Benommen wurde ich erneut wach. Es war hell. Wahrscheinlich die Sonne. Ich brummte unwillig, versuchte aber trotzdem die Augen zu öffnen. Ich rechnete mit dem Schlimmsten. Nichts passierte. Vorsichtig schaute ich mich um. In einem Stuhl am Fenster saß die Rothaarige und blätterte in irgendeinem Magazin. Ich bildete mir ein russische Schriftzeichen zu erkennen.

Sie lächelte mich sanft an. „Es ist alles gut, Schätzchen. Er ist weg. Und da bleibt er auch." Sie faltete das Magazin zusammen und legte es auf die Fensterbank. Langsam stand sie auf und kam zu mir. „Keine Sorge, ich werde nicht wieder schreien.", lies ich matt verlauten. Ich fühlte mich wie durch den Rasenmäher gezogen. „Niemand ist dir böse. Extreme Situationen machen seltsame Dinge mit uns." Sie hatte meine Hand sanft in ihre genommen. „Wo..?" meine Stimme brach weg.

„Nicht länger im Krankenhaus. Wir habe dir ein kleines Upgrade verpasst." Kam es von der Tür. Ihn erkannte ich sofort, er war ja oft genug im Fernsehen zu sehen. Tony Stark aka Iron Man. Er schaute mich freundlich an. „Noch ein wenig verschlafen, was? Das macht nichts. Du wirst die nächsten Tage ohnehin nicht viel anderes als dieses Zimmer sehen. Zumindest bis du sitzen kannst ohne uns wieder durch die Finger zu gleiten." Verwirrt sah ich ihn an. „Was unser Opa hier versucht dir auf charmante Art zu sagen ist: Schön dass du wach bist und lass es ruhig angehen, Schätzchen." Kicherte die Rothaarige. „Meine Worte, Miss Romanov."

Eine metallene Stimme meldete sich zu Wort. „Sir. Die Laborwerte sind da. Und Miss Potts bat mich Sie noch einmal zu erinnern den ich darf zitieren „grauenvollen Witz" den Sie gedachten zu machen sein zu lassen." Tony seufzte. „Die Frau lässt einem auch nichts durchgehen. Danke Friday."

Ich beobachtete ihn still. Er war ganz anders als er im Fernsehen wirkte. Weniger arrogant. Etwas schoss mir durch den Kopf. „Mein Hund! Meine Arbeit!" „Darum wurde sich gekümmert.", kam es von Tony. „Du nimmst wegen Überarbeitung deinen lange überfälligen Urlaub und der Hund dürfte mit Barnes, Rogers und Wilson joggen sein." Als die Information in mein Hirn sickerte glitt ich langsam zurück in die Kissen. „Michael?" Tränen liefen über meine Wangen. Beide Agenten schauten zu Boden. „Die Beerdigung ist nächste Woche." flüsterte die Frau an deinem Bett. Ich biss auf meine Lippe und nickte nur.

Ich fühlte mich wie benommen. Die einzelnen Teile dieses großen verwirrenden Puzzles wollten noch immer nicht recht zusammen passen. „Was hat das alles zu bedeuten? Was ist da passiert?" „Ich glaube dafür ist es noch zu früh, Schätzchen. Darüber reden wir wenn es dir besser geht." Ich nickte. Wahrscheinlich war es besser so. Ich spürte dass ich langsam wieder müde wurde. „Ruh dich aus Kleines. Hier bist du sicher." Tony drückte mit einem Schmunzeln meine Schulter.

Die nächsten Tage verliefen einigermaßen eintönig. Gut die meiste Zeit davon verschlief ich ohnehin. Banner sah sich regelmäßig mein Bein an. Sowohl in meiner Wade als auch meinem Oberschenkel hatten etliche Kugeln gesteckt. Man hatte mir erklärt, dass mein Upgrade wie Tony es genannt hatte, bedeutete dass ich nun im Stark Tower untergebracht war. Auch wenn ich das Zimmer noch nicht verlassen durfte, bekam ich doch regelmäßig Besuch. Besonders zu Natascha hatte ich schnell eine Bindung aufgebaut, aber auch die anderen Avengers waren sehr nett zu mir.

Nur einen hatte ich seit dem Krankenhaus nicht mehr zu Gesicht bekommen. Barnes… „Hey Steve?" Der Captain hob den Kopf in meine Richtung. Er hatte mit einem Buch neben mir gesessen und mir einfach nur Gesellschaft geleistet, wie er es oft tat. „Ja?" Ich schluckte. „Wie kommt es, dass ihr alle immer zu mir kommt? Also ich meine alle außer…" „Barnes?" Ich schaute ihn an und nickte. Steve seufzte. „Tut mir Leid. Es ist nur… er hat mich aus dem Büro getragen und dann die Sache im Krankenhaus.. Und jetzt kommt er nicht mal her. Habe ich etwas falsch gemacht?" Seine große Hand griff nach meiner. „Du hast nichts falsch gemacht. Es hat auch nicht wirklich etwas mit dir zu tun. Er ist… Bucky ist mein bester Freund. Ich kenne ihn seit wir Kinder waren. Ihm ist etwas Schreckliches passiert und er versucht immer noch sich in seinem neuen Leben zurecht zu finden. Es ist nicht leicht für ihn. Das was er im Krankenhaus für dich getan hat, hat ihn viel Kraft gekostet."

Auch wenn ich es nicht verstand, was mit ihm passiert war, verstand ich doch dass es traumatisch gewesen sein musste. Mit Traumata kannte ich mich bestens aus. Schnell schob ich den Gedanken wieder weg. „Ich glaube ich werde noch ein wenig schlafen. Bleibst du noch ein bisschen hier?" „Sicher. Ich wecke dich wenn Banner zur Untersuchung kommt." Ich lächelte ihn dankbar an und rollte mich auf die Seite. Seine Hand lies ich nicht los als ich einschlief.

Ich hörte dumpf Stimmen als ich wieder wach wurde. Eine davon war Rogers. Er musste aufgestanden und zur Tür gegangen sein, da meine Hand nun leer war. „Sie hat nach dir gefragt. Warum du der Einzige bist der nicht her kommt." Ging es etwa um mich? „Ich komme doch her und sehe nach ihr." „Nicht wenn sie wach ist. Ich habe versucht es ihr zu erklären. Aber du wirst ihr nicht ewig aus dem Weg gehen können." Angestrengt hörte ich zu, da beide sehr leise sprachen. „Ich kann nicht Steve. Das im Krankenhaus war anders. Es war eine Ausnahmesituation. Euch kann ich vertrauen. Bei euch verliere ich nicht die Kontrolle. Du hättest ihren Blick sehen sollen als ich mir diesen Kerl geschnappt habe. Was glaubst du wie sie reagiert wenn sie mich sieht? Es wird dieselbe Angst sein mit der sie ihn angeschaut hat. Ein Monster!" Ich konnte den Schmerz hinter seinen Worten fast körperlich spüren. Es brach mir das Herz ihn so reden zu hören.

„Das weißt du nicht Bucky." „Und was wenn ich Recht habe? Nach allem was sie durch gemacht hat, wer bin ich ihr auch noch das zuzumuten?", schnappte er zurück. Ein dumpfer Druck in meinem Bein lies mich leise stöhnen. „Sie wird wach. Ich bin im Fitnessraum." Schwere Schritte entfernten sich und Steve kam auf mich zu als ich langsam die Augen öffnete. „Alles in Ordnung Kleine? Brauchst du etwas?" Ich rieb mir die Augen und schüttelte den Kopf. „Na los. Banner ist da. Heute wirst du vielleicht die Fäden in deinem Bein los. Das wäre doch mal was." Er grinste mich breit an.