Vorbemerkung der Übersetzerin:
In diesem Kapitel kommen wir zu der Lesung, in der englische Gedichte aus der Regency-Zeit von Robert Burns[1] und Percy Bysshe Shelley[2][3] zitiert werden.
Ein Gedicht in poetischer Form ins Deutsche zu übertragen, übersteigt meine übersetzerischen Fähigkeiten bei Weitem. Dank meiner Nichte – einer professionelle Übersetzerin für die englische Sprache, findet Ihr hier „echte" Übersetzungen, die zudem alt genug sind, nicht mehr dem Urheberrecht zu unterliegen. Die (alte) Rechtschreibung in den Übersetzungen ist wie im Original übernommen.
Für Interessierte mehr in den Fußnoten.
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Kapitel 14b
Dienstag, 6. August 2002
Mittag bis Abend
Nach dem Mittagessen zog sich Severus in den Clubraum zurück, um Weasley zu treffen, aber er hätte es bei weitem vorgezogen, weiter in Gesellschaft der überraschend faszinierenden Miss Granger zu verweilen. Ein einziger Murus Perlucidus Zauber, einfach genug, um von einem pfiffigen Erstklässler gemeistert zu werden, und er war in ihrer Achtung von geduldeter Anwesenheit zu einem geschätzten Freund aufgestiegen … und obendrein zu einem Freund, den sie zum Flirten auserkoren hatte.
Es war eine großartige, neue Erfahrung, im Fokus der Aufmerksamkeit einer begehrenswerten Frau zu stehen. Nicht damit zufrieden, ihn lediglich als Eskorte zu akzeptieren, suchte sie ihn nun auf Schritt und Tritt auf. Wenn sie einen Raum betrat, schaute sie sich nach ihm um, und wenn sie in fand, kam sie auf direktem Weg an seine Seite. Was sollte ein Mann über diese bevorzugte Behandlung denken – empfinden? Und selbst dann war sie mit seiner bloßen Anwesenheit nicht zufrieden. Nein, sie war ganz feminines Lächeln und verführerische Blicke – ganz silberhelles Lachen, das ihm Schauer über den Rücken jagte, und glühende braune Augen, die sein Blut heiß werden ließen.
Tändelei mit Hermione Granger barg dieselbe, chaotische Gefahr, wie nachlässig mit Dämonsfeuer umzugehen – aber selbst der vernünftigste Mann würde sich der Gefahr von Hitze aussetzen, wenn er lange genug in der Kälte allein gewesen war.
Severus saß an dem Tisch, der von der Tür am weitesten entfernt war, nahe einem Fenster, das gefiltertes Licht in den eher dämmrigen Clubraum hineinließ. Zwei ältere Zauberer saßen mit qualmenden Pfeifen beim Kamin und hatten ein Zaubererschachbrett zwischen sich. Fast in der Mitte des Raumes saß ein weiterer Zauberer mit dem Rücken zu Severus in einem Sessel, ein anderer hatte eine zerlesene Ausgabe der Zaubererwoche offen auf den Knien liegen, während er mit tief ins Gesicht gezogenem Hut offensichtlich döste.
Mit einem Ausdruck grimmiger Entschlossenheit auf seinem sommersprossigen Gesicht betrat Weasley den Raum und kam direkt zu. „Ich werde nicht um den heißen Brei reden, Snape", sagte er.
Severus nickte und verbiss sich eine Menge sarkastischer Antworten, die ihm auf der Zunge lagen. Miss Granger würde es nicht schätzen, wenn er den Jungen erzürnte, indem er dessen … beschränkte geistige Fähigkeiten herausforderte.
Als Severus nichts sagte, sprach Weasley, „Ich will diesen Zeitplan jetzt von Ihnen zurückhaben – genug ist genug."
Severus spürte ein Aufblitzen von Sorge – konnte er den Jungen guten Gewissens abweisen? –, die schnell von einer Woge der Irritation verdrängt wurde, als Weasley seine Hand mit der Handfläche nach oben ausstreckte.
„Warum sollte ich das tun, Weasley?"
Die Frage schien den Welpen durcheinanderzubringen. Sein Arm verlor langsam an Höhe, während er über eine Antwort nachdachte.
„Weil sie meine Freundin ist!"
Severus schnippte eine imaginäre Fluse von seinem Rockärmel. „Genauso wenig wie sie es war, als Sie sie verwettet haben", murmelte er.
Der Junge schlug mit seiner Hand auf den Tisch, und Severus hob langsam seine Augen, um in das vor Zorn errötende, streitlustig verzogene Gesicht zu sehen.
„Sie will Sie nicht um sich haben!", kreischte Weasley. „Sie macht das nur, um mich zu ärgern!"
Severus zuckte mit den Schultern. „Vielleicht tut sie das. Aber warum sollte ich Ihnen den Zeitplan geben? Was habe ich davon?"
Wieder schien der Junge aus dem Konzept gebracht zu sein, als sei er unfähig, sein Gleichgewicht angesichts Severus' kräftiger, verbaler Schläge zu halten.
Welch ein Dünnbrettbohrer.
Unter der Last seiner eifernden Gedanken ließ sich Weasley in den Sessel Severus gegenüber fallen. „Nun … was wollen Sie haben?"
Severus setzte eine gelangweilte Miene auf. „Ich habe dieses Gespräch nicht initiiert", verwies er.
Weasley nahm ein Blatt aus der Schachtel mit Schreibpapier und Federn, die auf den Tischen bereitstanden, damit die Herren während der Ferien ihre Korrespondenz führen konnten. Er tauchte die Feder in die Tinte und hielt damit über dem Pergament inne. „Ich schreibe Ihnen einen Schuldschein", sagte er. „Wie viel wollen Sie?"
„Ich werde keinen Schuldschein von Ihnen akzeptieren, Weasley, weder jetzt noch zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft. Ich wünschte, sie würden aufhören, sie dauernd anzubieten." Da – das würde den Stolz des Welpen treffen.
Weasley warf die Feder auf den Tisch. „Sie verdammter Kerl, Snape! Fein! Ich duelliere mich mit Ihnen darum!"
Severus fing beinahe an, sich zu amüsieren. Es war verlockend, ja, aber dies war keine Konfrontation, die er gesucht hatte – sicher konnte Miss Granger ihn nicht dafür verantwortlich machen, wenn Weasley sich bei ihr beklagte …
Er lächelte schmallippig. „Ich dachte, sie wollten ein ernsthaftes Gespräch führen", sagte er.
Nein, der Junge war nicht ganz dumm. Er verstand den Hohn.
„Ich meine das völlig ernst, Sie arroganter Idiot! Ich könnte Sie schlagen!"
Severus erhob sich und strich sorgfältig seine langen Rockschöße glatt. „Sie könnten mich nicht 'schlagen', Mr Weasley, weder in einem Duell mit Zauberstäben, Schwertern, Pistolen – noch mit Grips." In korrektem Regencystil verbeugte er sich – gerade tief genug, um seine Geringschätzung zu zeigen.
Während er sich zu Gehen abwandte, blieb er überaufmerksam; er erwartete vollauf einen Ausbruch, der von hinten kam. Aber es war kein Schrei von Weasley, der ihn zurückblicken ließ – es war ein selbstbewusstes Lachen.
„Ein Duell mit Grips? Was für eine exzellente Idee", sagte der Junge. Und er stand auf und kam hinüber, um sich aufrecht vor Severus hinzustellen. „Schulleiter Snape, ich fordere Sie zu einem geistigen Duell heraus – ebenso bekannt als ein Spiel Zaubererschach – um den Besitz des Veranstaltungszeitplans, auf dem mein Name steht."
Die ganze Episode durchlief in Lichtgeschwindigkeit Severus' Gehirn, während er in Weasleys selbstgefällige blaue Augen starrte. Wie hatte er so dumm sein können? Er hätte den Zeitplan herzugeben einfach ablehnen und weggehen können, aber stattdessen hatte er versucht, dem Jungen seine Fehler unter die Nase zu reiben, und indem er das getan hatte, hatte er sich sein eigenes Grab geschaufelt.
Als wäre es gestern gewesen, konnte er Dumbledores Stimme sagen hören, für das bestgespielte Schachspiel, das Hogwarts seit vielen Jahren gesehen hat, … und das war gewesen, als Weasley zwölf Jahre alt gewesen war! Der Junge konnte sein Spiel im Lauf der Jahre nur verbessert haben.
Severus konnte den Vorschlag ablehnen – es abbiegen, indem er sagte, er würde das nicht mitmachen – aber er war kein Feigling. Die Idee war brillant – ein Meisterstreich –. und der tapfere Zauberer würde nachsichtig zugeben, dass er ausgetrickst worden war. Verdammt noch mal! – ausgetrickst, ehe er sich auch nur ans Schachbrett setzte! Severus war keine Niete im Schach, aber Weasley war in der Lage gewesen, Dumbledore im Spiel zu besiegen, ein Kunststück, das Severus nie gelungen war.
Er zog seine Handschuhe aus der Tasche und streifte sie sich über die Hände, während sein Verstand raste. Er würde Ronald Weasley zu dem vorgeschlagenen Schachspiel treffen, oder er würde sich selbst nie wieder ins Gesicht sehen können.
„Ich nehme Ihre Herausforderung an, Mr Weasley", sagte er ruhig. „Bis zum Abend bin ich beschäftigt, nach der Lesung – würde Ihnen neun Uhr passen?"
„Neun ist gut", sagte Weasley. „Wo sollen wir spielen? In Ihrem Büro?"
Guter Gott, unter den Augen von Dumbledore und den Portraits all der Schulleiter? Nicht in diesem Leben.
„Lassen Sie uns in die Bibliothek gehen", sagte Severus. „Ich denke, dort sind wir ungestört."
„Dann in der Bibliothek", stimmte Weasley zu.
Severus tat so, als habe er Schwierigkeiten mit einem seiner Handschuhe – er war nicht willens, den Raum zu verlassen, während Weasley zurückblieb, und der Rotschopf war zu den schachspielenden alten Männern hinübergewandert. Der Junge grüßte die Kämpfer, betrachtete das Spielfeld und flüsterte dann einem der Spieler etwas zu. Der Empfänger seines Vorschlags machte einen Zug.
„Schach, Kumpel!", rief der Sieger und löste damit einen Sturm des Protests von seinem Gegner aus. Aber Weasley achtete nicht auf sie – er lächelte Severus zu.
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Niemand, der sah, wie Dennis Creevey den Hut von seinem Gesicht nahm und zur Tür des Clubraums hinauseilte, hätte ihn verdächtigt, einen intensiven Gedanken im Kopf zu haben – und in vielerlei Hinsicht, stimmte dies – Dennis war kein junger Mann, den man mit hochleistungsfähigem Denken in Verbindung brachte.
Dennoch erkannte er Ärger, wenn er ihn (freiwillig) belauscht hatte, und er war beunruhigt. Jemandem in einer starken Position musste mitgeteilt werden, in welcher Gefahr sich Ron Weasley befand, und Dennis war der Einzige, der ihn vor dem sicheren Tod bewahren konnte – denn wie sonst konnte das Ergebnis eines Duells mit Schulleiter Snape aussehen?
Dennis hatte vorgehabt, nur zu dösen vorzutäuschen, aber es war kein Wunder, dass er in dem dämmrigen, kühlen Clubraum eingenickt war, weil der Sessel recht bequem war, und der Schulleiter sprach immer so leise, dass man sich anstrengen musste, um ihn zu hören …, aber Ron war laut genug gewesen, auch wenn Dennis etwas desorientiert gewesen war, als er aus dem Schlaf aufgeschreckt wurde.
Es war nach dem Mittagessen, und die Bewohner des Schlosses hatten sich in alle Richtungen zerstreut; viele der Schauspiel-Teilnehmer übten ihren Text im Vorzimmer, einige der ältere Damen hielten sich in ihrem Salon auf, aber die Person, die Dennis suchte, war draußen – er wusste es sicher, weil er einen Hauselfen gefragt hatte, und sie wussten alles.
Er flitzte die Salontüren hinaus in den Rosengarten in der Absicht, eine Abkürzung durch die Büsche des Labyrinths zu nehmen. Sein Opfer sollte dort spazieren gehen, und Dennis wollte die Person schnell finden. Wie Dennis wusste, nahm Rons Vater an der Regency-Woche teil, aber er dachte, er könne nicht zu Mr Weasley gehen – das fühlte sich zu sehr nach Petzen und einen Kumpel in Schwierigkeiten mit seinem Dad zu bringen an, auch wenn Ron ein paar Jahre älter als Dennis war.
Dennis Creevey kam aus einer Muggelfamilie. Sie waren zu viert gewesen: seine Eltern, sein Bruder und er. Sein Bruder Colin war sein Idol und sein bester Kumpel gewesen, alles in einem. Colin war ein Fotograf und außerdem Mitglied von Dumbledores Armee gewesen, aber als nach der Schlacht von Hogwarts seine Leiche gefunden worden war, war Colin nur mit seinem Zauberstab bewaffnet gewesen – was eine Schande war, denn er war ein weitaus besserer Fotograf als Duellant gewesen. Dennis hatte Colins Kamera in seinem Schlafsaal gefunden und sie für sich genommen. Manchmal fühlte sich Dennis seinem Bruder nahe, wenn er sie benutzte, aber zu anderen Zeiten ließ sie ihn sich fühlen, als könne er nie Colin das Wasser reichen, der gestorben war und ihn alleine zurückgelassen hatte, um auf eigene Faust herauszufinden, wie er ein Zauberer wurde.
Dennis hielt sich für keinen sehr guten Zauberer. Mit neunzehn war er alt genug, um die Schule verlassen zu haben, aber nach Colins Tod zurück nach Hogwarts zu gehen, war für ihn wirklich schwierig gewesen. Im Kriegsjahr war die Schule für Muggelgeborene wie die Creeveys unerreichbar gewesen, und dann war die Schule wieder aufgebaut worden … Er war kein voll ausgebildeter Zauberer und würde es wahrscheinlich nie werden.
Dennoch musste ein Bursche kein Zauberer sein, um zu wissen, zu wem er am besten ging, wenn er in der Klemme steckte. Der beste Mensch für Dennis war immer sein großer Bruder gewesen, Colin, – und wenn Ron in Schwierigkeiten steckte, wusste Dennis genau, was er tun musste: George Weasley finden und ihm alles erzählen.
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Ein uninteressierter Beobachter – vielleicht einer in den Wolken, der von oben auf das Schloss hinabsah – mochte sich über die Nebenwirkungen amüsieren von Dennis Creeveys Fehleinschätzung dessen, was er im Clubraum gehört hatte. Der relativ kleine Creevey hatte den älteren Weasleybruder gefunden, der ihn stirnrunzelnd und schweigend angehört hatte, ehe er ihm Schweigen gebot. Dann war George sofort losgegangen, um seinen Bruder aufzustöbern.
„Kein Duell – ein Schachspiel!"
Dies hatte für George alles geändert, weil er nach dem 'Was würde Dad tun?'-Prinzip handelte. Jetzt hatte er die Freiheit, den Spaß zu genießen und zu überlegen, wie er die Situation zu seinen Gunsten nutzen konnte …, aber wer mit einem halbwegs funktionierenden Gehirn würde gegen Ron in einem Schachspiel antreten?
Lucius Malfoy hatte ihn mit einem verächtlichen Lippenkräuseln angehört, ehe er in seine tiefe Tasche griff und eine hübsche Summe darauf setzte, dass der Schulleiter Ronald Weasley im Schach schlagen würde – vielleicht wusste Malfoy nichts von Ron und dem verwandelten Schachspiel, das den Stein des Weisen bewacht hatte. Aber die Verbreitung dessen, was als Gerücht seinen Anfang genommen und sich unter den Herren zu einer Wett-Gala entwickelt hatte, war eine schöne Sache, wie die Wellen, die ein Steinchen verursachte, das in einen Teich geworfen wurde. Innerhalb kurzer Zeit war das Geheimnis des Schachwettbewerbs zwischen Severus Snape und Ron Weasley, wie es mit den meisten Geheimnissen in Hogwarts geschah, allgemein bekannt.
Die Person am äußersten Rand dieser konzentrischen Wellenkreise jedoch – und daher die letzte, die davon erfuhr – war Hermione Granger.
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Ron ging zurück in sein Zimmer, um sich zum Abendessen umzukleiden – warum zur Hölle brachten die Regency-Leute ihr halbes Leben damit zu, sich umzuziehen? Er erschrak, als er Romilda Vane dort vorfand, die auf dem Schreibtischstuhl saß.
„Wie bist du hereingekommen?", fragte er und bemerkte, dass seine Stimme sich zu einer Höhe nahe einem Quietschen hob.
Romilda hielt ein Töpfchen mit Savoir Smith's Muskelkatertonikum hoch und lächelte ihm schelmisch zu. „Ich habe dem Hauselfen gesagt, dass ich dies für deine schmerzenden Schultern habe, und dass ich hierbleiben muss, um dir zu zeigen, wie man es verwendet."
Ron runzelte die Stirn. Ehrlich, die Frau wusste einfach nicht, wann sie die Jagd einstellen musste! Er begann, seinen Rock aufzuknöpfen. „Nun, Du verschwindest besser – musst du dich nicht zum Abendessen umziehen?"
Sie erhob sich anmutig, ging zu ihm hinüber und begann, ihm bei seinen Westenknöpfen zu helfen. „Es ist noch viel Zeit dafür, wenn wir die Drinks vorher auslassen", sagte sie vernünftig, öffnete die restlichen Knöpfe und fing an, sein weißes Hemd aus seiner Hose zu ziehen. „Zieh das aus und lass mich dir die Schultern massieren, Ron – du bist so verspannt, ich weiß nicht, wie du im Schach gewinnen können willst!"
Ron war gestresst, und eine Schultermassage hörte sich tatsächlich ziemlich gut an. Was konnte es schaden, wenn er Romilda seine Muskeln massieren ließ?
Als er jedoch auf der Seite seines Bettes saß, Romildas Hände auf seinem nackten Fleisch, schien die Muskelverspannung jedoch nur von einem Körperteil zum anderen zu wechseln. Es war Wochen her, seit Hermione ihn zuletzt in ihr Bett gelassen hatte; kein Wunder, dass er so durcheinander war. Ein Mann konnte mit all der … aufgestauten Flüssigkeit nicht denken. Aber diese Verwirrung und Erregung aufgrund von Romildas Berührung waren ein wenig irritierend, wenn er sich darauf konzentrieren sollte, Hermione zurückzugewinnen.
„Du verdienst eine Freundin, die dich zu schätzen weiß, Ron", murmelte Romilda in sein Ohr, während ihre geschickten Finger die Knoten in seiner Nackenmuskulatur bearbeiteten. „Eine, die dich will – nicht nur, weil du so groß und lustig und sexy bist –, sondern weil sie deine Persönlichkeit bewundert."
Ron stieß sich vom Bett ab und sah im Stehen auf Romilda hinab. Es wäre so einfach, sich mit ihr hinzulegen und alles zu vergessen – aber seit Hermione und er ein Paar waren, war er nie mit einem anderen Mädchen zusammen gewesen abgesehen von einem gelegentlichen Kuss oder Gefummel im Pub oder auf einer Party, wenn Hermione nicht hatte mitkommen wollen –, und er würde jetzt nicht damit anfangen, wenn Hermione wieder für sich zu haben in direkter Reichweite war.
„Du kannst wirklich gut Rücken massieren", sagte er zu der hübschen Brünette, die vom Öl glitschige Hände hatte, „Und danke dafür. Aber ich möchte, dass du jetzt gehst."
Romilda schmollte; ihr Mund lud sehr zum Küssen ein, und sie ließ ihre Augen hinunter zu seiner Hose gleiten, wo seine Muskelanspannung deutlich sichtbar war. „Möchtest du nicht gerne, dass ich … den Rest von dir massiere?", fragte sie traurig.
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Hermione ließ sich für den Nachmittag im Damensalon nieder, wo sie schlechte Stickarbeit machte, während ihre Gedanken auf Wanderschaft gingen. Wieder und wieder erinnerte sie sich an das Gefühl von Fireflys Muskeln, die sich unter ihr bewegten, während Severus ihr mit der Hand am Führseil, das am Zaumzeug ihres Pferdes befestigt war, zusah und sie zu galoppieren unterrichtete …, fast als wäre er derjenige, der sich unter ihr anstrengte …
„Mist!", rief sie aus und verhedderte den Faden wieder.
Flossy erschien, der uralte Hauself, der den Damen half, ihre Fehler bei ihren Handarbeitsprojekten zu korrigieren, und er bereinigte Hermiones Fehler mit der Berührung eines knorrigen Fingers. Hermione lächelte ihren Dank; sie hatte bei ihrer Stickerei heute eine Menge Fehler gemacht, aber es war schwierig, sich zu konzentrieren, wenn ihre Gedanken beharrlich zu Severus wanderten.
Penny fand sie dort vor, gerade als Hermione an den engen Sitz von Severus' Lederreitstiefeln dachte.
„Was?", fragte sie, aufgeschreckt aus ihren turbulenten Gedanken.
Penny antwortete ihr kurzangebunden; ihre frühere Freundlichkeit schien am Ende zu sein. „Ich sagte, weißt du, wo der Schulleiter ist?"
Hermione zuckte mit den Schultern. „Er ist heute Nachmittag beschäftigt – Besprechungen, und dann muss er eine Lesung für heute Abend vorbereiten."
„Also nimmst du seine Zeit heute Nachmittag nicht in Beschlag?", fragte Penny.
Hermione widerstand dem Drang, Penny die Meinung zu sagen. „Ich werde ihn erst wieder zu den Drinks vor dem Abendessen sehen", antwortete sie monoton und war ziemlich stolz auf ihre gemessene Antwort.
„Gut!", antwortete Penny.
Ich hoffe, er ignoriert sie völlig, dachte Hermione und kehrte zu ihren eigenen, angenehmeren Gedanken zurück.
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Finbar Quigley spazierte in die Bibliothek von Hogwarts; er war neugierig auf diesen Raum, in dem das Schachspiel stattfinden sollte, über das all seine Kumpel sprachen – und auf das sie wetteten. Es war ein enorm großer Raum, der mit Tausenden von Büchern angefüllt war. Tische und Stühle waren an verschiedenen Plätzen angeordnet, manche in Nischen, und in einer von diesen stolperte er beinahe über den unnahbaren Schulleiter Snape, der mit gerunzelter Stirn an einem Tisch über einem Buch saß. Fin schlich sich davon, da er den griesgrämigen Mann nicht stören wollte. Eine Bewegung am Ende einer Bücherreihe zog seinen Blick auf sich, und er sah Penny Clearwater, das hübscheste Mädchen im Schloss, die den Tisch des Schulleiters auf direktem Wege ansteuerte. Es war recht deutlich, dass Penny für den Schulleiter schwärmte, was Fin traurig machte, denn er schwärmte für Penny.
Bei den Theaterproben waren sie zusammengewürfelt worden, wo Penny die Rolle der Hermia zu Fins Lysander bekommen hatte. Ein Liebespaar zu spielen, ließ Fin wünschen, es wäre real, aber Penny schien von seiner Bewunderung gänzlich unberührt. Natürlich war es nicht hilfreich, dass Fin eine komplette Niete war, wenn es darum ging, mit Mädchen zu flirten, an denen er wirklich Interesse hatte. Es war einfach, mit Mädchen herumzualbern, die sich um die Quidditchspieler scharten, aber wenn ein Kerl ein Mädchen wirklich mochte, gestalteten sich die Dinge weitaus komplizierter.
Sorgsam auf Abstand bedacht schlich er wieder in Richtung der Nische, weil er Penny und Snape miteinander sehen wollte – falls der Schulleiter Pennys Interesse erwiderte, würde Fin einfach die Hoffnung aufgeben müssen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Aber als er sah, wie Penny neben dem Schulleiter stand, erschien es ihm, als nähme der Mann seine Augen kein einziges Mal von seinem Buch. Fin konnte ihre Worte nicht hören, aber anscheinend fragte Penny den Schulleiter etwas, und was immer es war, es machte sie beklommen. Snape jedoch sah sie nicht einmal an. Seine Antwort war unmissverständlich; sogar aus dieser Entfernung konnte Fin sein bestimmtes 'Nein' hören.
Penny zögerte nur einen Moment lang und rang ihre hübschen Hände, und dann ging sie mit offensichtlichem Schmerz auf dem Gesicht weg von Snape. In Fin regte sich der Wunsch, etwas zu schlagen – vorzugsweise Snape –, aber dann hatte er eine bessere Idee. Er würde etwas tun, um Penny aufzuheitern – etwas, das ihr gefiele. Das einzige Problem war, dass Fin keine Ahnung hatte, was das sein könnte.
Er beschloss, Viktor zu fragen. Krum war nie ratlos bei den Damen; selbst wenn er gründlich abblitzte, war der Bulgare nie lange niedergeschlagen. Viktor würde wissen, was zu tun war.
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Die Gäste waren alle zum Musikabend gekommen. Sie trugen ihre Festkleidung und waren bereit, sich unterhalten zu lassen. Es würde dramatische Lesungen geben und danach Musik – genau die Unterhaltungen, die in Regency-Zeiten sehr verbreitet gewesen waren. Der große Salon war wie ein Theater in Reihen bestuhlt, und im Bereich vor dem Kamin war ein Lehrerpult aufgestellt für den Fall, dass ein Vorlesender einen Platz brauchte, um sein Buch abzulegen.
Hermione trug ihr zweitbestes Abendkleid aus blaugrauer Seide, dessen Saum mit einem silbernen Muster bestickt war. Severus, der in Kniehosen und makellosen Strümpfen sehr elegant gekleidet war, hatte während des Abendessens recht zerstreut gewirkt, aber Hermione hatte das auf die öffentliche Lesung geschoben.
Seltsamerweise schienen vor dem Abendessen alle jüngeren Leute besonders ausgelassener Stimmung zu sein. Mehr als einmal sah Hermione Gruppen junger Männer, die miteinander lachten; es verursachte ihr das unbehagliche Gefühl, dass sie etwas Unangenehmes ausheckten. Dennoch war sie entschlossen, sich darüber keine Sorgen zu machen. Sie würde einfach Harry und Ron vertrauen müssen, dass sie ihre unbotmäßigen Freunde einigermaßen im Griff hatten
Sie und Severus belegten Plätze nahe der Rückseite des Raums für die Lesungen, wo er am Gang saß, damit er leicht hinausgelangen konnte, wenn er an der Reihe zu lesen war. Sie war begierig zu erfahren, welches Stück er ausgewählt hatte, aber er hatte sie deswegen nur hingehalten und ihr gesagt, dass sie warten und zuhören müsse, wenn sie es wissen wolle.
In ihrem dunkelroten Samtkleid über einem weißen Satinunterkleid sah Minerva sehr wie eine große alte Dame aus. Sie trug ihren Tartan als Schal um ihre elegante, klassisch-griechische Frisur, aus der ein paar Federn ragten. Severus fand die Aufmachung seiner Stellvertreterin weniger schmeichelhaft.
„Sie sieht aus wie ein Nymphensittich", sagte er, und Hermione musste kichern.
Wie kam es, dass sie diesen Mann ihr halbes Leben lang gekannt hatte, aber bis zu dieser Woche nicht von seinem unwiderstehlichen, trockenen Humor geahnt hatte?
„Danke, dass Sie heute Abend gekommen sind, meine Freunde", begann Minerva und zog jedermanns Aufmerksamkeit auf sich. „In Ihren Programmen können Sie sehen, dass wir den Abend mit dramatischen Lesungen beginnen werden, dem die musikalische Unterhaltung folgen wird." Sie stand aufrechter und sah streng in den zum Bersten vollen Salon, als sei er ihr Klassensaal, und Hermione bemerkte, dass alle sich etwas gerader setzten und aufmerksam schauten; einen verrückten Moment lang fühlte sie sich, als solle sie sich Notizen machen. „Ich werde den Anfang machen mit einem Gedicht meines Landsmannes, Mr Robbie Burns!"
Die Menge spendete höflichen Applaus, und McGonagall wartete, bis er abebbte, ehe sie begann.[1]
Mein Lieb ist gleich der rothen Ros',
Die frisch im Juny sprang:
Mein Lieb ist gleich der Melodie,
Die süß im Lied erklang.
Hermione liebte es, Minerva McGonagall zuzuhören, wenn sie ihren schottischen Akzent rollen ließ, und sie genoss alle drei der kurzen Gedichte, die Minerva las. Gäste, die Hermione nicht persönlich kannte, folgten ihr mit ihren Lesungen in schneller Folge, manche von ihnen versiertere Vorleser vor Publikum als andere, manche trugen aus dem Gedächtnis vor, und manche lasen aus Büchern. Hermione war von den schönen Worten einfach entzückt.
Als Severus sich zum Lesen erhob, sah er ihr ins Gesicht, und sie lächelte zu ihm auf. „Ich bin ganz Ohr", versprach sie.
Der Schulleiter erreichte die Stirnseite des Raums, und Hermione bemerkte unter den Zuhörern eine ähnliche Reaktion wie die bei McGonagall, nur noch extremer. Niemand benahm sich in Snapes Klassensaal daneben.
„Ich werde Ihnen aus den Werken von Mr Shelley vorlesen", sagte er, und Hermiones Neugier war geweckt. Von den berühmtesten romantischen Dichtern, dachte Hermione, mochte Shelley der am wenigsten oft zitierte sein. Sie neigte sich ein wenig nach vorn, um zuzuhören.[2]
O! Geister schweben in der Luft
Und Genien in des Abends Winden;
Ihr Auge strahlt wie durch den Duft
Des Waldes Sternenlicht. Zu finden
Die Lieblichen enteiltest du
Den Menschen oft in einsamöde Ruh.
Hermione starrte ihn fassungslos an, als er sprach, und sein voller Bariton den Raum mühelos füllte und die Aufmerksamkeit aller Zuhörer fesselte. Er nahm weder ein Buch noch schriftliche Notizen zur Hand, und er rezitierte nicht wie die anderen Sprecher, die wie Schüler beim Nachplappern dessen klangen, was sie auswendig gelernt hatten. Er sprach die Worte, als seien sie seine eigenen, die ihm aus der eigenen Seele herrührten, und sie erzählten die Geschichte eines gebrochenen Herzens.
Mit Plauderquelle, Bergeswinden
Und Bergesseen, aus denen sich
Die Räthselhaften uns verkünden
Sprachst du und jauchzend freutest dich
Der Antwort; doch verworfen haben
Sie stets als werthlos deiner Liebe Gaben.
Und Blicke, die nicht dir gegolten
– Des Fremden Schatz – hast du begehrt
Aus Sternenaugen – eines holden
Wahns duldend Opfer; noch verzehrt
Dich Sehnen? Hoffest noch das Grüßen
und Blick und Kuß einst liebend dich erkiesen?
Hermione fühlte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen, als müsse sie weinen. Sie kannte Severus' Geschichte – jeder in der Zaubererwelt kannte sie. Sehnte er sich denn immer noch nach Lily Potter, nach der Frau, die ihn nie geliebt hatte? Wie konnte es dann jemals möglich sein, das Herz dieses Zauberers zu gewinnen?
Als ob sie sein Herz wollte! Wie albern, das zu denken! Körperlich fühlte sie sich von ihm angezogen, von seiner Stimme, seinem Verstand – sie wollte seine Hände auf sich spüren –, aber das war keine Liebe. Es war Leidenschaft, und solch instinktive Reaktionen erforderten kein solches Gefühl!
Ach! warum bautest auf den Trug
Der Erde du dein Hoffen. Ruhten
In eigner Seele nicht genug
Der Lieb' und Leidenschaftengluthen,
Daß Menschenlächeln, Erdenpracht,
Dir listig Netz zu stricken hatten Macht?
Das falsche Lächeln ist entwichen,
Deß Trug dir schlug so tiefe Wunden;
Des Mondes Glanz ist dir verblichen,
Und Träum' und Geister sind entschwunden;
Treu bleibt nur deine Seel' allein,
Die Elend schuf zum bösen Dämon dein.
Ein Dämon, der mit Grausen neben
Dir hängt, gleich einem Schatten. Nicht
Entfliehst du ihm. Solch tolles Streben
Dich nur mit ärgrer Qual umflicht.
Sei wie du bist. Mag düster sein
Dein Schicksal, Wechsel schafft nur größre Pein.
Der Schulleiter neigte den Kopf, als wolle er das Ende seiner Lesung anzeigen. Hermione senkte ihr Kinn und rieb mit einer behandschuhten Hand über ihre feuchten Augen; sie war froh, dass sie kein Augen-Make-up trug, das sich verschmierte. Wie konnte er es ertragen, seine Seele so bloßzulegen? Sie konnte es für ihn kaum ertragen, ihr Herz schmerzte ob seines Kummers und seines Verlustes – aber es schien, als sei er noch nicht fertig damit, denn als der Applaus geendet hatte, begann er erneut.[3]
Ein Wort wird zu oft nur entweiht,
Als daß ich es entweihte,
Ein Gefühl nur zu oft mißdeutet,
Daß dein Herz es mißdeute.
Eine Hoffnung gleicht zu sehr Verzweiflung,
Daß die Klugen sie hemmten,
Und Mitleid von dir ist mir theurer
Als von einer Fremden.
Hermione stellte fest, dass sie nicht atmete, aber die Erkenntnis brachte sie nicht dazu, Luft zu holen. Die faszinierende Schönheit der Worte, die er sprach, hielten sie gefangen, und ein weiterer Atemzug schien die geringste aller Sorgen. Dann suchten diese schwarzen Augen ihre und hielten sie fest, und sie war nicht sicher, ob sie je wieder atmen würde.
Ich hab' nicht, was Menschen heißt Liebe;
Doch willst du empfahn
Die Anbetung, mein Herz erhebend,
Die der Himmel nimmt an?
Die Sehnsucht der Mott' nach dem Sterne,
Der Nacht nach dem Morgen;
Die Verehrung für ein Etwas der Ferne
Von der Erde der Sorgen?
Eine tiefe, höfliche Verbeugung war die ganze Antwort, die der Schulleiter auf den donnernden Applaus gab, den er bekam, und er trat von der Bühne, um durch eine Seitentür zu verschwinden. Endlich sog Hermione Luft in ihre Lungen, bis ins Mark erschüttert durch den Blick in seinen Augen, als er die Worte zu ihr gesprochen hatte. Flirtete er mit ihr? Spielte er die Rolle des galanten Gentleman?
Sie mühte sich darum, den Sturm der Gefühle in sich zu beruhigen, und erwartete, dass er jeden Moment herkam und seinen Platz neben ihr einnahm – aber er kam nicht. Stattdessen rutschte Viktor Krum auf den Platz des Schulleiters. Hermione wandte sich um und starrte ihn an. „Das ist nicht dein Platz!", protestierte sie.
Viktor winkte ab. „Das weiß ich!", sagte er. „Aber der Schulleiter wird nicht wiederkommen."
Hermione runzelte die Stirn. „Warum sollte er nicht?"
„Vergiss es", sagte Viktor. „Ich habe ein Problem, und ich brauche deine Hilfe."
Hermione fühlte sich ungeduldig, aber sie konnte ihn nicht abweisen. Sie war die Organisatorin dieses Events, auch wenn sie den ganzen Tag damit zugebracht hatte, nichts als ihrem eigenen Vergnügen nachzugehen. Leute gingen jetzt umher, das Klavier und die Harfe wurden für die Musizierenden aufgestellt, daher unterbrach Viktor zumindest niemanden.
„Erzähl", befahl sie.
„Mein Freund Fin", sagte Viktor. „Er schwärmt für Penelope Clearwater, aber sie nimmt ihn nicht zur Kenntnis. Kannst Du zu seinen Gunsten mit ihr sprechen? Oder sag mir, was er tun kann, um sie zu erfreuen?"
Penny war viel zu verärgert über Hermione, um betreffend Männer auf ihren Rat zu hören – aber falls Fin Pennys Aufmerksamkeit erregen konnte, würde sie vielleicht aufhören, Severus' Aufmerksamkeit von Hermione abzulenken zu versuchen. Zumindest war die Feindseligkeit zwischen Penny und ihr nicht so offensichtlich, dass sie Viktor bewusst war.
Oh! Und hatte Parkinson nicht etwas über sich und Viktor gesagt?
„Penny wird in Kürze mit Pansy ein Lied singen – ein Duett." Hermione sah Viktor an und fragte sich, ob er in Parkinsons Richtung dirigiert werden könne. „Warum setzt du und Fin euch nicht so weit wie möglich nach vorn und schenkt ihnen besondere Aufmerksamkeit? Ich bin sicher, sie werden sich geschmeichelt fühlen, und Penny wird Fin bestimmt bemerken!"
Viktor sah zweifelnd aus. „Müssen wir das jetzt tun?", fragte er und schaute auf die Uhr auf dem Kaminsims. „Es ist fast neun Uhr!"
Hermione schnaubte. „Na und? Wenn Fin möchte, dass Penny ihn wahrnimmt, solltet ihr euch jetzt vorn hinsetzen, während die Leute herumlaufen!"
Der Raum war ziemlich voll gewesen, aber als die Leute begannen, ihre Plätze für den musikalischen Teil des Abends einzunehmen, konnte Hermione nur eine deutlich höhere Anzahl von leeren Stühlen feststellen. Tatsächlich waren die meisten der jüngeren Gruppenmitglieder nirgends zu sehen, und sogar einige der älteren Männer waren verschwunden.
Wohin waren sie gegangen?
Die Harfe wurde von einer Frau in einem duftigen weißen Kleid gestimmt, als Luna neben Hermione Platz nahm. „Ich liebe Harfenmusik", sagte sie in ihrer vagen Art.
„Weißt du, wo alle sind?", fragte Hermione sie.
„Oh, sie sind gegangen, um Ron und dem Schulleiter beim Duell zuzusehen", sagte Luna. „Sie wollten um neun Uhr beginnen, und es ist nach neun." Sie ordnete ihren Rock und faltete die Hände im Schoß.
„Was? Was sagst du?", fragte Hermione und hatte plötzlich Angst. Lunas Worte ergaben überhaupt keinen Sinn!
„Es ist kein richtiges Duell, weißt du", fuhr Luna träumerisch fort. „Sie spielen Schach in der Bibliothek – aber George sagte, es ist ein Revanchespiel, damit Ron zurückgewinnen kann, was er beim Kartenspiel verloren hat."
Hermione nahm die Information auf, und ihr Verständnis hinkte ein wenig ihrem Verstand hinterher. Als sie vollständig erfasst hatte, was Luna gesagt hatte, war jede Spur ihrer rührseligen Sentimentalität bezüglich Snape und der romantische Poesie verschwunden, die er von sich gegeben hatte. Ersetzt wurde sie von einer so unerwarteten und alles umfassenden Wut, die sie nicht ertragen und dass sie nicht still sitzen bleiben konnte. Sie stand auf, ging an Luna vorbei und ohne ein Wort zu irgendjemandem zur Tür hinaus. Sie hatte die Eingangshalle durchquert und stand mit einem Fuß auf der ersten Treppenstufe zu ihrem Zimmer, als Pennys und Parkinsons hübsch zueinander passende Stimmen sich zum Gesang erhoben.
~oo0oo~
Anmerkungen der Übersetzerin zu den Gedichten
Herzlichen Dank an meine Nichte für das Aufspüren der verwendeten Übersetzungen der Gedichte!
Hier findet Ihr die englischen Originale und Quellenangaben zu den Übersetzungen:
[1] Robert Burns, "A Red, Red Rose" (1794)
O my Luve's like a red, red rose
That's newly sprung in June:
O my Luve's like the melodie,
That's sweetly play'd in tune.
Die vier Zeilen sind die erste Strophe des Gedichts, das Ihr komplett hier finden könnt:
wiki/A_Red,_Red_Rose
Die vollständige Übersetzung aus dem Jahr 1860 von Adolph Wilhelm Ernst von Winterfeld findet Ihr hier:
wiki/Mein_Lieb_ist_gleich_der_rothen_Ros%E2%80%99
[2] Percy Bysshe Shelley, "To – –" (1816)
Oh! there are spirits of the air,
And genii of the evening breeze,
And gentle ghosts, with eyes as fair
As star-beams among twilight trees:
Such lovely ministers to meet
Oft hast thou turned from men thy lonely feet.
With mountain winds, and babbling springs,
And moonlight seas, that are the voice
Of these inexplicable things,
Thou dost hold commune, und rejoice
When they did answer thee, aber they
Cast, like a worthless boon, thy love away.
And thou hast sought in starry eyes
Beams that were never meant for thine,
Another's wealth: tame sacrifice
To a fond faith ! still dost thou pine?
Still dost thou hope that greeting hands,
Voice, looks, or lips, may answer thy demands?
Ah! wherefore didst thou build thine hope
On the false earth's inconstancy?
Did thine own mind afford no scope
Of love, or moving thoughts to thee?
That natural scenes or human smiles
Could steal the power to wind thee in their wiles?
Yes, all the faithless smiles are fled
Whose falsehood left thee broken-hearted;
The glory of the moon is dead;
Night's ghosts and dreams have now departed;
Thine own soul still is true to thee,
But changed to a foul fiend through misery.
This fiend, whose ghastly presence ever
Beside thee like thy shadow hangs,
Dream not to chase: the mad endeavour
Would scourge thee to severer pangs.
Be as thou art. Thy settled fate,
Dark as it is, all change would aggravate.
Übersetzung: Julius Seybt, 1844
Quelle: .de / books ? id=l01DAAAAIAAJ&pg=PR3&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false
S. 266–267
[3] Percy Bysshe Shelley, "One Word is Too Often Profaned" (1822)
One word is too often profaned
For me to profane it,
One feeling too falsely disdain'd
For thee to disdain it.
One hope is too like despair
For prudence to smother,
And pity from thee more dear
Than that from another.
I can give not what men call love;
But wilt thou accept not
The worship the heart lifts above
And the Heavens reject not:
The desire of the moth for the star,
Of the night for the morrow,
The devotion to something afar
From the sphere of our sorrow?
Übersetzung: Julius Seybt, ebenda S. 348
