Ich wünsche alle viel Spaß beim lesen

Lg, Nessi


Kapitel 4

13.05.1998

„Morgen…", hauchte eine verschlafene Stimme hinter ihr und erschrocken wandte sie sich um.

„Guten Morgen, Fred.", hauchte sie ebenfalls als sie ihn erkannte und lächelte ihm aufmunternd zu. „Hast du gut geschlafen?"

Er hob nur die Schultern und rollte mit seinem Rollstuhl auf sie zu und schaute mit neugierigen Augen über die Arbeitsplatte auf den Herd. „Was machst du da?", fragte er.

„Frühstück. Es gibt Omelett.", sagte sie mit sich selbst zufrieden und wandte das besagte Omelett als hätte sie in ihrem Leben noch nie etwas anderes getan. „Es freut mich, dass du endlich aus deinem Zimmer kommst.", sagte sie dann schließlich, als sie das Omelett aus der Pfanne nahm und auf einen Teller ablegte.

Fred hob daraufhin nur die Schultern und nahm den Teller entgegen. „Ist ja nicht so als hätte ich eine andere Wahl.", hauchte er und rollte mit dem Teller auf seinem Schoß zum Tisch. „Entweder ich akzeptiere es oder ich sperre mich für immer in meinem Zimmer ein. Da noch etwas von meinem alten Ich überlebt hat, bevorzuge ich ersteres." Er begann zu essen, ohne Hermine nach seiner Antwort auch nur einmal anzusehen.

Die Brünette stand immer noch am Herd, den Kopf leicht schräg gelegt und dachte über seine Antwort nach. Er war nicht glücklich. Nicht nur mit seinem Handycap, sondern mit allem und jedem. Sie hatte gewusst, dass es für Fred nicht einfach sei. Das rote Haar und seine Sommersprossen machten es zwar für jeden Außenstehenden klar, dass er mit Ron verwandt war aber nur darin ähnelten sich die beiden. Ron war in vielem ein kleines Kind. In allem was er tat brauchte er eine andere Meinung oder jemandem, der ihm sagte, dass er es gut gemacht habe. Er hing durchgehend an Harrys Saum und auch sonst hatte er bisher nicht viel erreicht. Sicher, sie hatten den größten dunklen Magier aller Zeiten besiegt, doch anders als sie und Harry hatte Ron nie auch nur ein einziges Mal in Betracht gezogen, sein letztes Schuljahr in Hogwarts nach zu holen. Seiner Meinung nach, war es ein Geschenk, das er nicht mehr dorthin zurück musste, keine Hausaufgaben machen oder Prüfungen schreiben musste.

Harry hatte aber zwei oder drei Tage nach dem Kampf in Hogwarts eine Ausbildung als Auror angeboten bekommen und Harry wäre nicht Harry, wenn er dieses Angebot hätte ausschlagen können.

Zu Rons entsetzen, bat das Ministerium nur Harry eine Stelle an. Sie sahen Ron einfach nicht als Auror. Er mochte zwar im Laufe der Jahre ein guter Zauberer geworden sein, doch sein feuriges Temperament und seine Angewohnheit erst zu Handeln und danach zu denken, verwerten ihm jegliche Chance als Auror tätig zu werden.
Das alles bedeutete aber auch, dass er Harry nicht mehr von morgens bis abends folgen konnte. Da Harry sofort mit dem Training begonnen hatte, war seine Freizeit so gut wie nicht mehr vorhanden und wenn er welche besaß, war sie strikt für Ginny Weasley reserviert.

Hermine würde nie den Augenblick vergessen, als Ginny sich nach dem Krieg in Harrys Arme geworfen und in seinen Umhang geweint hatte.

Nach dem sie mit Harry und Ron den Elderstab vernichtet hatte und die große Halle wieder betreten hatte, war Harry wie angewurzelt stehen geblieben. Zuerst ein wenig irritiert hatte sie vorsichtig über seine Schulter gespäht und eine rothaarige Frau nur wenige Meter vor ihnen erkannt. Ihr Haar war zerzaust und dreckig gewesen, genauso wie ihre Kleidung und ihr Gesicht. Doch dicke Tränen hatten sich mit dem Dreck und dem Blut auf ihrem Gesicht vermischt, während sie ihre Hände rang und die Augen nicht von Harry hatte nehmen können. Vorsichtig war Harry – wie in Trance - zwei Schritte auf sie zugegangen und hatte dann seine Arme für sie geöffnet. Die Rothaarige hatte keine Worte gebraucht, um seiner stillen Einladung zu folgen. Mit einem lauten Schluchzen war sie in die offenen Arme des Helden der Zaubererwelt gelaufen und hatte ihr Gesicht in seinem Nacken vergraben.

Hermine hatte kurz Angst, dass sie Harry erdrücken würde, so fest war ihr Griff um ihren Freund, doch Harry hatte genauso fest seine Arme um Ginny gelegt und hatte jeden einzelnen Zentimeter, den er von ihrem Kopf erwischen konnte mit Küssen bedeckt. Immer und immer wieder hatte Ginny dieselben Sätze gesagt. „Ich hatte solche Angst um dich." und „Ich habe gedacht du wärst tot." Und Harry hatte ihr zu geflüstert, dass er bei ihr sei und dass nun endlich wieder alles gut werden würde und schließlich hatte er die Worte zu Ginny gesagt, die sie schon immer von ihm hatte hören wollen. „Ich liebe dich, Ginny."

Hermine lächelte bei dieser Erinnerung und schüttelte dann den Kopf. Sie verlor schon wieder den Faden. Wie dem auch sei, nach dem Harry also nun das Training begonnen hatte, war Ron viel mehr als eh und je ein verlorenes kleines Hündchen. Er würde sie für diesen Vergleich umbringen, aber das änderte immer noch nichts an der Tatsache, dass er es wirklich war. Ron wusste nicht mehr, was er nun mit seinem Leben anfangen sollte und blies nun von morgens bis abends Trübsal im Fuchsbau. Ohne Job und ohne jegliche Ahnung, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen sollte.

Wieder schüttelte Hermine den Kopf, dieses Mal traurig und ihr Blick fiel wieder auf Fred. Wie gesagt war Fred ziemlich anders als Ron. Er war selbstständiger, hatte seinen Traum von einem Scherzartikel laden erfolgreich erfüllt und verdiente damit auch gutes Geld. Zudem kümmerte es ihn nicht viel, was andere von ihm dachten. Sogar im Rollstuhl besaß er noch seinen Stolz. Mal ganz zu schweigen von seinen Tischmanieren, die so viel besser waren als die seines kleinen Bruders.

„Möchtest du nicht auch frühstücken oder willst du mich weiterhin anstarren?", durchrang Freds belustigte Stimme ihre Gedanken. Erschrocken blinkte sie und ihre Wangen erwärmten sich, als sie bemerkte, dass sie Fred tatsächlich angestarrt hatte. Schnell schüttelte sie den Kopf, griff nach einem Teller und setzte sich Fred gegenüber.

„Worüber hast du nachgedacht?", wollte er wissen und Hermine hob die Schultern.

„Darüber, was nach dem Endkampf alles passiert ist. Was sich alles verändert hat.", sagte sie schließlich und sah von ihrem Omelett auf. „Bist du sauer, dass ich es bin?", wollte sie schließlich wissen und Fred sah sie für einen langen Moment still an, bevor er den Kopf schüttelte.

„Nein. Ich kann auch verstehen, weshalb du und kein anderer aus unserer Familie. Aber ich habe gedacht, dass Jaqueline…", er brach ab und wandte seinen Kopf zur Seite.
Hermines Herz brach und sie öffnete gerade ihren Mund um etwas zu sagen, als er sie darin schlug. „Darf ich dich was fragen?" Sie nickte. „Und du bist ehrlich zu mir?" Wieder nickte sie. „Wenn du einen Freund hast und ihm würde etwas passieren – so wie mir - … Wo wärst du dann?"

Hermine biss sich auf die Lippe. Ihre Antwort kannte sie, sie brauchte gar nicht zu überlegen. Aber sie wusste, was Fred mit dieser Frage wirklich fragte und sie wusste nicht, ob sie ihn mit ihrer Antwort nicht verletzen würde.

„Du hast mir gesagt, du wärst ehrlich zu mir, Hermine.", erinnerte er und dann lachte er leise und freudlos auf. „Und ich kenne deine Antwort schon, ich möchte es nur hören. Bitte sag es mir."

Hermine schluckte, nickte und holte tief Luft. „Ich wäre natürlich bei meinem Freund. Ich würde ihm keine Sekunde von der Seite weichen."

Fred nickte und senkte den Blick. „Genau das habe ich mir gedacht." Dann sah er wieder zu ihr auf. „Hast du was von Jaqueline gehört? War sie vielleicht hier, als ich zu stur war, um mein Zimmer zu verlassen?"

Hermine schüttelte stumm den Kopf.

Fred war gerade im Begriff vom Tisch weg zu rollen, als das Flohnetzwerk sich meldete. Verwirrt zog er die Augenbrauen hoch und rollte aus der Küche und ins Wohnzimmer. Hermine dicht hinter ihm. Sie wollte ihn nicht Babysitten und ihn auf Schritt und Tritt verfolgen, aber ihr Gefühl sagte ihr, dass sie es jetzt tun sollte und dieses Gefühl hatte sie bisher nie im Stich gelassen. Es hatte ihr mehr als einmal das Leben gerettet.

„Jaqueline…", entkam es Fred erschrocken, als die blonde Hexe aus dem Kamin trat und ein wenig Asche von ihrer Kleidung entfernte.

Mit einem Lächeln sah sie zu ihm auf und stolzierte – wie nur ein Modell es konnte – auf Fred zu. Sie beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn, als wäre es das letzte Mal, dass sie jemanden küssen würde.

Hermine runzelte die Nase und erwog kurz, ob es wirklich möglich war, seine eigene Zunge so tief in den Hals eines anderen zu stecken. Doch Fred schien es nichts auszumachen und Hermine rollte die Augen. Waren Männer wirklich so blind, wenn Frauen nur riesige Brüste hatten?

Nach einer geraumen Zeit, in der Hermine schon dachte, die beiden wären an den Lippen des anderen wahrhaftig kleben geblieben, entfernte sich Fred von dem Modell und sah mit einem Lächeln zu ihr auf. Wie konnte er sie nur so treu anlächeln, wenn sie sich so lange nicht bei ihm hatte Blicken lassen?

„Hey Babe…", hauchte die Blonde und strich ihrem Freund durchs Haar. „Tut mir leid, dass ich nicht vorbeigekommen bin, aber ich hatte so viel zu tun." Dann setzte sie sich eiskalt auf Freds Schoß und kraulte ihm den Nacken, direkt am Haaransatz.

Schnurrte er gerade wirklich? Hermines Augenbrauen machten praktisch Bekanntschaft mit ihrem Haaransatz. Streich alles, was sie gerade eben vor dem Frühstück über Fred gedacht hatte, vielleicht war er doch nicht so anders als Ron.

Dann wandten sich die grünen Augen des Modells auf sie und die Blonde schürzte die Lippen. „Was mach die denn hier?", sagte sie und stand wieder von seinem Schoß auf. Ihre Hände legten sich auf ihre Hüften und sie sah Hermine mit einem solchen Hass an, dass die Brünette befürchtete, alleine von diesem Blick sterben zu müssen.

„Hermine hilft mir in einigen Dingen.", sagte Fred und seine blauen Augen wandten sich ihr zu. „Sie hat ihre Pläne geopfert, damit ich mich besser mit der neuen Situation einleben kann."

„So…", sagte die Blonde und hob verächtlich eine Augenbraue als sie Hermine genauer musterte. „In welchen Dingen hilft sie dir denn, Fred?" Ihre grünen Augen wandten sich zusammengezogen zu den Rothaarigen. „Sie ist ja nicht mal wirklich hübsch, sag mir nicht-"

„Du meine Güte, Jaqueline!", donnerte Fred und sah erschrocken zwischen den beiden Frauen hin und her. „Wie kannst du mir so was unterstellen! Hermine hilft mir im Haushalt."

Dann lachte die Blonde und zeigte ihre allzu perfekten Zähne. „Eine Hausfrau also. Mehr hätte ich auch nicht erwartet." Dann wandte sie sich wieder Fred zu. „Lass uns in dein Zimmer gehen, Babe, während die da hier sauber macht."

Fred warf Hermine noch einen entschuldigenden Blick zu und wurde dann zu seinem Ärger, den Hermine nur allzu gut in seinen Augen erkannte, von Jaqueline in sein Zimmer gerollt. Und bei Gott, Hermine wollte nicht wissen, was Jaqueline da mit Fred nun anstellte. Aber gut, dachte sie sich, wenn Fred schon nicht protestierte, obwohl er bestimmt wusste, was die Blonde vorhatte, dann brauchte er bestimmt ihre Hilfe nicht. Und keine zehn Hippogreife würden sie nun da rein bekommen.

XxXxXx

Es war später Mittag, als sich ein Schlüssel im Schloss der Wohnungstür bewegte und ein nervöser George eintrat.

Hermine sprang von der Couch, das vergessene Buch schlug mit einem lauten Knall auf den Boden. „Gott sei Dank.", hauchte Hermine und warf die Arme um einen verwirrten George.

„Hermine, es tut mir leid, ich war feige und dein Heuler-", versuchte er dennoch zu erklären, aber Hermine schüttelte den Kopf.

„Vergiss den verdammten Heuler, George.", unterbrach sie ihn und entfernte sich von ihm. „Ich bin nur froh, dass du da bist. Glaub mir ich werde fast wahnsinnig."

George zog eine Augenbraue hoch und sah sich um. „Wo ist Fred?" Hermines Blick in Richtung der Zimmertür sagte ihm alles. „Sag mir nicht, er ist immer noch nicht rausgekommen."

„Doch.", sagte Hermine. „Aber dann ist heute Morgen Jaqueline gekommen und hat ihn da wieder reingezogen." Sie war selbst von der Abscheu in ihrer Stimme überrascht. „Und ich sage dir, seitdem hat keiner von den beiden, das Zimmer verlassen."

George seufzte und zog sie mit zur Couch. „Fred ist ein ganz anderer, wenn Jaqueline in der Nähe ist.", erklärte George und Hermine rümpfte die Nase.

„Denkst du, sie tun da…", fragte Hermine, brach aber ab. Sie wollte diesen Gedanken gar nicht zu Ende denken.

George hob die Schultern. „Als Fred gesund war, definitiv." Dann sah er Hermine an. „Kann er überhaupt….?"

Es lief ihr kalt den Rücken runter und sie schüttelte sich als ihr bewusst wurde, mit wem sie über was sprach. Dann hob sie die Schultern. „Keine Ahnung. Ich bin kein Arzt. Aber ich vermute ja."

„Ich habe mal gelesen, dass es unterschiedlich sei.", sagte George leise. „Und was machen wir jetzt?"

Hermine stand auf und ging in die Küche. „Mir ist egal, was wir machen, George. So lange du mich nicht alleine lässt, so lange die Blonde noch hier ist. Du hast keine Ahnung, wie tief sie die Zunge in Freds Hals stecken kann."

George schüttelte sich hinter ihr. Er war ihr in die Küche gefolgt und griff in die Schränke, um zwei Tassen rauszuholen, während Hermine magisch Wasser erhitzte. „Das habe ich schon gesehen, Hermine, und ich möchte es nie wieder sehen."

„Dann sind wir uns ja einig.", sagte die Brünette und goss das kochende Wasser in beide Tassen. „Du hast vorhin von meinem Heuler gesprochen.", begann sie dann doch und George nickte, als er die Teebeutel in die Tassen hing. Er begleitete Hermine still zum Küchentisch und setzte sich ihr gegenüber, bevor er wieder sprach.

„Du hast Recht gehabt, mit dem was du gesagt hast. Ich war nur so sauer. Aber das heißt nicht, dass ich Freddie nicht jeden Tag vermisst hätte. Das was er gesagt hatte…. Ich musste das nur verdauen."

„Ich weiß.", sagte Hermine und legte ihm eine Hand auf den Arm. „Fred braucht dich aber, mehr als irgendjemand sonst."

George schnaubte. „Klar." Dann war es kurz still zwischen ihnen, bevor George einen Schluck nahm und dann die Tasse wieder abstellte. Gedankenverloren schaute er in seinen Tee, als könne er darin etwas lesen. „Ich hasse diese Frau.", sagte George schließlich und strich sich durch das rote Haar. Dann sah er Hermine an. „Kannst du dir vorstellen, wie es wäre, wenn Fred sie heiratet? Sie wird immer da sein. Ihre Haare auf diese nervige Art und Weise in den Nacken werfen, ihre Hüften schwingen als gehöre ihr die Welt und kichern als wäre sie ein kleines Kind, das gerade ein Kompliment vom Weihnachtsmann bekommen hat. Und Fred wird nie wieder Fred sein."

Hermine erkannte in seinen Augen wirklich Angst. Sie biss sich auf die Lippe und senkte den Blick.

„Ich habe nie in meinem Leben jemanden so sehr verachtet. Außer Voldemort, natürlich."

„Weiß Fred, wie du denkst?", fragte sie schließlich und George hob die Schultern.

„Ich habe ihn mal drauf angesprochen, dass ich nicht glaube, dass sie die Richtige für ihn ist, aber er hatte davon nichts hören wollen."

Hermine nickte wieder und nahm still einen Schluck von ihrem Tee.


Und schon wieder ein Kapitel zu Ende. ich hoffe es hat euch gefallen.