Die Luft um mich war kalt. Der Sprung durch das Fenster war nicht so schlimm gewesen wie ich gedacht hatte. Schlimm war der Fall. Es geschah alles wie in Zeitlupe. Der Druck auf meinen Körper war so groß, dass ich nicht atmen konnte. Der Sauerstoffmangel machte mich zusätzlich benommen. Ich hatte das Gefühl ewig zu fallen.
Aus dem nichts wurde mein freier Fall gebremst. Die verbleibende Luft wurde aus meiner Lunge gepresst als ich mit einem großen Körper kollidierte. Reflexartig klammerte ich mich fest. Glas barst um mich herum und ich klammerte mich noch fester. Der Aufprall kam nie. Vorsichtig öffnete ich die Augen. Ich musste mich einige Etagen tiefer befinden. Auch hier waren in dem offenen Raum einige Büroboxen verteilt, welche jetzt eher wie durcheinander gewürfelt wirkten.
„Miss? Sie können los lassen." Erst durch die ruhige Stimme an meinem linken Ohr wurde mir bewusst dass ich mich noch immer an den Körper klammerte. Beschämt lies ich mich auf meine Füße fallen und wäre fast auf dem Hintern gelandet, hätte mein Gegenüber mich nicht festgehalten. Oh. Mein. Gott. Ich konnte nicht glauben wer mich da aufgefangen hatte.
„Steve? Steve?! Bitte kommen Steve!", glaubte ich die Stimme der Rothaarigen zu hören. „Ich habe sie Natascha. Kümmere dich um Banner und zieht euch zurück. Sam und Barnes sind hier auf meiner Etage." Ich schluckte. Vor mir stand tatsächlich Captain America. Ich schaffte es nicht mehr einen zusammenhängenden Gedanken zu fassen. Mein Gehirn weigerte sich langsam das alles zu versuchen zu verstehen und aufzunehmen.
Er sah mich ernst an und berührte meine Stirn. „Das ist nicht tief, aber blutet. Wissen Sie was passiert ist Miss? Arbeiten Sie hier?" Ich brauchte zwei Sekunden um zu verstehen was er da sagte. „Ich… Nein. Ich meine alles ok.., Mein Bruder…. Tot…" Meine Stimme versagte und mir wurde schwindlig. Er nahm mein Gesicht in beide Hände und beugte sich zu mir herunter. „Ich verstehe, dass das gerade alles ein wenig viel ist. Aber Sie müssen wach bleiben und mir vertrauen. Können Sie das für mich tun?" Ich konnte nur nicken.
„Ok, sehr schön. Sie bleiben immer hinter mir. Wenn ich Ihnen sage, dass Sie etwas tun sollen, tun Sie es ohne Fragen zu stellen." Wieder nickte ich wie in Trance. Vorsichtig schlichen wir durch die Gänge. An Gabelungen lies er mich warten und gab mir ein Zeichen wenn ich ihm wieder folgen sollte. So gelangten wir in die Nähe der Aufzüge und hockten uns hinter eine eingerissene Wand. Etwas knirschte rechts von mir und ich hielt erschrocken die Luft an.
„Verdammt Rogers wo warst du?" Ein Mann mit dunkler Haut schlich auf uns zu. „Natascha hatte Probleme auf der 9. Ich glaube wir haben die Zeugin gefunden." Er nickte in meine Richtung. Der zweite Mann schaute mich an und nickte kurz. Ich konnte nichts tun. Ich war immer noch damit beschäftigt bei Bewusstsein zu bleiben. „Barnes wartet schon eine Etage tiefer auf uns und checkt die Lage." „Kommen Sie." Sagte Steve sanft zu mir und schob mich vorsichtig mit der Hand an meinem unteren Rücken vor sich her Richtung Treppe.
Unten wartete ein weiterer Mann mir langen braunen Haaren und einer Maske die bis unter die Augen reichte. Leicht schimmerte sein linker Arm in dem wenigen Licht welches durch den Staub und Schutt noch in das Gebäude drang. Er schaute auf als wir uns näherten. „Deine neue Freundin Falke?" fragte er mit einem belustigten Schnauben. Etwas an ihm kam mir bekannt vor (abgesehen davon, dass er offensichtlich mit den Avengers arbeitete).
Bevor der angesprochene etwas erwidern konnte antwortete der Captain hinter dir mit ernster Stimme. „Das ist die Zeugin, Bucky." Der Langhaarige betrachtete mich von oben bis unten. Sein Gesicht lag jetzt im Schatten, also konnte ich keine Reaktion erkennen. „Soll mir recht sein. Solange sie mir nicht im Weg ist." Ich gab ein genervtes Schnauben von mir. „Wie war das, Prinzessin?" machte er sich lustig ohne mich nochmal anzuschauen.
„Genug gealbert. Es wird Zeit zu verschwinden. Natascha und Banner sollten inzwischen draußen sein. Clint sichert uns von der anderen Straßenseite und die Polizei sichert draußen das Gebäude. Wie sieht es hier bei uns aus Bucky?" Wieder ganz zurück in seiner Rolle als Soldat antwortete dieser. „Wir haben noch zwei Stockwerke unter uns. Schwer zu sagen wie viele non denen noch hier rum laufen. Ohne Kampf kommen wir hier aber nicht raus. Wenn wir es doch zur Treppe schaffen wird es auf jeden Fall da unten haarig. Ich weiß noch nicht wie du dir das vorgestellt hast wie wir die Zivilistin unbeschadet hier raus bringen wollen. Sie sieht nicht aus als könnte sie auf sich selber aufpassen!" „Sie wird mein Problem sein. Also los."
Damit setzten wir uns geduckt in Bewegung. Barnes und „der Falke" wie er ihn genannt hatte voran. Mich hatte Steve unter seinem rechten Arm ein wenig festgeklemmt um mich beim Laufen zu stützen und mit seinem Schild gleichzeitig meinen Rücken schützen zu können.
Tatsächlich erreichten wir ohne Probleme die nächste Treppe. Dass dieses dummer Gebäude hier untern auch keine zusammenhängenden Treppen haben konnte. Etwas knirschte links von uns. Und auf einmal ging alles ganz schnell. Ich hörte den Falken fluchen. Steve schob mich hinter sich und plötzlich waren überall um uns herum Bewaffnete.
„Unten bleiben!", war der an mich gerichtete Befehl. Als würde ich jetzt irgendwo hingehen, dachte ich als die ersten Kugeln abgefeuert wurden. Ich konnte nur hören was passierte. Ich hatte zu viel Angst hinzusehen. Ich wurde am Arm gepackt. „Halten Sie sich an tief und rüber zu Barnes und Sam an die Treppe. Ich komme nach. Los!" Ich dachte nicht nach. Ich lief einfach geduckt in die angewiesene Richtung. Im Treppenaufgang sah ich die beiden hocken und auf uns warten. Ich atmete tief ein. Zwei Meter.
Beide rissen erschrocken die Augen auf. Der Schmerz raste durch mich und lies mich fast das Bewusstsein verlieren. Erst jetzt schrie ich auf. „Scheiße!" hörte ich hinter mir Steve. Bevor ich wusste was geschah war ich in der Luft und auf dem Weg zur nächsten Etage hinunter. Ich spürte wie das Blut meine Hose tränkte. Der Schmerz in der Wade war unerträglich. „Verdammt wir sind eingekesselt!" hörte ich undeutlich Barnes.
Vorsichtig wurde ich abgesetzt. Eine neue Welle Schmerz schoss durch meinen Körper. „Bucky! Ich habe eine Idee. Aber du musst sie raus zu Banner schaffen, sie verblutet uns sonst. Die Wade ist nicht so schlimm, aber der Oberschenkel sieht nicht gut aus." Steve hatte die Stirn nachdenklich in Falten gezogen. „Nein! Keine Chance, ich lasse dich nicht zurück!" „Sergeant Barnes, das war keine bitte sondern ein Befehl Ihres Captains!" Er lies ein unwilliges Knurren hören und schulterte dann doch seine Waffe. „Verdammt nochmal Rogers…"
Er kniete neben mir nieder und sah auf mein Bein. Sanfter als ich es ihm zugetraut hätte schob er den metallenen Arm unter meine Beine und umfasste mit dem anderen meinen Oberkörper. Als er sich aufrichtete brummte er leise: „Schön festhalten, Prinzessin." Ich stöhnte leise auf und schlang die Arme um seinen Nacken. Seine Haare kitzelten mein Gesicht als er zu Rogers sah. „Und wie lautet dein Plan?" „Ganz einfach. Wir machen euch den Weg frei und sobald genug Platz ist machst du, dass du hier heraus kommst."
Ich bekam nur undeutlich mit worüber sie sprachen. Ich wurde immer müder und kalt war mir auch. Unbewusst schmiegte ich mich enger an die warme Brust des Soldaten. Dieser versteifte sich und sah mich an. „Alles klar, wir sollten uns beeilen. Pass auf dich auf Kumpel." Zu mir sagte er dann: „Hey Prinzessin. Du musst noch ein bisschen durchhalten." Ich brummte schwach, zu mehr hatte ich nicht mehr die Kraft.
Die nächsten Minuten waren ein Wirrwarr aus Schüssen, Flüchen und ruckartigen Bewegungen. „Jetzt, Bucky!" Und plötzlich waren wir draußen. Undeutlich nahm ich die unzähligen Polizisten wahr. „Banner!", brüllte er sofort und lief unbeirrt an den Beamten vorbei. Seine Stimme vibrierte durch meinen ganzen Körper. Mir fehlte die Kraft mich weiter festzuhalten. Er spürte sofort wie die Spannung in meinen Armen nachließ. „Nein, nein, nein, nein. Schön durchhalten Prinzessin. Wir haben es fast geschafft… BANNER!" Ich sah wie durch einen Schleier die Rothaarige und einen weiteren Mann auf uns zu stürmen. Jemand berührte mein Bein und ich schrie vor Schmerz. Das letzte was ich sah war ein paar blauer Augen die sich direkt in meine Seele brannten. Dann wurde endlich alles schwarz und taub.
