Dumpf dröhnte es in meinem Kopf. Das Bettzeug fühlte sich rau an meiner Haut an. Also doch ein Traum. Ein furchtbarer und sehr realer Traum. Aber irgendetwas stimmte nicht. Ich runzelte die Stirn. Es tat weh. Und der Geruch war falsch. Das hier war nicht zuhause. Wo war ich?
Es fiel mir unglaublich schwer meine Augen dazu zu überreden sich zu öffnen. Es dauerte ein wenig bis sich meine Sicht langsam klärte. Ein weißer Raum. Maschinen um mich herum. Oh nein! Ich war in einem Krankenhaus! Nein, nein, nein. Das durfte doch alles nicht wahr sein!
„Ah, sehr schön du bist wach, mein Engel." Alles in mir zog sich beim Klang seiner Stimme zusammen. „Was willst du hier?" fragte ich tonlos und überlegte fieberhaft was ich tun sollte. „Mein kleiner Dummkopf.. Dachtest du wirklich ich würde dich nicht finden?" Panik stieg in mir hoch. Hatte ich nicht für einen Tag genug durch gemacht? Heiß liefen die Tränen über meine Wangen. Erschrocken stieß ich einen Schrei aus als er nach meiner Hand griff und wollte sie weg ziehen. „Liebling. Was hast du denn. Es ist alles gut. Ich bin ja jetzt da. Ich werde mich gut um dich kümmern sobald ich dich gleich mit nach Hause nehmen kann." „Nein!" Mit geweiteten Augen rutschte ich von ihm weg. Ich verlor das Gleichgewicht und fiel rückwärts aus dem Bett. Dabei rutschte die Infusion aus meinem Arm und tropfte nun auf den grün gesprenkelten Boden.
„Was machst du denn? Du hast doch keine Angst vor mir? Sobald du deine Tabletten wieder bekommst wird es dir besser gehen mein Schatz." Langsam kam er um das Bett herum. „Nein! Fass mich nicht an! Bleib weg von mir du verdammtes Monster!" Panisch rutschte ich von ihm weg. Den unglaublichen Schmerz in meinem Bein ignorierte ich, so sehr war ich in Panik. Warum half mir denn niemand? Mich musste doch jemand hören?
„Es kommt alles wieder in Ordnung. Ich werde dich jetzt…" Ich bekam den Wagen mit dem Monitor zu fassen und schubste ihn ihm in den Weg. „Bleib weg von mir! Warum hilft mir denn niemand?!" Krachend ging der Wagen zu Boden. „Langsam verliere ich die Geduld mit dir. Das hatten wir doch alles schon. Aber ich bin ein guter Mann, wir regeln dass wenn du wieder zuhause bist.. Mein Schatz…" Das war es, dachte ich.
Buckys Sicht:
Noch immer warteten sie auf den Arzt. Die Not-OP war vorbei und trotzdem hatte man ihnen noch nichts gesagt. Fury hatte darauf bestanden, dass Romanov, Banner und er mit her fuhren und hier blieben bis sie ansprechbar war. „Was dauert denn da so lange, Banner? Du bist Arzt, warum kommt keiner wenn die OP fertig ist?" „Zum x-ten mal Barnes… Ich. Weiß. Es. Nicht." Er presste die Finger auf den Nasenrücken. „Ok Jungs! Ruhig. Bruce warum holst du dir nicht einen Kaffee? Der Große hat heute schon genug gespielt. Und du Barnes setzt dich da hin und bist ruhig." So klein sie auch war, hatten beide Männer doch gehörigen Respekt vor der kleinen rothaarigen Agentin.
Als eine Krankenschwester mit einem Wagen voller Medikamente vorbei kam hielt Barnes sie trotzdem an. „Entschuldigung Miss. Sie können uns nicht zufällig sagen wann der Arzt fertig ist. Die Not-OP ist schon seit fast einer Stunde beendet." Sie schaute ihn mit einem wie sie offensichtlich hoffte gewinnenden Lächeln an. „Oh der kommt gleich. Er wurde von einem Patienten aufgehalten. Aber der Mann ist ja bei der Frau bis sie aufwacht, also alles in Ordnung."
Er versteifte sich sofort. ‚Ihr Mann?' Sie hatten niemandem den Zugang zu ihr gestattet. „Bucky? Was ist los?" Natascha trat an ihn heran. „Irgendjemand ist bei ihr!" Er packte die verängstigte Krankenschwester an den Oberarmen. „Welches Zimmer?!" Sie sah ihn verständnislos an. „WELCHES ZIMMER VERDAMMT NOCHMAL?!" „108!" schrie sie panisch zurück. Ohne auf die beiden anderen zu achten lies er die Frau los, drehte sich auf den Hacken um und raste den Gang entlang Richtung Treppenhaus in den ersten Stock. „Barnes was zur Hölle..?", rief Banner als er und Romanov ihm so schnell sie konnten folgten.
Er nahm immer zwei Stufen auf einmal. Hechtete in den Korridor zur linken. Er brauchte nicht auf die Zimmernummern zu achten, er hatte sie schon gehört. „Bleib weg von mir!...", hallte ihre vor Panik schrille Stimme durch den langen Gang. Er hörte etwas laut zu Boden krachen. Dann war er da. Ohne Zeit zu verschwenden rammte er seine metallene Schulter gegen die Zimmertür, worauf diese direkt aus den Angeln gesprengt wurde.
Die Szene vor ihm war völlig surreal. Die Frau saß völlig panisch in einer Ecke des Zimmers, das Krankenhaushemd nur noch lose um sie geschlungen. Ihr Blick tränenverschleiert und panisch. Sie blutete aus dem Einstich der herausgerissenen Infusion und dem Bein. Auf dem Boden lag ein zerstörter Monitor, das Bett war umgeworfen. Und über ihr stand völlig Perplex ein Mann mit irrem Blick.
Mit einem lauten Knall flog die Tür aus den Angeln und krachte gegen die Wand. Verwirrt richtete sich seine Aufmerksamkeit von mir zur Tür. Der Soldat mit den langen Haaren stand in der Tür und versuchte die Situation zu verstehen. Ich starrte ihn flehend an. „Hilfe…", flüsterte ich und presste mich trotz der Schmerzen stärker in die Ecke. Etwas im Blick des Soldaten verhärtete sich. Mit einem Knurren stampfte er auf den völlig verdatterten Eindringling zu und riss ihn mit aller Kraft von mir fort. Er prallte in die gegenüberliegende Wand und blieb bewusstlos liegen. Gleichzeitig stürmten die Rothaarige und der andere Mann, der Banner sein musste, herein. „Was…?" Banner schoss an ihr vorbei und bekam Barnes zu packen bevor der sich auf den Bewusstlosen stürzen konnte. Natascha kniete vor mir nieder.
„Was war hier los? Hat er dich verletzt?", ich konnte nicht sprechen. Ich zuckte zurück als sie versuchte mich zu berühren. „Schätzchen, ich muss schauen was die fehlt." „Nein!" Ich hatte meine Stimme wieder gefunden. Sie durfte mich nicht anfassen. Er durfte mich nicht anfassen. Er durfte nicht hier sein. Mein Schrei hatte beide Männer herum fahren lassen. „Jungs ich glaube ich brauche Hilfe. Von mir lässt sie sich nicht anfassen." Wandte sie sich an ihre Kameraden. „Am Besten macht das Banner. Ich glaube nicht dass ich hier helfen kann…" kam es leise von Barnes und er starrte auf seinen linken Arm.
„Na schön. Ich versuche es. Hey. Ich werde Sie nicht anfassen. Sie müssen aber mit mir reden, ja?" Er hockte sich vor mich und hob die Hände so, dass ich sie sehen konnte. Sofort zuckte ich noch weiter zurück und wimmerte. Verzweifelt suchte ich den Blick des dritten Mannes. Doch er hatte die Augen geschlossen und kämpfte zitternd scheinbar um Beherrschung. „Barnes." Keine Reaktion. „Sergeant Barnes! Ich glaube wir werden doch sie brauchen." Er öffnete langsam die Augen, starrte aber weiter zu Boden. Die Rothaarige legte ihm die Hand auf den Arm aus Metall. „Bucky.. Bitte versuch es zumindest. Sie schaut jedes Mal zu dir wenn wir ihr zu nahe kommen." Er seufzte. „Was wenn ich es schlimmer mache? Du siehst doch wie verängstigt sie ist." „Versuch es bitte. Irgendetwas müssen wir tun. Oder glaubst du die Ärzte kommen an sie heran?" Er seufzte noch einmal und schaute mich dann an.
Diese blauen Augen. Langsam kam er auf mich zu, seine Augen immer auf meine gerichtet. Ich kann es mir nicht erklären. Je näher er kam, desto ruhiger wurde ich. Kurz vor mir hockte er sich hin und schaute mich nur an. Ich war in diesem blau gefangen. „Weißt du noch wer ich bin, Prinzessin?" fragte er mit dieser rauen Stimme ganz leise und sanft. Vorsichtig nickte ich. „Das reicht mir nicht. Du musst mit mir reden Kleines." Ich öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Ich versuchte es noch einmal. „Der Soldat aus dem Büro."
Er schenkte mir ein kleines Lächeln. „Ja. Der Soldat. Darf ich mich neben dich setzten?" Ich zögerte. Langsam nickte ich. Ganz langsam und vorsichtig, wie um mich nicht aufzuscheuchen setzte er sich neben mich. Die beiden anderen standen bewegungslos an der Tür. Und auch er rührte sich noch immer nicht. Der Soldat saß einfach nur neben mir. Sagte nichts. Atmete nur ruhig und gleichmäßig. Ich merkte, dass ich meine Atmung seiner anpasste. Und immer ruhiger wurde.
Langsam stiegen die Tränen in mir hoch, als ich mir der gesamten Situation bewusst wurde. Kraftlos lies ich mich nach links gegen ihn sinken. Immer noch sehr vorsichtig legte er seinen Arm um mich. „Was hältst du davon wenn wir aufstehen und der Arzt sich nochmal dein Bein anschaut, Prinzessin?" Ich zitterte leicht bei dem Gedanken mich von ihm lösen zu müssen. Er merkte es sofort. „Willst du nicht oder kannst du nicht?" Ich atmete tief durch und antwortete kaum hörbar: „Ich kann nicht aufstehen. Ich kann nicht an ihm vorbei. Ich…." Mein Stimme versagte und heiß topften meine Tränen auf seine Hose und sein Shirt. Er seufzte und überlegte kurz.
Die beiden anderen standen noch immer weit weg von ihnen und er bedeutete ihnen mit Blicken auch dort zu bleiben. „Dann machen wir es anders." Brummte er. Ohne sich großartig von mir zu lösen stand er auf und schob seinen linken Arm unter meine Beine. Bevor er sich aufrichtete flüsterte er: „ Du kennst das Spiel, Prinzessin. Du hältst dich fest und ich passe auf, dass dir nichts passiert. Einverstanden?" Statt einer Antwort griff ich wie schon einmal um seinen Nacken. Vorsichtig richtete er sich auf. Als wir an ihm vorbei mussten wurde ich unruhig. Auch wenn er sich bisher nicht bewegt hatte, was war wenn er plötzlich aufsprang.
Anscheinend hatte der Soldat es bemerkt. „Schau mich an. Nicht ihn. Mich. Solange ich da bin tut er dir nichts." Seine Stimme war warm und bestimmt. Ich zwang mich zu ihm hoch zu schauen. Da waren sie wieder. Diese unglaublichen blauen Augen. Und dann waren wir auch schon an der Tür bei den beiden anderen. „Darf ich mir dein Bein jetzt einmal kurz anschauen Schätzchen?", fragte die Rothaarige mich mit einem Lächeln. Vorsichtig nickte ich und vergrub mein Gesicht an seinem Hals. Ich wollte das Bein nicht sehen.
„Wie ich dachte. Es ist durch die Bewegung wieder ein wenig aufgerissen. Am Besten…" weiter kam sie nicht. „Prinzessin? Hey…" seine dunkle Stimme wurde immer dumpfer und ich konnte fühlen wie ich langsam (schon wieder) in seinem Arm schwach wurde.
