Wie versprochen ist hier schon das nächste Chapie und als kleine Entschädigung für die lange Pause und auch als kleines Geschenk zu Weihnachten fällt dieses ein wenig länger aus. Außerdem hoffe ich, dass sich einige Fragen von euch schon in diesem Kapitel beantworten.
Ich bedanke mich auch hier wieder für das tolle Review von Draco's CoffeeGirl . Auch dein Review hat mich sehr aufgebaut und ich freue mich, dass du Fred/Hermine auch eine Chance gibst und ich dich vielleicht auch mit meiner Story für die beiden begeistern kann.
Kapitel 9
21.06.1996 (derselbe Abend)
Bevor auch nur einer der drei die Orientierung wieder gefunden hatte, stürmte schon eine aufgelöste Molly auf sie zu.
„Freddie!", schrie sie und zog den überraschten Fred so stark an ihre Brust, dass Hermine für einen kurzen Moment befürchtete, sie würde ihn erdrosseln. Doch als Molly dann mit tränenden Augen von ihm abließ und ihn so sanft – wie nur eine Mutter es konnte – über den Kopf strich, atmete Hermine erleichtert auf.
„Meine Güte, Mum, lass Fred doch mal atmen.", sagte George lachend und zog somit die Aufmerksamkeit auf sich. Auch er bekam eine feste Umarmung und tätschelte seiner Mutter auf den Rücken. „Alles gut, Mum."
Und nach dem auch Hermine standesgemäß empfangen worden war, half sie Fred vorsichtig aus dem Kamin und folgte George und Molly in Richtung des Gartens. Es war ein schöner, lauwarmer Sommerabend und Molly hatte darauf bestanden, das schöne Wetter auszunutzen und im Garten zu essen. An der Türe angekommen, zückte die Brünette ihren Zauberstab und murmelte Wingardium Leviosa und brachte Freds Rollstuhl dazu, einige Zentimeter in die Luft zu steigen. Damit nicht gerechnet und dadurch mehr als erschrocken, schnappte der besagte Rothaarige nach Luft und vergrub seine Nägel in den armen Stoff der Armlehnen seines Rollstuhls.
„Meine Güte, kannst du mich nicht vorwarnen?!", schnappte er und sah wütend über seine Schulter.
Hermine kicherte und schüttelte den Kopf. „Aber, aber, Fred… Ich finde, das ist so viel lustiger.", sagte sie und fing den amüsierten Blick von George auf, der am Ende der Stufen auf sie wartete. „Nicht wahr, George?"
„Wie Recht du hast, Hermine.", sagte er lachend und half Fred nach seiner Landung über die unebene Wiese. „Scheint so, als hätte Mum die komplette Verwandtschaft eingeladen.", murmelte er als er den langen Tisch und all seine Besetzer musterte.
„Hermine!", rief jemand und schon bald darauf stürmte ein Mopp von schwarzen Haaren auf sie zu. Bevor sie wusste was geschah, lagen diese starken, familiären Arme um sie und Harry wirbelte sie einmal durch die Luft, bevor er sie wieder lachend auf den Boden ließ. Dann zog er sie ganz fest an seine Brust und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren. „Ich hab dich so vermisst.", flüsterte er und dann brachte er etwas Abstand zwischen ihnen musterte Hermine, seine Hände immer noch auf ihren Schultern. Seine Augen funkelten hinter seiner Brille in diesem vertrauten, schelmischen smaragdgrün und ein breites Grinsen erhellte sein ganzes Gesicht. Er sah so glücklich und fröhlich aus.
Und genau das, war es, was Hermine ansteckte. Als sie diesen Mann ansah und sich an den Jungen erinnerte, den er vor nicht allzu langer Zeit gewesen war spürte sie diese vertraute Wärme, die sie nur bei Harry empfand und auch ihr Gesicht brach in ein Lächeln aus.
Er war mehr als nur ein Freund. Mehr als nur ihr bester Freund. Er war ihr Bruder. Er war Ihre Familie. Worte hätten nicht ausdrücken können, was es war, dass sie mit Harry verband und niemand außer ihnen schien es zu verstehen. Ihre Verbindung war noch dicker als Blut, denn sie beide wussten, dass sie sich immer aufeinander verlassen konnten, egal was geschehen würde.
Sie hob ihre Hand und legte sie auf seine Wange. „Es tut so gut dich zu sehen, Harry.", flüsterte sie und legte ihren Kopf leicht schief und lächelte ihn weiter an. „Es tut mir so leid, dass-"
Er hob eine Hand, um sie zu stoppen und es gelang ihm. „Ich weiß, was du sagen möchtest. Tu es nicht.", warnte er mit einem spielerisch wütenden Blick und lachte gleich darauf wieder. Dann legte er einen Arm um ihre Schulter, führte sie zum Tisch, wo schon jeder auf sie wartete.
Und als sie jeden einzelnen begrüßte, den sie liebte, wusste sie dennoch tief in ihrem Herzen, dass es hier nur einen einzigen gab, für den sie bis ans Ende er Welt laufen würde.
„Hermine.", begrüßte Ron sie und küsste sie flüchtig auf die Lippen, als er ihre Hand ergriff. „Wie geht es dir?"
„Ach, wie immer, Ron.", sagte sie lachend und winkte ab. Dann setzte sie sich neben ihn und gegenüber von Harry, der ihr zuzwinkerte. Sie lächelte.
„So, da wir nun alle da sind-", begann Molly wurde aber jäh von einer schrillen Stimme unterbrochen, die jedem eine Gänsehaut bereitete. Hermine biss sich auf die Zunge und sah wie George - zwei Sitze neben Harry – sich anspannte.
„Freddie!", schrie diese Stimme und um den Tisch herum, wurde es ganz still. So ungewöhnlich für ein Essen hier, dachte Hermine noch und in dem Moment schmiss sich Jaqueline an Freds Hals.
Molly sah perplex drein, anscheinend sprachlos, dass jemand es wagte so unhöflich ihr Familienessen zu stören. Es war kein Geheimnis, dass keiner der Weasleys Jaqueline besonders mochte, aber sie wurde geduldet, wenn auch nicht freiwillig.
„Was tust du hier?", wollte Fred schließlich wissen und befreite sich aus den Fängen ihrer Arme. „Ich hab dir doch gesagt, dass das ein Familienessen ist."
Die Blonde stand auf und schmiss ihre Haare in den Nacken, woraufhin Hermine glaubte, Fleur irgendwo abfällig schnauben zu hören. Sie biss sich auf die Lippe, um nicht los zu lachen.
„Na und?", sagte Jaqueline und wandte sich dann um, ihre Augen blieben auf Hermine hängen. „Davon abgesehen, ist die auch hier.", sagte sie und deutete mit einem ekelhaft, langem Fingernagel in ihre Richtung. Die Krallen einer Katze waren nichts gegen diese unnatürlichen Klauen und Hermine trat auf ihre mentalen Bremsen, bevor sie etwas äußern konnte, was sie später vielleicht bereuen würde.
Unter dem Tisch spürte sie einen Fuß plötzlich ganz vorsichtig auf ihrem und sie schaute auf. Harry. Seine grünen Augen bohrten in ihre und er zog langsam und fast unauffällig eine Augenbraue in die Höhe. Ich weiß, was du denkst, schien er ihr zu sagen, du bist klüger als das. Lass dich nicht drauf ein. Sie schluckte und senkte ihren Kopf leicht, um ihm zu zeigen, dass sie verstand.
„Hermine gehört genauso zu meinen Kindern, wie irgendjemand sonst hier.", sagte Molly schließlich wieder fest, als sie anscheinend ihre Orientierung wieder gefunden hatte. „Und ich dulde nicht, dass man mit Fingern auf sie deutet."
Auf das Gesicht der Blonden brach ein faules Grinsen aus. „Natürlich tut sie das.", sagte sie dann und schob George auf der Bank zur Seite, damit sie sich neben Fred setzen konnte. „Natürlich gehört die kleine, perfekte Hexe hier hin."
Freds Kopf schoss in Jaquelines Richtung und Hermine konnte noch von ihrem Platz aus die Warnung in seinen Augen erkennen, die die Blonde anscheinend dumm genug war nicht zu beachten.
„Man könnte fast denken", flüsterte sie und legte ihr Kinn in ihre Handfläche, der Ellenbogen fest auf dem Tisch gestützt, „dass sie keine eigene Familie hat."
Wenn es hätte möglich sein können, wurde es am Tisch noch ruhiger, sogar Teddy Lupin hatte aufgehört in seiner Baby-Sprache zu bubbeln.
Hermine hatte die Luft angehalten, eine Hand nun bedeckt von Rons, dessen Blick pure Funken der Wut sprühten. Ginny hatte ihre Fäuste geballt, Fred saß dort mit einem offenen Mund, anscheinend nicht in der Lage etwas zu sagen.
Doch das erschreckendste aber nicht überraschendste für Hermine war Harrys Reaktion. Noch bevor irgendjemand sich hatte bewegen können war er auf seinen Beinen und hatte seinen Zauberstab auf Jaqueline gerichtet. „Pass auf, was du sagst.", zischte er mit einem solchen Hass, wie sie sie noch niemals bei ihm gesehen hatte und seine Augen sprühten bedrohliche Funken hinter seiner Brille. „Hermine hat mehr ein Recht hier zu sein, als du es dir jemals erhoffen könntest. Und wehe du sagst jemals wieder nur ein falsches Wort über sie. Ich schwöre bei Dumbledore und alles was mir heilig und lieb ist, dass ich dann Voldemorts Taten aussehen lasse, als wären sie ein Spaziergang im Park."
Jaqueline schluckte und setzte sich, wie von ihm geschlagen, auf ihrem Platz zurück. Es dauerte noch etwas bevor Harry seinen Zauberstab wieder wegsteckte und sich selbst wieder setzte. Doch die Wut blieb. Sie erkannte es an die Art, wie er sich bewegte, wie steif seine Schultern blieben und auch daran, dass er während des ganzen Essens seine Erbsen mehr auf seinem Teller herum schob, statt sie zu essen.
„Alles gut, Herm?", flüsterte Ron in ihr Ohr und sie zuckte zusammen. Sie liebte ihn ja wirklich, aber es gab kaum was, was sie so sehr hasste, wie diesen Spitznamen. Und wie oft hatte sie es ihm schon gesagt, doch er schien einfach nicht hören zu wollen. Statt sich erneut über den Namen, den er ihr höchstpersönlich gegeben hatte aufzuregen nickte sie nur.
„Alles gut, ich bin so etwas gewöhnt.", sagte sie und trank einen kurzen Schluck Wasser. „Allerdings hat man mir schon schlimmeres ins Gesicht gesagt."
„Hör auf!", donnerte Harry von gegenüber, der anscheinend ihr Gespräch mit Ron belauscht hatte. Die Köpfe der anderen schossen erneut in die Höhe. Kaum einer hatte sein dem kleinen Zwischenfall auch nur so viel wie ein Piep gemacht.
„Harry…",flüsterte Hermine leise und flehend.
„Nein! Hör auf, so etwas immer herunter zu schlucken als wäre es Schokolade, Hermine! Der Krieg ist vorbei! Jeder bedankt sich ständig bei mir, obwohl du es bis, dem man danken sollte. Jeder hier an diesem Tisch weiß, dass ich es ohne dich nicht geschafft hätte." Sie schluckte und senkte den Blick. „Du bist die klügste Hexe deiner Zeit, Hermine. Die Leute sollten geehrt sein, auch nur mit dir sprechen zu dürfen und du lässt dich von ihnen so schlecht behandeln, als wärst du selbst ein Diener Voldemorts gewesen. Ich werde nicht dabei stehen und zuschauen!" Dann schluckte er, legte seine Serviette auf seinen Teller und stand auf.
„Harry…", flüsterte nun Ginny neben ihm und schaute zu ihm auf. Doch Harry beachtete sie gar nicht und Hermine schloss ihre Augen. Sie wollte nicht, dass Harry sie an erster Stelle stellte und damit die Frau verletzte, die ihn so bedingungslos liebte, wie er es verdiente. Doch das tat er immer. Immer seit diesem einen Tag…
„Ich bin nicht dumm und dank meiner Brille auch nicht blind, Hermine.", flüsterte er dann und wandte sich um. „Danke für das Essen, Molly." Dann ging er mit weiten, festen Schritten den Hügel hinauf. Sein Umhang wehte im Wind.
Hermine sah ihm mit traurigen Augen hinter her und seufzte. Sie wusste ganz genau, was Harry ihr mit dem letzten Satz hatte sagen wollen, auch wenn die anderen mehr als verwirrt drein blickten. Er verstand, dass die Kommentare der anderen sie verletzten. Egal wie cool sie versuchte darüber zu stehen, tief in ihrem Innern schmerzte es. Und noch mehr schmerzte der Kommentar über ihre Eltern. Sie schaute Jaqueline an, die mit einem höhnischen Lächeln auf ihrem Stuhl saß und Harry hinterher schaute, bevor ihre Blicke sich trafen.
„Wow, Granger, was musstest du tun, um Harry Potter zu so etwas zu bewegen?", sagte sie.
Nun stand Ron auf, die Hände auf dem Tisch abgestützt und zitternd vor Wut. „Ich denke du hältst am besten dein hässliches Maul.", zischte er und am Tisch schnappten alle nach Luft.
Die Blonde lachte so laut auf, dass in den nahe gelegenen Bäumen die Vögel aufschreckten und davon flogen. Ron rümpfte die Nase. „Ich und hässlich? Junge, hast du dir mal das brünette Mauerblümchen neben dir angesehen?"
Doch bevor Ron noch etwas sagen konnte, sprang Jaqueline schreiend auf und schlug mit den Armen um sich. Schneller als irgendjemand hatte gucken können, war Ginny aufgestanden und hatte ihren berühmten Flederwichtfluch auf sie gerichtet.
Schallendes Gelächter folgte Jaqueline bis sie in weiter Entfernung in einen Teich sprang.
„Mein Gott, Ginny, du wirst immer besser darin.", lachte Charlie und hielt sich lachend den Bauch. „Ich werde niemals mein erstes Mal vergessen."
Ginny lächelte und wandte sich dann zu Hermine um. „Alles gut?"
Hermine lächelte und nickte. Sie hatte keine Ahnung, wie sie Ginny danken sollte. Die Rothaarige, die in Hermines zweitem Schuljahr nicht mehr als Rons kleine Schwester gewesen war, hatte sich über die Jahre zu einer verdammt guten Freundin entwickelt. Wie oft war sie mit Ginny nachts wach geblieben als diese ihr unter Tränen offenbart hatte, dass sie sich in Harry verliebt hatte und Harry sie nicht sah? Wie oft hatte Ginny Hermine in Rons Gegenwart verteidigt und hatte stets auf ihrer Seite gestanden als sie gestritten hatten? Wie oft hatte sie sich – als sie mit Harry auf der Suche nach Horcruxen war - selbst gewünscht, dass der Krieg endlich vorbei war, nur damit Harry aufhörte jede Nacht auf der Karte des Rumtreibers Ginnys Namen zu suchen und endlich mit ihr zusammen sein konnte?
„Okay…Das war's…", keuchte eine von oben bis unten klitschnasse Jaqueline als sie wieder am Tisch stand. „Fred komm.", sagte sie und wandte sich um, doch Fred blieb wo er war. „Fred!", zischte sie und stampfte mit dem Fuß auf.
„Wohin möchtest du?", wollte er wissen und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Nach Hause. Und glaub ja nicht, dass ich jemals wieder auch nur ein Fuß in dieses Höhle setze, die du dein zu Hause nennst."
Fred zog seine Augenbrauen hoch, als er sie musterte. Dann wandte er seinen Blick über den ganzen Tisch und sah jeden seiner Geschwister an. Dann lächelte er und schloss die Augen. „Nein."
„Was?!", schrie sie und starrte ihn an, als wäre ihm gerade ein zweiter Kopf gewachsen.
„Ich sagte nein. Du hast genug Unruhe in meiner Familie gestiftet. Ich bleibe, wo ich bin.", erklärte Fred und öffnete seine Augen wieder.
„Fred…", sagte sie und schnappte wie ein Fisch auf dem Land nach Luft, „Ich sage es dir nur einmal, Fred. Ich oder diese Meute? Wenn du mich jetzt alleine gehen lässt, war es das!"
Und zum ersten Mal seit seiner Diagnose warf Fred den Kopf in den Nacken und lachte, wie er schon seit einer geraumen Ewigkeit nicht mehr gelacht hatte. Er lachte so stark, dass er sich seinen Bauch hielt und alle anderen ansteckte. Seine blauen Augen leuchteten endlich wieder mit dem Leben und dem Schelm, wie sie ihn kannten und er schüttelte immer noch lachend mit dem Kopf. „Mein Gott, Jaqueline, dass du mir dieses Ultimatum stellst zeigt, dass du mich wirklich nicht kennst." Dann beruhigte er sich und rollte mit seinem Stuhl auf sie zu. Von unten sah er zu ihr auf, doch trotz all dem schien er nicht das kleinste bisschen Unterlegen. „Natürlich entscheide ich mich für die Meute da drüben.", sagte er und machte eine ruckartige Kopfbewegung zu den anderen Weasleys. „Und wenn ich so darüber nachdenken, hätte ich das schon vor einer langen Zeit tun sollen."
Die Blonde trat einige Schritte zurück, als hätte er ihr mitten ins Gesicht geschlagen bevor sie den Blick senkte und höhnisch wieder aufschaute. „Alles klar, Fred. Du warst eh zu nichts mehr nutze in deinem Zustand. Viel Glück jemanden zu finden, der dich als den Krüppel der du bist akzeptiert." Mit diesen bösartigen Worte verschwand sie mit dem Wirbeln ihres Umhangs und einem lauten Knall.
„Oh, Merlin…", hauchte Hermine und sprang auf, noch ehe George richtig registriert hatte, was geschehen war. Mit schnellen Schritten eilte Hermine auf Fred zu und ließ sich vor ihm auf ihre Knie nieder. Und es versetzte sie ein Stich ins Herz als sie den gebrochenen Blick Freds begegnete. Das Leben und der Schelm, der gerade eben erst zurückgekehrt waren, waren erneut verschwunden. Sie konnte sich nur vorstellen, wie tief dieser letzte Schlag von Jaqueline wirklich gewesen war.
Er saß ganz still da, ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken, als sie ihn ansah und als sie endlich nach seiner Hand griff und sie mit ihren beiden festhielt, senkte er den Blick und seine Schultern fielen – als hätte er einen Kampf verloren - nach vorne.
„Fred, du darfst auf das was sie sagt nicht glauben. Das ist alles meine Schuld.", sagte sie und griff seine Hand fast verzweifelt. „Wäre ich nicht hier, dann-"
„Hermine, hör auf.", sagte er fast so leise, dass sie ihn fast nicht gehört hätte. „George!", rief er und blickte auf als sein Zwilling neben ihm auftauchte. „Bring mich nach Hause, Georgie.", flüsterte er leise und gebrochen und George schluckte einmal hart als würde er selbst gegen Tränen ankämpfen und nickte dann. Nur wenige Sekunden später waren sie verschwunden und ließen Hermine alleine auf den Knien zurück.
„Wie kann sie es wagen!", schrie Ginny dann auf. „Ich schwöre bei Harry, dass-"
„Gin, lass gut sein. Es ist vorbei.", sagte Charlie schließlich der aufgestanden war und seinen kleinen Brüdern hinterher gesehen hatte. „Es ist besser so."
„Charlie…", hauchte Ginny perplex, bevor sich wieder das Feuer in ihren Augen sammelte, dass sie alle nur zu gut kannten und wofür Harry sie liebte. „Nein, es ist nichts gut! Du hast mir beigebracht für das zu kämpfen woran ich glaube und für die, die ich liebe. Heute Abend sind vier Menschen verletzt worden, die ich über alles liebe."
„Ich weiß, Gin. Aber sie ist fort. Dein Flederwichtfluch hat das geschafft, was er schaffen sollte und ich habe ihn noch nie in meinem Leben so stark gesehen.", sagte er lobend und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Findest du nicht auch, ich sollte einen Award dafür bekommen, dass ich mir dem jeden Tag aufs Neue aussetze?", wollte eine lachende Stimme wissen und Ginny wandte sich um.
„Harry.", lächelte sie und rannte in seine Arme. „Hör auf zu spinnen, du weißt, dass du das liebst."
Er nickte und sah dann hinüber zu Hermine. Seine Augen wurden traurig, dann küsste er Ginny fest auf den Mund und schritt zu Hermine herüber.
Sie hörte ihn bevor sie ihn sah. Seine Schritte würde sie auf der ganzen Welt wiedererkennen. Es waren die Schritte neben denen sie ihre all die Jahre gemacht hatte.
„Lust auf einen Spaziergang?", drang seine Stimme an ihr Ohr und sie sah zu ihm auf. Erst da bemerkte sie an seiner verschwommenen Silhouette, dass sie weinte. Schnell strich sie sich die Tränen aus dem Gesicht, nicht wollend, dass er sie erneut weinen sah, nach dem er endlich gehofft hatte, dass alles besser würde.
„Du solltest bei Ginny sein.", hauchte sie und stand auf. Um ihn nicht ansehen zu müssen, klopfte sie sich vereinzelte Grashalme von der Hose.
„Ihr geht es gut. Aber dir nicht.", sagte er und endlich sah sie in seine grünen Augen. „Geben wir den Weasleys etwas Zeit für sich und nehmen etwas Zeit für uns.", sagte er leise und hielt ihr seine Hand entgegen.
Sie sah ihn noch einmal mit tränennassen Augen an, bevor sie seine Hand ergriff und sich seine Finger fest um ihre Hand schlossen, so wie sie es all die Jahre schon getan hatten. Dann führte er sie fort, fort von den Weasleys und den grauenhaften Worten, die noch vor kurzem hier gesagt wurden. Eine Zeitlang gingen sie schweigend neben einander her. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Das einzige Geräusch war ihr leises atmen und ihre gemeinsamen Schritte. Die nach all den Abenteuern und Gefahren, die sie zusammen getrotzt hatten, so synchron waren als hätten sie es extra einstudiert und immer noch hielt er fest ihre Hand.
„Du und Ron, hmmm…?", sagte er dann schließlich und sie sah - erschrocken darüber, dass er die Stille durchbrach – zu ihm auf.
Dann nickte sie nur und sah wieder nach vorne. Sie erzählte ihm dann leise, dass Ron gekommen war, um sich bei ihr zu entschuldigen und dass sie seine Bitte mit ihm essen zu gehen angenommen hatte. Sie erzählte ihm auch, wo Ron sie hingebracht hatte, dann stockte sie. Etwas, dass Harry sofort auffiel. Seine Seelenspiegel richteten sich wieder auf sie und er sah sie prüfend an. Sie wusste, dass er die Pro und Con's in seinem Kopf erwog, ob er sie fragen sollte oder nicht. Sie beobachtete das eine Weile aus ihrem Augenwinkel bis sich auf Harrys Gesicht ein fast schmerzlicher Ausdruck der Ungewissheit ausbreitete und sie seufzte.
„An diesem Abend haben mich viele Männer angesehen, als wäre ich ein Stück Kuchen präsentiert auf einem Silberteller.", hauchte sie schließlich und spürte, wie Harrys Hand sich beschützerisch und warm noch fester um ihre schloss. „Aber damit konnte ich umgehen – bis zu einem gewissen Grad zumindest. Aber da war dieser eine Mann… Ich hatte ihn gar nicht kommen sehen.", gestand sie leise und ließ ihren Kopf hängen. Es überkam sie immer noch die blanke Scham als sie daran dachte und es sprach von einem großen Vertrauen, dass sie Harry alles erzählte. Aber auch das hatte sie immer getan. Er war immer ihr Fels gewesen oder die Rettungsleine, wenn sie das Gefühl hatte unterzugehen. „Ich habe Moodys Motto komplett vergessen. Immer wachsam!, hat er immer gesagt…", flüsterte Hermine. „An diesem Abend war ich es nicht, Harry. Obwohl ich es hätte sein müssen.", gestand sie und spürte erneut Tränen ihre Wangen hinunterlaufen.
„Das ist nicht deine Schuld, Hermine. Der Krieg ist vorbei. Niemand sollte weiterhin über seine Schulter schauen müssen.", hauchte Harry und zog sie fest an seine Seite. Er ließ ihre Hand los, nur um seinen Arm fest um ihre Schulter zu legen als sie ihren Weg fortführten.
„Ich habe es schließlich geschafft zu entkommen und bin direkt nach Hause. Ron und auch die Zwillinge wissen nichts davon."
Dann blieb Harry stehen und sah Hermine mit weiten Augen an. Er stotterte kurz, bevor er den Kopf schüttelte als ob er seine Gedanken sortieren wollte und dann endlich wieder seine Worte fand. „Möchtest du mir damit sagen, dass du bis jetzt ganz alleine damit warst und Ron keine Ahnung hat, was er dir mit diesem Abend angetan hat?"
Sein Blick lag fast anklagend auf ihr als sie schließlich nickte und seinem Blick auswich. „Es ist mir peinlich darüber zu reden, Harry. Bitte-"
„Ich werde niemandem davon erzählen, Hermine. Versprochen. Und ich danke dir für dein Vertrauen.", sagte er und setzte seinen Weg mit ihr fort. „Du hättest sofort zu mir kommen sollen."
Sie nickte. „Ich wollte dich nicht belasten, Harry. Du hast endlich ein ruhiges, friedliches Leben verdient."
„Und du nicht, Hermine?", schoss er zurück und schüttelte ungläubig den Kopf. „Davon abgesehen ist das überhaupt keine Frage, dass du mit deinen Sorgen zu mir kommen kannst, Hermine. Wie ich eben schon gesagt habe, verdanke ich alles nur dir. Und ich sterbe lieber als dich mit deinen Sorgen alleine zu lassen, hörst du?"
Sie biss sich auf die Lippe und nickte. Sie konnte es einfach nicht fassen, einen so guten Freund wie Harry gefunden zu haben. Jemanden der sie verstand, der sie wirklich verstand und der ohne mit der Wimper zu zucken in einen weiteren Krieg an ihrer Seite ziehen würde. Sie lächelte leicht. „Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe, Harry Potter.", sagte sie also schließlich leise und ernst.
Harry lachte leise und begegnete dann ihren Blick. „Ich denke, ich habe eine ganz gute Vorstellung davon, wenn es nur im Ansatz so ist, wie das was ich für dich empfinde, Hermine. Aber lass das auf keinen Fall Ron hören."
Hermine lachte und nickte, ihre Tränen schon längst wieder vergessen. „Auf gar keinen Fall, Harry. Ich war am Anfang so wütend auf ihn, nachdem ich gedacht habe, ich könnte ihm wegen diesem Tag verzeihen und dann macht er den nächsten Mist."
Harry blieb stehen und entfernte seinen Arm von Hermine. Er sah sie forschend von oben bis unten an und wieder zurück. Sie sah in seinen Augen, dass er überlegte was er als nächstes sagen sollte. Sie wartete geduldig, sich bewusst, dass sie gerade eine zweite Bombe hatte platzen lassen.
„Ich dachte du hättest ihm schon längst verziehen.", flüsterte Harry schließlich und ließ sich an einem Bach rechts von ihnen nieder.
Hermine folgte ihm und tat es ihm gleich. „Nein.", gestand sie schließlich leise. „Du weißt besser als irgendjemand sonst, wie sehr mich das verletzt hat."
Harry nahm nachdenklich einen kleinen Ast in die Hand und drehte ihn leise in seiner Hand, seine Augen verließen ihn nicht für eine Sekunde während er über ihre Aussage nachdachte. „Findest du das nicht ein wenig nachtragend?", flüsterte er schließlich. „Wir haben alle unsere Fehler in den letzten Jahren gemacht."
Hermine legte ihre Arme um ihre Beine und legte den Kopf darauf ab. „Ich sage ja auch nicht, dass ich keine gemacht habe, aber Ron hat uns verlassen als unser Team alles war was wir hatten.", hauchte sie schließlich und biss sich dann nachdenklich auf die Lippe. „Ich bin weinend hinter ihm hergelaufen, flehend und bittend, er möge zurückkommen…"
Harry blieb still. Da gab es nichts worüber man streiten konnte. Das waren keine Lügen, die Hermine erzählte, es war die schmerzliche Wahrheit. „Aber er hat mich gerettet, Hermine. Er hat mich aus einem eiskalten See geholt. Ohne ihn hätte ich diese Nacht nicht überlebt."
Hermine schnaubte.
„Seit wann bist du so irrational?", fragte Harry verblüfft und Hermine hob nur die Schultern.
„Ich habe euch beide mehr vertraut, als ich je irgendjemanden vertraut habe, Harry. Aber Ron hat an diesem Tag mein Vertrauen zu ihm gebrochen, ohne sich auch nur noch ein einziges Mal umzusehen. Als er zurückkam hat er das Loch in meiner Brust zwar verbessert, aber es ist seitdem nicht mehr ganz geschlossen, Harry."
Harry schluckte und warf den kleinen Ast in den Bach, schaute zu, wie er von der kleinen Strömung mitgerissen wurde und sagte erst ein Wort als der Ast verschwunden war.
„Wenn du so denkst, warum bist du dann mit ihm zusammen?"
Hermine legte den Kopf schief als sie in den Himmel sah und grübelte über seine Worte. Es war etwas, dass sie für sich selbst noch nicht ganz gefasst hatte. Zwischen ihnen war es in diesen Minuten still, nur das leise Rauschen des Baches und das Zirpen und Summen von einigen Bewohnern hier war zu hören. „Ich denke", begann Hermine schließlich und leckte sich über die Lippen, „es liegt daran, dass ich all die Jahre nur Ron geliebt habe, Harry. Seit dem zweiten Schuljahr in Hogwarts war es Ron. Ich glaube, mein Herz hat sich so an den Gedanken gewöhnt, dass es Ron ist, dass es keine andere alternative mehr zulässt."
Harry musterte seine beste Freundin. Sie hatte sich seit dem Krieg verändert, aber er würde lügen wenn er sagte, dass sie die Einzige wäre. Sie alle hatten sich verändert.
„Und dann kommt der Idiot", begann Hermine wieder und lachte hohl auf, „und macht etwas, dass mein Herz wieder höher schlagen lässt, was mich hoffen lässt, dass er sich endlich geändert hat."
„Ich möchte nur, dass du glücklich bist, Hermine. Ja, ich gebe zu, es wäre toll, wenn du bei Ron bleibst, aber wenn es dich auf Dauer nicht glücklich macht, dann…", begann Harry, brach dann aber ab. „Ich denke, du wirst deinen Weg schon finden."
Hermine sah zu ihm hin, lächelte und ergriff seine Hand. „Danke, Harry. Vielen Dank."
:-) Ist Harry nicht wunderbar in dieser Rolle? Ich hatte das Gefühl, dass er in meinen anderen Stories viel zu kurz gekommen ist. Ich liebe ihn einfach als Hermines besten Freund :-)
Und ich hoffe, dass sich jetzt einige Fragen in Bezug auf Hermines Verhalten in Richtung Ron beantwortet haben. Hermine war so lange in Ron verliebt, dass ihr jüngeres Ich und ihr Herz Ron noch immer nicht aufgeben können. Mal schauen, wie sich diese Beziehung weiterentwickelt und zu welcher Entscheidung Hermine am Ende kommt..
Fürs erste wünsche ich euch aber frohe und besinnliche Weihnachten. Genießt die Festtage.
Eure Nessi
