Kapitel 16a
Mittwoch, 7. August 2002
Vormittag
Severus stand an der Rückseite der Veranda von Malfoy Manor und hielt einen Kristallkelch voll Bucksfizz in der Hand – eine Mischung aus Orangensaft und Sekt. Heute sollte die Jagd stattfinden, und die Gäste würden zum Jagdfrühstück per Flohnetzwerk im Manor anreisen. Er trug seine Regency-Jagdkleidung, einen leuchtendroten Rock mit weißen Hosen und dazu schlichte, schwarze Stiefel. Der Himmel war bedeckt, die Luft drückend – genau wie seine Gemütslage.
Er war früh im Manor, und um die Wahrheit zu sagen, war dies der Ausweg des Feiglings, aus dem Schloss zu flüchten, ehe Hermione auf den Beinen und angezogen war. Bei Tageslicht, mit starkem Herzen und klarem Verstand konnte er sein Benehmen innerhalb der letzten sechsunddreißig Stunden nur mit Grauen betrachten. Er konnte es nicht erklären, denn im Allgemeinen war er ein höchst rationaler Mensch. Seine Lebenserfahrung leistete ihm gute Dienste, und er war stolz darauf, dass er jeden Aspekt seines Lebens sorgfältig plante und dabei immer Alternativen für jede absehbare Eventualität berücksichtigte.
Wegen eines Paares honigbrauner Augen und eines offenen, vertrauensvollen Herzens den Verstand zu verlieren, erschien nirgendwo in seinem Lebensplan.
Im Triumphrausch wäre er in der Nacht zuvor um Haaresbreite mit einem zweiundzwanzigjährigen Mädchen ins Bett gegangen. Wenn sie seinen Rock nicht in Flammen gesetzt hätte – ein Missgeschick, dessen Ironie ihm nicht entging –, hätte er sich von ihrer unerklärlichen Reaktion auf seine Avancen dazu hinreißen lassen. Es wäre für den Erfolg der Regency-Woche verhängnisvoll gewesen, hätte er so etwas Dummes getan. Er hatte sich nicht verständiger als die idiotischen Schulkinder benommen, die zu behüten und zu lehren sein Los war.
Ein Malfoy Hauself erschien neben ihm und verbeugte sich. „Braucht der Schulleiter noch etwas zu trinken?", quietschte er.
Severus drückte dem Hauselfen das unberührte Gebräu in die Hand. „Nimm diesen Mischmasch weg und bring mir schwarzen Kaffee", sagte er, dann fügte er im Nachgang „bitte" zu.
Er lehnte sich an das Geländer, das die erhöhte Terrasse umgab, und starrte hinaus in die wohlgepflegten Malfoy-Gärten. Nach dieser Beinahe-Katastrophe mit Miss Granger hatte er kaum geschlafen, sondern es vorgezogen, aufrecht in einem Sessel zu sitzen, wenn auch in einem, den er durch den Raum von der Wand weggezogen hatte, die an sein Zimmer grenzte. Das Letzte, was sie beide brauchten, war der Versuch eines Gesprächs, ehe ihrer beider überhitzte Leidenschaft abgekühlt war. Statt zu schlafen, hatte er Feder und Pergament herbeigerufen und eine Liste seiner Prioritäten für den Rest der Woche aufgeschrieben – für Hogwarts.
Ganz oben stand der Erfolg Regency-Woche. Dicht gefolgt auf dem zweiten Platz stand …, mit Miss Granger zurechtzukommen. Sie hatte aus unerklärlichen Gründen eine Vorliebe für seine Gesellschaft entwickelt – vielleicht sogar den Wunsch, mit ihm zu schlafen –, aber einer solch absurden Laune konnte er nicht nachgeben. Egal, wie erstrebenswert die Tat in einem Moment höchster Leidenschaft erscheinen mochte, die Konsequenzen davon kämen bei weitem zu teuer zu stehen. In seinem Leben gab es keinen Platz für eine Frau mit Bedürfnissen und Ansprüchen. Zu Beginn ihres Bündnisses in der Regency-Woche hatte er beschlossen, dass Granger nicht der Typ Frau für unverbindlichen Sex war, und dies war die einzige Art, an der er Interesse hatte. Die schlichte Anziehungskraft ihrer bereitwilligen Akzeptanz seiner Person durfte ihn nicht beeinflussen – den wimmernden Halbwüchsigen in ihm, der noch immer darauf brannte, erwählt zu werden. Nein, dieses Leben, das er für sich aufgebaut hatte, stand auf dem Fundament seiner rationalen Akzeptanz dessen, was er vernünftigerweise erwarten durfte und was nicht.
Eine schöne, unverdorbene, überaus intelligente Frau, die Severus Snape begehrte (liebte, insistierte das jammernde Kind), stand unwiderruflich auf der 'nicht haben'-Liste.
„Du bist heute Morgen zu unanständig früher Stunde unterwegs", sagte Lucius und trat zu Severus an das Geländer.
Dies war keine Frage, aber Severus beantwortete sie dennoch. „Ich habe nicht … gut geschlafen."
Lucius betrachtete ihn abschätzend von der Seite. „Nach der obszön großen Menge Gold, die du für mich gestern Abend gewonnen hast, hatte ich erwartet, dass du … feierst."
Severus antwortete nicht.
„Tatsächlich, mein Alter, wäre ich keineswegs überrascht gewesen, wenn du dich vom Frühstück heute Morgen entschuldigt hättest – vielleicht sogar von der Jagd."
Wenn er ihn nicht ermutigte, würde Lucius sicher ahnen, wie geschmacklos Severus diese Neckerei fand.
„ … und mit separater Eule auch die Absage von Miss Granger."
„Hör auf damit!", bellte Severus.
Lucius lachte leise, und Severus wandte sich um und sah, dass sein alter Freund sich anmutig auf einem Sofa niederließ. Lucius trug einen Morgenmantel aus glänzendem, grauem Stoff, der mit schimmernden Konturen weißer Pfauen bedeckt war. In der Hand hielt er einen Kelch des Sektgemisches. Er trank, und sein Mund entspannte sich zu einem Lächeln, das seine gemeißelte, nordische Schönheit keineswegs weicher erscheinen ließ. Nach einem Moment des Schweigens sprach er wieder.
„Ich sterbe vor Neugier, Severus, – wie hast du gewonnen?"
Severus lehnte sich mit der Hüfte an die Balustrade und verschränkte die Arme über der Brust. „Was willst du andeuten?"
Lucius' silbergraue Augen bildeten Knitter in den Augenwinkeln, seine Version von Dumbledores vermaledeitem Funkeln. „Komm – wir sind Freunde, seit du der strähnigste Erstklässler warst, der je nach Slytherin sortiert wurde! Erzähl mir, wie du gemogelt hast, um den Schachchampion zu besiegen!" Er hob seinen Kelch wie zu einem Toast. „Schließlich ist das der Stil von Slytherin!"
Severus grinste höhnisch. „Ich habe nicht getäuscht, sondern besser als der Junge gespielt. Warum betrügen, wenn man es nicht nötig hat?"
Lucius sah tatsächlich enttäuscht aus. „Wie ausgesprochen tugendhaft von dir!", spottete er. „Jedoch reichlich plebejisch, das musst du zugeben."
Der Elf, der servierte, näherte sich durch die offenen Türen dem Malfoy'schen Morgenzimmer und trug ein Tablett mit einem dampfenden Becher Kaffee. Severus nahm ihn dankend entgegen, dann prostete er seinem Gastgeber damit zu.
„Auf eine erfolgreiche Jagd!", sagte er mit so viel Fröhlichkeit, wie er in seiner momentanen Stimmung nur aufbringen konnte.
Lucius winkte mit träger Hand zum bleigrauen Himmel. „Es würde mich sehr überraschen, wenn die Jagd nicht schon vor dem ersten Hindernis ins Wasser fallen würde", sagte er launisch.
~oo0oo~
Hermione setzte sich ihren Reithut auf den Kopf und wandte sich vom Spiegel ab; es war ihr ziemlich egal, ob sie gut aussah. Ihr Schlaf war bestenfalls unruhig gewesen, und schließlich war sie mit einem Gefühl des Schreckens erwacht: Am Abend zuvor hatte sie sich so wenig zurückhaltend benommen – und Severus war so kalt gewesen, als er ihre eine gute Nacht gewünscht hatte –, dass sie nicht wusste, was sie heute von ihm erwarten durfte. Gerade, als sie wirklich damit begonnen hatte, sich auf seine Freundschaft zu verlassen – auf das Gefühl, als sei er jemand, auf den sie sich verlassen könne, egal, was passierte –, hatte sie den Verstand verloren und sich auf ihn gestürzt. Der Überfall hatte ihn so sehr aus der Fassung gebracht, dass er so distanziert wie immer gewesen zu sein schien, als sie auseinandergegangen waren.
Sie würde richtigstellen, was abends zuvor zerstört worden war, indem sie ihm heute Höflichkeit und Respekt erwies. Sie würde es sich nicht mehr erlauben, ihren niederen Trieben nachzugeben, wenn es um ihn ging. Sie wusste genau, dass ein Mann seines Kalibers und seiner Erfahrung niemals ernsthaft an einer Frau mit ihrem Mangel an weltlicher Erfahrung interessiert sein konnte, unabhängig davon, welche anderen Qualitäten sie hatte. Dennoch musste sie für den Rest der Woche auf freundschaftlichem Fuß mit ihm bleiben, egal, was es sie kostete – für Hogwarts.
Resolut hob sie das Kinn und marschierte los, um sich den Gästen beim Jagdfrühstück auf Malfoy Manor anzuschließen.
~oo0oo~
Die Gäste begannen einzutreffen, und Lucius signalisierte den Hauselfen, das Buffet zu bestücken. Severus ließ sich in der Nähe des Kopfendes der Tafel nieder, wo er zur Linken des Gastgebers sitzen würde. In dem Moment, als sie eintrat, sah er sie, und ihre Blässe machte ihn betroffen – an diesem Morgen zeigten ihre Wangen keinen rosigen Hauch. Dann sah sie ihn an, und vom freudigen Willkommen des Vortags war nichts zu sehen – kein impulsives Lächeln. Stattdessen wandte sie die Augen ab und bahnte sich langsam ihren Weg zu ihm durch die Menge. Guter Gott, hatte er sie so tief beleidigt, dass sie nicht einmal ein grüßendes Nicken übrig hatte?
Andererseits schien es Ronald Weasley ziemlich gut zu gehen. Das Vanemädchen hing an seinem Arm, und die beiden waren so sehr voneinander in Anspruch genommen, dass sie inmitten des Gewühls allein zu sein schienen. Zumindest fühlte er sehr sicher, dass ihn Weasley wegen Hermiones Aufmerksamkeit so schnell nicht wieder herausfordern würde – nicht, dass sich dieses Gut gerade in Severus' Besitz befand.
Longbottom, der so verloren und ahnungslos wie immer aussah, hatte das Veelamädchen im Schlepptau. Die Hälfte der Zauberer im Raum, einschließlich derer mit Ehefrauen und Freundinnen, warfen verstohlene Blicke auf Gabrielle Delacour, aber sie hatte nur Augen für den Schlangenschlächter.
George Weasley stand am Fenster und schaute hinaus in den grauen Tag. Er sah ein wenig bedrückt aus, aber es ging das Gerücht, dass er sehr hoch auf seinen Bruder gewettet hatte, dass dieser das Schachspiel gewänne. Severus dachte, er sähe als Einzelperson seltsam aus – schließlich war er die Hälfte des berüchtigtsten Zwillingspaars gewesen, das jemals zu unterrichten Severus verdammt gewesen war. Dennoch war es nicht Fred Weasley, den Severus jetzt an Georges Seite zu sehen gewohnt war, sondern das Lovegoodmädchen. Die Erkenntnis amüsierte ihn.
Schnell gesellten sich Krum und Quigley zu George, die zwei Mädchen zwischen sich hatten – eine davon war Penelope Clearwater. Konnte einer der Sportler Clearwaters Interesse geweckt haben? Wenn ja, würde Severus Merlin für die Rettung danken! Er hatte sie nie im Geringsten dazu angespornt, ihm nachzustellen, aber Clearwater war von beharrlicher Persönlichkeit: Wissenschaftlicher Erfolg hatte sie gelehrt, dass Ausdauer sich auszahlte, und sie hatte den Wunsch gehegt, dieses Prinzip bei dem Projekt anzuwenden, sich für Severus Snape unentbehrlich zu machen. Die blonden Locken, himmelblauen Augen und das liebreizende Temperament hatten ihn überhaupt nicht interessiert. Er hatte kein Interesse daran, dass Clearwater sein Dasein verschönte. Seltsamerweise war das zweite weibliche Wesen bei den Quidditchkameraden Pansy Parkinson, das Mädchen, auf das Lucius immer als zukünftige Schwiegertochter gehofft hatte. Er und Fortescue Parkinson hatten die Verbindung geplant, als die Kinder noch Babys in der Wiege waren, aber zumindest war Pansy nicht blind für die Tatsache, die Lucius nicht begreifen zu können schien: Draco würde kaum jemals eine Frau heiraten.
Draco war guter Laune, während er mit Potter die Jagdgemälde betrachtete, die über dem Sideboard hingen, und auf einige schaurige Details hinwies. Dies war für Severus eines der erfreulichen Dinge an dieser Woche gewesen: Zu sehen, wie Potter lernte, Draco gegenüber Toleranz zu zeigen. Das Duo war auf seine Weise eine der Attraktionen des Events, denn die Damen und Herren liebten es, zusammenzukommen und die kameradschaftlichen Kämpfer zu beobachten, egal, welches Spiel sie draußen am Nachmittag zu spielen beschlossen.
Dann erreichte Miss Granger ihn, und er verbeugte sich vor ihr. Obwohl sie mit einem korrekten Knicks erwiderte, hatte sie dabei die Augen zu Boden gerichtet. Es war klar, dass sie nicht zufrieden mit ihm war. Wie amüsant, dass er nach einem Weg gesucht hatte, ihr unersättliches Begehren nach ihm abzuwehren! Er konnte nur hoffen, dass er es eher mit Humor sehen konnte, als dass es an seinem Stolz kratzte.
Lucius geleitete Leticia an das Ende der Tafel, wo sie an seiner Rechten sitzen sollte. Professor Mortelle, elegant in ihrem maskulinen schwarzen Reitkleid, war eine der versierten Reiterinnen unter den Gästen, die zur Regency-Woche gekommen war, und heute würde sie als ebenbürtige Jagdreiterin an Lucius' Seite reiten. Severus beneidete seinen Freund darum – eine Lady, deren Leidenschaft für Pferde und die Jagd seiner glich. Miss Grangers Fortschritte in den Reitstunden in dieser Woche hatten ihr noch nicht die notwendige Fertigkeit gebracht, hinter den Hunden zu reiten, und sie würde im zweiten Feld folgen, in dem die weniger erfahrenen Reiter von Horologium Black geführt wurden. Severus hatte mit dem Gedanken gespielt, das echte Jagdfeld zu verlassen, um an ihrer Seite zu reiten, aber jetzt war er nicht davon überzeugt, dass sie ihn willkommen heißen würde – tatsächlich schien dies extrem unwahrscheinlich zu sein.
Beim Frühstück war das Mädchen nahezu einsilbig, bis Lucius sie zum Besten zu halten anfing, und ihre Reaktion war dann so köstlich, dass Severus nicht widerstehen konnte mitzumachen.
„Ich habe nachgelesen, wie eine Jagd in Großbritannien heutzutage abläuft, Mr Malfoy", begann sie. „Sagen Sie, wird die Jagd bei Zauberern ähnlich durchgeführt?", fuhr sie fort und hörte sich lebhafter an als den ganzen Morgen.
Lucius wandte sich ihr mit großer Liebenswürdigkeit zu. „Warum, was meinen Sie, Miss Granger?"
Sie legte ihre Gabel nieder und beugte sich nach vorn. Severus, der die Haltung wiedererkannte, fragte sich, ob sie Feder und Pergament dabei hatte – ob sie sie herausnehmen und anfangen würde, sich Notizen zu machen, um Lucius' Antwort aufzuzeichnen. Er verbarg sein Grinsen hinter einem Nippen an seinem Kaffee.
„Es gibt zur Zeit eine große Kontroverse in der Muggelgesellschaft wegen der Grausamkeit gegenüber dem Fuchs bei der Jagd", erklärte Granger ernsthaft. „Der Muggelregierung wurden Gesetze vorgeschlagen, um die Jagd auf den Fuchs mit Hunden zu verbieten. Was ist bei Ihrer Jagd üblich?"
Lucius hörte Miss Granger mit vollendeter Aufmerksamkeit zu, aber Severus konnte an der Art erkennen, wie die grauen Augen zu tanzen begannen, dass der Slytherin sie necken würde. Lucius hatte frühzeitig bei der Planung der Regency-Woche bemerkt, dass es leicht war, Miss Granger zu einer leidenschaftlichen Verteidigung ihrer Lieblingsprojekte aufzustacheln, und er hatte den Sport, Granger aufzuhetzen, oft genossen. Warum das Mädchen ihm immer wieder in die Falle tappte, konnte Severus nicht ergründen.
„Oh, wir wären niemals grausam zu einem Fuchs!", rief Lucius aus, und Severus konnte sehen, wie erleichtert das Mädchen bei dieser Bekanntgabe war. „Nein, das würde uns im Traum nicht einfallen." Lucius beugte sich vor und sprach mit großer Ernsthaftigkeit zu Hermione. „Sehen Sie, wir ziehen einem Hauselfen einen Fuchspelz an und jagen ihn stattdessen."
Miss Granger war so perplex, dass sie nur mit offenem Mund dasitzen konnte. Severus biss sich auf die Innenseite seiner Wange, um sich selbst vom Lachen abzuhalten, und schaute auf Leticia, die mit leuchtenden, saphirblauen Augen ihren Mann ansah.
„Oh!", rief Miss Granger, als sie sich wieder genügend gesammelt hatte, um zu sprechen. „Wie können Sie nur?"
„Oh, sie haben nichts dagegen", versicherte Lucius ihr. „Foxy hier ist von klein auf dazu erzogen worden." Er deutete auf den Hauselfen, der eine fast leere Platte gegrillter Nieren entfernte, um für frischen Schinken Platz zu schaffen.
Tränen traten in Miss Grangers leidenschaftliche braune Augen, und ihre Stimme hob sich vor Gefühl. „Wenn alles, was sie wollen, ist zu dienen – Sie glücklich zu machen! –, wie können Sie sie so grauenhaft missbrauchen?"
Granger in voller Fahrt zu sehen, konnte Severus sich nur erleichtert fühlen lassen, dass er nicht das Objekt ihrer Empörung war. Zusätzlich begannen einige der Gäste an der Mitte des Tischs, den Aufruhr zu bemerken, und Severus wusste, falls die Turbulenzen bis zu Potter hinunter vordrangen, gäbe es möglicherweise eine unangenehme Szene. Der Junge würde keinerlei Hinweis dulden, dass Granger von einem Malfoy verärgert wurde.
Lucius war in seine Erklärungen aus dem Stegreif vertieft, und da Severus seinen Blick nicht auffangen konnte, hob er eine warnende Augenbraue in Richtung von Leticia. Ihm war klar, dass sie den Scherz genoss, aber sie schritt sofort ein, um die Neckerei zu beenden.
Sie legte eine Hand auf Lucius' und sagte, „Ja, mein Lieber, du hast deinen Spaß gehabt – nun sag ihr, wie es wirklich ist!"
Lucius, der liebestrunkene Narr, wurde von Leticias Unterbrechung gänzlich abgelenkt, und es blieb Severus, die aufgewühlte Miss Granger zu beruhigen und ihr die richtige Information zu liefern.
„Er hat Sie wieder auf den Arm genommen", sagte er ruhig. „Die Zaubererjagd verwendet schon immer einen modifizierten Snitch, um die Schleppe zu legen, – das ist die Methode, die den Muggeln als Alternative zu einem echten Fuchs angeboten wurde, auch wenn ihre Schleppmethode natürlich nicht magisch ist. Der Jagdsnitch legt die Schleppe, dann lässt er ein Stück aus, macht wieder weiter und zwingt damit die Hunde dazu, die Spur zu erschnüffeln, indem sie nicht als durchgehende Linie von Punkt zu Punkt verläuft."
Er beobachtete ihr Gesicht und war froh zu sehen, dass sie wieder mehr Farbe auf den Wangen hatte, auch wenn ihre Augen noch ein wenig hitzig waren. „Wie konnten Sie zulassen, dass er sich so über mich lustig macht?", fragte sie.
Verdammt! Wie war er plötzlich so unter Beschuss geraten?
Er neigte den Kopf dicht zu ihrem Ohr. „Sie schienen heute Morgen nicht besonders zufrieden mit mir gewesen zu sein, Milady", sagte er leise. „Ich dachte nicht, dass Ihnen eine Einmischung meinerseits willkommen wäre."
Für einen kurzen Moment wandte sie ihm ihr Gesicht zu, und ihr Blick traf seinen. Der lächerliche Drang, sie zu küssen, schoss durch seinen Kopf, aber die Leute begannen, sich von der Tafel zu erheben, und der Moment war vorüber.
Mit Leticia an seiner Seite kam Lucius zu dem Mädchen und verbeugte sich, die Hand auf seinem Herzen. „Ich entschuldige mich für meinen schrecklichen Sinn für Humor, Miss Granger. Es war sträflich. Können Sie mir vergeben?"
Severus konnte die gedanklichen Prozesse im ausdrucksvollen Gesicht des Mädchens lesen. Sie beschloss, kein Aufheben zu machen, aber sie verdrehte die Augen und machte ein tadelndes tsk-Geräusch. „Ich weiß nicht, warum ich von Ihnen gutes Benehmen erwarten sollte", sagte sie, und ihr spielerisch tadelnder Blick umfasste Severus ebenfalls. „Von Ihnen beiden!"
Ihr Mund zuckte nach oben, und Severus wurde von einem Gefühl der Bewunderung überflutet. Ah, dies war eine Frau, deren engste Freunde Jungs gewesen waren statt Mädchen – mit ihr konnte man Pferde stehlen.
Lucius erhob seine Stimme, um die Gäste hinaus in den Hof zum Aufsitzen zu bitten und den Bügeltrunk zu nehmen. Die Gruppe strömte auf die Terrasse hinaus und den Pfad zu den Ställen entlang. Severus ging an Miss Grangers Seite und hoffte, bei ihr weiterhin gut angeschrieben zu sein. Nach einer kleinen Weile hängte sie sich bei ihm ein.
~oo0oo~
Neville und Gabrielle waren nicht unter den Reitern; sie hatten aus einem anderen Grund am Jagdfrühstück teilgenommen.
„Die Gärten von Malfoy Manor sind in diesem Teil Englands berühmt", hatte Neville Gabby erzählt. „Würdest du … würdest du sie gerne sehen?"
Neville und Gabrielle hatten einige Zeit miteinander verbracht. Nicht, weil Gabby seine Gesellschaft suchte, sondern weil sie beide beim Schauspiel mitwirkten. Das hübsche französische Mädchen hatte die Rolle der Helena bekommen, und durch eine Fügung des Schicksals – Neville hatte noch nicht entschieden, ob es eine glückliche oder eine schlimme Fügung war – hatte George Neville dazu genötigt, die Rolle des Demetrius zu übernehmen. Jetzt schlenderte er mit ihr die Steinplattenwege entlang und wies auf die ungewöhnlicheren Pflanzenarten hin und beantwortete die Fragen, die sie ihm über Gartenbau stellte.
„Ah, Neville, – du bist so klug!", hauchte sie voller Bewunderung.
Neville wand sich innerlich. Die halbe Zeit, wenn Gabby etwas zu ihm sagte, verstand er nicht, von wem sie sprach. „Du musst an jemand anderen denken", murmelte er halblaut.
Da blieb sie stehen und trat mit den Händen auf den Hüften vor ihn, zog den schmalen Rock ihres langen Kleides eng zusammen und zeigte damit ihre schlanke Gestalt. „Ich war sehr geduldig mit dir, aber es ist sehr ärgerlich, dass du die Dinge nicht akzeptierst, die ich zu dir sage!", rief sie. „Willst du nicht, dass ich dich für einen guten, freundlichen Mann halte?"
Neville schaute sich schnell um und hoffte, dass niemand in der Nähe war und hörte, wie Gabby ihn ausschimpfte. Sie stampfte mit dem Fuß auf, und ihre Stimme hob sich noch um eine Stufe.
„Willst du obendrein noch unhöflich zu mir sein?", fragte sie. „Kannst du mich nicht einmal anschauen?"
Sie trat näher und ergriff die Aufschläge seines blauen Regency-Rocks, ihr Gesicht hob sich, und ihre himmelblauen Augen glänzten voller unvergossener Tränen. Ihre zierlichen, gebogenen Lippen waren geöffnet, während sie ihn forschend ansah. Neville wollte sie trösten, daher legte er seine Arme um sie, und sie erwiderte dies, indem sie ihre Arme hob, um sie um seinen Hals zu legen. Neville hatte keine Ahnung, was er als Nächstes tun sollte. Seine höhere Hirnfunktion schien ausgefallen zu sein, daher blieb ihm nur die instinktive Erwiderung: Er küsste sie.
~oo0oo~
Hermione war glücklich darüber, Firefly wieder zu reiten, und die kleine Stute schien aufgeregt darüber zu sein, dass alle Reiter zur Jagd aufsaßen – als ob sie wüsste, was kommt, dachte Hermione. Eine Gruppe ritt hinter Mr Black los, der für die Reiter verantwortlich war, die immer noch nicht schneller als im Schritt zu reiten vermochten, während Draco die Reiter führte, die eine schnellere Gangart reiten konnten. Hermione, deren Privatunterricht bei Severus sie auf einen leichten Galopp über die Felder vorbereitet hatte, war in Dracos Gruppe.
Gedankenverloren arrangierte sie ihr Röcke und konzentrierte sich darauf, die Zügel korrekt zu halten und wie gelernt zu sitzen. Es dauerte einige Minuten, ehe sie Aufmerksamkeit für etwas anderes übrig hatte. Aber beim Ruf von „Gute Jagd!" ritten die Jagdreiter davon, und Hermione war genau wie zuvor vom Anblick von Severus Snape auf Apollyon fasziniert. Alle Gedanken ihrer morgendlichen Zweifel fielen von ihr ab, und das vertraute Ziehen instinktiver Anziehung überkam sie wieder, jetzt überlagert von persönlichem, intimem Wissen: dem harten Gefühl seiner Gestalt an ihrer, der Stärke seiner Arme, dem Geruch seines Schweißes, dem Gefühl seines Haars, das über ihr Gesicht strich, und als Wichtigstes dem Druck seiner Lippen und dem Geschmack seines Mundes.
Ohne Vorwarnung war sie verloren, bestand nur noch aus Sehnsucht. Sie konnte an nichts anderes mehr denken als wann sie ihn wiedersehen würde, und wie sie sein Interesse zurückgewinnen könne.
~oo0oo~
Der Regen kam nicht am ersten Hindernis, aber er begann nach weniger als einer Stunde Ritts zu fallen. Draco leitete seine Schüler sofort zurück zu den Ställen.
Harry wollte nicht umkehren. „Ich kann einen Zauber werfen, um trocken zu bleiben!", protestierte er gegenüber Malfoy.
Malfoy lachte mit einem warmen, wissenden Unterton, den Harry … sehr zu mögen begonnen hatte.
„Du magst in der Lage sein, dich selbst trocken zu halten", stimmte er zu, „und du magst in der Lage sein, Duds halbwegs trocken zu halten, aber du kannst nichts daran machen, dass der Boden nass wird. Und es ist schwieriger für ein Pferd, mit rutschigem Boden zurechtzukommen – und daher auch für den Reiter." Malfoy schenkte Harry ein schiefes Grinsen. „Bring mich nicht dazu, dass ich dich festbinden und über meinem Sattel liegend heimbringen muss!"
Für einen Moment war Harry von der Vorstellung getroffen, dass Malfoy Hand an ihn legte, um so ein Kunststück zu vollführen, und er hatte eine Reaktion, die gänzlich unpassend und nahezu unmöglich zu verbergen war. Das Letzte, war er brauchte, war, dass Malfoy dies bemerkte. Er trieb Duds in den Trab und ritt stattdessen neben Hermione weiter.
