Draco's CoffeeGirl :
So sieht oder liest man sich wieder! Danke für dein liebes Review, es freut mich, dass ich dich nach all den Jahren wieder locken konnte. Mir geht es ähnlich, ich hätte auch nicht gedacht, dass ich noch einmal hierhin zurückkehren werde. Aber nachdem ich in meinem Studium im Kurs des kreativen Schreibens so positive Resonanzen bekommen habe, haben mich meine Stories wieder gerufen. Es wäre schade, ihnen und euch ein Ende zu verwehren.
Außerdem hat man grade in diesen Zeiten wieder die Zeit sich seinen Geschichten zu widmen.

An alle:
Draco's CoffeeGirlhat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich leider in der Jahreszahl vertan habe. Irgendwann im Laufe der Story bin ich von 1998 auf 1996 gerutscht. Richtig ist natürlich 1998.

So und nun geht es weiter mit Kapitel 13. Ich hoffe es gefällt euch und ihr lasst mir am Ende ein Review da, ja? Wie immer bin ich offen für jegliche Kritik aber auch Lob.


Kapitel 13

20.07.1998

Vorsichtig steckte sie sich die letzte Strähne ihres Haars hinter ihr Ohr und begutachtete ihre Arbeit noch einmal in ihrem Spiegel. Gleich würde sie sich wieder mit Ron treffen. Immerhin hatte sie es versprochen und Hermine Granger war niemand, der sein Versprechen brach.

Ihr Haar hatte sie zurückgesteckt, nur ein paar Locken entkamen ihrem Knoten, hatte so ihr Gesicht für die ganze Welt geöffnet. Ihre Augen funkelten und leichtes Make-Up erhellte ihr Gesicht. Dieses Mal trug sie allerdings ein aufwendiges, ärmelloses Spitzenkleid mit einem schön schwingenden Tellerrock in lila. Unterhalb des halsnahen Rundhalsausschnittes war ein transparenter Einsatz eingearbeitet. Abgerundet hatte sie das Ganze mit einer schlichten Handtasche, einer silbernen Kette mit Ohrringen und einem Armband.

Ihr Herz schlug fest gegen ihre Brust als sie nach der besagten Handtasche griff und ihr Blick auf ihre Uhr fiel. Er würde bald hier sein. Aber wieso war sie so aufgeregt? Es war nicht das erste Mal, dass sie ein Date mit Ron hatte.
Verärgert über sich selbst schüttelte sie den Kopf und trat von ihrer Kommode zurück. Mit einem letzten Blick in den Spiegel verließ sie ihr Zimmer und schloss die Türe wieder sorgfältig hinter sich.

„Hermine…", erklang seine Stimme als sie vom Flur in das Wohnzimmer trat und ihre Augen entdeckten ihn am Fenster. Groß und stark trotz seines Rollstuhls und sie fragte sich nicht zum ersten Mal, wie er das tat.

„Fred.", sagte sie leise und dieses Mal glaubte sie, ihr Herz würde aus ihrer Brust springen wollen. Es war nicht angenehm, mehr irritierend und schmerzhaft. Und sie drückte ihrer Handtasche an ihre Brust, um ihr Herz zu befehlen dort zu bleiben, wo es hingehörte.

„Du siehst", begann Fred und musterte sie von oben bis unten, seine Augen schienen jeden Zentimeter von ihr einzunehmen und er schluckte einmal hart, bevor er weitersprach, „bezaubernd aus."

„Danke.", flüsterte sie und versuchte noch mehr zu sagen, doch ihr Herz erlaubte es nicht, nahm nun ihre Kehle ein und erstickte jegliche Worte, die ihr noch entkommen wollten.

„Was hast du vor?", fragte er leise, als er vorsichtig auf sie zurollte, seine Augen verließen nicht für einen Moment die ihren. „Hast du ein Date?", wollte er lächelnd wissen. Aber warum schien sein Lächeln so angespannt?

Sie nickte und strich sich fahrig eine Locke hinter das Ohr, die sich in ihr Gesicht verirrt hatte. „Ron müsste jeden Moment hier sein."
„Wo wollt ihr hin?", fragte er dann und wandte den Blick nun endlich von ihr ab.

Sie hob die Schulten. Nicht weil sie es ihm nicht sagen wollte, sondern weil sie selbst keine Ahnung hatte. Ron hatte ihr nicht allzu viel verraten und sie hoffte mit jeder Faser ihres Herzens, dass er sich dieses Mal etwas Mühe gegeben hatte, dass sie dieses Mal stolz darauf sein konnte einen Freund wie Ron zu haben. „Wirst… Wirst du klarkommen?", fragte sie besorgt und strecke ihre Hand aus, um sie ihm auf die Schulter zu legen, besann sich aber dann und ließ sie fallen. Sie hatte dieses bestimmte Gefühlt, tief in ihrem Bauch, dass er diese Berührung jetzt nicht wollte, dass sie genau jetzt falsch wäre.

„Natürlich.", gab er zurück und dann erschienen schon diese grünen Flammen im Kamin und kündigten Rons Anwesenheit an.

„Hermine.", sprach der besagte Rothaarige und kam mit einem Lächeln und ausgebreiteten Armen auf sie zu, bevor er sie an sich zog und ihr einen Kuss auf die Stirn drückte. „Du siehst fabelhaft aus."

Hermine sah ihn mit ihren großen, braunen Augen an, versuchte zu Lächeln und nickte ein Dankeschön. Sie spürte, dass ihre Stimme versagen würde, wenn sie versuchen würde Worte zu formen. Was war nur los? Stattdessen schien ihr Herz schwerer zu werden und sich in ihren Magen zu legen.

„Sollen wir?", fragte Ron und deutete auf den Kamin, ohne seinem Bruder auch nur eines Blickes zu würdigen und Hermine holte einmal tief Luft, bevor sie nickte und an Rons Seite an Fred vorbei ging. Sie überlegte ganz kurz nach seiner Hand zu greifen, von der sie wusste, dass sie warm und stark war, doch trat sie noch rechtzeitig auf ihre Bremse, um diesen Fehler – der definitiv einer gewesen wäre – nicht zu begehen. Bevor sie im Kamin allerdings verschwand, fanden ihre Augen noch einmal die blauen von Fred.

XxX

„Ron, wo sind wir?", hauchte Hermine als ihr Herz dieses Mal vor Schock aus ihrer Brust zu springen drohte. Das erste was sie sah, war ein riesiges Panorama Fenster, das die Sicht auf ganz London erlaubte. Als ihre Augen weiter schweiften, sah sie nichts außer weißen, mit teurem Porzellan eingedeckten Tischen und das Essen, was sie von den anderen Gästen sehen konnte, schien alles andere als günstig zu sein.

Erschrocken und überwältigt trat sie einige Schritte zurück und stieß in die feste Brust Rons, der seine starken Arme um ihre zierliche Gestalt legte und ihr einen leichten Kuss auf die Stelle drückte, wo ihr Hals in ihr Schlüsselbein überging.

„Das ist meine Entschuldigung und mein erster Versuch es besser zu machen.", flüsterten seine Lippen, die bei jeder Bewegung an ihrem Ohr vorbeistrichen, ihr eine wohlig kribbelnde Gänsehaut schenkten.

Sie schloss die Augen und legte ihren Kopf gegen seine Schulter. Das bisschen was von ihrem scharfsinnigen Verstand übrig blieb, erinnerte sie daran, dass man diese Art der Zuneigung wohl nicht an so einem teuren und extravaganten Ort zeigte, vernichtete Ron mit dem nächsten Kuss auf ihre Schulter.

Genau das war es. Genau das, was sie sich immer gewünscht hatte, was sie immer wollte. Und dabei sprach sie nicht von einem extravaganten Restaurant über den Dächern von London, sondern Ron, der sich ihr an diesem Abend komplett verschrieb und der ihr seine volle Aufmerksamkeit schenkte. Und jetzt war er nicht mehr der Junge, der seine Ratte versuchte gelb zu färben, sondern der Mann, der mit ihr durch die Hölle gegangen war, ihre Albträume genauso gut kannte, wie sie selbst und der sie immer beschützt hatte. Auf einmal war da Ron, der Mann, den sie hatte küssen wollen, bevor sie starb, ganz tief unten in der Kammer des Schreckens, und sie drehte sich in seinen Armen um, um ihm in die Augen sehen zu können und sie konnte nichts für ihr riesiges Lächeln als sie ihre Hände in seinen Nacken legte und sich auf die Zehenspitzen stellte, um ihn zu küssen. Und dieses Mal hüpfte ihr Herz vor Aufregung und Freude und der Stein in ihrem Magen löste sich auf und gab den tausenden Schmetterlingen ihren Platz.

„Ehem…", machte es hinter ihnen und Hermines Wangen färbten sich rot als sie erschrocken und gleichzeitig ertappt von Ron abließ und sich zu einem Mann in weiß und schwarz umdrehte. Er musste hier arbeiten, vermutete sie und sie senkte entschuldigend und beschämt den Kopf, überließ Ron diese peinliche Situation.

„Ron Weasley.", ertönte seine feste Stimme hinter ihr, er schien nicht ein klein wenig beschämt oder nervös. „Ich habe für zwanzig Uhr reserviert."

Mit einem letzten abschätzigen Blick auf Ron und Hermine deutete der Kellner, ihm zu folgen. Hermine mit immer noch gesenktem Kopf beeilte sich ihm zu folgen, während Ron mit einem leisen Lachen hinterher trottete.

„Ich weiß genau wer Sie sind, aber glauben Sie ja nicht, für Sie würden andere Regeln in diesem Establishment gelten.", gab der Kellner ihnen zu verstehen als sie am Tisch ankamen und er den Stuhl für Hermine zurückzog.

„Natürlich nicht.", sagte Hermine leise und nahm schnell Platz. „Sie müssen verstehen, dass wir nicht die Absicht hatten, so etwas anzudeuten."

Er sah Hermine kühl von oben herab an und ohne ein weiteres Wort zu sagen, verschwand er.

„Merkwürdiger Kerl.", bemerkte Ron und lockerte die Krawatte an seinem Hemd ein wenig. „Er tut ja gerade so, als hätte er noch nie gesehen wie ein Mann seine Freundin küsst."

„Das hat er bestimmt auch nicht. Zumindest nicht hier.", gab sie leise zurück und schnippte mit den Fingern um Rons – der immer noch dem Kellner hinterher sah – volle Aufmerksamkeit zu gewinnen. „Hör auf, ihm so hinterher zu sehen. Sonst kommt er zurück."
Daraufhin lachte Ron so laut, dass er sich auf die Zunge biss, um die Lautstärke zu verringern. „Bei Merlin, Hermine, du hast Bellatrix persönlich gegenübergestanden aber hast Angst, dass der Kellner zurückkommt?"

Hermine schnaubte und verschränkte verärgert die Arme. „Es tut mir leid, dass ich versuche hier nicht auf Ewigkeit Hausverbot zu bekommen."

Rons Lachen erstarb und er sah sie leise an, seine Augen immer noch groß und voller Glück leuchtend. Die Augen, in die sie sich vor so vielen Jahren verliebt hatte. Aber der Blick in ihnen war anders. Bewundernd und voller Liebe und aus irgendeinem Grund machte es sie nervös, brachte sie dazu ihren Blick zu senken und auf ihrem Stuhl hin und her zu rutschen. Rons Blick war heiß. Sie hatte das Gefühl, er würde sie am lebendigen Leib verbrennen und sie war auf einmal froh, dass sie ihre Haare hochgesteckt hatte.

„Was ist?", zischte sie und sah ihn wütend an. Das einzige, zu dem sie in diesem Moment im Stande war.

Er schüttelte lächelnd den Kopf und griff nach ihrer Hand. „Du befolgst schon wieder Regel, Hermine.", sagte er ihr dann allerdings doch. „Ich habe gedacht, Harry und ich hätten es dir endlich nach all den Jahren ausgetrieben."

Hermines Augen weiteten sich, dann biss sie sich auf die Lippe und verschränkte ihre Finger mit seinen. Das war ihr noch gar nicht aufgefallen. All die Monate – Jahre – hatte sie sich gefragt, ob sie jemals wieder sie selbst sein würde. Es schien, als würde sie schon damit beginnen. Dann hob Ron ihre Hand und küsste ihre Handfläche.

„Es gab eine Zeit", begann Hermine und beobachtete ihn dabei, wir er ihre Hände beobachtete, „da warst du der Meinung, dass es besonders nervig war."

„Das war, bevor ich all das an dir zu schätzen gelernt habe, Herm.", gestand er und Hermine zuckte bei diesem Namen schon wieder zusammen. So sehr wie sie Ron auch liebte, dieser Name schaffte es jede Romantik in ihr zum Erliegen zu bringen.

„Ob wir bestellen können?", wollte Hermine wissen und Ron schüttelte den Kopf. Fragend zog sie ihre Augenbrauen hoch und Ron ließ ihre Hand sinken.

„Ich habe schon für uns bestellt. Als ich den Tisch reserviert habe."

„Was?", sagte Hermine und zog ihre Hand auf ihren Schoß. Deswegen hatte Ron sie losgelassen, er wusste, ihr würde das nicht gefallen und er hatte Recht. Sie hasste es, wenn man für sie entschied, wenn man sie behandelte wie ein Kind und ihr keine eigene Meinung ließ. „Vielleicht hätte ich was anderes bestellt als du."

Er seufzte und schloss die Augen. „Hermine", begann er, in einem Ton als würde er mit einem Kind reden, dem er gerade zum dritten Mal versuchte zu erklären, dass es kein Eis vor dem Essen haben dürfte, „gib mir doch einfach mal eine Chance. Vielleicht habe ich dieses Mal auch alles richtig gemacht."

Hermine atmete stark aus und biss sich auf die Wange, um nicht noch etwas zu sagen, was den Abend vielleicht ruinieren konnte.

„Na gut.", sagte sie schließlich und sah aus dem großen Fenster und hinunter auf Londons Dächer und Straßen.

Sie fragte sich im Stillen, während sie Ron aus ihrem Augenwinkel beobachtete, wieso er in ihren Augen immer alles Falsch machte, selbst wenn er versuchte alles richtig zu machen. Wieso fuhr sie bei ihm so leicht aus ihrer Haut? Wieso vertraute sie ihm nicht so sehr, wie sie es sich ständig einredete? Wieso vermutete sie immer das Schlimmste bei Ron?

Und sie hasste sich in diesem Moment selbst dafür, dass sie mit ihrem Verhalten diesen wunderschönen Abend ruinierte. Er hatte sich wirklich die größte Mühe gegeben, hatte ihr gezeigt, dass er der Ron sein kann, den sie sich wünschte und doch war es ihr nicht genug. Und als sie ihren Blick komplett und offen zu ihm richtete sah sie, dass er sich in dieser Haut, die sie ihm irgendwie versuchte aufzuzwingen nicht wohl fühlte. Er zerrte und zog, schob und pickte an seinem teuren Anzug und sah in diesem Restaurant mehr als verloren aus.

Es dämmerte ihr, dass Ron – wenn er nur seinen Wünschen nachgekommen wäre – weit weg von hier wäre, aber er hatte ihre Bedürfnisse an erster Stelle gestellt, um ihr einen Abend zu bescheren, den sie sich so sehr mit ihm wünschte.

Dieses Mal war sie es, die zaghaft nach seiner Hand griff. Überrascht sah er zu ihr auf, seine braunen Augen so groß wie die eines Welpen, und dieses Mal war auch sie es die seine Hand küsste. Sie küsste jede einzelne Fingerkuppe an seiner linken Hand, ohne ihre Augen von seinen abzuwenden. Sie wollte ihm zeigen, dass sie es wirklich versuchen wollte, dass sie all das, was er für sie getan hatte, schätzte und dass es ihr Leid tat. Und als er lächelte und seine Hand aus ihrer befreite, um sie auf ihre Wange zu legen war sie zu Frieden.

Der restliche Abend verlief – in Hermines Augen – wunderschön und ohne jeglichen Zwischenfall. Sie hatte Ron die Chance gegeben und war mehr als überrascht gewesen, als das Essen gekommen war. Der ganze Tisch war gedeckt gewesen mit dem besten Essen, das man sich vorstellen konnte und ein Wein war ihnen auf Rons Wunsche gebracht worden, der das Essen nicht besser hätte unterstreichen können. Als sie ihn fragte, seit wann er solche Kenntnisse vom Wein hatte, waren seine Ohren rot geworden und er hatte was von Charlie in sein Glas gemurmelt. Sie hatte nur gelächelte und noch einen Schluck genommen. Ihre Gesprächsthemen handelten von allem und nichts, sie erklärte ihm, was sie mit McGonagall besprochen hatte und unterdrückte Tränen als sie ihm von Dumbledore und Snape berichtete und er berichtete ihr mit unterdrückter Freude, dass er ein Angebot von Shacklebolt bekommen hatte in der Abteilung für magische Strafverfolgung zu arbeiten. Er hätte zwar immer noch keine Chance Auror zu werden, würde aber zu den Ministeriellen Hexenwächter gehören.

Hermine hatte vor Freude die Hände zusammengeschlagen und hätte ihn am liebsten so sehr gedrückt bis er keine Luft mehr bekommen hätte. Endlich hatte er etwas zu tun.

Aber wo auch immer das Gespräch sie hinführte, Fred Weasley schien ein unausgesprochenes Tabu zu sein. Beide wussten, dass die Meinungsverschiedenheit über dieses Thema nur zu einem weiteren Streit führen würde, dem sie beide an diesem Abend aus dem Weg gehen wollten. Und doch wusste Hermine, dass etwas unter seiner Fassade brodelte als sie ihm von McGonagall erzählte und die Möglichkeit das Schloss zu verlassen, wann immer es ihr beliebte.

Aber neben dieser Kleinigkeit lachten sie auch viel und Hermine verstand endlich wieder, weshalb Ron einer ihrer besten Freunde war. Er verstand es, selbst in der schlimmsten Situation jemanden aufzuheitern.

XxX

Als sie an diesem Abend nach Hause kam, versuchte sie zumindest unbemerkt in ihr Zimmer zu schleichen, doch sie hatte nicht mit Fred gerechnet, der am Kamin saß, ein Buch in seinem Schoß aufgeschlagen und seelenruhig schlief.

Sie sah auf die Uhr. Mitternacht. Ob er auf sie gewartet hatte? Sie lächelte bei dieser Idee und zog sich leise ihre Pumps aus, legte ihre Jacke und Tasche auf die Seite und ging auf ihn zu. Vorsichtig nahm sie ihm das Buch vom Schoß und drehte es – so neugierig wie sie nun mal war – um. Mary Poppins. Ihre Augen weiteten sich als sie das Cover erkannte und sie fragte sich, wann er es wohl von ihrer Kommode stibitzt hatte, schüttelte aber dann lächelnd den Kopf. Leise legte sie das Buch auf den Tisch, nachdem sie die Seite markiert hatte, und legte ihm leicht eine Hand auf die Schulter als sie sich vor ihn kniete. Er sah so friedlich aus, wenn er schlief und so jung. Der Krieg und sein beinahe Tod hatten ihm scharfe Züge gegeben, Züge, die jemand in diesem Alter noch gar nicht tragen dürfte. Aber jetzt, wo er schlief, schienen sie komplett verschwunden. Jetzt war er nur noch Fred, wie er es schon vor dem Krieg gewesen war.

Ihre andere Hand wanderte in sein Haar und sie staunte nicht zum ersten Mal wie weich es war. „Fred…", flüsterte sie. „Fred, wach auf. Es ist schon spät."

Dann flackerten seine Lider kurz, bevor er seine Augen verschlafen öffnete und die plötzliche Vulnerabilität und das pure Vertrauen, dass in seinen Augen zu erkennen war, nahmen ihr für einen Moment den Atem. In den paar Sekunden, die er brauchte um wach zu werden, war sein Blick komplett ungeschützt. Und Hermine unterdrückte ein Keuchen als sie in Freds Augen sah und alles erkannte, was er sonst zu verstecken versuchte.

„Hermine…", raunte er heiser und ihr lief ein warmer Schauer den Rücken runter. „Wie spät ist es?", fragte er dann als er sich den Schlaf aus seinen Augen rieb.

„Kurz nach Mitternacht.", flüsterte sie. Aus irgendeinem Grund hatte sie Angst lauter zu reden.

Das schwache Feuer im Kamin spiegelte sich in Freds Augen als er sie ansah und dann nickte. „Ich muss eingeschlafen sein."

„Komm, ich bring dich in dein Zimmer.", flüsterte sie und schob langsam und vorsichtig seinen Rollstuhl zu seinem Zimmer. Neben seinem Bett hielt sie an und half ihm sich umzuziehen. Ganz am Anfang hatte sie ihm immer nur mit einem Zauber geholfen oder hatte sich umgedreht und gewartet bis Fred fertig war. Irgendwann aber hatte sie angefangen ihm einfach so zu helfen und mittlerweile taten sie es, wenn einer von ihnen es brauchte. Und Hermine hatte das Gefühl, als müsste sie es jetzt tun. Als würde sie sonst diesen Moment, den sie im Wohnzimmer erlebt hatte zerstören und sie wollte diesen Moment noch nicht vergessen.
Sie griff unter den Saum seines Pullis und zog ihn ihm vorsichtig über den Kopf, erlaubte sich einen Moment seinen Oberkörper zu bestaunen. Durchtrainiert und stark, seine Muskeln kontrahierten und entspannten sich mit jeder Bewegung die er tat, als er nach seinem Pyjama griff, um diesen anzuziehen.

Dann kniete sie sich vor ihm hin und wartete bis er seine Hose öffnete, bevor sie an den Beinen zog und sie ihm die Hose so auszog. Das Ganze, bemerkte sie, während sie Freds Blick hielt, hatte etwas verstörend Intimes. Sie hatte noch nie jemandem die Hose ausgezogen außer Fred. Nicht einmal Harry oder Ron und sie senkte den Blick, gab vor die Hose zu falten, um ihre plötzlich heißen Wangen zu verstecken. Dann griff sie zu seiner Pyjama Hose und fädelte sie über seine Füße und seine Beine hoch. Oben angekommen stützte er sich mit beiden Armen auf seinem Stuhl ab, um sich leicht aus dem Stuhl zu heben, damit Hermine ihm die Hose richtig anziehen konnte und immer noch wandte er seinen Blick nicht ab.

„So… Fertig…", flüsterte sie und lächelte ihn fast schon erleichtert an. Dann schlug sie seine Bettdecke nach hinten und mit einem Schwenker ihres Zauberstabs manövrierte sie ihn ins Bett. Als er zugedeckt war, schob sie seinen Stuhl vorsichtig auf Seite und legte seinen Zauberstab auf seinen Nachttisch. „Gute Nacht.", hauchte sie und strich sich noch schnell eine gelöste Strähne hinter das Ohr, bevor sie zur Türe eilte.

„Hermine!", rief er aber dann und sie blieb stehen, drehte sich zu ihm um, beobachtete, wie er sich mit seinen Händen abstützte um sich aufzusetzen und begegnete seinem Blick. Sie hatte keine Ahnung, was er wohl noch von ihr wollen könnte.

Er legte seinen Kopf schief, als er sie beobachtete, wie sie von einem Fuß auf den anderen hüpfte, weil sie auf einmal so nervös war, dann lächelte er und flüsterte ihr heiser ebenfalls eine Gute Nacht zu.

Obwohl sie das Gefühl hatte, als hätte er etwas anderes sagen wollen, nickte sie, trat auf den Flur hinaus und schloss die Tür hinter sich. Seufzend legte sie sich mit dem Rücken dagegen und griff sich an die Stirn. Was war nur los? Sie kam gerade von ihrem Date mit Ron, das wirklich großartig gewesen war, und dann hüpfte ihr Herz bei der Erinnerung an Freds Augen. Sie liebte Ron. Das tat sie. Zumindest glaubte sie das. Aber als sie auf die Tür zu Freds Zimmer zurücksah, wusste sie auch, dass da etwas zwischen Fred und ihr war. Sie wusste nur nicht was. In diesen Momenten wünschte sie sich mehr als jemals zuvor, dass sie ihre Mum und ihr Dad hätte. Ihre Mum würde ihr helfen können, ohne vorher schon eingenommen zu sein.

Sie strich ihre Tränen aus ihrem Gesicht als sie sich in ihr Bett legte und sich zum offenen Fenster drehte. Sie wusste, dass irgendwo da draußen ihre Eltern waren. Und vielleicht – und damit tröstete sich Hermine – sahen sie vielleicht auch gerade in den Himmel, nicht wissend aber vielleicht spürend, dass etwas fehlte. Das sie fehlte.