So ihr Lieben, ich möchte mich nur schnell für die lange Wartezeit entschuldigen.

Und dann noch eins schnell vorweg. Mir war aufgefallen, dass ein ganz wichtiger Bestandteil in dieser Storie fehlte. Und zwar der, euch zu zeigen, was Hermine eigentlich den ganzen Tag so bei den Zwillingen treibt und wie sie sich überlegt hat Fred zu Helfen. Hier habt ihr nun darauf die Antwort und ich hoffe, dass es euch genauso gefällt wie mir und meiner Beta!

Viel Spaß beim Lesen, eure Nessi


Kapitel 6

27.05.1996

Eine ganze Woche war bereits seit diesem grässlichen Date vergangen. Eine ganze Woche, in der Hermine kaum ein Wort sprach. Die größte Zeit schloss sie sich in ihrem Zimmer ein und rollte sich wie ein Embryo im Mutterleib auf ihrem Bett zusammen, als Tränen ihre Wange runterrollten und sie sich nicht gegen diese grässlichen Erinnerungen wehren konnte. Ihre Haut war offen und rot. Wundgeschruppt vom ständigen Duschen; es war fast zu einer Art Sucht geworden. Denn immer noch spürte sie die Hände dieses Mistkerls auf sich, immer noch spürte sie seinen Atem über ihr Gesicht.

Kurz um, Hermine war seit diesem Abend ein absolutes Wrack. Natürlich hatte sie niemandem erzählt was geschehen war, wem auch? Und außerdem fühlte sie sich entblößt und schwach genug, sie brauchte niemandem, der ihr jetzt auch noch Mitleid entgegen brachte.

Ihr war natürlich auch nicht entgangen, dass Fred und George merkten, dass irgendetwas nicht mit ihr stimmte. Bis jetzt hatte aber niemand der beiden irgendetwas gesagt. Jedoch spürte sie ihre Blicke und hörte die geflüsterten Worte, die verstummten, wenn sie das Zimmer betrat. Doch niemand traute sich den ersten Schritt zu machen und zu fragen.

Stattdessen ging Hermine weiter der Arbeit nach, wofür sie gekommen war. Sie kümmerte sich um Fred, wann immer er ihre Hilfe brauchte. Es war nicht bei so vielen Dingen, wie sie zu Anfangs gedacht hätten. Immerhin war er ein Zauberer und die Querschnittslähmung war nichts, was seine Magie außer Gefecht setzte, aber bei manchen Dingen konnte selbst Magie nicht mehr helfen. Leider waren es nicht gerade einfache und angenehme Dinge.

Dank des Rollstuhls konnte er sich von A nach B bewegen, nur ab und zu halfen Hermine oder George Fred die Treppe herunter, wenn er in den Laden wollte. Dank der Zauberei konnte er sich ebenfalls aus und anziehen oder sich Dinge besorgen, an die er sonst nicht rankam.

Da waren nur zwei Dinge, bei denen er Hermines Hilfe unbedingt brauchte und sie wurde immer noch rot, wenn sie es tat oder nur daran dachte. Aber sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass sie dasselbe auch im St Mungos hätte tun müssen, wenn sie ihrem Traum gefolgt und Heilerin geworden wäre.

Jetzt in diesem Moment, befand sie sich wieder in einer solchen Lage. Sie beobachtete wie Fred seinen Zauberstab leise schwang und kurz drauf war seine komplette Kleidung fort. Sie spürte erneut wie die Hitze in ihren Wangen aufstieg und sie pink färbten. Wie immer wandte Fred seine Augen von ihr ab, als er so verletzlich im Rollstuhl vor ihr saß. Und wie immer brach es ihr das Herz, Fred Weasley so zu sehen.

„Bist du soweit?", flüsterte sie ihm zu und er nickte. „Okay…", flüsterte sie wieder und richtete ihren Zauberstab auf ihn. Ein leises Wingardium Leviosa brachte Fred zum Schweben und sie setzte ihn vorsichtig in das warme Wasser der Badewanne.

Für Hermine war es so einfacher, in der Dusche würde sie nur unnötig mit nass. Das ganze geschah, ohne das Hermine ihre Augen von Freds Gesicht nahm, sie wollte es ihm nicht noch ungemütlicher machen, als es eh schon war und sie wusste, dass er ihr vertraute. Wer wäre sie denn, wenn sie dieses Vertrauen missbrauchen würd?

„Okay. Ist das Wasser angenehm, Fred?", fragte sie ihn und wieder nickte er nur. Er sagte in diesen Moment nie viel. Zu stark war die Scham. „Alles klar. Du weißt, wann du mich rufen kannst.", sagte sie wieder und legte für den Notfall auch seinen Zauberstab auf den Wannenrand.

„Danke.", hauchte er, ohne sie anzusehen.

Dann verschwand Hermine aus dem Bad und schloss die Türe mit einem Seufzen. Wenn es doch nur etwas geben könnte, womit sie Fred helfen könnte…

Sie ging in die Küche und begann das Abendessen vorzubereiten. Sie hatte an Kartoffeln, mit Hähnchen und Salat gedacht. Sie wusste, dass sie keinen der Zwillinge fragen müsste, beide aßen einfach alles, was man ihnen vorsetzte.

Sie begann mit den Kartoffeln. Dank eines einfachen Zaubers begannen sie sich selbst zu schälen und dann in den Kochtopf zu legen. Währenddessen bereitete sie die Marinade für die Hähnchenkeulen vor und bestrich diese dann mit ihr. Als die Kartoffeln mit dem Schälen fertig waren, wusch sie diese noch mal in der Spüle und stellte sie dann zum Kochen auf. Die Hähnchenkeulen schob sie in den Ofen.

Sie wollte gerade mit dem Dressing für den Salat beginnen, als sie Freds Stimme aus dem Badezimmer hörte. Sie drehte die Hitze an den Kartoffeln etwas runter und begab sich dann ins Bad. „Alles gut, Fred?", fragte sie ihn als sie eintrat und er nickte.

„Meine Haare.", flüsterte er leise und Hermine nickte. Natürlich konnte Fred sich die Haare selbst einshampoonieren, doch ausspülen war eine andere Geschichte. Im Laufe der kurzen Zweit wo sie nun schon hier war, hatten sie sich darauf geeinigt, dass sie ihm die Haare dann komplett waschen würde.

Als Hermine sich das Shampoo nahm und etwas davon auf ihre linke Handfläche tat, dachte sie an das erste Mal zurück.

Sie hatte Fred wie gerade eben in die Wanne gesetzt und hatte dann mit hochrotem Kopf das Badezimmer fast fluchtartig verlassen, während Freds Gesicht kaum noch von seinem Haar zu unterscheiden gewesen war. Nach einer geschlagenen dreiviertel Stunde hatte er sie dann wieder gerufen und sie gebeten, ihm aus dem Wasser zu helfen. Sie hatte fast eingewillgt, als sie bemerkte wie sein Haar aussah. Er hatte sich zwar das Shampoo ins Haar gerieben, war aber nicht in der Lage gewesen es wieder auszuspülen. Er hatte sich auch schon mit seinem Schicksal abgefunden, als sie mit dem Kopf geschüttelt und ihm gesagt hatte, dass er so nicht aus der Wanne käme. Ihm würde nur der ganze Kopf jucken, wenn das Shampoo trocknen würde. Erneut hochrot hatte er ihr gesagt, dass es okay sei, doch sie hatte darauf bestanden und einen kleinen Messbecher herbeigezaubert. Diesen hatte sie dann mit Badewasser gefüllt und Fred befohlen die Augen zu schließen und den Kopf in den Nacken zu legen.

So anders als Ron, bestand er darauf immer alles alleine machen zu wollen. Ihm war es fast unangenehm sie um irgendetwas zu bitten, doch so wie sie war, erkannte sie Not genau dort wo ihre Hilfe am meisten gebraucht wurde.

„Möchtest du darüber reden?", ertönte plötzlich leise seine Stimme und holte sie somit aus seinen Gedanken. Sie hielt mit dem einmassieren des Shampoos in seinen Haaren inne und schaute ihn an.

„Worüber?", wollte sie verwirrt wissen. Ihre Finger lagen immer noch in seinem Haar.

„Über dein Date mit Ron.", sagte er wieder genauso leise, als hätte er Angst sie zu verscheuchen, wenn er lauter sprach und sie gab ihm Recht. Sie würde womöglich davon laufen.

Ihre Finger verkrampften sich in seinem Haar und sie biss sich auf die Lippe. Diese Frage hatte sie seit einer Woche gefürchtet.

„Ich habe das Gefühl, dass es nicht besonders gut gelaufen ist.", sagte er dann und sie zog reflexartig ihre Hände zurück, vergaß aber, dass sie noch in Freds Haar waren. Mit einem Aufschrei und einem gefolgten Fluchen seinerseits erkannte sie ihren Fehler.

„Oh Gott, Fred, dass tut mir so leid.", sagte sie schnell und ließ seine Haare los. Sie nahm den Messbecher, der bereits mit Wasser gefüllt war und befahl ihm wie immer die Augen zu schließen und den Kopf in den Nacken zu legen. Als er dies tat, spülte sie ihm vorsichtig und sanft das Shampoo aus den Haaren. Das wiederholte sie noch einmal und gab ihm dann das okay, die Augen wieder zu öffnen.

„Bereit hier raus zu kommen?", fragte sie ihn dann und seine blauen Augen bohrten sich in ihre. Als sie keine Antwort erhielt nahm sie ihren Zauberstab zur Hand, doch bevor sie die gewünschte Bewegung damit ausführen konnte, ergriff er ihr Handgelenk und stillte sie in ihrem Vorhaben. Überrascht sah sie ihn an.

Er saß vor ihr in der Badewanne, nass und nackt. Das Wasser aus seinem Haar tropfte ihm ins Gesicht und dann am Kinn zurück in die Wanne. Doch trotz all dem, sah er ernster aus, als sie ihn jemals gesehen hatte.

„Fred?", fragte sie also schließlich nur und ließ ihren Arm sinken, doch er löste nicht den Griff den er an ihrem Handgelenk hatte.

„Erzähl mir was passiert ist.", sagte er schließlich und Hermine schluckte.

Dann setzte sie ein kleines Lächeln auf und schüttelte leicht den Kopf. „Ich weiß nicht, was du meinst, Fred."

Ein komischer Laut drang aus seiner Brust, es klang fast als würde er… knurren? Erschrocken und perplex zu gleich sah sie ihn an und trat vorsichtig einen Schritt zurück.

„Lüg mich nicht an, Hermine. Ich sitze nackt vor dir in der Badewanne, ich habe kaum noch etwas von meiner Würde übrig also lüg mich verdammt noch mal nicht an! Warum sonst solltest du dich seit diesem Abend in deinem Zimmer einschließen, nur um danach mit roten Augen wieder hinauszukommen."

Hermine wandte den Blick ab und biss die Zähne zusammen.

„Glaub ja nicht, dass George und ich dein komisches Verhalten nicht bemerkt hätten!"

„Vielleicht hab ich das geglaubt, weil du mit fast nichts anderem beschäftigt bist, als Jaqueline zu knallen!", schrie sie ihn an und bereute die Worte in dem Moment, in dem sie ihre Lippen verließen. Freds Hand fiel von ihrer ab und sie schlug sich diese vor den Mund. Erschrocken über sich selbst sah sie in das verletzte und enttäuschte blau seiner Seelenspiegel.

„Fred-"

„Vergiss es, Hermine.", unterbrach er sie schroff und wandte seinen Blick von ihr ab. Es fühlte sich an wie ein Stich in die Brust, als er dies tat.

„Fred, bitte-", begann sie erneut hatte aber keine Chance.

„Hol mich einfach hier raus, Hermine!", schrie er nun und Hermine hielt die Luft an, bevor sie genau das tat. Als Fred endlich wieder sicher in seinem Rollstuhl saß, öffnete Hermine noch einmal ihren Mund, um ihr Gewissen zu erleichtern, doch ein feuriger Blick aus diesen blauen Augen ließ sie erneut verstummen und sie trat stillschweigend und mit gesenktem Kopf aus dem Zimmer.

Was hatte sie nur getan? Wie hatte sie nur so gemein sein können?

Tränen traten in ihre Augen und sie fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar. Sie hatte genau denjenigen für ihren eigenen Schmerz büßen lassen, der es am wenigsten verdiente. Noch nie hatte Fred ihr auch nur ein böses Wort gesagt. Noch nie hatte Fred Weasley sie in irgendeine Weise verletzt.

Wütend über sich selbst ballte sie ihre Hand zur Faust und biss hinein. Unsicher, ob sie schreien würde, wenn sie dies nicht tat.

XxXxXx

Das Abendessen an diesem Abend war merkwürdig still und steif. George hatte bereits als er die Wohnung betreten hatte gespürt, dass die Luft unnatürlich dick war. Doch niemand hatte dem armen Kerl bis jetzt gesagt, was sich zwischen ihnen abgespielt hatte. Fred zu sauer und verletzt und Hermine hätte vor Scham im Boden versinken können.

Noch jetzt, während dem Essen sah Fred sie nicht einmal an. Er sah starr auf sein Essen hinab, was er kaum angefasst hatte. Ob er keinen Hunger mehr hatte, oder er so sauer war, dass er nichts Selbstgemachtes von ihr essen wollte, war ihr leider schleierhaft.

Sie spürte den suchenden Blick von George alle paar Minuten auf ihr, bevor er weiter huschte und auf seinen Zwilling fiel.

Und sie musste ihn loben. Dafür, dass er seit dem er eingetreten war wusste das was geschehen war und immer noch keine Fragen stellte. Seine Selbstbeherrschung machte sie fast neidisch. Sie selbst wäre vor Neugier bereits gestorben.

Nach weiteren zehn Minuten hielt George es allerdings auch nicht mehr aus und mit einem tiefen Seufzen legte er Messer und Gabel nieder. „Also gut ihr zwei… Was ist passiert?"

Hermine senkte den Blick und biss sich auf die Lippe, in der Hoffnung das Fred etwas erzählen würde, doch dieser knallte mit so einer Macht sein Besteck nieder, dass der Teller zersprang. „Nichts.", sagte er und wandte sich zu seinem Bruder. „Es ist alles perfekt.", dann wandte er seinen Blick ganz kurz zu Hermine, bevor er die Nase so abfällig rümpfte, dass sie dachte, Draco Malfoy stände höchst persönlich vor ihr. Sofort wandte sie ihren Blick ab und kämpfte gegen die aufsteigenden Tränen an.

„Wenn ihr mich entschuldigen würdet… Ich werde das tun, was ich immer tue. Jaqueline knallen!", brachte er abfällig und so hasserfüllt heraus, dass Hermine ihre Hände vor das Gesicht riss und die Tränen nicht mehr länger inne halten konnte. Er wusste doch, wie Leid es ihr tat.

Dann hörte sie, wie er langsam aus dem Zimmer rollte und kurz darauf knallte seine Zimmertüre zu.

Es war leise zwischen ihr und George. Für ganz lange fünf Minuten, die sich anfühlten wie fünf Stunden. Dann hört sie ein leises Räuspern und sah zwischen ihren Fingern zu George herüber.

„Was genau ist passiert, Hermine? Jaqueline knallen? Was soll das?", fragte George und hob fragend und gleichzeitig herausfordernd die Augenbrauen. „Ich meine versteh mich nicht falsch, ich weiß, dass Fred seit seinem Unfall anstrengend sein kann, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht alleine auf seinen Mist gewachsen ist.", erklärte George und wartete.

Hermine holte tief Luft und strich sich die Tränen aus dem Gesicht. „Nein, du hast Recht. Ich habe ganz alleine Schuld an seiner Stimmung." Dann stand sie auf und begann das Geschirr wegzuräumen. „Fred war nichts als besorgt und ich habe seine Besorgnis und seine Gefühle mit Füßen getreten.", sagte sie dann leise und stützte sich an der Spüle ab. „Ich habe die Worte in dem Moment bereut, in dem sie aus meinem Mund kamen."

Sie wandte sich zu George um und suchte seine warmen und vielleicht auch leicht wütenden Augen. „Ich habe versucht mich sofort zu entschuldigen, aber er wollte nichts hören." Mit einem leichten entschuldigenden Lächeln ging sie dann zur Tür. „Ich weiß, dass es meine Schuld war und dass ich mit den Konsequenzen leben muss, aber ich verspreche dir, dass ich alles versuchen werde, um meinen Fehler wieder gut zu machen."

Dann verließ sie die Küche und blieb auf ihrem Weg ins Badezimmer vor Freds Türe stehen. Für einen Moment sah sie sie nur an, bevor sie die Hand hob und sie auf Brusthöhe zu einer Faust ballte. Überlegend biss sie sich auf die Lippe, bevor sie die Hand zur Türe bewegte. Doch statt zu klopfen legte sie sie nur sachte dagegen und fuhr vorsichtig mit ihr über das warme Holz. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, sicher, dass er sie hören würde, bevor sie ihren Kopf schüttelte und sich von der Türe abwandte. Wenn sie jetzt etwas sagen würde, würde er die Türe nur mit einem Bombarda zersprengen.

Also seufzte sie auf und begab sich weiter auf den Weg ins Badezimmer. Jetzt musste sie nicht nur die Erinnerung an diesen Kerl abwischen, sondern auch ihr schlechtes Verhalten gegenüber Fred.


Nein, nein, nein, wie gemein kannst du nur sein Hermine...

So ihr Lieben, wie hat es euch gefallen? Eure Meinung ist wie immer erwünscht