Jaaaaaa gut, ich hätte natürlich früher updaten können, berufe mich aber auf meine künstlerische Freiheit.


Von plötzlicher Sorge gepackt rannte Snape die letzten Stufen der endlos erscheinenden Treppe hinunter, nur um dann vor dem leblosen Körper Potters niederzuknien. Er lebte. Das stetige ruhige Heben und Senken seines Brustkorbes deutete darauf hin, dass Potter noch atmete… Noch. Er konnte nur ahnen, was dieser Grey ihm in sein Essen gemischt hatte. Etwaige Muggel-Drogen oder „Medizin", was wusste er wie diese Muggel es nannten. Nun gilt es Ruhe zu bewahren. Er hob den entkräfteten und reglosen Körper Pot- Harrys auf und trug ihn ins Wohnzimmer, wo schon ein ungeduldiger Mr. Grey auf seine Bezahlung wartete.

„Na endlich… Oh, ist er wieder bewusstlos? Der wacht wieder auf, höchstwahrscheinlich nur wieder eine späte Reaktion auf die Bestraf-… ähm, die harte Arbeit von gestern. Ein paar Tritte in die Magengegend sollten reichen, um Schneewittchen wieder aufzuwecken."

Snape musste ein falsches Lächeln abringen. Was glaubte dieser Mann eigentlich wer er war? Ihn anzulügen und dann auch noch einem wehrlosen Jungen, seinem Eigentum Schaden zufügen wollen. Snape legte den noch immer leblosen Potter auf die abgewetzte Couch.

„Wollen wir dann abrechnen?", fragte Snape mit einem strengen Gesichtsausdruck.

Grey schien sich zu besinnen und kramte weiter in einer Schublade nach den Papieren Potters herum. Nachdem sich bereits ein Haufen aus Müll um ihn gebildet hatte fand er sie (Merlin sei Dank!).

„Äh ja… H-Hier einmal unterschreiben und-" er glättete ein zerknülltes Papier und hielt es ihm hin. „hier auch noch und dann wäre es das e-eigentlich."

Mit einem nervösen Lächeln und zitternden Fingern hielt er ihm einen Kugelschreiber hin. Na großartig. Jetzt hatte er auch noch Potter als Sklaven.

Ihn umgab Wärme, eine wunderbare alles umfassende Wärme. Sowas hatte er schon lange nicht mehr gespürt und so erlaubte er sich hörbar auszuatmen. War er jetzt tot? War das der Himmel? Ja, offensichtlich. Nun konnte ihm sein neuer Herr nicht mehr wehtun, weil er den Bilderrahmen seines alten Herrn zerbrochen hatte. Hier war er sicher. Doch…Schmerzen hatte er immer noch. Sollte er nicht im Himmel von seiner irdischen Hülle befreit sein? Hätten die Schmerzen nicht damit verschwinden müssen? Oder musste er seine Fehler trotz seines Todes weiter bezahlen? Er spürte heiße Tränen seine Wangen hinunterlaufen. Und er hatte so gehofft, dass es hier vorbei sein würde. Seine Hände krallten sich unbewusst tiefer in die Decke und er begann zu fiebern. Er war so durstig und ihm war so heiß!

Plötzlich spürte er eine Hand die seinen erschöpften Körper leicht ins Sitzen zog und eine andere, die ein kaltes Glas an seine Lippen drückte mit dem sanft gesprochenen Befehl „Trink". Er konnte nicht sehen wer es war, aber es konnte nicht sein neuer Herr sein, da dieser sicher nicht so sanft mit ihm sprechen würde. Vielleicht war es einer der anderen Sklaven, doch es interessierte ihn nicht weiter, denn nun begann kühles Wasser in seinen trockenen Mund zu fließen.

„Nicht so hastig, du verschluckst dich noch."

Die Stimme klang auf der einen Seite streng, auf der anderen jedoch auch sanft und fürsorglich. Er trank langsamer, wollte er doch dem Mann keine Umstände machen. Wann würde ihn sein Herr wecken lassen? Oder musste er zu einer bestimmten Zeit aufstehen? Wann? Hatte sein Herr ihm irgendetwas gesagt… Seine Gedanken rasten, was seine Kopfschmerzen noch verschlimmerte. Er wusste, lange konnte er nicht mehr wach bleiben. War der andere Sklave noch da? Würde er etwas dafür verlangen? Alle hatten etwas für Nettigkeit gewollt…

„D-Danke", brachte er schwach heraus, hoffend, dass dies vorerst genügen würde.

Eine kühle dünne Hand streichelte ihm durchs Haar, signalisierte ihm damit die Gegenwart und das Verstehen des anderen. Er schmiegte sich daran, wollte die Kälte, die ihm so gut tat, noch ein paar Minuten länger spüren.

„Schlaf."

Mehr brauchte es nicht um Harry James Potter einschlafen zu lassen.

Snape saß noch eine Weile neben dem regungslosen Jungen. Was sollte er mit ihm anfangen? Dumbledores Goldjunge, James Potters Sohn in seiner Gewalt und er dachte ernsthaft darüber nach den Jungen zu verschonen. Hausarbeiten würde er vorerst machen müssen… und vielleicht würde er ihn sogar zu sich ins Bett rufen. Sein Körper war schön, wenn auch abgemagert und misshandelt. Er strich ihm eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht und betrachtete die berühmte Blitznarbe. Dieses Kind hatte zu viel ertragen müssen, viel zu viel. Er wollte nicht darüber nachdenken, sonst entwickelte er noch eine Schwachstelle für den Jungen. Oh nein, er würde diesem Jungen Strenge zeigen. Er war nicht sein Sohn, er war sein Diener. Die Papiere beweisen dies. Snape stand auf und ohne noch einen Blick auf den Jungen zu werfen, verließ er das spärlich eingerichtete Zimmer.

Kurz vor 6, so wie er es seit jeher von den Dursleys, jedoch ebenfalls von seinem letzten Herrn gewohnt war, stand Harry auf. War sein neuer Herr schon wach? Hastig zog er sich sein dreckiges Shirt an, welches sauber gefaltet auf einem Stuhl lag. Er erinnerte sich noch an schwarzen Stoff, an welchen er sich gestern aus Angst und Verzweiflung geklammert hatte, doch zuordnen konnte er diesen nicht. Schwindel überkam ihn, als er an gestern dachte. Was war passiert? Das Brechen von Glas, Schmerz, Angst und gezischte Worte, aber auch sanfte Hände und ein sorgenvolles Gesicht. Er hatte einen neuen Herrn, das allein war für ihn wichtig. So bewegte er sich langsam in Richtung der Tür und legte seine Hand auf den kalten Türgriff.

Sein alter Herr hatte von ihm verlangt das Frühstück vorzubereiten, sobald er wach war, doch hatte er keine Erlaubnis bekommen das Zimmer zu verlassen. Die Tür schien nicht abgeschlossen zu sein, doch meinte das auch, er dürfe sich im Haus frei bewegen? Auf gar keinen Fall wollte er dieses Privileg verlieren indem er schon am ersten Tag ungehorsam war. Doch war es nicht ebenfalls Ungehorsam, sollte er seine Pflichten nicht erfüllen? Alles war so anders, so neu. Langsam drückte er die Türklinke nach unten und erblickte einen leeren Gang. Egal, wie er sich entscheiden würde, es gäbe immer die Chance bestraft zu werden und so machte er sich, trotz aller Bedenken, auf, um die Küche zu suchen.

Nachdem er durch etliche Flure und an noch mehr Türen vorbei gegangen war, fand er die Küche, welche doch etwas klein geraten war im Vergleich zum Rest des Hauses. Er wollte keine Zeit verlieren, immerhin konnte sein Herr jede Sekunde die Küche betreten und sie in einem Chaos finden oder noch schlimmer: Aufstehen, ohne Frühstück am Bett. Diesen Fehler würde er nicht noch einmal machen. So begann er das Frühstück, Bacon, Eier, Toast, Marmelade, Tee sowie Kaffee, alles auf einem Tablett, um seinem Herrn dies ans Bett zu bringen. Es dauerte eine Weile, doch er fand das Zimmer seines neuen Herrn. Sein Herr schien sehr ordentlich zu sein. Verschiedenste Bücher standen geordnet in den Regalen, auch lagen keine Klamotten auf dem Boden, welche er hätte wegräumen können. Im Gegenteil, die schwarze Robe lag sauber zusammengefaltet auf einem nebenstehenden Stuhl. Moment…schwarzer Stoff… Gehörte etwa seinem Herrn die sanfte Stimme von letzter Nacht? Nein, unmöglich! Er konnte sich nicht beherrschen und so trat er näher heran, fühlte den Stoff um sich ganz sicher zu sein-

„Ich wusste nicht, dass Sie sich so für meine Roben interessieren, Potter."

Er erschrak, goss sich dabei fast die heißen Getränke über den Leib. Sein Herr hatte sich aufgesetzt, dieser missbilligende Blick lag erneut in seinen Augen, und erneut fragte sich Harry, ob dies wirklich derselbe Mann gewesen sein konnte, der gestern noch so sanft war.

„I-Ich habe E-Euer Frühstück, Herr."

Ängstlich trat er vor und senkte seinen Kopf. Sein Herr hatte allen Grund wütend auf ihn zu sein und ihn für seine Unaufmerksamkeit zu bestrafen, aber egal wie oft er diese Torturen zu spüren bekam, erträglicher wurden die Schmerzen nie. Gott, er wollte das nicht. Wäre er doch nur ein bisschen gehorsamer gewesen, dann hätte ihn Onkel Vernon vielleicht nicht verkauft. Doch jetzt war es zu spät. Jetzt gab es nur noch seinen Herrn und er fragte sich, ob dieser grausamer war als sein Vorgänger.

„Frühstück?"

Sein Herr klang verwundert, ganz so als wäre er es nicht gewohnt, bedient zu werden. Harry kam näher und stellte das Tablett auf dem Schoß seines neuen Herrn ab, bevor er sich neben das Bett kniete, um auf neue Befehle zu warten.

„Darf ich fragen was das soll, Potter?"


So, dann mal bis nächsts Jahr, ne?