Hier bin ich wieder :-) Da ich bis jetzt keine Reviews erhalten habe, bin ich mir etwas unsicher mit der Story :-D Aber ich werde auf jeden Fall weiter machen und hoffe weiterhin auf ein paar Reviews von euch.

So und nun auf zum nächsten Kapitel :-) Viel Spaß.


Kapitel 3

17.05.1998

Mittlerweile war eine Woche vergangen, seit dem Fred wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Eine Woche, in der sich fast nichts an seinem unmöglichen Verhalten geändert hatte und Hermine sah ihre Geduld langsam aber stetig reißen.

George war an dem Tag, an dem er sich mit seinem Bruder gestritten hatte nicht mehr zurückgekehrt und auch am Tag darauf, hatte er sich nicht mehr blicken lassen. Wenn sie allerdings die Wohnungstüre geöffnet hatte, konnte sie leise aber sicher seine Stimme unten im Laden erkennen.

Feigling, war das einzige Wort, das ihr zu Georges Verhalten einfiel. Er war alt genug, sich nach so einem Streit seinem Bruder zu stellen und kindisch war es noch obendrein. Sie wusste genauso gut wie die beiden, dass sie nicht ohne einander konnten.

Nachdem Fred und sie die Bolognese gegessen hatten und er sich einigermaßen von seiner Attacke beruhigt hatte, hatte er ihr leise gedankt und hatte sich seither in seinem Zimmer eingeschlossen. Er kam nur raus, um zu essen und auf Toilette zu gehen. Allerdings akzeptierte er dabei keine Hilfe von ihr. Wie er es denn schaffte, war ihr schleierhaft, aber es interessierte sie auch nicht weiter. Sie hatte es satt, sich um ihn zu Sorgen und dafür kassierte sie nur seine indifferente Haltung. Worauf sie verzichten konnte.

Sie hatte also praktisch die ganze Woche keine Haarsträhne von ihm gesehen und sah sich auch nicht in der Position in sein Zimmer einzubrechen. Entweder kam er da irgendwann alleine wieder raus und lebte endlich das Leben, das er leben konnte oder er würde als Einsiedler sterben.

Zwischendurch waren Molly und Ginny dort gewesen. Entgegen Hermines Glauben, Molly sei ebenfalls dankbar, musste sie sich Vorwürfe und endlose Reden anhören, wie unprofessionell sie sei und das man mehr von ihr erwartet hätte als dies. Hermine wusste es besser, als ihr zu wiedersprechen und hatte sich auf die Zunge gebissen, um nicht laut los zu schreien. Es war ja nicht so als würde ihr dieses Leben hier so wie es war, Spaß machen.

Zu ihrer großen Erleichterung war allerdings Ginny eingesprungen und hatte ihr den Rücken gestärkt. Sie hatte das Temperament ihrer Mutter geerbt und hatte diese damit auch wieder in ihre Schranken weisen können. Als wäre das nicht schon genug gewesen, war Ginny zu Freds Zimmer gestürmt und hatte auf dessen Türe eingeschlagen, bis dieser endlich geöffnet hatte. Bevor Fred auch nur die Tür einen Zentimeter offen hatte, hatte sie auf ihn eingebrüllt, was für ein arroganter Arsch er sei und dass er seinen Kopf endlich aus diesen ziehen solle, denn sonst würde sich überhaupt nichts ändern. Dann hatte sie ihre Arme vor der Brust verschränkt und hatte ihm unter Tränen gesagt, dass er ihr Lieblingsbruder sei und sie all die Jahre zu ihm aufgesehen hatte, was sie nun als Fehler erkannte.

Fred hatte die ganze Zeit still in seinem Stuhl gesessen und sie perplex angesehen. Am Ende von Ginnys Rede meinte Hermine sogar ein Fünkchen von Reue in seinen Augen zu sehen, bevor sein Blick sich verhärtete und er sie fragte, ob sie nun fertig sei.

Ginny war schluchzend disappariert und seitdem nicht mehr zurückgekehrt. Molly hatte es noch ein oder zweimal versucht hatte aber dann auch aufgeben müssen. Ihre anklagenden Augen hatten Hermine jedoch seither verfolgt. Als wäre es ihre Schuld.

Wie nun gesagt, hatte Fred seitdem nicht mehr sein Zimmer verlassen. Umso überraschter war sie, als sie nun das Klicken seiner Zimmertür hörte. Überraschte setzte sie sich auf der Couch auf und legte das Buch beiseite, als sie Fred in das Zimmer kommen hörte.

Er blieb neben dem Sessel stehen und starrte die Haustüre an, als würde er auf irgendwen warten, doch nichts und niemand kam. Nach geschlagenen zwanzig Minuten hatte Hermine endlich die Nase voll und ihre Geduld riss.

„Was verdammt noch mal ist dein Problem!", schrie sie und sprang von der Couch auf. Das Buch, das bis dahin vergessen auf ihrem Schoss gelegen hatte, viel mit einem lauten Knall zu Boden. Normalerweise würde sie sich jetzt darüber Sorgen machen, ob Seiten geknittert oder gerissen waren, doch ihre heiße Wut über den Rotkopf ließ keine weiteren Gedanken zu.

Fred sah sie erschrocken an. Er öffnete kurz den Mund, schloss ihn aber wieder und wandte sein Gesicht wieder der Türe zu.

Hermine ballte ihre Hände zu Fäusten und schloss ihre Augen. Wenn sie sich nicht bald unter Kontrolle bekam, würde es gefährlich werden. Ihre Magie brannte bereits unter ihrer Haut, pochte mit jedem Schlag ihres Herzens und raste durch ihre Arterien und Venen.

„Ist dir bewusst, dass es bereits eine Woche ist?", sagte er schließlich leise. Seine Stimme war krächzend, weil er sie so lange schon nicht mehr benutzt hatte.

Hermine öffnete perplex die Augen und sah, dass sich in seiner Haltung bis dahin nichts geändert hatte. Er hatte nur seine Augen von der Türe genommen und auf seine Hände im Schoss gerichtet. Er sah müde aus, seine Schultern fielen leicht nach vorne und seine Augen waren rot. Darunter befanden sich dunkle Ringe. Um es deutlich zu sagen… Fred sah fürchterlich aus.

Langsam und wie in Trance nickte sie. „Natürlich weiß ich das.", flüsterte sie und ging langsam ein paar Schritte auf ihn zu.

Fred nickte nur und wurde wieder still.

Hermine verstand ihn einfach nicht mehr. Zu gerne würde sie wissen und verstehen, was in seinem Kopf vorging. Im einen Moment suchte er ihre Worte und ihm nächsten baute er diese Mauer wieder auf, die er nach dem Krieg im Krankenhaus errichtet hatte. Sie beobachtete in für einige Zeit und setzte sich auf die Sessellehne, neben ihm. Es war still und dennoch wusste sie, dass sich irgendetwas verändert hatte, sie spürte es in Freds Haltung und in der Luft, die sie beide umgab.

Und dann… einfach so… geschah etwas, womit sie niemals in ihrem Leben gerechnet hatte. Fred riss seine Hand fahrig zum Haar und strich schon fast verzweifelt dadurch, bevor ein Schluchzer seine Kehle entrann und er mit Tränen in den Augen zu ihr aufsah.

Hermine erschrak so sehr vor dem Anblick, dass sie zurück wich. Fred Weasley hatte noch nie geweint. Zumindest nicht seit dem sie ihn kannte. Er hatte noch nie so verzweifelt ausgesehen. Und als er da saß, in seinem Rollstuhl und weinte, während er sie ansah, verstand Hermine endlich wie einsam er sich die ganze Zeit wirklich gefühlt haben musste. Und auch wie viel Angst wirklich in ihm tobte. Sie verstand, dass die Ganze indifferente Art von ihm nur eine Farce gewesen war. Eine Farce um ihr nicht zu zeigen, wie es ihm wirklich ging. Denn Fred Weasley war vieles. Er war lustig, lebensfroh, klug, freundlich, kokett und auch charmant. Aber niemals war er verzweifelt, einsam oder verängstigt. In seinen Augen sah sie, dass er mit all diesen neuen Emotionen überfordert war.

Sie wollte aufstehen und ihm etwas sagen, doch er fiel ihr ins Wort. „Und niemand, Hermine-", seine Stimme brach, „niemand ist gekommen."

„Ginny ist gekommen und deine Mutter.", sagte Hermine leise und versuchte ihm eine Hand auf den Arm zu legen, doch er entriss ihn ihr.

„Ginny hat ihrer Wut nur Luft gemacht.", sagte er wütend und schlug mit der Faust auf den Tisch, bevor er wieder ganz still wurde. Seine Tränen rannen aber ungestört seine Wangen hinunter und tropften ihn auf den Schoss. „Wo ist George?", hauchte er und sah sie dann wieder an. „Wo ist Jaqueline?"

Hermine öffnete den Mund, um ihm die Antworten zu geben, auf die er schon so lange wartete, doch mit Entsetzen stellte sie fest, dass sie keine hatte. Zum ersten Mal hatte Hermine Granger keine Antworten.

„Ich weiß, was ich George gesagt habe…", hauchte Fred leise und schloss die Augen. „Aber gerade er muss wissen, dass ich das nicht so meine."

Hermine nicke. „Das weiß er auch, Fred.", sagte sie leise und hoffte inständig, dass es wirklich so war. „Er braucht bestimmt nur etwas, um seine Wut abzubauen. Ich bin mir nämlich sicher, dass ihn das genauso getroffen hat, wie die Worte, die er dir an den Kopf geworfen hat, dir wehgetan haben."

Er nickte langsam und legte seinen Kopf in seine Handflächen.

Hermines Herz brach als sie ihn so sah. Wie hatte sie nur so dumm sein können? Wie hatte sie nicht sehen können, was er wirklich brauchte? Nämlich keinen Freund, der ihm half auf die Toilette zu gehen, sondern jemandem, der ihm zuhörte, wenn er von seinen Ängsten sprach.

„Und Jaqueline?", fragte er nun wieder. Seine Stimme war durch die Hände vor seinem Gesicht gedämpft.

Hermine öffnete den Mund, um zu sagen, dass auch sie Zeit brauchte. Aber dann fragte sie sich, wofür Jaqueline Zeit brauchte. Eigentlich sollte sie bei ihm sein, ihm helfen mit der neuen Situation klar zu kommen. Eigentlich hätte sie sich melden sollen, sobald sie erfahren hatte, dass Hermine bei ihm einziehen würde.

Hermine zog die Augenbrauen zusammen und schüttelte irritiert über Jaqueline den Kopf. Dann fiel ihr ein, dass Fred sie ja gar nicht sehen konnte. „Ich weiß es nicht.", sagte sie wahrheitsgetreu. „Ich weiß nicht, wo sie ist."

Fred nahm seine Hände von seinem Gesicht und nickte. „Es ist eine ganze Woche her und niemand hat sich gemeldet."

Hermine erkannte mit Schrecken, dass seine Stimme hoffnungslos war, als habe er aufgegeben.

„Was ist mit deiner Mutter, Fred?"

„Ich möchte ihr so, wie ich jetzt bin, nicht unter die Augen kommen. Sie macht sich auch so schon Sorgen genug und mich in einem Rollstuhl zu sehen, weil ich mich nicht bewegen kann, wird ihr das Herz brechen.", flüsterte er und fuhr ohne einen weiteren Blick in Hermines Richtung wieder in sein Zimmer und schloss die Türe.

Hermine hatte nach diesem Gespräch nicht mehr lange überlegt. Nach dem sich ihre Wut über Fred auf den restlichen Weasley Clan verlagert hatte, war sie in ihrem Zimmer verschwunden und hatte dort einmal richtig die Luft rausgelassen. Sie hatte ihre ganze Wut und Frustration hinausgeschrien.

Am Ende hatte sie mit einem leichten Lächeln am Fenster gestanden und einer Eule hinterher gesehen, die einen roten Brief um ihre Krallen gebunden hatte. Sie wusste es würde nicht einmal bis zum nächsten Morgen dauern, bis das die Eule ihr Ziel erreichte.

Zufrieden mit sich selbst und weitaus besser gelaunt legte sie sich auf ihr Bett und schloss die Augen. Alles was sie jetzt tun musste war warten.

*****

Im Fuchsbau saßen sie alle beim Abendessen, als sie das vertraute Klopfen einer Eule am Fenster vernahmen. Verwirrt sahen sie sich an, als Molly aufstand und ans Fenster trat. Sie band der Eule den Brief ab. Von einem Leckerchen wollte die Eule allerdings nichts sehen und biss Molly stattdessen kräftig in den Finger, bevor sie kräftig mit den Flügeln schlug und davon flog.

Ginny an der anderen Seite des Raumes hätte schwören können, dass die Eule in diesem Moment mehr als verächtlich in die Runde geschaut hatte. Überrascht über das Verhalten des Tieres zog sie eine Augenbraue in die Höhe.

Molly kam schließlich mit einem Tuch um die eine Hand gewickelt und den Brief in der anderen haltend wieder zu ihnen zurück. Erst als sie sich am Tisch nieder ließ erkannte sie, was für eine Art von Brief sie gerade wirklich in der Hand hielt. Und als sie das erkannte, wich ihr alle Farbe aus dem Gesicht.

„Ein Heuler?", sagte Percy, der neben ihr saß und ebenfalls die Art des Briefes erkannte. „Wer würde uns einen Heuler schicken?", fragte er perplex und schaute in die Runde.

„Ich habe keine Ahnung.", hauchte sie und öffnete mit zittrigen Fingern den roten Brief.

Es dauert keine Sekunde, nachdem sie das Siegel gebrochen hatte, als der Brief auch schon zum Leben erwachte.

„WIE KÖNNNT IHR NUR!?", schrie es in Hermines nur allzu bekannter Stimme und die Gesichter von Ron und Harry wurden sofort bleich. Viel zu oft schon waren sie am Ende dieser Wut gewesen und wussten, dass damit nicht mehr zu spaßen war. Hermine war nicht nur mehr böse. Sie war rasend vor Wut. „WISST IHR NOCH WER HIER IST? ICH GEBE EUCH EINEN TIPP. GROß, ROTHAARIG UND SITZT IN EINEM VERDAMMTEN ROLLSTUHL. JAAAAA… GENAU! FRED WEASLEY. EUER SOHN UND EUER BRUDER. WIE KÖNNT IHR NUR SO FEIGE SEIN UND EUCH BEI IHM NICHT MEHR BLICKEN LASSEN. IHR HABT KEINE AHNUNG, WAS IHR IHM DAMIT ANTUT. JEDER VON EUCH SOLLTE SICH ANGESPROCHEN FÜHLEN. GINEVRA!", donnerte die Stimme von Hermine weiter und wandte sich nun der jüngsten Rothaarigen zu.

Ginny schluckte einmal und rutschte in ihrem Suhl ein wenig mehr runter. „WIE KANNST DU ES WAGEN JEDES MAL WENN DU HERKOMMST FRED MIT ANSCHULDIGUNGEN UND SCHIMPFWÖRTERN ZU BEWERFEN!" Ginny sah in die Runde und riss die Hände voller Scham vor ihr Gesicht.

„UND DANN DU, GEORGE!", der Brief wandte sich an Ginnys Bruder, der den Brief anstierte, in der Hoffnung, er würde vor lauter Willenskraft von George in Flammen aufgehen. Er seufzte als dies natürlich nicht der Fall war und ließ die berechtigte Strafe über sich ergehen. „GEORGE, GERADE VON DIR HÄTTE ICH DAS NICHT ERWARTET. WAS ICH ABER ERWARTE IST, DASS DU SPÄTESTENS MORGEN DEINEN FEIGEN ARSCH HIER HINSCHWINGST UND FÜR DEINEN ZWILLING DA BIST. SO WIE DU ES VERSPROCHEN HAST! UND DU MOLLY!"

Molly sah erschrocken den Brief an, als dieser wieder in ihr Gesicht flog. Wie nahm sich Hermine es heraus, sie anschreien zu dürfen? Sie verlangte zumindest ein wenig Respekt von dem Mädchen, das sie wie ihre eigene Tochter behandelt hatte. „DU BIST SEINE MUTTER, MOLLY. WIE KANNST DU DEIN KIND NUR IM STICH LASSEN. DAS IST ECHT TRAURIG. DU HAST SIEBEN KINDER, ABER GERADE FÜR DAS – WAS DICH AM MEISTEN BRAUCHT – BIST DU NICHT DA! DU SOLLTEST JEDEN GOTT VERDAMMTEN TAG HIER SITZEN!" Molly sah auf Seite, sie konnte den Brief nicht länger ansehen.

„UND ALL IHR ANDEREN!", donnerte der Brief nun. „NICHT EINER VON EUCH ANDEREN HAT SICH IN DIESER GANZEN VERDAMMTEN WOCHE BEI FRED GEMELDET. ICH SCHWÖRE EUCH, SOLLTE DIES WEITERHIN DER FALL SEIN, WERDE ICH EURE ÄRSCHE SO TIEF IN DIE ERDE HEXEN, DASS SIE DEM ERDKERN VIELE GRÜßE VON MIR AUSRICHTEN KÖNNEN!"

Mit diesen Worten hörte der Brief auf zu schreien und verbrannte eigenhändig in der Luft. Im ganzen Haus und auch am Tisch war es still. Jeder sah mit erschrockenen Blick auf die Reste des Briefes. Keiner traute sich auch nur ein Wort zu sagen. Jeder war zu beschämt und jeder wusste, dass Hermine Recht hatte.

„Hermine ist echt gruselig.", hauchte Charlie nach einer gefühlten Ewigkeit.

„Ja.", sagten Harry und Ron gleichzeitig. „Brillant aber gruselig."


:-D Ach, ist Hermine nicht einfach herrlich? Ich hoffe euch hat das Lesen - besonders des letzten Teiles - genauso Spaß gemacht wie mir das schreiben ;-)

Bis zum nächsten Mal!