So da bin ich wieder nach einer gefühlten Ewigkeit. Es tut mir soooo leid, dass ich nicht früher posten konnte. Die Arbeit und die Schule haben mich einfach zu sehr eingenommen. Aber ich verspreche, dass die Chapies nun erst mal wieder regelmäßiger kommen ;-)

Als nächstes möchte ich mich für das ganz liebe Review bedanken, dass mir jemand hinterlassen hat. Es hat mich nicht nur gefreut, sondern auch aufgebaut und mich motiviert weiterzumachen, nach dem ich schon fast dachte, dass meine Storie keinen besonders guten Anklang findet. Also noch einmal ein riesen Dankeschön und ich hoffe, dass ich noch mal von dir hören werde.

So jetzt habe ich aber genug geplappert und ich wünsche euch viel Spaß mit dem nächsten Kapitel.


Kapitel 8

20.06.1996

Seit ihrem Date mit Ron war fast ein ganzer Monat vergangen. Ein Monat voller Schmetterlinge im Bauch und Herzklopfen, wenn sie auch nur an Ron dachte. Einen Monat seit dem George am Frühstückstisch den Tagespropheten auf Seite gelegt und lachend aufgestanden war, nachdem er behauptet hatte, dass jeder es bereits schon seit Jahren gewusst habe und die Zeit ihnen also endlich Recht gab.

Hermine hatte mit leuchtend roten Wangen auf Seite gesehen und war den kalten Augen Freds begegnet. Er hatte an diesem Morgen ebenfalls kein Wort mit ihr geredet aber sein Blick schien noch abfälliger als die letzten Tage zuvor. Verstanden hatte sie dieses Benehmen allerdings nicht. Dass sie mit Ron zusammen war, hatte schließlich nichts mit ihrer misslichen Lage bei Fred zu tun.

Also war sie aufgestanden, hatte ihre Nase in die Luft gehoben und war davon gegangen, den Blick von ihm in ihrem Rücken spürend.

George hatte in dem vergangenen Monat versucht, zwischen ihr und Fred zu vermitteln und den Streit der beiden endlich zu schlichten. Jedoch vergebens. Er könnte sich jedes verdammte Mal, wenn die beiden in ein und demselben Zimmer waren, jedes Haar einzeln ausreißen vor Frust. Die beiden waren so stur, dass sie nicht einmal bemerkten, wie ähnlich sie sich waren.

Und nicht nur das, da Fred sich seit dem weigerte auch nur irgendeine Hilfe von Hermine anzunehmen, übernahm George Hermines Aufgaben. Diese sah ihn immer leicht beschämt und entschuldigend an, nachdem er seinen Bruder gewaschen oder ins Bett gelegt hatte. Es machte ihn zwar nichts aus, sich um seinen Bruder zu kümmern und dennoch gab es gewisse Grenzen, die er eigentlich niemals hätte überaschreiten wollen. So das Baden zum Beispiel. Allerdings half es, dass Fred sein Zwilling war und somit eigentlich alles so aussah, wie bei ihm selbst.

Jedes Mal, wenn er sich darüber wieder bei Hermine beklagte, bekamen ihre Wangen eine leicht rötliche Farbe und sie lachte leise in ihre Hand.

„Hermine?", ertönte Georges laute Stimme aus dem Flur, nachdem er gerade die Wohnung betreten hatte.

„In der Küche.", rief sie zurück und stellte die Schüssel mit dem Salat auf dem Tisch ab. Gleich darauf erschien George in der Türe. „Was gibt es?"

„Meine Mum hat uns für morgen Abend eine Einladung zum Essen geschickt.", sagte er und überreichte ihr den Brief. „Sie würde sich freuen, wenn wir alle kommen würden."
Hermine nickte und überflog den Brief schnell, bevor sie lächelte und mit leiser Stimme zusagte. Das Essen bei den Weasleys war immer schon das Beste gewesen. Molly konnte kochen wie ein 5-sterne Koch und das heimliche und gemütliche mit all ihren Lieben an einem Tisch zu sitzen konnte ihr auch nur der Fuchsbau geben. Es musste also nicht mehr genauer erwähnt werden, dass Hermine sich sehr auf dieses Abendessen freute.

XxX

George seufzte. Es war bereits das fünfte Mal und Hermine schaute ihn irritiert und leicht genervt an. Es reichte, wenn sie mit einem schlecht gelaunten Zwilling zum Essen erschien. Ein zweiter war erst recht nicht erwünscht.

„Merlin noch mal, George!", sagte Hermine wütend und stampfte mit dem Fuß auf. „Was hast du für ein Problem?"

„Was mein Problem ist, Hermine?!", schrie er dann so wütend, dass sie einen erschrockenen Schritt zurück trat. „Du und Fred, ihr redet seit Tagen nicht mehr miteinander! Ich kann eure Selbstgefälligkeit einfach nicht länger ertragen!"

Hermine biss sich schuldbewusst auf die Unterlippe. George hatte Recht. Sie hatte sich immer noch nicht mit Fred ausgesprochen und um ehrlich zu sein, war sie viel zu stolz um den ersten Schritt zu wagen. Nicht weil sie sich nicht entschuldigen wollte. Es war vielmehr der Gedanke daran, dass Fred sie so oder so zurückweisen würde und damit konnte sie nicht umgehen. Natürlich hatte sie ihren Fehler erkannt und sah auch ein, dass sie an all dem Schuld war, aber sie würde sich Fred nicht auf einem Silbertablett wie ein Schwein zum Schlachten präsentieren. Das war unter ihrer Würde.

Also verschränkte sie nur die Arme und wandte den Blick von George ab. Er musste ihr nicht noch zusätzliche Schuldgefühle einreden. Genervt sah sie wieder auf ihre Uhr und verdrehte die Augen. Er war bereits eine halbe Stunde zu spät. War natürlich klar, dass es ausgerechnet Fred war, der mal wieder eine Extraeinladung brauchte.

Ihr Fuß schlug immer und immer wieder ungeduldig auf den Boden, im selben Takt mit ihrem rechten Zeigefinger auf ihrem linken Arm.

Die Uhr tickte. George seufzte erneut. Ihr Geduldsfaden riss.

„So, dass reicht!", schrie sie und stürmte mit rotem Kopf und wilden Haaren den Flur entlang. Bevor sie genau wusste was sie tat, schlug sie die Türe zu Freds Zimmer auf und stürmte hinein. „Was zum Donner noch mal, dauert hier so lange!?", bellte sie mit zornfunkelnden Augen.

Ihre Augen weiteten sich allerdings als sie einen halbnackten, in der Bewegung erstarrten Fred begegnete, der ihren Blick mit erschrocken geweiteten Augen entgegnete. Das ganze dauerte aber nur wenige Sekunden, bevor Fred sich zu fangen schien und sein Blick wütend wurde.

„Kannst du nicht anklopfen, Granger?!", bellte er zurück und riss sich seinen Pullover über den Kopf.

Hermine stutzte einen kurzen Moment, bevor sie sich erinnerte. Im Laufe der letzten Tage hatte Fred angefangen sie Granger zu nennen. Etwas das die Weasleys, keiner von ihnen, je gemacht hatte. Das distanzierte und emotionslose an all dem störte sie am meisten. Als er es das erste Mal gesagt hatte, war sie einige Schritte zurückgetreten und hatte ihn angesehen, als habe er sie mitten ins Gesicht geschlagen. Sie hatte ihn ungläubig angesehen, nicht in der Lage, das Gehörte so schnell zu verarbeiten und hatte ihn, still und erstarrt wie sie war, in sein Zimmer gehen lassen. Daraufhin hatte er sie nur noch so genannt. Und jedes verdammte Mal war es wie ein Stich in ihr Herz.

Doch hatte sie versucht, sich diesen Schmerz nicht anmerken zu lassen und spielte es auch dieses Mal einfach hinunter.

„Falls du es nicht bemerkt hast, Weasley, haben wir bereits neunzehn Uhr dreißig. Wir sollten aber um neunzehn Uhr da sein!", sagte sie wütend und deutete fahrig immer wieder mit ihrem Zeigefinger auf ihre Armbanduhr.

„Das weiß ich!", zischte er und Hermine zuckte erschrocken zusammen. „Ich komme sobald ich fertig bin!"

„Was dauert denn so lange?", wollte sie trotzdem wissen und war vewirrt, als Fred plötzlich verstummte und sein Gesicht von ihr abwandte. „Fred?", wollte sie dann leiser wissen und trat einen Schritt auf ihn zu.

„Lass mich in Ruhe!", sagte er und griff nach den Reifen seines Rollstuhls, um wieder etwas Distanz zwischen ihnen zu gewinnen. Noch immer sah er sie nicht an.

Die Brünette öffnete schon den Mund, um ihn erneut eine wütende Antwort zu geben, besann sich allerdings eines besseren als sie ihn, ihr mit dem Rücken zugewandt, ansah. Irgendetwas schien ihm wirklich zu beschäftigen.

„Komm schon, Fred… Sag es mir.", sagte sie leise und nahm dann all ihren Gryffindor Mut zusammen und trat auf ihn zu. Dann holte sie noch einmal tief Luft und legte ihre Hand leicht auf seine Schulter.

Das schien der Trick zu sein. Seine Schultern fielen ergeben nach vorne und sein Kinn sank mit einem leisen Seufzer auf seine Brust. Kurz schloss er die Augen, seine Augenbrauen fest zusammengezogen, als würde es ihm Schmerzen bereiten, bevor er sie mit diesen blauen Augen bittend von unten her ansah.

„Ich brauche Hilfe beim anziehen.", sagte er dann so leise, dass Hermine es kaum mitbekam. Verwirrt zog sie die Augenbrauen zusammen. Das war eines der Dinge, die Fred immer noch komplett alleine tat. Er bestand darauf.

Er schien ihre Frage zu sehen, denn er seufzte erneut. „Ich wollte mir den grauen Pullover von da oben holen.", erklärte er und zeigte auf das höchste Brett in seinem Schrank. Kaum war ihr Blick auf dieses gefallen, sah sie auch schon den besagten Pullover. „Aber als ich ohne zu sehen nach meinem Zauberstab griff, fiel er mir hin und rollte unter das Bett.", gab er leise zu. „Ich habe eine Zeit versucht an ihn ran zu kommen. Kurz bevor du aber gekommen bist, habe ich dann einfach nach diesem Pulli gegriffen.", sagte er und griff nach dem Pulli, den er trug, verzog allerdings das Gesicht. „Ich habe die Sachen, die ich weggeben wollte, alle unten in den Schrank gelegt."

„Also hast du dir all die Sachen, die du angezogen hast, jedes Mal mit einem Accio geholt?", wollte sie leise wissen und er nickte. „Und warum hast du eben nicht nach Hilfe gerufen, als dein Zauberstab gefallen ist?", wollte sie wissen, während sie bereits auf den Knien vor seinem Bett lag und darunter schaute. Sie musste nicht lange nach dem dünnen Stück Holz suchen, bevor sie ihn entdeckte. Während Fred ihr antwortete, streckte sie sich nach seinem Zauberstab aus und ergriff ihn.

„Wir haben fast einen Monat nicht mehr miteinander geredet…", flüsterte er leise und sah sie vielsagend an, nachdem sie wieder unter seinem Bett auftauchte. „Ich dachte nicht, dass du mir helfen würdest."

Hermine zog ihre Augenbraue fassungslos in die Höhe. So hoch, dass sie Bekanntschaft mit ihrem Haaransatz machten. „Du kennst mich seit fast acht Jahren, Fred. Selbst du müsstest wissen, dass ich geholfen hätte.", sagte sie und stand dann kopfschüttelnd auf, als sie ihm seinen Zauberstab reichte. „Vor allem dann, wenn der ganze Streit meine Schuld war.", gab sie leise zu und ging zum Kleiderschrank.

Bevor er etwas sagen konnte oder verstand was sie tat, griff sie nach oben und holte ihm den gewünschten Pulli herunter. Einen Moment hielt sie inne, sah auf den Pulli hinab und zwang sich nicht in Schuldgefühlen zu versinken. Wie lange und oft in der letzten Woche hatte Fred sich gequält um irgendetwas zu schaffen, dass er ganz leicht mit ihrer Hilfe geschafft hätte? Dann aber schüttelte sie den Kopf, als sie sich klar machte, dass auch er an der Funkstille zwischen ihnen nicht ganz unbeteiligt gewesen war.

Also wandte sie sich wieder zu ihm und reichte ihm den Pulli. Nachdem er ihn ihr abgenommen und auf seinem Schoß abgelegt hatte, griff er nach dem Saum des Pullis den er trug und machte Anstalten diesen über den Kopf auszuziehen als Hermine ebenfalls danach griff und ihm den Pulli einfach über seinen Kopf zog. Dann faltete sie ihn, während Fred sich den anderen überzog.

„Es tut mir wirklich leid, Fred.", hauchte sie dann und sah zu ihm rüber. „Können wir das alles vergessen?", fragte sie ihn und half ihm dann den Pulli noch zu richten.

Er lächelte breit zu ihr hinauf und nickte. „Ich würde nichts lieber tun.", gab er zu und Hermines Gesicht brach in ein breites Lächeln aus, bevor sie ebenfalls nickte.

Und als sie Fred aus seinem Zimmer, durch den Flur und hin zum Wohnzimmer schob, wo George die ganze Zeit mehr oder weniger geduldig auf sie gewartet hatte, bemerkte sie erst, wie groß der Stein, der auf ihrem Herzen gelegen hatte, wirklich gewesen war. Sie war kein Mensch, der gerne stritt und noch weniger mochte sie es mit ihren engsten Freunden zu streiten.

Und als George endlich auch wieder lächelte, nach dem sie beide das Zimmer betreten hatten und er etwas davon murmelte, dass es auch endlich Zeit wurde und Fred sein bekanntes Ich endlich wieder war und seinem Zwilling einen ebenso spielerischen Kommentar zuwarf, verstand Hermine, wie wahr ihr Gedanke davor gewesen war.

Fred und George Weasley waren beide zu ihren Freunden geworden. Zu ihren engen Freunden. Und als beide sie an die Hand nahmen – einer rechts und der andere links – und beide sie anlachten, wie sie schon lange nicht mehr gelacht hatten, wusste sie, dass auch die beiden immer für sie da sein würden.

Fred und George Weasley waren mehr als nur die Unruhestifter und Witzbolde als die sie sich all die Jahre in Hogwarts ausgegeben hatten. Sie verstand, dass Fred und George wirkliche Freunde waren. Freunde, die man für immer hatte. Egal, was kommen mochte. Und sie sah sich als einen riesigen Glückspilz, dass ausgerechnet sie – der superbrave, tugendhafte Bücherwurm – sich ihre Freundin schimpfen durfte. Wenn man ihr das vor vielleicht vier Jahren gesagt hätte, hätte sie denjenigen für verrückt erklärt. Wie konnte sie denn auch mit zwei Kerlen befreundet sein, die es sich als Aufgabe gemacht hatten, ihre heiligen Regeln zu brechen und sich nichts groß aus der Schule machten?

Doch jetzt, als die grünen Flammen sie umgaben, wollte Hermine nichts anderes mehr.