Vorbemerkung der Übersetzerin:
In diesem Kapitel kommen wir zu den reiterlichen Aktivitäten, und als aktive Reiterin füge hier und da für interessierte Nicht-Reiter eine Erklärung als Fußnote zu.
Kapitel 11
Samstag, 3. August 2002
Der Rest des Tages
Arthur Weasley ließ sich schwer auf den Stuhl neben seiner Molly fallen und wischte sich mit dem Taschentuch über das Gesicht. „Ich glaube, wir kommen gerade rechtzeitig!", sagte er und drückte ihre rundliche Hand.
Aber Molly starrte quer durch den Raum. „Schau dir Hermione an, sie tanzt mit dem Schulleiter", sagte sie. „Warum tanzt sie nicht mit Ron? Und warum haben sie beim Abendessen gestern Abend nicht beieinander gesessen? Oder beim Frühstück heute Morgen?" Sie verdrehte sich auf ihrem Stuhl und schaute in die andere Richtung, und Arthur seufzte tief. Seine Hexe war immer eine eigenwillige Frau gewesen, aber ah, was für eine Frau!
Wenn er ihre Aufmerksamkeit von ihren Kindern für eine Zeit lang ablenken könnte …
„Und dort ist Ron und tanzt mit dieser Lavender Brown", fuhr sie mit drängendem Unterton fort. „Er fragt Hermione nicht einmal!"
Minerva McGonagall, die den Tanzunterricht abhielt, klatschte in die Hände, entließ die Gäste und sagte ihnen, wie gut sie es gemacht hatten, die Quadrille zu lernen, und sie forderte sie auf, morgen wiederzukommen. Arthur lächelte seine Frau an.
„Jetzt haben wir eine Stunde vor dem Mittagessen, während das Jungvolk zum Reitunterricht geht", freute er sich und sah auf seinen persönlichen Zeitplan. „Was möchtest du gerne machen? Vielleicht, dich im Salon zum Plaudern hinsetzen? Oder wieder in unser Zimmer für ein Nickerchen?"
Molly erhob sich und schüttelte die Falten aus ihrem hübschen Regency-Kleid. Wie gut der lavendelblaue Farbton zu ihrem Haar und ihrer Haut aussah. War sonst ein Zauberer jemals solch ein Glückspilz mit seiner Frau gewesen? Aber sie murmelte vor sich hin, als ob ihren Rock auszuschütteln die Vorbereitung dafür war, in der einen oder anderen Mission loszuziehen.
„… dort ist George, ich gehe schnell hinüber und schaue, ob er mit Ron oder Hermione gesprochen –"
Arthur stand auf, nahm ihre Hand und zog sie resolut durch seinen Arm. „Dann machen wir einen Spaziergang durch das Labyrinth!", erklärte er Molly mit einem Lächeln.
Sie biss sich auf die Lippe. „Aber meinst du nicht, wir sollten herausfinden –"
Er schüttelte den Kopf und setzte sich mit ihr in Bewegung. „Ich denke, wir sollten die Kinder ihr Probleme selbst lösen lassen, Liebes. Du hast gesagt, dies sind unsere romantischen Ferien, weißt du noch?"
Ein kleines Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Wie sonst hätte ich dich dazu bringen sollen mitzukommen?", fragte sie spielerisch.
Arthur ließ einen innerlichen Stoßseufzer ab. Sie würde ihn nicht dazu bringen, das Thema ernsthaft anzugehen. „Das ist eine faire Frage", stimmte er zu. „Du hättest sagen können –", er sah sich um, ob ihnen irgendjemand zuhörte, ehe er den Kopf neigte, um ihr ins Ohr zu flüstern, „'Komm zur Regency-Woche, und ich verbringe jeden Tage eine Stunde im Bett mit dir!'"
Sie brach in Lachen aus, und seine Hand hielt ihre fester. Nie hatte es eine feinere Frau gegeben! Wenn sie sich um Ron sorgte, würde er mit dem Jungen ein Wörtchen reden. Alles, um für Mollys Entspannung zu sorgen.
~oo0oo~
In direkter Nachahmung von Hermiones Haltung stemmte Draco die Hände in die Hüften und hob seine Augenbrauen so hoch, wie es nur ging.
„Folgende Möglichkeiten hast du, Missy. Ich kann dir hinaufhelfen, oder du kannst den Aufsitzblock im Stallhof benutzen."[1]
Hermione verschränkte die Arme vor der Brust und hielt dabei ständig die kleine braune Stute im Auge. „Ich sehe nicht ein, weshalb ich mich nicht selbst hinauflevitieren kann", argumentierte sie.
„Und ich dachte, du wolltest ein authentisches Regency-Erlebnis!", spottete Draco.
Hermione warf einen Blick in jede Richtung. Es ging nicht an, dass … irgendjemand sie ängstlich und ungeschickt bei dieser Reitangelegenheit sah. Sie hatte ein maßgeschneidertes Reitkleid, das nach dem Vorbild eines Kleides von Prinzessin Charlotte entworfen worden war, und es war sehr chic, ein dunkelblauer Samt mit Epauletten im militärischen Stil und einem wunderbar weiten Rock. Und sie hatte deswegen monatelang ihren Mut zusammengekratzt!
„Keine Sorge – einen Vollblüter zu reiten, ist nicht dasselbe wie einen Thestral zu fliegen – Firefly wird gut auf dich aufpassen." Er streichelte die Mähne des Pferdes. „Sie hat meiner Mutter gehört, und es gibt kein besseres Pferd im Stall. Ich habe sie extra für dich ausgesucht."
Hermione schnappte nach Luft und ergriff seinen Arm. „Draco – wie kommt es, dass solch ein Trottel so aufmerksam sein kann?"
Er schüttelte den Kopf, bückte sich und verschränkte seine Hände ineinander. „Ein Fehler meinerseits, das gebe ich zu. Jetzt setz deinen Fuß hinein und halte den Mund, Dummerchen", befahl er, „und ich helfe dir, diesen Rock auf dem Damensattel zu ordnen."
~oo0oo~
Severus stand neben Lucius in der Hauptsattelkammer; der Austausch, der zwischen Draco und Miss Granger stattfand, fesselte seine Aufmerksamkeit. Er konnte nicht behaupten, dass ihm ihre Erscheinung in dem schweren Reitkleid gefiel. Es bedeckte jeden Zentimeter von ihr – du liebe Zeit, sie trug sogar ein weißes Hemd und eine Krawatte wie die eines Mannes dazu! – und der Hut war abgesehen von den Federn, die daraus ragten, keineswegs feminin. Aber er wollte sie sehr gern zu Pferd sehen – wollte an ihrer Seite über die Felder reiten. Er hätte nicht sagen können, weshalb das so war – aber in letzter Zeit hatte er so viele Impulse, die er nicht erklären konnte –, und alle schienen aus seiner Verbindung zu ihr abzuleiten.
„Gute Arbeit, Draco", sagte Lucius laut, und Severus sah, wie Draco dem Mädchen in den Sattel half. Er zeigte ihr, wie sie die Zügel halten sollte, und führte das Pferd durch den Stall in Richtung des sonnigen Hofs, wo die Reiter sich zu ihrem Unterricht sammelten.
Severus hängte den Biberhut, den er in der Hand gehalten hatte, an einen Haken an der Wand und schritt zur Tür.
Lucius hängte ihn ab und ging Severus nach. „Du sollst den Hut tragen, alter Junge", sagte er lächelnd.
Severus schwang sich in den Sattel seines schwarzen Araberhengstes, und Apollyon tänzelte unter ihm, begierig loszulaufen. „Ich trage keine Hüte", sagte er. „Leticia hat ihren verlegt – schau, ob sie ihn haben möchte."
„Aber was tust du in einer Anfängerreitstunde?", fragte Lucius amüsiert.
Severus sah an seiner Nase entlang hinunter auf seinen lachenden Freund. „Ich werde natürlich ein paar Tipps aufschnappen", antwortete er und ließ Apollyon ins Sonnenlicht losgehen.
~oo0oo~
Einen Moment lang starrte Lucius nachdenklich auf den eleganten Regency-Zylinder in seinen Händen, dann drehte er sich um und verbrachte eine ebenso lange Zeit damit, Leticia zu betrachten, während sie in der breiten Stallgasse vor der Box ihres Pferdes wartete, in der der Stallelf seiner Pflicht zu satteln nachkam. Lucius hatte Leticia Firefly reiten lassen wollen, Narcissas Stute, aber Draco hatte den Vorschlag abgelehnt.
Am Abend zuvor hatten die beiden eine Flasche Weißwein miteinander getrunken und die Liste vervollständigt, in der sie die verfügbaren Pferde den Reitern zuteilten. „Professor Mortelle wird Firefly nicht wie Granger zu schätzen wissen", hatte Draco eingewandt. „Sie ist selbst viel zu feurig; wahrscheinlich würde sie das Pferd überreizen."
Lucius hatte höhnisch gegrinst. „Deine Mutter wäre entsetzt bei dem Gedanken an das Grangermädchen auf ihrer Stute."
Draco hatte ihm in die Augen gesehen, grau in grau und ohne zu lächeln. „Mutter wohnt hier nicht mehr, Vater – und sie hat das Reiten nie so genossen wie wir – sie liebt Firefly nicht mehr als irgendeinen der Dienstboten." Er hatte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Liste gerichtet. „Ich liebe Mutter von ganzem Herzen, aber sie ist kein warmherziger Mensch. Sie vermisst das Manor nicht; sie zieht bei weitem vor, ruhig zu leben mit –"
Lucius hatte eine Hand gehoben, als wolle er einen Schlag abwehren. „Erwähne mir gegenüber den Namen dieser Frau nicht!"
Und Draco hatte weiter die Einteilung der Pferde diskutiert, als ob Narcissa und ihre lesbische Gefährtin nie erwähnt worden seien.
„Professor Mortelle passt gut zu Gadabout", hatte Draco entschlossen gesagt.
Lucius hatte mit gerunzelten Augenbrauen ihre Gläser wieder gefüllt. „Gadabout ist mein zweitbestes Jagdpferd – nicht, was ich ein ruhiges Pferd nennen würde. Er ist kein Damenreitpferd."[2]
Und Draco hatte gelacht, der erste Laut uneingeschränkter Freude, den Lucius in jüngster Vergangenheit von ihm gehört hatte. „Dann passt er perfekt zu Professor Mortelle! Hast du sie reiten gesehen, Vater?"
Jetzt stand die rothaarige Hexe in einem strengen Reitkleid aus flaschengrünem Samt im Regency-Stil vor Gadabouts Box. Ihr Haar war zu einem eleganten Chignon geschlungen, ihr Kopf unbedeckt. Aber es war das Ding in ihrer Hand, das Lucius auf der Stelle erstarren ließ, und seine Augen hefteten sich auf die schwarze Lederreitpeitsche[3], und sein Herz schlug schneller, als ob er sich anstrengte.
Sie ging ungezwungen damit um, als sei sie ein alltägliches Teil ihrer Ausstattung, aber ihr Vorhandensein in ihrer eng behandschuhten Hand erfüllte seinen Kopf mit ungebetenen Bildern, die man besser in privaten Gefilden denn in gutbesuchten Bereichen ließ.
Als ob sie seine Augen auf sich spürte, wandte Leticia den Kopf um, bis sie Blickkontakt hatten, und im Nu schien es, als kenne sie seinen Gedanken genau. Ihre Brauen hoben sich über ihren strahlend blauen Augen, und ihre Lippen bogen sich. Lucius wollte sich ihr nähern, und er wusste, dass seine Reaktion allzu offensichtlich war, dass er sich besser von ihr abwenden sollte und seine plötzliches, dringendes Begehren, mit ihr alleine zu sein – ihr zu Füßen zu knien und sie anzubeten –, verbergen sollte, aber er war hilflos, seine aufkeimende Not zu verschleiern.
Willig schritt er in den Gesichtskreis einer Frau, die er jetzt als geschickte Verführerin erkannte.
Ganz dicht bei ihr blieb er stehen, sicher nicht zu nah für die gesellschaftliche Schicklichkeit, aber solche Überlegungen erschienen in diesem Moment recht unwichtig. Obwohl sie mehr als zehn Zentimeter kleiner war als er, hatte er das ausgeprägte Gefühl, zu ihr aufzusehen, und das beinahe unmerkliche Neigen ihres Kopfes zeigte, dass sie seinen Zustand beginnenden Verlangens erkannt hatte.
„Nun, Lucius?", fragte sie.
Ihr Ton war von fast unerträglicher Intimität, und nackt in seiner ungewohnten – wenn auch nicht wirklich unwillkommenen – Verletzlichkeit, sprach er die ersten Worte aus, die ihm in den Sinn kamen.
„Die Gerte steht Ihnen."
Das beginnende sich Biegen ihres üppigen Mundes vervollständigte sich nun zu einem vollen Lächeln, und er fühlte fast physisch ihre Akzeptanz seiner Bewunderung.
„Das tut sie."
~oo0oo~
Am anderen, schattigen Ende des Gebäudes stand Harry in einer offenen Boxentür und starrte mit einiger Beklommenheit auf das gesattelte Pferd dort. Der Stallelf hatte das Pferd gesattelt und gezäumt und schlang die Zügel durch einen Metallring, der offensichtlich zu diesem Zweck angebracht war.[4]
„Braucht Sir Hilfe beim Aufsitzen?", hatte der Elf gefragt.
„Nein, danke", hatte Harry geantwortet und den kleinen Stallknecht seiner Wege geschickt.
Jetzt schaute Harry in die uninteressierten Augen des Pferdes und schluckte. Zumindest hatte es keine Klauen an den Vorderbeinen, auch wenn es von schöner, grauer Farbe war, genau wie Seidenschnabel, der Hippogreif. In der Hoffnung, dass sonst niemand in der Nähe war, um zuzusehen, wie hilflos der Junge, der lebte, mit einem Vollblüter war, hielt Harry Blickkontakt mit dem Tier und verbeugte sich, wie Hagrid es ihn gelehrt hatte.
„Potter, was zum Teufel machst du?"
Harry zuckte wegen des ungläubigen Tons des Frettchens innerlich zusammen, aber er war ein disziplinierter Kämpfer. Er wusste, wenn er wegsah, ehe das Pferd seine Verbeugung erwiderte, konnte dies das Letzte sein, was er jemals tat. Nachdem Harry Potter gelernt hatte, wie man die Begegnung mit einem magischen Tier handhabte, vergaß er die Lektion nicht mehr.
„Ich bitte um Erlaubnis, ihn anzufassen, Malfoy. Wie sieht es denn aus, was ich tue?"
Noch immer erwiderte das Pferd seinen Blick mit recht gelangweiltem Interesse, als ob es Harry für ganz amüsant hielt, sich aber fragte, wann die echte Belustigung wohl losging. Tatsächlich schien das Pferd nicht annähernd so gefährlich zu sein, wie Seidenschnabel es war.
„Ich verstehe", murmelte Malfoy, und dann bewegte er sich vorwärts, um den Hals des Pferdes zu tätscheln, und unterbrach dabei Harrys Blickkontakt mit dem Tier.
Harry richtete sich ärgerlich auf. „Jetzt kann ich wieder von vorn anfangen – ich werde zu spät zum Unterricht kommen, und Hermione wird sauer auf mich sein. Vielen Dank, Malfoy!"
Malfoy sah ihn an, und obwohl Harry dachte, dass der andere Zauberer sich zu amüsieren schien, lachte er nicht laut. Harry nahm an, er solle für kleine Dinge dankbar sein, wo Malfoy im Spiel war.
„Schau, Potter, ich nehme an, dass diese Muggel, die dich aufgezogen haben, keine Pferde hatten", begann Malfoy.
„Meine Tante Petunia hätte nicht einmal ein kleines Tier im Haus zugelassen und erst recht kein großes, schmutziges Ding wie dieses", antwortete Harry, ehe er sich selbst bremsen konnte.
Das Pferd schnaubte[5], und Harry fühlte sich gezwungen zu sagen, „Nichts für ungut."
Draco grinste unverblümt. „Pferde sind nicht wie Hippogreife", sagte er. „Sie sind zahm. Du brauchst dich nicht zu verbeugen oder sie um Erlaubnis zu bitten, um sie anzufassen."
Harry verschränkte die Arme vor der Brust und fühlte sich ein wenig lächerlich. Malfoy würde einen Festtag haben, wenn er diese Story seinen Kumpels erzählte. „Nun, was macht man mit ihnen?", fragte er ungeduldig.
„Tu dies", sagte Draco und holte einen Zuckerwürfel aus seiner Tasche, den er dem Pferd auf der flachen Hand hinhielt.[6] Das Pferd nahm den Leckerbissen, und seine Lippen bewegten sich dabei über Malfoys Handfläche, bis es den kleinen Zuckerklumpen fand. Dann bot Malfoy Harry einen Würfel an. „Auf geht's", ermunterte er ihn. „Duds ist freundlich."
Harry trat einen Schritt vor, den Zucker auf seiner Hand, wie Malfoy es getan hatte.
„Sei nett zu Harry, Junge", sagte Malfoy zu dem Pferd und streichelte dessen dunkelgraue Mähne. „Du wirst ihn mögen. Du wirst es sehen."
Der warme Atem des Pferdes und seine samtigen Lippen auf seiner Hand fühlten sich seltsam, aber nicht unangenehm an. Als Malfoy es ihm bedeutete, legte Harry seine freie Hand an den Hals des Pferdes und tätschelte es.
„Hast du ihn Duds genannt?", fragte er Malfoy und drehte den Kopf, um ihn anzusehen. Malfoy konnte keinesfalls den Namen seines Cousins Dudley kennen, aber der Zufall war ziemlich lustig.
Malfoy stand einen Moment lang ganz still und erwiderte Harrys Blick; dann trat er beiseite und begann, an den Steigbügeln am Sattel herumzuhantieren. „Yeah, weil er den hochtrabenden Namen 'Evening Attire' trägt, aber ich rufe ihn 'Duds' – das hat dieselbe Bedeutung, ist aber kürzer."* Er richtete die Bügelriemen und trat noch einen Schritt zurück, während er auf die Hufe des Pferdes deutete.
Harry schaute nach unten und sah die schwarzen Hufe, über denen dunkelgraue Fesseln waren gefolgt von weißen Strümpfen.[7]
„Siehst du? Sieht aus, als ob er Gamaschen trägt", sagte Malfoy. Dann bückte er sich und verschränkte seine Finger. „Greife an den Sattelknauf und stell deinen Stiefel hierhin – ich helfe dir aufsitzen."[8]
Harry gefiel es nicht, Malfoy zu erlauben, ihm zu helfen, aber was sonst konnte er tun? Die Leute warteten, und Harry hatte keine Vorstellung, wie er mit dem Pferd umgehen sollte.
Sobald er im Sattel saß, gab Malfoy ihm einige Tipps, wie er seine Füße in die Steigbügel setzen und die Zügel halten sollte. „Du kriegst das hin", sagte er. „Wir sehen uns dann draußen."
Malfoy führte Duds aus der Box[9] und ließ das Zaumzeug los. Harry sah über seine Schulter zurück, als er davonritt.
„Danke", sagte er barsch.
Malfoy lächelte, was Harrys Bauch sich anfühlen ließ, als habe er beim Hinabgehen einer Treppe eine Stufe übersprungen. Warum musste der Wichser so gut aussehen?
„Du bist mir was schuldig, Potter!", sagte er und wandte sich dann ab, um zu seinem eigenen Pferd zu gehen.
~oo0oo~
Hermione saß unbeholfen auf Firefly und fragte sich, wie die Regency-Damen es geschafft hatten, Pferde zum Vergnügen zu reiten, geschweige denn in dieser Position über Hindernisse zu springen! Ihr linker Fuß befand sich sicher im Steigbügel, und ihr rechtes Bein ruhte auf dem hervorstehenden Horn, aber sie fühlte sich völlig unfähig, speziell nach einer Stunde Reitens in der Bahn mit dem Reitlehrer, einem Squib namens Horologium Black. Mit ihr waren noch viele andere in der Anfängergruppe, die im Reiten ganz genauso schlecht waren wie sie, aber sie hasste es, zu ihnen zu gehören. Draco war mit den mittelmäßigen Reitern in der benachbarten Bahn, und Professor Mortelle arbeitete mit den Fortgeschrittenen auf einer Wiese, wo verschiedene Hindernisse aufgebaut waren.
„Sitzen Sie bequem? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?"
Sie sah sich um und sah den Schulleiter auf seinem kohlschwarzen Pferd. Der Mann war außer seinem weißen Hemd ebenfalls ganz in Schwarz; sogar seine Krawatte war schwarz. Im Gegensatz zu den anderen Männern trug er keinen Hut auf seinem rabenschwarzen Haar, das zurückgebunden war – ein Stil, den sie zuvor an ihm noch nicht gesehen hatte. Er schien ihn anders aussehen zu lassen – irgendwie exotisch –, und sein Anblick auf dem seidig glänzenden, schönen Pferd gab ihr ein sonderbares Gefühl. Wenn sie es nicht besser gewusst hätte, hätte sie das Gefühl für … Erregung gehalten, aber das war unmöglich. Dies war schließlich Snape. Höchstwahrscheinlich war es nur eine Art von Wundsein, das von der ungewohnten Aktivität des Reitens verursacht wurde. Das würde vorbeigehen. Aber da es zu ihrer Verwirrung bei der Begegnung mit ihm auf dem Treppenabsatz im ersten Stock hinzukam, war sie besonders aufgeregt, und es fiel ihr schwer, ihm in die Augen zu sehen.
„Danke, Sir, aber mir geht es gut", sagte sie. „Wir sind jetzt gerade auf dem Weg zurück in die Ställe."
Er trieb sein Pferd neben ihres. „Dann werde ich Sie begleiten."
Hermione war sich seiner intensiv bewusst, wie er auf dem Pferd saß und aussah wie ein schneidiger Regency-Gentleman – wenn auch ein wenig wie ein verwegener. Wenn er kein Kostüm trüge, wärst du nicht so durcheinander, versicherte sie sich selbst, aber sie wusste nicht, ob das wirklich stimmte.
„Das ist ein schönes Pferd", sagte sie zu ihm. „Reiten Sie ihn oft? Sie scheinen fast eins zu sein mit dem Tier."
„Dies ist Apollyon", informierte er sie. „Er gehört mir – ein Geschenk der Familie Malfoy, nachdem der Krieg vorbei war. Ich reite ihn, so oft ich kann, was nicht immer so oft ist, wie ich gerne möchte."
Hermione wollte fragen, weshalb die Malfoys sich dazu verpflichtet gefühlt hatten, ihm solch ein Geschenk zu machen – ein Pferd dieser Güte kostete sicher mehrere Tausend Galleonen –, aber sie wollte ihn nicht verärgern, daher widerstand sie dem Drang. Stattdessen sagte sie, „Sie reiten sehr gut."
Er warf einen schrägen Blick auf sie hinab, die dunklen Augen sardonisch. „Als ob Sie nach einer Reitstunde einen guten Reiter von einem mittelmäßigen unterscheiden könnten?"
Sie lachte. „Nun, für mich sehen Sie gut aus!"
Sie errötete, als sie die Worte ausgesprochen hatte – wie mochte er sie auffassen? –, aber seine Aufmerksamkeit wurde schnell von ihr abgelenkt.
„Severus!", rief Lucius Malfoy, der rittlings auf seinem großen Schimmel saß. „Wir werden die Jagdstrecke abgaloppieren – kommst du mit?"
Professor Mortelle zügelte ihr Pferd neben Mr Malfoy; auf einem Fuchs derselben Größe und desselben Temperaments wie Mr Malfoys Pferd sah sie kühl und elegant aus. Der Schulleiter sah zu Hermione. „Ich muss jetzt weg", sagte er. „Zum Mittagessen treffen wir uns wieder."
„Viel Spaß!", wünschte Hermione, und mit einem gewissen Gefühl von Enttäuschung sah sie zu, wie er davongaloppierte, um zu seinen Freunden zu stoßen, und die drei ritten nebeneinander, als ihre Pferde abdrückten und das erste Hindernis nahmen, als seien sie irgendwie synchronisiert.
Hermione war sich eines Stiches von Neid bewusst – wie gern wäre sie die Vierte in dieser Reitergruppe gewesen! –, aber sogar mit Professor Mortelles Zauber, der ihr half, im Sattel von Firefly zu bleiben, wäre sie für einige Zeit noch nicht bereit zu springen. Es war entmutigend.
Sie wandte ihr Pferd Richtung Stall und ritt zu der Gruppe von Gästen, denen beim Absitzen geholfen wurde. Ron, Fin und Viktor standen am Zaun, machten Witze und flirteten mit allen Mädchen. Parkinson, Parvati, Padma und Penny waren bei ihnen genau wie Lavender, und sie waren eine fröhliche Truppe. Aber als Viktor Hermione erspähte, ging er an den Stallknechten vorbei, die den Reitern beim Absitzen halfen, und streckte die Hände nach oben, um Hermiones Taille zu ergreifen.
„Komm herunter", drängte er sie mit seinem gewinnendsten Lächeln. „Ich helfe dir."
Hermione wollte vom Pferd hinunter, daher erlaubte sie Viktor, ihr beim Absitzen zu helfen. Es war seltsam, wieder auf den Füßen zu sein, und ihre Beine fühlten sich hölzern an, aber erst, als sie den ersten Schritt machte, war ihr klar, wie sehr ihr alles wehtat.[10] Sie stützte sich auf Viktors Arm, und Penny kam mit einem mitfühlenden Ausruf zu ihr.
„Hast Du arge Schmerzen?", fragte sie besorgt. „In deinem Bad findest du eine kleine braune Flasche mit Savoir Smith's Muskelkatertonikum – der Schulleiter hat mir davon erzählt. Gib etwas davon in dein Badewasser, und es hilft gegen die Beschwerden."
Fin kam hinzu, um Pennys Aufmerksamkeit zu beanspruchen, und Viktor nutzte die Gelegenheit, einen Arm um Hermiones Schultern zu legen. „Ich wäre beglückt, deine schmerzhaften Körperteile zu massieren", murmelte er in ihr Ohr.
In der Ferne hoben sich drei Pferde, schwarz, weiß und rotbraun, und nahmen ein weiteres Hindernis. Hermione hörte kaum, was zu ihr gesagt wurde.
„Herm-own-ninny?"
Hermione lächelte Viktors zu. „Danke", sagte sie und hatte keine Idee, was sie ihm antworten könnte. „Ich muss mich jetzt beeilen, um zurück ins Schloss zu kommen – das Mittagessen wird bald serviert, weißt du!"
Und während sie von ihm wegtrat, drehte sie sich auf dem Punkt und disapparierte.
~oo0oo~
Sie vergewisserte sich in der Küche, dass Mrs Parkinsons spezielles Mittagessen wie vorgegeben zubereitet wurde, dann eilte sie zu ihrem Zimmer – aber Ron war vor ihr dort und blockierte ihren Weg hinein.
„Wo ist Krum?", fragte er, und seine Stimme war leise und bebte vor Zorn. „Ist er nicht mitgekommen, um 'deine schmerzhaften Körperteile zu massieren'?"
Sofort flammte ihr Ärger auf. „Wenn er meine schmerzhaften Körperteile massieren würde, was ginge das dich an?"
Er packte ihren Oberarm. „Du bist meine Freundin – hast du das vergessen?"
Sie riss sich von ihm los. „Bei all dem Geflirte, was du betreibst? Was sollte mir dabei helfen, mich daran zu erinnern?"
Wieder griff er nach ihr, aber sie zog ihren Zauberstab. „Geh weg! Ich muss mich zum Mittagessen fertigmachen. Ich habe keine Zeit für das!"
Ron warf die Hände in die Luft, das Gesicht rot vor Zorn. „Das ist nichts Neues! Du hast seit Monaten keine Zeit für mich gehabt! Aber du hast viel Zeit für alle anderen – Krum und sogar Snape! Was ist los mit dir?"
Hermione war viel zu ärgerlich, um mit ihm zu sprechen. Sie drängelte sich an ihm vorbei in ihr Zimmer und legte hinter sich einen Schutzzauber auf die Tür.
Sie war nicht da, um Rons überstürzte Flucht den Gang hinunter zu sehen, an dessen Ende er seinen Vater vorfand, der ein ernstes Gesicht machte.
Arthur legte einen Arm um die Schultern seines Sohnes. „Komm, geh ein Stück mit mir, Ron. Ich denke, es ist Zeit für ein Gespräch."
~oo0oo~
Savoir Smith's Muskelkatertonikum wirkte wie ein Wundermittel für ihre schmerzende Muskulatur, und Hermione konnte den Rest ihres Tages ohne Muskelbeschwerden überstehen. Das Nachmittagsprogramm bot den Gästen viel unterschiedliches Amüsement, und Hermione hatte Zeit, auf ihr Clipboard zu schauen und jedes Detail festzuhalten, zuversichtlich, dass ihre Helfer die Dinge im Griff hatten.
Als sie an diesem Abend beim Dinner erschien, war sie guter Laune. Alles lief in geregelten Bahnen, sodass der nächste Tag ohne Zwischenfälle verlaufen sollte, wenn die übrigen Gäste ankamen. Nach dem Abendessen saß sie bei den Damen im Salon und genoss deren Geplauder über all die Dinge, die sie an diesem Tag getan hatten. Bei dieser kleinen Gruppe war das Projekt sehr erfolgreich; wenn sie es schaffte, der größeren Gruppe dasselbe Erlebnis zu verschaffen, wäre sie sehr zufrieden.
In dem Wissen, dass sie am Morgen kurz nach Sonnenaufgang auf und fit sein musste, schlüpfte sie früh davon, um zu Bett zu gehen, zufrieden, wie der Tag verlaufen war.
~oo0oo~
Severus sah Miss Granger, als sie sich für den Abend zurückzog, und er hieß diese Entscheidung gut. Der Sonntag würde ein anstrengender Tag werden, und er brauchte sie ausgeruht und kompetent. Seine Genugtuung hielt jedoch nur den Bruchteil eines Augenblicks an, weil er als Nächstes sah, wie Ronald Weasley die Gruppe ausgelassener Freunde verließ und dem Mädchen folgte.
Verdammt.
Ohne zu irgendjemandem etwas zu sagen, verließ Severus den Salon, trat in einen verborgenen Schrank und flohte in sein Schlafzimmer. Er schritt zur gegenüberliegenden Wand, öffnete die Tür dort und wandte sich seinem Lieblingssessel zu, nur um ein rotpelziges Kissen vorzufinden, das ihn besetzte.
„Wie gelangst du immer wieder in dieses Zimmer hinein?", fragte er die flachgesichtige Kreatur.
Der orangefarbene Kater blinzelte ihm mit wohlwollenden, gelben Augen zu, bewegte sich aber nicht aus seinem Sessel. Zumindest war er dieses Mal auf Crookshanks Besuch vorbereitet. Vom Oberteil seiner hohen Kommode holte er eine Dose Katzenkekse und ließ einen auf den Teppich fallen. Der ungebetene Besucher bewegte sich aus dem Sessel auf den Boden, um den Keks zu untersuchen.
„Danke", sagte Severus und trat über die Katze und ihren Leckerbissen, nahm seinen Platz ein und bereitete sich darauf vor, auf die Ankunft von Miss Granger und ihres Verehrers zu warten.
Lange brauchte er nicht zu warten. Er hörte Hermione Grangers leichten Schritt und das Schließen ihrer Schlafzimmertür, sehr schnell gefolgt vom deutlich schwereren Schritt Ronald Weasleys und dem Klopfen einer Faust auf Holz.
„Was willst du?"
Sie hörte sich irritiert an – exzellent.
„Ich möchte mit dir reden. Lass mich rein, Hermione."
Überheblicher Schnösel. Weshalb sollte sie ihn hineinlassen?
„Geh weg, Ronald. Morgen habe ich tausend Dinge zu erledigen, und ich gehe jetzt ins Bett."
Gutes Mädchen. Gib nicht nach.
„Ich will nicht mehr streiten, Liebes. Ich hätte diesen dummen Zeitplan nicht verwetten sollen. Da. Es tut mir leid."
Guter Gott, sicher würde das Mädchen nicht auf diesen schmeichlerischen Ton hereinfallen!
„Dummen Zeitplan? Dumm?"
Ah, das mochte sie nicht. Geh lieber ins Bett, Weasley.
Severus rief den Getränketrolley zu sich und goss sich ein Schlückchen Weinbrand ein.
„Es ist nur ein Stück Pergament, Hermione!"
Nachhaken, Weasley?
„Das war die ganze Zeit deine Einstellung! Dir hat nie etwas an der Regency-Woche gelegen!"
Ihr Ton steigerte sich zu einem Schreien – am besten würden sie dies bald beenden.
„Mir lag etwas an dir! Ich wollte Zeit mit dir verbringen! Ich wollte deine Aufmerksamkeit gelegentlich einmal für mich!"
Severus schüttelte den Kopf. Weasley hatte keine Ahnung, wie er seine Sache vertreten sollte; das war klar.
„Wenn dir etwas an mir läge, läge dir etwas an den Dingen, die mir wichtig sind!"
Severus nahm einen Schluck Brandy und dachte über diese Behauptung nach – bis zu einem gewissen Punkt stimmte sie.
„Ich will dir wichtig sein, nicht die ganze Zeit die zweite Geige nach deinen verdammten Projekten spielen!"
Ah, war das wirklich so gewesen? Severus konnte in diesem Fall einen gewissen Grad an Sympathie für den Jungen fühlen – dennoch hatte Weasley einfach keine Ahnung, wie er am besten mit einer Frau umgehen sollte.
„Du warst mir wichtig, du Idiot! Ich wollte, dass du in dieser Woche mit mir zusammen bist – was könnte romantischer sein als eine Woche in der Regency-Epoche?"
Tränen lagen nun in ihrer Stimme – konnte der Schnösel sie nicht hören?
„Romantisch! Was ist so romantisch daran, dich eine volle Woche lang herumrennen und um Dinge kümmern zu sehen? Wann hast du dich auch nur einmal hingesetzt und einfach genossen, was du geschafft hast?"
Severus hielt mitten in der Bewegung inne, sein Glas an den Mund zu führen. Wann hatte Granger sich jemals genügend entspannt, um die Ergebnisse ihrer Arbeit zu genießen? Offensichtlich war ihr die Erfahrung weit über den Nutzen für Hogwarts hinaus wichtig.
Statt einer Antwort des Mädchens krachte die Tür ins Schloss, gefolgt vom erwarteten Hämmern und Rufen, aber sie wurde nicht wieder geöffnet. Severus wartete darauf, dass Weasleys Tür sich öffnete, aber das passierte nicht – dann war der Junge nach unten gegangen, um dort etwas Trost für sein angeschlagenes Selbstwertgefühl bei der Gruppe alleinstehender junger Hexen zu finden.
Der steinerne Panzer der unbezwingbaren Mauern des Schlosses waren ein Jahrtausend zuvor errichtet worden, aber viele der innenliegenden Wände waren in späteren Jahren gebaut worden, wenn sich Bedarf nach mehr Schlaf- und Klassenräumen zeigte. Manche der Wände waren dann aus Holzbalken konstruiert und oben und unten vielleicht mit Gesimsen geschmückt worden, aber sie waren nicht so dicht wie der Stein auf den Böden und in den Außenmauern.
Durch diese keineswegs undurchdringliche Barriere hörte Severus die jämmerlichen Schluchzer des Mädchens. Seine Augen schlossen sich, sein Kopf fiel leicht nach vorn, als trüge er eine schwere Last auf seinen Schultern. Sie war eine schreckliche Freundin, wenn man Weasley seine Seite erzählen hörte, aber sie war eine effiziente, unbarmherzige Projektmanagerin. Sie mochte … eine Herausforderung auf der zwischenmenschlichen Seite sein, aber sie war noch immer sehr jung, mit einem Kopf voller Regency-Fantasien. Sie verdiente es nicht, so unglücklich zu sein. Ein passender Mann konnte ihr zeigen, wie sie dieses unbezähmbare Temperament auf ihre Arbeit und auf ihre Liebe gleichmäßig verteilen konnte – Weasley war selbst einfach noch zu grün, um zu erkennen, was zu tun war.
Seine Augen öffneten sich beim Geräusch einer Bewegung, und das Haustier des Mädchens sprang auf den Sessel ihm gegenüber und begann, sich zu putzen.
„Warum gehst du nicht ins Zimmer deiner Chefin, um sie zu trösten?", forderte Severus die Katze auf.
Crookshanks sah mit einem glanzlosen, gelben Starren von seinen Fellpflegeaktivitäten auf, fast, als stelle er Severus genau dieselbe Frage.
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Anmerkung zur Übersetzung
* Hier liegt ein englisches Wortspiel vor, das sich ins Deutsche leider nicht 1:1 übertragen lässt, ohne die Assoziation zu Dudley zu zerstören:
"Evening Attire" = Abendkleidung
"Duds" = Klamotten
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Anmerkungen der Übersetzerin zum Reiten
Ich bin eine aktive Reiterin und selbst eine Zeit lang im Damensattel geritten. Hier möchte ich interessierten Lesern gern einige Informationen zur Verfügung stellen. Wer weitere Fragen hat, darf mich gern per PM kontaktieren.
[1] Ein Aufsitzblock ist ein gemauertes Treppchen mit einem kleinen Podest, an dem das Pferd vorgeführt wird, um dem Reiter das Aufsitzen zu erleichtern. Positiver Nebeneffekt dieser „Faulenzer"-Technik ist, dass der Pferderücken vor allem am Widerrist vom seitlichen Zug des Reitergewichts entlastet wird.
Rein technisch kann man alleine, ohne Hilfe, ganz undamenhaft in den Damensattel aufsitzen, indem man wie beim Herrensattel mit dem linken Fuß in den Steigbügel tritt und das rechte Bein zunächst über das Pferd schwingt, um es danach links über das obere Horn zu legen.
Zum korrekten Aufsitzen benötigt die Dame jedoch Hilfe: Der Herr steht mit dem Rücken zum Pferdekopf und verschränkt seine Hände ineinander. Die Dame setzt ihren linken Fuß in die verschränkten Hände, und der Herr hebt sie hoch, bis sie im Sattel Platz nehmen und dabei von links(!) ihr rechtes Bein über das obere Horn legen kann. Danach nimmt sie den linken Steigbügel auf und ordnet ihren Rock.
[2] Ein „Damenreitpferd" im Sinn eines Pferdes, das 1. nicht allzu wuchtig, 2. charakterlich sanft ist und 3. im Damensattel geritten werden kann, braucht für diese Reitweise eine spezielle Ausbildung. Grundsätzlich sollte es „rittig" = leicht zu reiten sein, sehr fein an den Hilfen stehen und auf Kandare geritten werden können; darüber hinaus muss das Tier an die unterschiedliche Sitzposition und die demzufolge sehr unterschiedliche Einwirkung der Reiterin gewöhnt werden. Hat ein Pferd beides gelernt, kann es mit sowohl im Herren- als auch im Damensattel geritten werden.
[3] Die Reitgerte ist beim Reiten im Damensattel ein notwendiges Werkzeug; sie ersetzt das für die Hilfengebung fehlende rechte Bein, um sich mit dem Pferd zu verständigen. Es geht dabei keineswegs darum, ein Pferd zu schlagen, sondern es mit der Gerte statt des Schenkels zu touchieren.
[4] In der heutigen, klassischen Reitlehre gilt es als eine reiterliche Todsünde, ein Pferd am Zügel anzubinden, da das Pferd – falls es erschrickt – sich ernsthaft verletzen kann.
[5] Abschnauben ist bei Pferden häufig eine Äußerung von Wohlbefinden und Entspannung.
[6] Pferde lieben in der Tat Zucker; allerdings ist er für ihre Zähne leider genauso schädlich wir für die des Menschen. Karotten sind die bessere Wahl.
[7] Duds Färbung lässt erkennen, dass er ein noch relativ junger Schimmel ist. Schimmel werden schwarz geboren; mit zunehmendem Alter werden sie immer heller, bis sie später reinweiß werden. Die Färbung verändert sich dabei an verschiedenen Körperteilen unterschiedlich schnell. Oft sind Mähne, Schweif, Hals und Extremitäten noch recht dunkel, während das Fell am Rumpf bereits heller wird.
[8] Korrektes Aufsitzen gehört zu den Grundlagen des Anfängerunterrichts im Reiten.
Besonders Anfängern fällt das Aufsitzen – auch im Herrensattel – oft schwer, weil man den Fuß relativ hoch in den Bügel setzen und sich dann mit Schwung vom Boden abstoßen muss, um sich in einer flüssigen Bewegung in den Sattel zu schwingen und nicht wie ein nasser Sack seitlich daran zu hängen. Mit seiner Hilfestellung erleichtert Draco nicht nur Harry, sondern vor allem auch dem Pferd das Aufsitzen, weil es nicht den seitlichen Druck am Widerrist aushalten muss, den das Gewichts eines Reiters auslöst, der unbeholfen am Sattel hängt und sich hochzuziehen versucht.
[9] In der Box aufzusitzen, ist sehr unüblich, denn es ist nicht ungefährlich. Normalerweise wird vor dem Stall oder auf dem Reitplatz aufgesessen, wo genügend Platz ist.
In seriösem Reitunterricht wird kein Anfänger beim ersten Reitversuch einfach auf's Pferd gesetzt und losgeschickt, sondern das Aufsitzen findet auf dem Reitplatz unter Anleitung, Hilfe und Aufsicht des Reitlehrers statt.
[10] Beim Reiten im Herrensattel lernt der Reitanfänger aufgrund des gespreizten Sitzes Muskeln am inneren Oberschenkel kennen, deren Existenz ihm vorher meist unbekannt war. Dort bildet sich der typische Reitmuskelkater am intensivsten. Im Gegensatz zum Herrensattel sitzt man im Damensattel auf einer ganz geraden Fläche; Muskelkater entsteht meiner eigenen Erfahrung nach dabei überhaupt nicht.
