Kapitel 13b

Montag, 5. August 2002
Mittag bis Abend

Ron ging zum Mittagessen hinein mit seinen neuen Kumpels Fin und Viktor und der Schar von Mädchen, die immer um sie herumschwirrten. Aber es war Romilda Vane, die sich den Platz neben ihm sicherte, und darüber war er froh. Es war ein berauschendes Erlebnis, von einem hübschen Mädchen verfolgt zu werden – einem äuerst sexy Mädchen – nach dem Jahr, in dem Hermione ihn vernachlässigt und kein Interesse an ihm gehabt hatte. Dennoch war er ein wenig irritiert, Hermiones Platz am Tisch unbesetzt zu sehen – und noch darüber, mehr den Platz ebenfalls leer zu sehen, an dem Snape über die Mahlzeiten präsidierte.

Romilda, die einen scharfen Blick für Details hatte, bemerkte, in welche Richtung er dachte. „Hermione und der Schulleiter müssen anderswo zu Mittag essen", sagte sie und beobachtete Ron aus dem Augenwinkel.

Ron wurde ein wenig fröhlicher. „Yeah, vielleicht essen sie in seinem Büro – und arbeiten dabei an Organisationskram."

Er widmete sich ganz seinem Mittagessen, bis Romilda wieder sprach. „Oder vielleicht machen sie ein Picknick zum Lunch im Manor. Sie haben dort wunderschöne Gärten, weißt du, und du konntest dich für ein Lunchpaket anmelden, um dort auf Wunsch an einem Tag zu essen – es war auf dem Anmeldeformular."

Instinktiv griff Ron nach seinem Zeitplan – war für ihn und Hermione ein Picknick zum Mittagessen für heute geplant gewesen? –, aber natürlich hatte er keinen Zeitplan. Er hatte ihn an den verdammten Severus Snape in dem verdammten Pokerspiel verloren. Er stach mit seiner Gabel in ein Stück Bratkartoffel.

„Ich habe bemerkt, dass Hermione ihren Verlobungsring nicht mehr trägt", beobachtete Romilda.

Ron zog die Schultern hoch und wünschte sich, Romilda würde den Mund halten. „Es war kein Verlobungsring. Wir hatten ein Einverständnis."

Romilda kicherte, und er dachte, dass sie etwas sagte.

„Was?", fragte er und klang dabei aggressiver, als er beabsichtigt hatte.

„Nichts", sagte sie mit einem zufriedenen kleinen Lächeln.

Aber er war sicher, dass sie gesagt hatte, „Oh, Hermione versteht, in Ordnung."

~oo0oo~

Nach dem Mittagessen bat Gabrielle Neville, ihr das Labyrinth zu zeigen. „Mir wurde gesagt, dass du die Hecken innerhalb von weniger als zehn Tagen hast wachsen lassen! Wie klug du sein musst!"

Neville errötete und zog an seiner Krawatte, die ein wenig eng zu sitzen schien. Mit Gabrielle im Unterricht zu tanzen, war sehr aufregend gewesen – sogar allein ihre Hand war berauschend –, aber das machte es ihm nicht leichter, ihre ganze Bewunderung anzunehmen. Während er aufwuchs, hatte Gran nie viel Gutes über Neville zu sagen gehabt, und in der Schule war Professor Sprout die einzige Lehrerin gewesen, die wirklich dachte, dass er gut Leistungen brachte. Fremde hielten den Schlangenschlächter für ziemlich cool, aber Neville wusste es besser. Bei seinem Trotz gegen Voldemort hatte er gut geblufft, aber er hätte es nie geschafft, die Schlange zu töten, wäre ihm nicht der Sprechende Hut zwangsweise aufgesetzt worden, in dem passenderweise das Schwert von Gryffindor gesteckt hatte.

Dennoch ging er mit ihr in den hellen Sommernachmittag hinaus, und sie schritt glücklich an seiner Seite, ein Engel in einem himmelblauen Kleid, das mir eierschalenfarbener Spitze besetzt war. Andere Männer sahen ihnen mit neidvollen Augen zu, und Neville war Mann genug, sich dessen bewusst zu sein und sich damit zu brüsten, selbst wenn er wusste, dass es nichts mit ihm, sondern einzig mit dem sorglosen Herzen von Gabrielle Delacour zu tun hatte.

Im Labyrinth ließ er sie versuchen, ihren Weg zu finden, ließ einen vielversprechenden Pfad aus, nur um dort auf eine Sackgasse zu stoßen und unter entzücktem Lachen wieder in eine andere zu geraten. Neville ging, wohin sie ihn leitete, wie ein Hund an der Leine. Als Gabrielle des Spiels müde war, führte er sie zielsicher ins Zentrum des Labyrinths, wo er einen sorgfältig geplanten und liebevoll gepflegten Garten von seltener Schönheit angelegt hatte. Rote Rosen, violette Iris, gelbe Maßliebchen und rosa Pfingstrosen blühten in Hülle und Fülle.

„Oh", hauchte das französiche Mädchen, und ihre Ehrfurcht war offensichtlich. „Oh, Neville, es ist so wunderschön."

Aber sein verehrender Blick war auf ihr ausdrucksvolles Gesicht geheftet, und als ihre himmelblauen Augen seine trafen, antwortete er ihr. „Nein, Gabby – das bist du."

~oo0oo~

Hermione lag eine Weile in ihrem Bad, wie immer dankbar für Savoir Smith's Muskelkatertonikum. Sie schloss die Augen und ließ ihre Gedanken auf Wanderschaft gehen.

Snapes Aufmerksamkeit ganz für sich alleine zu haben, während er in belehrender Stimmung war, war enorm befriedigend; wenn er keine Klasse hormongesteuerter Teenager unterrichtete, war er ein guter Lehrer, klar in seinen Anweisungen und geduldig mit ihren vielen Fehlern. Sie hatte den leichten Galopp tatsächlich genossen, nachdem sie verstanden hatte, wie sie sitzen und mit den Bewegungen von Firefly mitgehen musste. Und das Beste von allem: Er hatte sie wieder aus dem Sattel gehoben. Die Zeit schien sich zu Kriechtempo zu verlangsamen, während sie sich an seinen Schultern festhielt, und sie einander in die Augen sahen, und sie hatte tanzende Schmetterling im Bauch gehabt.

Der Moment war durch die ausgelassene Ankunft von Harry und Draco unterbrochen worden, die ihre Pferde führten und dabei gut gelaunt Beleidigungen austauschten; Snape war eilig zurückgetreten, als habe man ihn bei einer Missetat ertappt. Hermione hätte der Unterbrechung wegen ihrem besten Freund mit Freude eine Ohrfeige gegeben, aber es hatte ihrem Herzen wohlgetan, Harry in etwas anderes als Arbeit so involviert zu sehen – und dabei glücklich.

Vielleicht würden Harry und Draco lernen, Freunde zu werden, wie sie und Snape es lernten. Es wäre eine nettes Mitbringsel aus der Erfahrung in der Regency-Woche, falls sie selbst einfach damit aufhören konnte, ihren permantenten, lustvollen Fantasien nachzugeben, die ihre Gedanken mit Visionen von Snape zu Pferd füllten.

Sie ließ eine Hand ihren Körper entlanggleiten, und eine Brustwarze zog sich unter ihrer Handfläche zusammen, ehe ihre Finger über ihren Brustkorb wanderten, in ihren Nabel tauchten und mit der Absicht im warmen Wasser verschwanden, den Schmerz loszuwerden, der nichts mit ihrer Reitmuskulatur zu tun hatte.

~oo0oo~

Ron saß unter der Buche am See und trank einen Becher Ale, den ihm ein Hauself im Vorbeigehen fröhlich gegeben hatte. Eine warmes Gefühl entstand an seinem Rücken, und er sah auf, um hinter sich Romilda knien zu sehen, die ihre Brüste an seinen Rücken drückte. Sie lächelte, als er sie ansah, nahm seinen Becher und trank daraus, ohne um Erlaubnis zu fragen.

„Du bist ein kesses Weib", informierte er sie träge und fragte sich, wie viel Balgerei man in der Öffentlichkeit wohl riskieren könne. Würde ein Bemerk-mich-nicht-Zauber ihm genügend Deckung bieten, um sie zu lehren, was mit ungezogenen Mädchen wie ihr passierte?

Das fragliche Weib biss ihn sanft ins Ohrläppchen und drückte sich noch fester an seinen Rücken. „Oh, ich kann noch kesser sein", flüsterte sie.

Er drehte sich, um die Arme um sie zu legen, aber sie wich zurück und lachte ihm ins Gesicht. „Nicht hier draußen", sagte sie zu ihm und erhob sich.

Seine Reaktion auf ihren Überfall machte es ihm unmöglich, ebenfalls sofort aufzustehen. Unbehaglich bewegte er sich und zog einen Flunsch. „Wo denn?", fragte er sie.

Ihre Augenbrauen hoben sich. „Ich bin in den Gryffindorschlafsälen mit einem Raum voller Single-Mädchen", informierte sie ihn. „Aber hast du nicht ein Zimmer für dich?"

Das Mädchen hatte keine Zeit verschwendet, diese Information herauszufinden. „Ja", sagte er, und sie zwinkerte ihm zu und wackelte im Davongehen mit ihrem wohlgerundeten Hintern.

„Verflixt", murmelte er, als er sie weggehen sah.

~oo0oo~

Sybill schritt den Pfad zum Labyrinth entlang, ihre Hand in Xenos Armbeuge. Beim Mittagessen hatte Luna gegen die Farbe der Hosen ihres Vaters Einspruch erhoben – 'Aber das ist hässlich, Daddy' –, daher hatte Sybill ihr Tageskleid genau wie ihren Sonnenschirm in einen passenden Farbton verwandelt und Xeno eingeladen, mit ihr durch die Büsche zu spazieren.

Die bloße Kühnheit erstaunte sie noch immer. Wie konnte sie so tollkühn sein? So sehr unerschrocken? Aber sie hatte über viele Jahre – mehr, als sie zählen mochte – nicht das Glück gehabt, die Bewunderung eines Gentleman auf sich zu ziehen, und dies war ihre Gelegenheit, dies zu genießen. Du liebe Zeit, sie war am Abend zuvor vor dem Zubettgehen so euphorisch gewesen, dass sie sich niedergelegt hatte, ohne auch nur an ihr abendliches Glas – Flasche, flüsterte ihr Verstand – Sherry zu denken.

„Erzählen Sie mir von sich, liebe Dame", sagte Xeno mit der völligen Aufmerksamkeit, die ihm eigen war, einem Charakterzug, den sie an wenigen Menschen kannte.

Sybill starrte geradeaus und focht einen inneren Kampf aus. Sollte sie ihm die Wahrheit antworten? Mit diesem Fremden die faszinierende Wahrheit über sich selbst teilen? Sie war versucht, aber traute sie sich? So viele hatten sie deswegen ausgelacht – sie dachten, sie wisse es nicht, jedoch wusste sie es natürlich –, aber sie waren unwichtige Leute, deren Köpfe voller Banalitäten waren.

Etwas sagte ihr, dass dieser Mann die Wahrheit über Sybill Patricia Trelawney verstehen – sogar wertschätzen – würde.

„Ich bin eine Seherin, lieber Herr – ich stamme in direkter Linie von der großen Prophetin und Hexe Cassandra von Troy ab."

Er starrte auf sie herab, und seine vorstehenden Augen waren groß und gläubig. „Ich wusste es!", rief er leise aus. „Ich wusste es, so sicher wie ein Schrumpfhörniger Schnarchkackler durch die Tundra im subarktischen Nordschweden läuft!"

Sybill spähte zu ihm und zitterte triumphierend am ganzen Körper. „Ich wusste es!", wiederholte sie leise. „Ich wusste, dass Sie den Geist zu verstehen haben!"

Seine Hand bedeckte ihre und legte sich fester auf ihre behandschuhten Finger. „Erzählen Sie mir alles, liebe Dame!"

Und so erzählte sie seinen willigen Ohren, ließ sich über ihre Fertigkeiten, Triumphe und Niederlagen aus, und er nahm jedes Wort für bare Münze und gestand ihm bedingungslos die Bedeutung ungeschminkter Wahrheit zu.

~oo0oo~

Hermione kleidete sich für das Abendessen besonders sorgfältig an. Sie stellte fest, dass ihr Schläfchen nach dem Bad sie so sehr erfrischt hatte, dass sich nicht einmal Make-up benötigte, um ihr Aussehen aufzubessern. Alles lief sehr gut, und es wurde leichter, ihren Verstand davon abzulenken, sich in Details hineinzusteigern und stattdessen die Freuden zu genießen.

Sie ging in den Salon hinunter, wo sich alle versammelt hatten, um einen Apéritif zu genießen. Sie lächelte über die Anzahl von Damen, die mit ihren Fächern flatterten, und erwiderte mit echtem Entzücken die Grüße, die man ihr entgegenbrachte. Der Schulleiter war vor ihr da und trug einen Rock, der anscheinend Abend für Abend dunkler wurde bis zu dem Punkt, dass er nun mitternachtsblau zu sein schien. Sie war erfreut, als sie ihn sah und bemerkte, dass er sie ansah. Hatte er das getan, seit sie hereingekommen war? Die Möglichkeit versetzte sie in Aufregung, und sie versuchte, sich zu erinnern, ob sie sich jemals so gefühlt hatte. Mit fünfzehn, als der weltberühmte Viktor Krum sie auserwählt hatte? Mit achtzehn, als Ron endlich die Courage aufgebracht hatte, sie zu küssen?

Nein, sie hatte sich nie zuvor so gefühlt.

Sie nahm ein Glas Madeira von einem vorbeigehenden Elfen, und als es klar war, dass sie zu ihm kam, ging Snape ihr entgegen.

„Sie scheinen Ihr Reitabenteuer gut überstanden zu haben", kommentierte er ruhig.

Sie lächelte in ihren Wein und dachte, 'Es ist wundervoll, wie wohl ein warmes Bad einem Mädchchen nach einem anstrengenden Ritt tut!', aber sie antwortete ihm nicht.

Ein kreischendes Lachen von der anderen Seite des Raums zog jedermanns Aufmerksamkeit auf sich, und sie erblickten Pansy Parkinson, die an Viktors Arm hing und zu ihm aufschaute, als sei er ihr Ein und Alles. Aber es war Romilda Vane, deren Benehmen Hermione bemerkte. Die üppige Brünette hatte ihre Arme um Rons Taille gelegt, eine Position, die gänzlich gegen die Konventionen der Regency-Zeit verstieß – niemand hätte eine öffentliche Zurschaustellung dieser Art gewagt –, und Ron hatte einen Arm um ihre Schultern.

Vor einer Woche hätte es sie wütend gemacht, Ron mit einer anderen Frau zu sehen. Selbst gestern war sie lieber früh zu Bett gegangen, als sich das Elend anzutun, ihn flirten zu sehen. Jetzt aber fühlte sie sich seltsamerweise losgelöst von ihm und seinen Taten; nicht, als wäre er ein Fremder, denn sie würde niemals von ihm oder Harry so spariert sein – nicht nach allem, was sie miteinander erlebt hatten. Nein, es war eher wie jemand, den man aus der Schule kannte, und der sich in der Öffentlichkeit danebenbenahm – eine ermüdende Art von Abscheu, aber kein reißendes Gefühl.

Snape sprach in ihr Ohr, sein warmer Atem bewegte die Löckchen an ihrer Schläfe gegen ihre Wange. „Macht es Ihnen Kummer, ihn so zu sehen? Soll ich Sie in den Garten begleiten?"

Hermione wandte sich zu ihm um – drehte Romilda und Ron den Rücken zu – und schüttelte leicht den Kopf. „Überhaupt nicht", versicherte sie ihm und nippte an ihrem Wein.

~oo0oo~

George saß auf einer Steinbank in Nevilles Rosengarten und hielt sein Regiebuch in den Händen. Er hatte alle Rollen für ihre kleine Aufführung des Mitsommernachtstraums vergeben mit Ausnahme von Puck. Keiner der Männer hatte das rechte Gespür für die Rolle, und sie musste richtig besetzt werden, sonst würde das alles nicht funktionieren. Er suckelte an der Spitze einer Zuckerfeder, die mit Feuerwhisky aromatisiert war – eines seiner kleinen Experimente, über die er mit dem Honigtopf wegen einer Verkaufslizens für Weasleys Zauberhafte Zauberscherze verhandelte. Er wusste, wen er für die Rolle wollte, aber er hatte seine Zweifel, ob er seinen Willen bekäme.

Luna kam aus dem Haus in den Garten und sah in einem narzissengelben Abendkleid sehr hübsch aus. Ein anderes Mädchen mochte an den Glastüren gezögert, auf die Blumen oder zum Himmel geschaut haben und darauf warten, dass man sich ihr näherte, aber nicht Luna. Sie ging direkt zu ihm und setzte sich neben ihm auf die Bank. Dies war eines der Dinge, die er am liebsten an ihr mochte – sie verhielt sich nicht die ganze Zeit mädchenhaft. Mädchenhaft handelnde Frauen waren anstrengend im Umgang, und George hatte dafür zur Zeit einfach keine Geduld.

„Machst Du eine Pause, da drin Herzen zu brechen?", fragte er sie mit einem listigen Zwinkern.

Luna sah ihn ernsthaft an. Wenn er darüber nachdachte, machte Luna selten Witze, was einer von Georges Lebensinhalten war – und dennoch mochte er ihre Gesellschaft. Sie war eine der beruhigendsten Frauen, die er kannte.

„Du musst das nicht tun", sagte sie ernsthaft und war dabei offen und sorglos.

George runzelte die Stirn. „Was tun?", fragte er.

„Mich unterhalten, George", sagte sie feierlich und sie streckte die Hand aus und ergriff seine.

Dann hast du für mich überhaupt keine Verwendung, dachte er verzweifelt.

Sein Verstand suchte verzweifelt nach einer Erwiderung, aber George wusste nicht, was er sagen sollte. Er und Fred waren Witze reißend zur Welt gekommen, und die Umgebung zu unterhalten, war ihr Modus Operandi gewesen, solange er zurückdenken konnte. Aber Fred war jetzt seit vier Jahren tot, und wenn auch der Schmerz nachgelassen hatte, war stets der leere Platz neben ihm – genauso wie in ihm –, der hallte und zutiefst einsam war.

Er zog seine Hand zurück und tätschelte ihre leicht. „Alles klärchen, dann. Lass uns essen gehen."

Und ohne ein weiteres Wort begleitete Luna ihn ernst nach drinnen.

~oo0oo~

Ron saß zusammen mit Romilda beim Abendessen, und er konnte nicht anders, als sich von ihrem quadratisch geschnittenen Ausschnitt ablenken zu lassen, der so viel von ihrem cremeweißen Busen enthüllte. Trotzdem beobachtete er Snape und Hermione am Kopfende der Tafel. Hermione schaute kein einziges Mal den Tisch hinunter zu Ron; sie schien von ihrem Gespräch gefesselt zu sein. Und sie lächelte – lachte sogar. Ron hatte Hermione monatelang nicht mehr so locker gesehen. Was zum Teufel erzählte Snape ihr?

Romilda strich mit einer Fingerspitze über Rons Handrücken und schickte damit einen Schock direkt in seinen Unterleib – nicht wirklich das, was ein Kerl sich beim Abendessen mit so vielen Leuten wünschte. Hastig entzog er ihr seine Hand.

Sie lehnte sich zu ihm und gab ihm dabei einen besseren Blick in das Mieder ihres Kleides. „Um wie viel Uhr?", murmelte sie.

Er warf Harry einen Blick zu und fragte sich, ob er es gehört hatte, aber Harry was unterhielt sich mit Penny Clearwater. „Heute Abend besser nicht", antwortete er ihr.

„Nein?" Ihre Unterlippe schob sich nach vorn – ein hübsches Schmollen.

Ron sah von ihr weg. „Nein."

~oo0oo~

Nach dem Abendessen gab es wieder 'Übungstanz' – eigentlich einfach als Anlass zum Flirten, so erschien es Ron – und die Theatergruppe arbeitete an ihrem Stück, während die älteren Hexen und Zauberer sich auf ihre Freizeitaktivitäten verteilten. Hermione war jedoch der Mittelpunkt der Party, strahlend und lebendig. Sie hatte die Hauselfen veranlasst, Tische für Gesellschaftsspiele aufzustellen, und es war ziemlich abartig, sie ein Spiel namens Spekulation mit Snape dicht neben sich zu sehen, der sie beriet. Romilda verteilte ihre Aufmerksamkeit auf die alleinstehenden jungen Männer, während Parkinson Viktors Zeit für sich beanspruchte, und Fin tat sein Bestes, um mit Penny ins Gespräch zu kommen – aber es schien Ron, als beobachte Penny ebenfalls Hermione und Snape.

Schließlich verließ er den Salon und ging auf die Suche nach dem Herren-Clubraum. Vielleicht würden ihm ein paar Drinks und etwas Nachdenken – oder Karten spielen – ihm helfen, klarer zu sehen.

~oo0oo~

George betrat schließlich den Clubraum der Herren, um sein Opfer zur Strecke zu bringen. Das Zielobjekt saß an einem kleinen, runden Tisch mit Harry und spielte Karten.

„Kann ich dich kurz sprechen, Draco?"

Mit übertriebener Überraschung wandte Malfoy seinen Kopf um. George erwartete beinahe, dass er sein Monokel zückte, wie es sein Vater getan hatte, aber er grinste einfach höhnisch.

„Was willst du, Weasley?"

Harry hob George sein Glas entgegen. „Einen Drink?", fragte er.

„Ich möchte, dass du beim Schauspiel mitspielst", sagte George zu Malfoy und ignorierte Harry. „Ich möchte, dass du den Puck spielst. Es erfordert eine gewisse ... drollige Schwermut."

Malfoys fast weiße Augenbrauen zogen sich über seinen Augen zusammen, als sei er verärgert, aber George konnte erkennen, dass er Interesse hatte. „Ich bin mit Shakespeare vertraut, du Trottel", sagte Malfoy herablassend.

„Niemand sonst könnte es tun, Kumpel", drängte George. „Denk drüber nach."

Malfoy zuckte mit den Schultern und spielte eine Karte. „Vielleicht mache ich es."

Harry gluckste. „Du, Frettchen? In einem Schauspiel?"

Malfoy warf Harry ein Hohnlächeln zu, aber Harry lachte zu sehr, um es zu bemerken.

„Du bist dran, Narbengesicht", schnappte Malfoy.

George hätte Harry umarmen können. Damit war die Sache in trockenen Tüchern!

„Zwei Uhr morgen, Malfoy, in Violets Vorzimmer – ich lasse einen Hauself das Script in dein Zimmer bringen."

„Geh weg, Weasley", schnarrte Malfoy, und George, der glücklich war, seine Beute eingesackt zu haben, ging fröhlich pfeifend davo.

~oo0oo~

Severus brachte das Mädchen an diesem Abend zu ihrem Zimmer; dabei fühlte er eine ungewohnte Heiterkeit in sich aufsteigen und tat alles, was er konnte, um diese zu ignorieren, wenn schon nicht zu dämpfen. Sie war zu ihm gekommen in ihrem seeschaumgrünen Kleid; smaragdähnliche Steine funkelten an ihrem Hals über den Brüsten, die er mühsam nicht zu bemerken versuchte – sie war direkt zu ihm gekommen, als sei es das Natürlichste auf der Welt für eine junge, schöne Frau, ihn allein zum Vergnügen an seiner Gesellschaft aufzusuchen. Es gab viele Dinge, von denen er Hermione Granger freisprechen musste, so wenig er sich das auch eingestehen mochte; eines davon war jedwede Art von Hintergedanken, die ihn betrafen. Im Gegensatz zu den Frauen, mit denen er seit Kriegsende geschlafen hatte, war dies eine Hexe, die keinerlei Interesse an seinem sogenannten Heldentum hatte, seiner imaginären gesellschaftlichen Position oder seinem angeblichen, heimlichen Goldlager. Nein, diese vitale Frau sah ihn an und sah nur Severus – sah ihn vielleicht klarer, als es sonst jemand in Jahren getan hatte

Sie lächelte ihn an. „Es war ein unterhaltsamer Tag", sagte sie. „Danke für die Reitstunde – sie könnte der beste Teil gewesen sein."

Ihre Augen waren sanft, wie die samtigen Blütenblätter einer Blume, ihre Lippen besonders prall und lieblich – und er verlor seinen verflixten Verstand.

Er trat zurück und verbeugte sich. „War mir ein Vergnügen", sagte er hölzern.

Ein Schatten glitt über ihr Gesicht, als sei sie enttäuscht – oder verletzt. Er spannte seinen Kiefer an.

„Nun", sagte sie unsicher, „Ich denke, ich gehe besser zu Bett."

„Gute Nacht", sagte er knapp.

Als sie die Tür öffnete, schlich die Katze in den Korridor, schmiegte sich um Severus' Knöchel und maunzte.

„Hör auf, Crooks!", sagte sie und bückte sich, um ihn hochzunehmen. „Du machst seine Hosen voller Haare!"

Severus dachte an den Sessel im Raum nebenan, der bereits mit roten Haaren bedeckt war, aber er sagte nichts.

Sie hielt die Katze in den Armen und lächelte ihm betrübt zu. „Gute Nacht!"

Wieder verbeugte er sich, und schließlich ging sie in ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Er entspannte sich erleichtert und legte kurz seine Stirn an ihren Türpfosten, ehe er sein Zimmer betrat und direkt zum Getränkewagen ging. Der Weinbrand heute Abend war eher Medizin als Genuss, und er stürzte ihn in zwei schnellen Schlucken hinunter wie einen Zaubertrank gegen eine Erkrankung.

Dann saß er im Sessel an der Wand und lehnte sich mit den Ellenbogen auf den Beinen nach vorn, die Hände hingen nutzlos herab. Er hatte sein Ziel erreicht – hatte Weasley weit weggestoßen, dass sie den Welpen kaum noch wahrnahm –, aber jetzt lag die Zuständigkeit für sie komplett bei ihm, und Severus fand dies sehr schwierig. Wie konnte es eine solch lästige Pflicht sein, einer attraktiven jungen Frau einfach Gesellschaft zu leisten? Wäre er gleichaltrig mit ihr – ein starker Kerl in den Zwanzigern mit nichts als Sex und Sport im Kopf –, wäre das einfacher, aber als ein reifer Mann sah er Fallstricke und Risiken auf ihrem gegenwärtigen Kurs, und diese Gegebenheiten erfüllten ihn mir Vorahnungen.

Die Stirn an die Wand gedrückt – die Wand ihres Schlafzimmers –, erlaubte er sich, sich an sie an diesem Vormittag im Klassenraum zu erinnern, wie sie die Hände protestierend gegen seinen Kosenamen für sie in die Luft warf – wie sie am Ende seiner Longe um den Paddock ritt und seine Unterweisung entgegennahm – wie sie ihn vor dem Abendessen aufsuchte – wie sie am Spieltisch strahlte –, und er musste ein leidvolles Stöhnen unterdrücken.

Dann hörte er sie, schwach, und es schien ihm, als spräche sie mit ihrem Haustier in spielerischem Ton. Dann herrschte Stille, und er wartete – worauf, wusste er nicht –, er wusste nur, dass er nicht vor ihr schlafen konnte.

In der Stille hörte er es erneut – wieder schwach, aber unüberhörbar.

Severus.

Er wusste nicht, woher es kam. Der Zauber, der ihm auf den Lippen lag – es war einer, den er als Erstklässler gelernt hatte, um die Verständigung von einem Schlafsaal in den benachbarten zu ermöglichen, wenn alle im Bett waren – er sprach die Formel jedoch, dann sagte ihren Namen.

„Hermione?"

Sie quietschte – bei dem Geräusch musste er lächeln –, und da war ein raschelndes Geräusch, als ob sie sich ungestüm in ihrem Zimmer umsah.

„Ich bin in meinem Zimmer, aber ich habe Sie meinen Namen sagen gehört. Brauchen Sie ... irgendetwas?"

Dann kicherte sie, und er grinste und schüttelte den Kopf.

„Ich fühle mich, als ob ich die Sperrstunde nicht einhalte", sagte sie.

„Ich wollte Sie nicht stören", sagte er. „Ich verwende jetzt den Gegenzauber. Schlafen Sie gut."

„Nein, warten Sie!", sagte sie mit leicht atemloser Stimme. „Reden Sie mit mir."

Er war verlegen, aber nicht unwillig. Kopfkissengeplauder ohne Kopfkissen war ihm bisher noch nie passiert. „Was soll ich sagen?"

Es gab ein kurzes Schweigen, und in der Stille hörte er sie gähnen. Wieder grinste er. Offensichtlich war sie müde genug, um zu schlafen, und brauchte kein Gespräch mit ihm, das sie wachhielt.

„Erzählen Sie mir, wie Sie in den Besitz von Apollyon gekommen sind", schlug sie vor, und ihre Stimme hörte sich jetzt verschlafen und heimelig an – in der Art, wie Severus es sich vorstellte, dass eine Geliebte sich anhörte (Ehefrau lieferte sein wenig hilfreiches Hirn), wenn sie in seinen Armen einschlief.

„Es ist keine angenehme Geschichte", sagte er und runzelte die Stirn, während er sie fest gegen die Wand presste. „Ich habe Dracos Mutter einen unbrechbaren Schwur geleistet, als Lucius ins Gefängnis kam. Ich habe versprochen, über Draco zu wachen. Als mich Narcissa nach dem Krieg von dem Eid entband, schenkten sie und Lucius mir den Hengst. Es war unnötig, aber sie bestanden darauf."

Sie schwieg, und er fragte sich, ob sie schlief. Dann sprach sie, und er wusste, dass sie ihre Worte bedacht hatte, ehe sie sie aussprach. „Für sie war es jedoch notwendig. Sie fühlten sich tief in Ihrer Schuld, und sie beglichen sie auf eine Art, die ihnen besonders großzügig erschien – mit etwas, von dem sie wussten, dass Sie es wertschätzen würden."

Er starrte auf seine Hände, und unbewusst hob er eine und presste sie gegen die Wand. Es war etwas dran an dem, was sie sagte – etwas, woran er bisher nicht gedacht hatte: dass der Hengst kein passender Gegenstand war, den die Malfoys zur Hand gehabt hatten, als sie ihm ein Geschenk machen wollten, sondern eine sorgfältig ausgewählte Zuwendung, um dem Empfänger Ehre zu erweisen.

„Sie könnten recht haben", gab er leise zu.

Ein kleines, atemloses Lachen. „Ich wünschte, ich hätte dieses Eingeständnis auf einem Tonband aufgezeichnet", sagte sie.

Er lachte. Sie war ein Luder, das war keine Frage.

Dann wurde die Träumerei vom Geräusch von Gehämmer zerschlagen.

„Ron", sagte sie, und in ihrem Ton lagen weder Lachen noch Sanftheit.

Severus setzte sich aufrecht. „Ich werfe jetzt den Gegenzauber", sagte er. „Gute Nacht."

„Nein, nicht!", antwortete sie.

„Mione?", rief Weasley und hörte sich betrunken an. „Mione, lass mich rein. Wir müssen Entschuldigung sagen und uns wieder vertragen, ehe etwas Schreckliches passiert."

Severus saß wie versteinert, sich dessen bewusst, dass seine Handflächen schweißnass waren, als wäre etwas Bedeutsames im Gange, etwas, worauf er überhaupt keinen Einfluss hatte.

Das Mädchen antwortete nicht, und das Hämmern begann wieder. „Ich weiß, dass du da drinnen bist! Ich habe dich mit Crooks sprechen gehört. Mach die verdammte Tür auf!" Und wieder hämmerte er.

Das Schweigen war so vollkommen, dass Severus das Ticken der Uhr auf dem Kamin hören konnte, etwas, das er nie bewusst wahrgenommen hatte – aber jede Sekunde fühlte sich wie eine Stunde an, während er den Atem anhielt und darauf wartete zu hören, was Hermione Granger angesichts der Bitten ihres Exfreundes tun würde.

Die nächste Stimme, die zu hören war, war weder Grangers noch Weasleys – sondern sie gehörte Potter.

„Komm schon, Kumpel – ich habe dich von den Treppen aus schreien gehört. Lass sie in Ruhe. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um mit ihr zu sprechen."

Severus knirschte mit den Zähnen. Er hätte es vorgezogen zu hören, wie das Mädchen Weasley seiner Wege schickte – wäre das nicht eindeutiger gewesen? –, aber zumindest würde der Idiot sie in dieser Nacht nicht weiter heimsuchen.

„Severus?"

Er atmete tief ein und langsam wieder aus.

„Ja?"

„Ich wollte nur wissen, ob Sie noch da sind." Sie hörte sich fast entschuldigend an. „Entschuldigung für all das."

„Sie sind für seine Entscheidungen nicht verantwortlich", antwortete er ruhig. „Aber Sie sollten jetzt schlafen, meinen Sie nicht?"

Sie gähnte. „Ich denke schon."

„Gute Nacht dann ... Milady", sagte er.

Es war ein Geräusch zu hören, das ein zufriedener Seufzer sein mochte. „Nacht, Severus", antwortete sie.

Er warf den Konterzauber und ließ sich wieder in seine vorherige Position sinken, die Stirn an die Wand gedrückt.

Was zum Teufel sollte er tun?

~oo0oo~

Hermione rückte ihr Kissen näher an die Wand und streichelte leicht mit den Fingerspitzen darüber. Severus war genau auf der anderen Seite – vielleicht dachte er an sie – ihr neuer Freund und Vertrauter. Diese Qualitäten waren weitaus wichtiger als diejenigen, die in letzter Zeit ihr Blut in Wallung gebracht hatten.

Sie lächelte in die Dunkelheit und überließ sich dem Schlaf.

~oo0oo~