir gesagt, wie hübsch du heute aussiehst?", fragte er sie, und sein Akzent war weitaus weniger merklich als acht Jahre zuvor, als er zum ersten Mal nach Hogwarts gekommen war.
Severus blinzelte. War das erst acht Jahre her? Es schien wie eine Ewigkeit seit der Rückkehr des Dunklen Lords.
Miss Granger errötete, anscheinend erfreut über das Kompliment. Als Antwort auf Krums Frage schüttelte sie nur leicht den Kopf, und sie machte sich von ihm los, um ihn und seinen Freund Quigley nach oben in Madam Malkins Arbeitsraum zu geleiten.
„Fin, warte!", rief Ronald Weasley.
Quigley wandte sich auf den Zuruf hin um und kam schnell mit Weasley ins Gespräch, während sie die Große Halle verließen und Granger und Krum folgten.
Draco grinste Pansy Parkinson an, die neben ihm saß. „Vielleicht hat das Wiesel endlich jemanden gefunden, der mehr als Granger nach seinem Geschmack ist."
Parkinson schnaubte, gab aber keine Antwort, und ihr Blick eilte zu Severus' Gesicht hin und wieder weg – als seien sie Schulkinder, die besorgt waren, was der Schulleiter sagen würde. Wurden die albernen Kinder denn nie erwachsen?
Das Rumsen eines Metallkelches, der auf den Tisch aufschlug, war zu hören, und Severus runzelte die Stirn, als er Potters rotes, zorniges Gesicht sah.
„Warum versuchst du nicht, deine dreckige Zunge von meinem Kumpel wegzuhalten, Malfoy?"
Draco blinzelte einmal. „Aber Potter, ich versichere dir, dass ich deinen dreckigen Kumpel nie mit meiner Zunge berühren würde", sagte er in süßem Ton.
Die anderen jungen Leute lachten, aber Severus konnte sich nur wünschen, dass die beiden aufhörten mit ihrem ständigen Gezänk. Keiner von ihnen war mehr ein Schuljunge, und es war höchste Zeit, dass sie ihre jugendliche Abneigung gegeneinander fallenließen.
Genau, wie du es mit deinen alten Schulkameraden gemacht hast?, fragte seine innere Stimme gehässig, aber er schob den Gedanken von sich. Das war nicht der Punkt. Hier und jetzt war es wichtig, dass diese ganze Angelegenheit für Hogwarts stattfand, und Potter und Draco mussten daran denken und sich entsprechend verhalten.
Potter sprang aus seinem Stuhl auf und warf seine Stoffserviette nach Draco. Sie hatte nicht genügend Gewicht, um von Potters Stuhl zu Dracos zu fliegen, aber seine Absicht war klar.
„Wenn du deine Handschuhe hättest, könntest du mir damit ins Gesicht schlagen, und dann könnten wir uns duellieren", spottete Draco und schnipste mit einem Finger verächtlich gegen die Serviette.
„Glaub nicht, dass ich dich nicht besiegen könnte", schoss Potter zurück.
Draco zuckte mit den Schultern, stand ebenfalls auf und schnippte nicht-existierende Krümel von seinem Ärmel. „Ich habe aber nicht von Zauberstäben gesprochen, Potter, ich habe ein echtes Regency-Duell gemeint – mit Pistolen." Er sah auf und schaute Potter in die Augen. „Mein Vater hat genau solch ein Paar Duellpistolen in seiner Sammlung, alte Familienstücke – oh, und einen Hauselfen, der dafür geschult ist, sie zu laden."
Severus wählte diesen Moment, um sich ebenfalls zu erheben. „Wenn du jetzt fertig damit bist, uns zum Frühstück Unterhaltungsprogramm zu liefern, Potter, würde ich dich gern in meinem Büro sehen, ehe wir unsere Tagesaktivitäten beginnen." Er starrte auf das Gesicht des Jungen, bis Potter schließlich seine Augen von Draco abwandte und Severus ansah. „Sofort", fügte er in drohendem Ton hinzu.
Potter neigte leicht den Kopf, als strecke er einen verknoteten Muskel an seinem Hals, und Severus konnte sehen, wie er sich zusammenriss. „Ich komme gleich, Schulleiter", sagte er. Dann wandte er sich ohne ein weiteres Wort ab und schritt aus der Großen Halle.
Draco sah zu, wie Potter davonging, und Severus war vom Gesichtsausdruck des Jungen verwirrt. Statt des Hasses oder der Verachtung, die er erwartet hätte, schien Draco eher betrübt – sogar wehmütig. Dachte er, dass solche Angriffe der Weg waren, sich bei Potter und Weasley beliebt zu machen? Und hatte er so wenige Freunde, dass er dazu getrieben war, sich nach der Gesellschaft der Gryffindors zu sehnen? Es stimmte, dass der Einzige der Jungs aus seinem Haus, mit dem Draco noch in Verbindung stand, Blaise Zabini war, da Vincent Crabbe im Krieg umgekommen war, und Gregory Goyle nicht in der Lage zu sein schien, lange genug aus dem Gefängnis zu bleiben, um eine bedeutende Existenz in den sozialen Kreisen aufrechtzuerhalten, in denen Draco sich bewegte.
Dann machte Draco einen drollige Bemerkung zu denen, die in seiner Nähe saßen, und schlenderte aus dem Raum, ganz und gar personifizierte Regency-Sorglosigkeit.
Severus verstaute den Zeitplan mit Ronald Weasleys Namen sicher in seiner Tasche und murmelte seine Entschuldigung zu den Mitgliedern seines Kollegiums, bei denen er gesessen hatte.
McGonagall legte eine klauenartige Hand auf seinen Ärmel. „Du kommst zum Tanzunterricht?", stellte sie fest, als ob sie keinen Einwand von ihm duldete.
Er gestattete sich ein Augenrollen, eine Übung, die ihm etwas von seiner sich bildenden inneren Gereiztheit nahm. „Ja, Professor, ich werde im Tanzunterricht sein."
Er versuchte, sich ihrem Griff zu entziehen, aber sie hatte gerade fester zugepackt, genau wie eine Katze ihre Krallen einschlägt, wenn sie eine Beute loslassen soll, mit der sie noch nicht zur Genüge gespielt hat. „Und du wirst die Lesung machen, die ich dir zugeteilt habe?", beharrte sie.
Severus schälte ihre Hand von seinem Arm und trat einen ganzen Schritt zurück aus ihrer Reichweite. „Ich werde … darüber nachdenken", sagte er.
Sie runzelte die Stirn. „Bring mich nicht dazu, dich zu zwingen, Severus!", rief sie seiner sich entfernenden Gestalt nach, aber er stellte sich taub und flüchtete.
~oo0oo~
Hermione saß auf einem Stuhl in Madam Malkins Räumen und wartete darauf, dass die Schneider mit der Anpassung der Kostüme für Viktor und Fin fertig wurden. Sie nahm ihr Clipboard aus ihrem Ridikül und vergrößerte es. So weit verlief der Morgen planmäßig. Der Tanzunterricht würde um 9:30 Uhr beginnen, gefolgt von einer Reitstunde um 10:30 Uhr und dem Mittagessen um 12:30 Uhr. Am Nachmittag waren Arbeit der Theatergruppe und Spiele draußen auf dem Rasen vorgesehen. Für Interessierte konnten andere Aktivitäten geboten werden wie eine Zeichenexpedition zu einer der lokalen Sehenswürdigkeiten (Hermione konnte den Wunsch verstehen, Bilder von hübschen Blumen zu zeichnen, aber weshalb sollte jemand ein Bild der Heulenden Hütte zeichnen wollen?) oder ein ruhiger Nähnachmittag, während aus einem Roman vorgelesen wurde – natürlich von Jane Austen.
Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf einen großen Spiegel auf der anderen Seite des Raumes, wo Viktor stand, während Madam Malkin magisch den Saum seines Rockes absteckte. Sie hatte Viktor seit mindestens zwei Jahren nicht gesehen, als er für eine Woche in London gewesen war und sie ein- oder zweimal zum Abendessen ausgegangen waren. Das war gewesen, bevor sie und Ron offiziell ein Paar wurden – bevor er ihr den Silberring gegeben hatte, um den Platz für einen Diamanten freizuhalten, der ausgeblieben war –, und Hermione hatte Viktors Bewunderung genossen, auch wenn sie seine wiederholten Angebote abgelehnt hatte, ihr Bett zu teilen. Sie mochte Viktor, und hatte ihn immer gemocht, und es war nicht von der Hand zu weisen, dass seine Aufmerksamkeiten ihr immer einigen Status unter ihren Alterskameraden gebracht hatte. Am Abend zuvor jedoch, als Viktor ihr im Salon unaufhörlich Komplimente gemacht hatte – und, wenn sie sich nicht irrte, viel zu oft auf ihre Brust gestarrt hatte –, hatte der Schulleiter ziemlich verärgert gewirkt. Seine schwarzen Augen waren jeder ihrer Bewegungen gefolgt, so schien es, und er hatte Missbilligung ausgestrahlt. Hasste er Viktor? Es war verwirrend, und sie hatte einige Zeit wach gelegen und versucht herauszufinden, was der Schulleiter gegen Viktor Krum einzuwenden haben mochte. Sie hatte keinen Erfolg dabei gehabt, es zu verstehen, aber sie würde die Situation weiter beobachten und wenn nötig mit Snape darüber sprechen. Schließlich war Viktor ein zahlender Gast, der außerdem eine maßgeschneiderte Garderobe gekauft hatte, und es war wichtig, dass er sich willkommen und entspannt fühlte während seines Aufenthalts in Hogwarts.
Gelächter hinter ihr erregte ihre Aufmerksamkeit, und sie wandte sich um, um Fin vor dem großen Spiegel stehen zu sehen, während ein Schneider seine Ärmel absteckte. Ron lehnte an der Wand, sein Gesicht lebhaft und glücklich, und plauderte mit dem älteren Zauberer. Ron war immer verrückt auf Quidditch gewesen, seit Hermione ihn kannte. Seine Verehrung für Viktor Krum, den Starsucher, war immer in Widerstreit mit seiner Eifersucht auf Viktors Aufmerksamkeiten Hermione gegenüber gewesen. Natürlich wollte er die Gelegenheit auskosten, mit einem anderen professionellen Quidditchspieler zusammenzukommen. Er hatte seine Arbeit als Auror ziemlich langweilig gefunden, das wusste sie. Ein Fänger dunkler Zauberer zu sein bedeutete nicht, dass das Leben nur aus Intrigen und Duellen bestand; er hatte eine Menge Papierkram und Herumschleichen um Beobachtungsdetails zu erledigen, Arbeit, für die er wenig Geduld aufbrachte.
Sie seufzte, als sie ihren Freund – ehemaligen Freund, erinnerte sie sich selbst – in unbefangenem Umgang mit jemand anderem als ihr selbst beobachtete. Warum musste er so verächtlich über die Dinge denken, die ihr wichtig waren? Und warum sah er sie nicht mehr als Person – so sehr als Person wie zum Beispiel einen Quidditchspieler – und weniger als ein Stück Inventar, das er sich ans Revers heftete und wie ein … modisches Accessoire oder so etwas trug?
Dann kam Viktor zu ihr, gefolgt von zwei Hauselfen, die mit Kleidung und Ausrüstung beladen waren. Er war in der Kleidung eines Herren für einen Besuch auf dem Land gekleidet, komplett mit eleganten schwarzen Stiefeln, beigen Fallfronthosen* und einem dunkelblauen Rock. Er lächelte Hermione an und verbeugte sich. „Siehst du, ich lerne schon!", prahlte er. „Jetzt können wir tanzen gehen und miteinander üben."
Hermione räumte ihre Arbeit wieder in ihr Ridikül, das sie mit einem unentdeckbaren Erweiterungszauber ausgestattet hatte, und erhob sich, um mit Viktor zu gehen. „Ja, wir können zusammen hinuntergehen, und ich werde eine Partnerin für dich finden, aber möglicherweise bin ich heute Morgen zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, um zu tanzen." Sie lächelte in der Hoffnung, den Schlag abzumildern. „Der ganze Rest der Gäste kommt morgen an, weißt du, und ich muss eine Menge Details überprüfen."
Sie traten in den Korridor, der leer war, und Viktor schien sich aufgrund ihres Lächelns ein wenig zu sehr ermutigt zu fühlen, denn er zog sie in seine Arme und neigte den Kopf, um sie zu küssen.
Hermione schrak zurück – wer wollte um diese Zeit am Morgen zerzaust werden? –, und sie legte ihre Handflächen gegen seine Brust in dem Versuch, ihn von sich wegzuhalten.
„Viktor!", sagte sie in einem forcierten Flüstern. „Hör auf!"
„Dies ist ein öffentlicher Korridor, nicht wahr?", fragte eine eisige Stimme.
Hermione entwand sich Viktors Griff und drehte sich herum, um den Schulleiter anzusehen.
„Guten Morgen, Sir", sagte Viktor und streckte die Hand aus, aber eigenartigerweise schien Snape blind für die Hand zu sein und antwortete mit einer steifen Verbeugung. Viktor, nur leicht irritiert, verbeugte sich ebenfalls.
Snape fixierte Hermione mit unheilvollem Blick. „Kann ich Sie sprechen?", fragte er.
Hermione strich den Rock ihres einfachen, weißen Morgenkleides glatt, sich der Tatsache bewusst, dass Viktor um sie herum bedeutete, ständig ihre Kleidung glätten zu müssen. „Gewiss, Schulleiter", antwortete sie ruhig.
Snape warf Viktor einen eisigen Blick zu, obgleich er Hermione ansprach. „Allein, Miss Granger?"
Viktor nickte verstehend. „Ah, Ihr besprecht geschäftliche Dinge für die Regency-Woche!", sagte er weise. „Ich sehe dich beim Tanzen, Herm-own-ninny!"
Er schlug die Hacken zusammen und verbeugte sich – nicht exakt das Benehmen eines Englischen Regency-Gentleman, aber wer wusste, wie sich Bulgaren in dieser Periode verhalten hatten? –, und es war solch ein reizender Versuch, sich den Regeln gemäß zu benehmen, dass sie es nicht über das Herz brachte, ihn zu korrigieren. Dann ging er wieder ins Zimmer hinein und rief nach nach Fin.
„Wenn es Ihnen nicht zu schwerfällt, damit aufzuhören, sich nach Mr Krum zu verzehren, würde ich gern ein Stück mit Ihnen gehen", schnappte Snape und bedeutete Hermione, dass er den Flur weiter entlangzugehen wünschte.
Hermione fühlte, wie ihr Gesicht errötete, aber sie ging mit ihm und zischte aus dem Mundwinkel, „Ich verzehre mich nach niemandem!"
„Dann müssen Sie mir meinen Irrtum verzeihen, denn es hatte den Anschein, dass Sie es kaum ertragen konnten, sich von ihm zu trennen!"
Endlich sah Hermione ihm mit gerunzelten Brauen ins Gesicht. Was um Himmels Willen war in den Mann gefahren? „Fühlen Sie sich nicht gut, Sir?", fragte sie in ganz anderem Tonfall.
„Natürlich fühle ich mich gut!" Seine dünnen Lippen kräuselten sich, um seine Verachtung zu zeigen, dass sie auch nur den Gedanken hegte.
Sie erreichten den Treppenabsatz, und Hermione lehnte sich gegen die Marmorbalustrade. „Nun, Sie benehmen sich seltsam, deshalb dachte ich, ich sollte fragen", entschuldigte sie sich.
Er sah finster drein, und seine dunklen Brauen trafen sich über der Wurzel seiner stattlichen Nase. „Sagen Sie mir", sagte er abrupt. „Soll ich Weasleys Zeitplan an Krum weitergeben? Würden Sie seine Gesellschaft vorziehen?"
Hermione legte den Kopf zur Seite, während sie ihn betrachtete. „Warum um alles in der Welt sollten Sie das denken?", fragte sie. Wirklich, das Letzte, was sie brauchte, war, jede Minute des Tages mit Viktor zu rangeln.
Snapes Nasenlöcher weiteten sich, als er Luft holte. „Weil Sie im Gegensatz zur Regency-Etikette anscheinend die Finger nicht voneinander lassen können!", gab er zurück.
Entschieden schüttelte Hermione den Kopf. „Sie irren sich", informierte sie ihn. „Ich habe kein Problem damit, meine Hände bei mir zu behalten, und Viktor wird es auch verstehen … letztendlich."
Snapes Stirnrunzeln schien ein wenig nachzulassen. „Soll ich die Botschaft für Sie kommunizieren?", fragte er.
Hermione schüttelte entschieden den Kopf. „Absolut nicht. Ich werde mich darum kümmern." Sie richtete sich auf und schaute auf die Uhr, die an ihr Mieder gesteckt war, ein Trick, den sie von Penny gelernt hatte. „Ich muss mit den Elfen in der Küche über das Mittagessen für Mrs Parkinson sprechen – sie hat eine Nussallergie, und das Menu muss angepasst werden – und dann treffe ich Sie im Trophäenraum zur Tanzstunde."
Snape legte eine Hand auf ihren Arm, um sie aufzuhalten. „Sind Sie sicher, dass Sie nicht Krum als Partner vorziehen?", fragte er wieder, und etwas in seiner Stimme brachte sie zum Halten.
Als sie zu ihm hinaufschaute und dabei den Strudel von Gedanken eindämmte, der durch ihr Hirn donnerte – so viel zu tun! –, sah sie ihn tatsächlich an. Sie sah seine zusammengepressten Lippen, die Anspannung um seine dunklen Augen, die senkrechte Furche zwischen seinen Brauen und fühlte den Drang, sie glattzustreichen – aber sie tat es nicht. Er starrte sie durchdringend an und strahlte Intensität dabei aus, und für einen Moment fürchtete sie, er habe ihre Gedanken gelesen. Sie erstarrte, und es schien ihr schwerer zu fallen zu atmen. Ihre Lippen teilten sich, als sie Luft holte, und sicher bildete sie es sich ein, wie sein Blick zu ihrem Mund glitt …
„N-nein", plapperte sie, verzweifelt, das Schweigen zwischen ihnen zu beenden. „Nein, ich hätte nicht lieber Viktor als meinen Partner!" Sie trat den Rückzug an. „Aber ich muss mich jetzt beeilen – auf Wiedersehen!"
Und sie ließ ihn alleine auf dem Treppenabsatz zurück und fühlte sogar bei ihrer Flucht, wie seine Augen auf ihrem Rücken brannten.
~oo0oo~
Harry ging im Büro des Schulleiters herum und stupste einen von Dumbledores alten Detektoren für dunkle Magie mit einer Fingerspitze an, während er darauf wartete, dass Severus auftauchte. Severus wies ihn immer an, nichts anzufassen, wenn er hier war, aber es gab nichts Dunkles zu entdecken, was konnte es also schaden? Über seine Schulter blickte er zu Dumbledores Portrait, aber der alte Zauberer schien zu schlafen – und trug immer noch Georges albernen Pokerhut.
Er lächelte für einen Moment vor sich hin, aber die gute Stimmung war nicht von Dauer. Er hasste es, ins Büro des Schulleiters gerufen zu werden wie – nun, wie ein Schuljunge, der Ärger mit dem Direktor hatte –, aber er schuldete Severus den Respekt, wie gebeten herzukommen. Harry hatte sich inzwischen von Severus eine Menge gefallen lassen, weil er sich so schuldig dessentwegen fühlte, wie er Severus behandelt hatte, als er noch zur Schule ging. Manchmal ging es ihm wirklich auf den Keks nachzugeben, aber dann erinnerte sich Harry an die Jahre der Abneigung und Schmähung, die Severus im Dienste des Ordens des Phönix durchgemacht hatte, und sein Widerstand zerfiel. Wie hatte Severus weitermachen können, Jahr für Jahr, ständig in Lebensgefahr, als jeder, den er kannte, gegen ihn war, und als er am Ende zu sterben erwartete?
Harry bezweifelte, dass er hätte tun können, was Severus getan hatte, und das Wissen ließ ihn demütig werden.
Aber das bedeutete nicht, dass Severus sich nicht manchmal wie ein Idiot verhielt, denn das tat er.
Die Bürotür öffnete sich, und Severus rauschte mit einem furchteinflößenden Gesichtsausdruck in den Raum hinein.
Harry wusste nicht, was er sagen sollte – Severus war für sogenannten guten Zuspruch niemals empfänglich –, daher setzte Harry sich vor den Schreibtisch des Schulleiters und wartete.
Severus schritt zum Fenster, wo er stehenblieb und einen Moment lang in den hellen Sommermorgen schaute, ehe er herumwirbelte, um Harry anzusehen.
„Weißt du, dass dein Benehmen mich allzu oft veranlasst, mich zu fragen, warum die Todesser die einzige Gruppe sind, für die eine Umerziehung als notwendig erachtet wird?"
Harry erbleichte, als ihn die Worte trafen. Das Schlimmste daran war, dass Severus nicht laut sprach oder drohte, sondern sehr ruhig und ernst war. „Wie meinst du das?", fragte er und fürchtete sich vor der Antwort.
Severus kam näher und setzte sich halb auf die Kante seines Schreibtischs; dabei beugte er sich leicht zu Harry. „Ich meine, dass deine Bekundungen von Intoleranz unerträglich sind. Du kommst damit durch, weil du der Junge bist, der lebte und starb und wieder lebte – aber das macht es nicht akzeptabel, Harry."
Harry schluckte. Severus gebrauchte fast nie seinen richtigen Namen, daher war dies ein Anzeichen, dass es ihm todernst war. „Malfoy ist solch ein Bastard!", platzte Harry heraus.
Severus' Gesichtsausdruck änderte sich nicht. „Er hat einen geschmacklosen Witz über Weasleys Interesse an Quigley gemacht – ihr Kerle macht untereinander stündlich unflätige Witze über eure Männlichkeit und euren Heldenmut. Warum hast du so hundertprozentig etwas gegen den einen von tausend Kommentaren?"
Abwehrend verschränkte Harry seine Arme vor der Brust. „Er hat angedeutet, dass Rons schwul ist – Witze über homosexuelle Menschen gemacht!"
Für einen Moment schloss Severus die Augen, als sammle er seine innere Kraft. „Draco ist schwul, du Dussel! Er kann darüber Witze reißen, wenn er das will."
Harrys Kinnlade fiel hinunter. „Das ist er nicht!"
Severus runzelte die Stirn. „Ich war sein Hauslehrer", verwies er. „Ich versichere dir, dass es stimmt – aber das ist keine Information, die du verbreiten darfst. Das ist auch nicht der Punkt bei unserer Diskussion. Du machst dich mit deiner Zurschaustellung verbohrter Ignoranz lächerlich, und du darfst damit gerne weitermachen, wenn du möchtest – aber nicht hier. Nicht während dieses Events, bei all der Zeit und Energie, die Miss Granger und ihr Team investiert haben, um einen Erfolg daraus zu machen – ich darf dich daran erinnern, dass du ein Mitglied dieses Teams bist!" Er stand auf und sah kalt und streng aus. „Ich werde nicht zulassen, dass ihre Arbeit ruiniert wird! Und einige dieser Leute haben dafür bezahlt, um mit dir in Kontakt zu kommen, und ich werde dafür sorgen, dass sie bekommen, was sie wollen: die Gelegenheit, mit dem Nationalhelden der Zaubererschaft Bekanntschaft zu schließen. Selbst wenn ich dir einen Knebelzauber verpassen muss, Potter, du wirst dich in Anwesenheit der Gäste dieses Events benehmen!"
Harry fühlte sich wie ein Idiot. Malfoy (er war schwul?) ging ihm immer unter die Haut, und das seit ihrer ersten Begegnung in Madam Malkins Geschäft, als sie elf Jahre alt waren. (Hatte er damals gewusst, dass er schwul war?) Wie zum Teufel sollte Harry damit aufhören, etwas zu tun, was er länger als sein halbes Leben lang getan hatte – nämlich mit Malfoy aneinanderzugeraten? (Wussten andere Leute, dass Malfoy schwul war? Wie konnte Harry das nicht gewusst haben?)
Harry realisierte, dass Severus etwas zu ihm gesagt hatte – etwas, das eine Antwort erforderte –, und er musste antworten.
„Entschuldigung?", fragte er und richtete seine Aufmerksamkeit wieder zurück auf das Büro des Schulleiters.
„Habe ich dein Wort, dass du dich benehmen wirst?", fragte Severus und hörte sich an, als hinge seine Geduld am seidenen Faden.
Harry stand auf. „In Ordnung, Severus", sagte er. „Alles, was du willst."
Er streckte seine Hand aus und sah Severus geradewegs in die Augen. Vielleicht schaut er in meine Gedanken, dachte er. Das durfte er gerne tun, weil Harry jede Intention hatte, sein Versprechen zu halten. Schließlich war es nur noch für acht Tage. Und hier ging es nicht um Malfoy – es ging um die Schule –, und für Hogwarts würde Harry alles tun.
* Anmerkung der Übersetzerin: Fallfronthosen heißen Hosen mit doppellagigem, breitem, beidseitig geknöpftem Hosenlatz
